Dummer 281 Wjchms
10 Pfennig' die Stummer
Freitag, den 20. November 1018 11. Iahrgttt ^»
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Kin^r< bürg an das Leer.
BcUin. 28. Nov. Hindenburg richtete folgenden Aufruf an das Feldheer: Soldaten, die Ahr mehr als vier Jahre lang treu in Feindesland ausgehalten habt, denkt daran, wie unendlich wichtig es für Heer und Heimat ist, daß sich die Rückführung der Armeen und die Entlassung ihrer Verbände in voller Ruhe und Ordnung vollziehen. Rur wenn jeder einzelne von Euch treu auf seinem Posten bleibt, bis die Stunde der Entlassung aus den Reihen des Heeres für ihn gekommen ist. wird es gelingen, die mannigfachen Reibungen zu überwinden, welche die Rückführung solch gewaltiger Heeresmassen mit sich bringen. Soldaten, d'.e Ahr jo oft in Zeiten des Kampfes selbstlos Euer eigenes Ach dem Wohke des Ganzen untergeordnet hobt, vergebt auch jetzt nicht, das; die Heimat in letzter Stunde von Euch Opfer fordert. Sie sind gering gegenüber alldem, was Ahr in den vier langen Aahcen des Krieges geleistet habt- Alles außer den Jahrgängen 1886—1569, die zunächst bei den Fahnen bleiben, soll so schnell wie möglich entlasten werden. Laßt Euch nicht verführen, vorzeitig und eigenmächtig Euren Truppenteil zu verlassen. Vergegenwärtigt Euch stets, zu welchen Schwierigkeiten bei der Unterbringung und Verpflegung sowie im Abtransport es kommen muß. wenn jeder einzelne von Euch regellos nach Haufe strebt. Tie Ordnung zusammenzuhalten. ist jetzt wick-tiger denn je. Rur so wird die g'atte Zurückführung des Feldheeres nach den östlich des Rheins zunäckst vorgesehenen Unterbringungsräumen möglich sein. Von dort ist die Leitung der Verbände mit der Eisenbahn oder durch Fußmarsch zum den Ersatztruppenteilen vorgesehen. Mit Rücksicht auf die große Anhäufung von Truppen und beschränkte Transportmöglichkeiten kann dies nur allmählich erfolgen Längere oder kürzere Wartezeiten bei oft beschränkter Unterkunft werden sich für manche Formationen nicht vermeiden lasten. Auch hier habt Geduld und Vertrauen. Es wird jeder von Euch fo frühzeitig zu seinem Ersatztruppenteil befördert werden, als die Umstände es gestatt« n. Keiner von Euch wird vergessen! Seid versichert. daß die Oberste Heeresleitung in Verbindung mit den Heimaistellen alles ausbietet um Tuch so bald als möglich Euren Angehörigen zuzufiihren. Toch eins tut not hierbei: Ruhe und Ordnung!
(gez.) von Hinvenburg.
Die Friedenskonf-. reux.
London, 27. Nov. (WB.) Reuter, Di« Friedenskonferenz kann früher zniaminentielen als angenommen wurde, da viele Vorbereitungen beendet sind. Tic englischen Friedensdelegierten und ihre Stabe werden zwischen 100 und 500 Mann stark sein. Unterkünfte für sie werden binnen vierzehn Tagen vorbereitet fein. Gelegentlich des Vefuchs Clemenceaus in London wird er sich mit Lloyd George über den Termin des Zusammentritts der. Friedenskonferenz besprechen.
Die Leiden von Ostafriha»
Berlin, 28. Nov. (WB.) Auf eine Anfrage der deutschen VaffenstillsLandstommifsion über die weitere Behandlung der deutschen Trrlpyen in Ostafrika. die gemäß Artikel 17 der Was^nstillftarrdsbedingungen das Schutzgebiet zu räumen haben, hat das englische Kriegsministerjuln geantwortet, daß. die deutschen Truppen in Stärke von 155 Europäern, 1165 Askaris und etwa 3000 sonstigen Farbigen, darunter 282 Häuptlingen die Waffen gestreckt hätten. Veranlassung hierzu sei die Mitteilung des feindlichen Oberbefehlshabers an General von Lettow-Vorbeck über den Abschluß des Waffenstillstandes in Europa gewesen. Die Truppen würden in Abercorn an dem Siidende des Tanganyika-Sees gesammelt. Den weiteren Abtransport veranlaßt sodann die englisch; Regierung. Ob der Seetransport auf deutschen Sänften erfolgen werde, sei noch nicht entschieden. Tie Namen der Europäer die bei Lettow-Vorbeck bis zuletzt aus- aehalten haben, wurden noch nicht bekannt. Ebenso ist die Frage der Postverbindung mit ihnen noch nicht geklärt. Veröffentlichungen hierüber werden baldmöglichst erfolgen. — Die deutsche Waskenstillstandskommission: Der Vorsitzende: Staatssekretär Erzberger.
