Numme r 265 Eiii;clpreis L LL ' Montag. den II. November ltfia _ lf. Ja tzrgan o ,.
Die lltxit ^aaro?eitung" exjdjemt irden Werltag. 'Jiepelmafeiße Beilagen „üer Dauer ans Helfen", ..^ie SpmrMube". Ssrugsprsia: Bei den Postanstalten vierkelfährlich Mk. 2.7o bttiAU tritt noch das Bestellgeld' bei den Aoenten mona'lich 1.00 Mk. einschließlich Trägerlohn. An?eigen: Gruntneile 2b Psg., lokale 20 Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme
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Aufruf!
Nu!se tK die erlle AiirgerzMchi!
Fast über Nacht ist überall in deutschen Landen die Gewalt von den alten Inhabern auf die Arbeiter- und Soldatenräte, mit anderen Worten auf die sozialdemokratischen Parteien beider Nichtungen Übergebungen. Nirgends haben die Träger der militärischen und zivilen Autorität einen ernstlichen Widerstand auch nur versucht und wohl niemals ist eine größere und umfassendere Staats umurä-zu ng mit wenigerem Blutvcrgicßcn erfolgt wie dieses Mal. Soweit die Nachrichten vorliegen, haben übereinstimmend die neuen Träger der Gewalt, ,m Süden und im Norden, im Westn und im Osten er-, klärt, daß sie sür Ruhe und Ordnung einstehen und Plündern und Straßenraub unter Umständen sogar mit dem Tode bc-i strafen würden. Sie haben weiter versvrolben. für die Freiheit und soziale Gleichberechtigung sämtlicher S 1 a a t § a n, gehöriger zu sorgen.
Der neue Reichskanzler hat in seinem Ausruf gesagt, es sei ihm bewußt. daß es vielen schwer werde, mit den neuen, Männern zu arbeiten. Aber er appelliert an ihre Liebe zu unserem Volke. Sorgen wir, doch dieser Avpell nicht vergebens verhallt! Bis jetzt gehen Handel und Wandel ungestört ihren Gang, die Behörden und Beamten leisten wie bisher ihren Dienst. Post und Eisenbahn bewältigen nach wie vor ihre ungeheuren Ausgaben und so muh es auch sür unsere Landwirt- schast eine Ehrensache sein, ihre Schuldigkeit ln dieser schwer-, jicct S unde. die das Vaterland erlebt hat. nach jeder Hinsicht ZN tun. Denkt an die Allgemeinheit und gebt unter keinen Umständen mehr etwas im Schleichhandel ab.
Der Feind klopft an unseren Toren. Hart nud unerbittlich sind seine Bedingungen. Vac victis! hrt einst der übermütige Vrennus. der Führer denr siegreichen Gallier, den Römern zugervsen und «Wehe den Besiegten!" b«llt es unerbittlich von dem Mundo der siegesberauschten Füller unserer Feinde. Können wir es mit unserem Gewissen vereinigen, in eidfer ernsten Stunde die Schwierigkeiten vermehren zu helfen, oder gar einen Bürgerkrieg angesichts des dreuevden Feindes besinnen zu wollen? Nein und tausendmal nein! Die Herrschaft ist denen entglitten, die uns jahrhundertelang geführt haben, neue Zeiten und neue Männer sind gekommen. Mögen sie nun zeigen, was sie können und ob sie imstande sind, unser liegendes Vaterland wieder anszvrichten und besseren Zette« erregen.»«führen. Jedenfalls soll es dereinst nicht heißen, daß dieses Ziel daran gescheitert wäre, weil die deutschen Bauern versagt hätten. Die Wahlen zur deutschen Nationalversammlung, die feierlich zugesagt sind- werden d'e Entscheidung bringen, ob die bürgerlichen Parteien oder die Sr-zisldemokr-sten die Zügel der Regierung für die Zukunft in die Hsvd nehme« sollen. Vertagen wir alle« Streit, bis diese Entscheidung gefallen ist.
Die neuen Männer lind, das gebe» wt? offen zu, nur hüftßnbe, ihrem Versprechen für u'ud Ordnung zu sor
gen, nackznkommen, wenn in erster Linie für die Ernähr«us des Bockes in ausreichender 2Leife Sorge getragen wird. Der neue Reichskanzler hat mit seinen Worten ganz recht: „N-rtz-
rnngsmittelnot bedeutet Plünderung und Raub mit Elend sür olle!" Und in einem Aufruf des „Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrats" in Bayern, der auck von dem bck«ernbü«dlrrisLeu Abgeordneten Gandorser unterzeichnet ist. heißt es: Wir for
dern Euch auf, die neue Regicrrmg sofort durch rege Lebcus- mitteSieferuns in die Städte zu unterstützen, denn nur dadurch find diese in der Lage, die Messen zu beherrschen und Hus^rr- kraw«lle mit ihren unausbleiblichen ««lelitzeu ^sitzen auch Nie das flache L»vd bintanzuhalteu. Nicht zerstör» wollen wir, feuern aifibauSn, und wir wollen allen VolkSTeuosse«
obue ll«i»^chied des Standes eine sickere E;iste»z schosse», eine «V»Ä 2 LZ. die es jedem möglich macht, ein vrenf.hcnwiicdiüss D«^s<n zu sichren.
S^i»r«4«u wir v«s Wörter, *tt ut* Mir auf
feine Meise mit. »«ser B«i**land v«r de« »ch»o»?Keu -u behüten. Darum liefert restlao E«re Erre»a«ill' an die znstävd^Len amtlichen Mellen ab! Die Not der St«ade k-rd«-t vor eüev Di»gcn Ruhe und Ordnu»G. ahne die siLd wir völlig wehelvs. einem erbarmun^Klasen Slei«d
Karl Vveideubach-Darsteim,
Vors, des Landa^r-ckAvktskanlmeraussäMffes für Obrrhrffen.
?Id. Henßrl-Dortelweil,
Vorstandsmitglied der Hess. La ndamrBchai Koriin«.
Dr. Gg. o. Hel«slt-Rird<»»äW«dt.
Wo.httreisvors. des Bundes der üaudo'rrte.
Otto Hirfchel-Friebdrrg,
Geschäftsführer der Vereiuigten Lrndwirtc von ßxaitfpNd a. M und Umgegeick.
Jul. Philippl-Friedbcrg,
Direktor der landw. Zentralgenoffenschaft für Oberheffen.
Heinrich Schudt-Görbelheimer Mühle,
Geschäsisf. der Mehlverforgung für den Aommunalvelbaiid
In Friedberg.
An die ländliche Bevölkerung!
In Berlin ist seit gestern eine neue Regierung am Ruder. In allen Städten Deutschlands sind Arbeiter- und Sokdaten- xötc an der Gewalt und unterstützen die neue Negierung, um unser Vaterland einer besseren und freieren Zukunft entgegen- zusühien.
Der soziale Grundsatz der neuen Ordnung ist: Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert. Die erwerbstätige Bevölkerung des flachen Landes hat darum von der neuen Ordnung der Dinge nichts zu befürchten. Sicherheit des Lebens und Eigentums wird durch die Arbeiter- und Soldatenräte gewährleistet
Die ländliche Bevölkerung hat aber zu befürchten, wenn die Lebensmittelversorgung der großen Städte ins Stocken gerät. Dann verliert die neue Ordnung die Gewalt über die hungernden Massen. Die Anarchie bricht aus. Magazine und Läden, die geplündert werden könnten, sind leer. Dann wird sich ereignen, was keiner von uns wünschen k-xnn. Von Hunger getriebene, verzweifelte und zu allem entschlossene Haufen werden sich mit Gewehren und Maschinengewehren bewaffnet auf das flache Land ergießen, um sich hier mit Gemalt anzueignen was sie brauchen, um nicht Hungers zu sterben. Dann sind schlimmste Missetaten unvermeidlich. Mord und Brand an der Tagesordnung. Unbeschreibliches Elend bricht über Euch herein.
Bauern! Wellt Ihr Euch und Eure Frauen und Kinder, wollt Ihr Eure Dörfer und Güter v-r furchtbarem Schicksal beivahrcn, so unterstützt bereitwilligst alle Anordnungen und Bestimmungen der Arbeiter- und Soldatenräte und sorgt im Einvernehmen mit Euren bisherigen Behörden, den Landratsäm- tern, dafür, daß die Lebensmittelzufubr für die Städte nicht nur ebenso unbehindert vonstattcn geht wie bisher, sondern noch reichlicher fließt.
Bauern' Was Ihr in diesem Sinne tut, tut Ihr für Euch!
Frankfurt a. M, 10. November 1918.
Für den Exekutiv-Ausschutz: Eroger. Hüttmann.
Berlin, 10. Nov. Das Wölfische Bnreau verbreitet folgenden „Auszug aus den Waficnsttllstandsbedingungen":
1. Inkrafttreten sechs Stunden nach Unterzeichnung.
2. Sofortige Räumung Belgiens, Frankreichs und Elsaß- Lothringens binnen 14 Tagen; was von Truppen nach dieser Zeit übrig bleibt, wird interniert oder kricgsgefangen.