FronröftscherAnfrufau das Elsaß.
Span, 21 Rco. Heute ist General Rudant folgende Rote Erreicht worden: P a r i s. 25. Nev. Au alle! Aufruf an Las L l sa ß ! Was für Wunder habt Ahr Straßburger und Elsäster vollbracht, indem Ahr trotz aller Bedrückungen, trotz des verhaßten Joches Eure treue, heilige Liebe zum Vaterland bewahrt habt! Tie Geschichte kennt zweifellos kein zweites Beispiel einer so bewunderungswürdigen Treue. Ahr Soldaten habt heldenmütig in den längsten Schlachten, die es jemals gab, gekämpft. Ahr leid ruhmbedeckt daraus hsrvorgegangcn. Die furchtbare Schranke ist gefallen, der Adler der Grenzpfähle nle-
dergeworfen. Wie einst kommt Frankreich zu Euch, Straßburger. wie eine Mittler zu ihrem lieben Kinde, das es verloren und wiedergesunden hat- Es wird nicht nur Eure Gewohnheiten. Eure lokalen U ober lieferun gen. Euren religiösen Glaub.'», Eure wirtschaftlichen Notwendigkeiten achten, sondern auch Eure Wunden verbinden und in diesen schweren Tagen Eure Ernährung ficherstellen,An dieser feierlichen herrlichen Stunde, die den Triumph des Rechtes, der Gerechtigkeit und Freiheit über die brutale Gewalt bringt, wollen wir uns. Ahr Herreisen Elsässer und befreienden Soldaten, in der gleiche^ Liebe vereinigen. Es lebe Frankreich! Es lebe die Armee! Es lebe die Republik!
Die Frarnolen in dce ftfafi.
Lvdwigshafen, 27 Nov. Tas Oberkommando der Truppen in der Pfalz teilt '«nit: Rach eurer Meldung der pfälzischen Bezirksämter räumen die Ententetruppen die Ortsä^i'ten an der Südarenze der Pr'alz, welche sie entgegen dem Wortlaut der Wassenstittstandsbedingungen vorzeitig besetzt haben. Anscheinend erfolgt die Räumung aus Grund des Einspruches der Maft senstillstandskommission.
Durchmarsch durch Köln bisher ruhig vollzogen Hot, mehren sich seit beute morgen die Provokationen. Offiziere vom hiesigen Infanterie-Regiment Rr. 65 hielten vor dem Gebäude des Arbeiter- nnd Soldatenrates aufhetzende Ansprachen an das Publikum und versuchten, gegen ein Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates täll.ch zu werden. Tas Infanterie-Regiment Nr 28 ließ beim Passieren des Tomes dre Kaiserhvmne spielen An die Manusckpaften wurden Fähnchen mit Bildern des Kaisers und des Kronprinzenpaares verteilt. Tie Erregung in einem Teil der Arbeiterschaft drängt zu gewaftsam?? Lösung. Es wird vom A.- und S.-Rat versichert, daß ihm die gesamte immob le Besatzung mit hinreichenden Maschinengewehren und Munition zur Verfügurug stehe. Bisher ist es dem mäßigenden Einfluß des Arbeiter- und Soldajenrotes gelungen. Blutvergießen zu verhüten Wenn nicht sofort durch Anweisung der Obersten Heeresleitung an die durchmarschierenden Truppenkörper jeder Versuch zur Provokation nachdrücklichst vermieden wird, besieht di? Gefahr. das gewalttätige Elemente ein^reifen und durch ausbrechende Kämpfe den Durchmarsch verhindern und Tausende in Gefangenschaft geraten. Erbitten Verhaltungsanweisung."
bie ßnHilfmiim (füflMotljriaflrii?.
Wie sehr die französische Regierung sich darauf einrichtet. ' Ne Verwaltung Elsaß-Lothringens endgültig in die Hand zu ' nehmen, beweist die Tatsache, daß sie bereits drei Präfekjen an ' die Spitze der drei Verwaltungsbezirke gestellt hat. Dieser Akt bat bei der Bevölkerung keinerlei Widerspruch hervorgerusen. Die seit mehr als 25 Jahren immer wieder erhobene Forderung: Elsaß-Lothringen den Ersatz-Lothringern! rst außer Kraft gesetzt. Das wird der Pariser Regierung erst recht Mut machen, ihre Eallisierungsbestrebungen zu verwirklichen. Ter frllh.re protestantische Pastor Abg. Georg Wolf, der noch während des Krieges in Zeitungsartikeln zu beweisen suchte, daß Elsaß-Lothringen völlig eingedeutscht werden müsse, war nach der „Köln. Volksztg." der erste, der im Rntwnalrat forderte, daß die Umbildung ves staatlichen Lebens in Elsaß Lothringen aus dem deutschen in den französischen Staatsverband durchgsführt werde: er war auch der erste, der verlangte, daß die französischen Zeitungen wieder nach Elsaß-Lothringen kämen. Inzwischen hat ein Redakteur des ..Matin" in Metz öffentlich verkündet, daß die Pariser Presse unverzüglich mittels Auto ins Land geschafft werde. Bei solchem Wettbewerb wird die einheimische deutsche Presse einen schweren Stand haben. An Straßburg hat die
„Straßburger Post", in Metz Huben die „Metzer Zeitung", die .Lothringer Zeitung" und die deutschfreundliche „Gazette de Lorraine" ihr Erscheinen bereits eingestellt. Die „Lothringer Volksstimme", die hauptsächlich für den deutschsprachigen Teil Lothringens bestimmt ist. hat ihren bisherigen deutschfreundlichen Kurs geändert und sich unter den. Tiftl „Lothringer Volkszeitung" den neuen Verhältnissen angepaßt. Ta sie so wenig zu widerstreben vermag, wird sie bald auch nicht mehr viel stützen können, und die sensationelle Pariser Bouirvard- prcsse wird in Elsaß-Lothringen rasch den Markt nnd die Geister beherrschen.
Die Frsnttrnppen gegen Kerlin.
Berlin, 27. Ncv. Tic in Berlin versammelten Delegierten der gro^n Soldaienräte der 8. und 10. Armee, der Etappe Bug, des Militärgouvernements Litauen, des 9. Reservekorps, sämtlich aus dem Osten, tn Vertretung von 360 000 Kameraden, legten am 2o. November dem hiesigen Vollzugsrat folgende Resolution vor:
Die einseitige Zusammensetzung des Berliner Vollzugs- raics bietet uns Vertretern der Ostfront keine Gewähr, daß die Imeresscn der Gesamtheit richtig vertreten werden. Wir fordern deshalb 1. den unverzüglichen Zufamn-entritt des Reichs- kongieffcs der A.- und S.-Räte und 2. die sofortige Zulassung der von oct geschlossenen Armeegruppe Ost-Westfront zu entsen- denocn Delegierten zur Entscheidung aller für das neue Deutschland grundsätzlichen uiid militärischen Fragen. An der Richt- er'üllnng dieser Forderungen erblicken wir die schwerste Gefährdung der deutschen Reichseinheit. Wir erklären noch ausdrücklich. daß die Ostarmee gcschlosscn hinter der jetzigen Negierung steht
Am Verfolg dieser Erklärung blieben vier Delegierte der Ostfront ln Berlin zurück, um beim Auswärtigen Amt. beim Kriegsministenum und beim Dollzugorat die Interessen der im Ostcn auf Heimkehr harrenden Kameraden zu vertreten.
Die Vorgänge in Köln.
Köln. 27. Ncv. Das Nachrlchtenbureau des Arbeiter- und Sctdatenratcs teilt Mit: Der Sicherungskomw.isfar bei der
Reichsrcgierung gab folgendes Telegramm auf:
Kriegsmimsterium, Eisenbahnabtellung, Major O e h l e r, Berlin.
Bitte folgendes sofort zur Kenntnis des Unterstaatsfekre- tärs und ReichsleltunZ zu dringen: ..Während sich der
Zusammenstöße in DWeldorf.
Düsseldorf, 28. Nov. Wie die „Düsseldorfer Zeitung" meldet, kam es gestern zu einem Zusammenstoß zwischen Angehörigen des einrückenden Reserve-Infanterie-Regiments Rr 39 und den Verteilern von Flugzetteln des Arbeiter- und Soldatenrates an die Soldaten, wobei ein Mann schwer verletzt wurde. Auf dem Kasernenhos erfolgte ein zweiter Zusammenstoß, als ein Offizier forderte, daß einige Mitglieder des Freiwilligen Regimentes die Waffen niederlegten. Bei den bedauerlichen Vorfällen wurde niemand gelötet. Zwei Vertreter des Arbeiter- und Soldatenrates verhundeben später mit dem Divisionskommandeur. welcher erklärte, daß der Zusammenstoß ohne seine Einwilligung erfolgt sei. Vor dem Rathause wurden im Laufe des Nachmittags starke Sicherheitsposten zusammengezogen. Plötzlich siel ein Schutz. Run begannen die Posten vom Freiwilligen Regiment vor dem Rathause zu feuern. Es wurden Maschinengewehre im und am Ratbause ausgestellt. Tie Schüsse wurden jedenfalls alle in die Luft abgegeben, denn es wurde niemand verletzt. Als das Schießen begann, tagte gerade die städtische Finanzkommission, deren Beratungen auch der Ober- bingorwerster beiwohnte. Er verließ sosor^ die Sitzung und fuhr mr: Zwei Vertretern des Arbeiter- nnd Soldatenrotes zum Kommandeur der 39er, mrt dem Verhandlungen ausgenommen wurden. Leber oen Verlauf der Verhandlungen sind Einzelheiten noch n'cht bekannt.
Unr unter Vorbehalt.
London, 26. Nov. (WB) Reuter. In einer Rede in Manchester sagte der Lebensmittelkontrolleur Clynes: Es herrschen noch immer einige Mißverständnisse über das. was die Ernährung der Deutschen genannt wird. Lnsere erste Pflicht gilt, unserem eigenen Volke und unseren Alliierten, unsere nächste den Neutralen, und dann müssen wir uns vergewissern, wie die wahre Lage in Deutschland und Oesterreich ist. uno selbst dann dürfen wir ihnen keine Lebensmittel geben, wenn sich nicht heransstellt, daß cs sowohl Humanitär notwendig wtv gute Politik ist.
„Alle sollen rrrhlen . .
London, 26 Nov. (WB.) Reuter. Im Laufe einer Rede in Dundee erklärte Churchill in Beantwortung der Frage über die Friedensbedingungen: Mir sind völlig ungebunden hin
sichtlich der Freiheit der Meere. Die deutsche Nation als Ganzes war an diesern Angriffskrieg schuldig. Sie haben alle dafür zu zahlen. Jeder einzelne Deutsche der bestimmker Brüche des Kriegsrechtes zu Lande oder zur See überführt werden kann, oder der nachweislich Gefangene grausam behandelte, sollte vor Gericht gestellt und wie ein Verbrecher bestraft werden, wie hoch gestellt er auch sei. Die juristischen Berater der Krone sind beschäftigt, diese Frage zu prüfen, damit wir imstande sind., unsere Anklagen gegen die Schuldigen vorzubereiten.
sittlnürahlkn drr rnzliichrn hlsttr.
London. 26. Nov. (WB.) Reuter. Die Admiralität ver- öffentlicht folgende Mitteilung über die Gesamtzahl der Verluste seit Ausbruch des Krieges bis zum 11. November 1918 an Offizieren und Mannschaften der Flotte (einschließlich des Marine-Luftdienstes bis zum 31. Dezember 1917, als die königl. Marineiruppe, aber ausschließlich der königl. Ceedivision. deren Verlustziffern bereits in den vom Kriegsamt veröffentlichlen Ziffern enthalten sind):
7. Offiziere: 1. tot einschließlich an Wunden oder aus anderen Ursachen Gestorbenen 2176; 2. verwundet 805; 3. vermiß- 15: . interniert und gefangen 282, insgesamt 3508.
77. Mannschaften: 1. tot elnschU.'ßlich der an ihren Wunden oder anderen Ursachen Gestorbenen 30 895: 2. verwundet-