3. Abzugeben 6000 Kanonen, zunächst schwere. 30 000 Maschinengewehre, 3000 Minenweifer, 2000 Flugzeuge.
4. Näuniung des linken Rheinufers, Mainz. Koblenz und Köln, besetzt vom Feinde auf Radius 30 Km. Tiefe.
5. Auf dem rechten Nheinufer 30—40 Km. Tiefe neutrale Zone. Räumung in 14 Tagen.
6. Aus linfem Nheinufergebiet nichts hinwegführen, alle Fabriken, Eisenbahnen usw intakt gelassen,
7. 6000 Lokomotiven, 150 000 Waggons, 10 000 Kraftwagen abzugeben,
8. Uitterhalt der feindlichen Desatzungstruppen durch Deutschland.
9. im Osten alle Truppen hinter Grenze zurücknehmen, Termin dafür nicht angegeben,
10. Verzicht auf Verträge von Vrest-Litomsk und Bukarest.
11. bedingungslose Kapitulation von Ostattika,
12. Rückgabe des Standes der Belgischen Bank, des ruf sischerr und runlänischen Goldes,
.13. Rückgabe der Kriegsiafangenen ohne Gegenseitigkeit,
14. Abgabe von 100 U-Vooten, acht leichten Kreuzern, sechs Dieadnoughts, die übrigen Schiffe desarmiert und überwacht von Alliierten in neutralen oder alliierten Häfen,
16. Sicherheit der freien Durchfahrt durch das Kattegat. Lvegräumung der Minelfielder uud Besetzung aller Forts und Batterien, von denen aus diese Durchfahrt gehindert werden könnte.
10. Blockade bleibt bestehen, deutsche Schisse dürfen weltex gekapert werden,
17. alle von Deutschlcküd für Neutrale verhängten Beschränkungen der Schiffahrt werden aufgehoben,
18. Wafienftillstand dauert 30 Tage.
Annahme dcr Waffknstjgßandgii^iHüüßki!?
Berlin, ii. Nov. Gestern morgen fand eine Besprechung der Staatssekretäre statt. Nach Detavntgabe der Bedi»lgungen des Waffenstillstandes wurden die Bedingungen angenommen. Entsprechende Weisungen sind der Friederwdelegation gegeben morden. Gleichzeitig ist Präsident Wilson durch Fi«»kspruch ersucht worden, auf eine Milderung der vernichtenden Beding ungen bei den Alliierten hinzuwirken, da sie die Ernährungsfrage zu einer verzweifelten gestalten und den Hungertod von Millionen von Frauen und Kindern dedeuten.
| Der deutsche Generalstav |J
W. T. Trotzes gttzrpLqurrrUer, de»
9. Dovembrr Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz
Der auf dem Westufer der Schelde gelegene Teil von Tour- nai wurde von uns geräumt und vom Engländer besetzt. Zwischen der Schelde und Oise und westlich der Maas haben wir unsere Linien planniäßig znrückverlegt. An einzelnen Stellen haben sich hierbei Rachyutkämpfe entwickelt. Der Feind hat in diesen Abschnitten die Linie Peruwelz — westlich von St. Eis- lain — westlich von Maubeuge — östlich und südöstlich von Avesnes erreicht und ist westlich von Sedan bis in Linie Liark- 'Warby und an die Maas westlich von Sedan gefolgt. Auf den östlichen Maashöhen fanden Teilkämpfe statt.
Der Erste Eeneralquar.ienneisier: G r ö n e r.
Abendbericht.
Berlin. 9. Rov., abends. (WB Amtlich.) An der Westfront ruhiger Tag.
W. Al. Grolles HouptrpraeUer. den
10 . November Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz.
' Zwischen der Sä)elde und der Maas ist der Feind gestern unfern Beivegungen über Bonsec—Leuze—St. Ghislein - Mau- peuge—Trelon und über die Sormonne westlich von Charle- ville gefolgt. Auf den östlichen Maashöhen und in der Ebene Woevre wurden mehrfache Vorstöße der Amerikaner abgewicfen.
Der Erste EeneralguartiermerftLr: Ersner
Abenddericht.
Berlin. 10. Nov., abends. (WB.) Von der Westfront nichts Neues.
^cr (SüükwMi dcuWr feprs in Tirsl.
Wien. 9. Nov. (WB.) Das österreichfich-umrarische Ministerium des Aeußern beauftragte den österreichisch-ungarischen Botschafter in Berlin, mit Rücksicht aus den zwischen Oesier- reich-Ungarn uird den gegnerischen Mächten abgeschlossenen Waffenstillstairdsverirag bei der deutschen Reg.ierung gegen den Einmarsch deutscher Truppen in Tirol und Salzburg Protest" zu erheben. Die österreichisch-ungarischen Gesandtschaften im neutralen Auslande sind angewiesen, den Negierungen der neutralen Staaten von diesem Protest mit dem Ersuchen Kenntnis zu geben, hiervon auch den Negierungen der mit uns im Kriege befindlichen Staaten Mitteilung zu machen.
Thi'SWtlMi Äks Kllütl's Ni! des
KronpriVtn!
Berlin, 9. Nov. (WB. Amtlich.) Der Kaiser und König hat sich eutschloffen, dem Thron zu entsagen. Der Reichskanzler bleibt noch so lange im Amte, bis die mit der Abdankung des Kaisers, dem Thrmwerzicht des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen unter Einsetzung der Regentschaft verbundenen Fragen geregelt find. Er beo-bsich- tigt, dem Regenten die Ernennung des Abg. E b e r t zum Reichskanzler und die Vorlage eines Gei-Ttzentwurfs wegen der sofortigen Ausschreibung allgemeiner Wahlen für eine verfaffungsgebende deutsche Nationalversammlung vorzuschlagen, der es obliegen würde, die künftige Staatsform des deutschen Volkes eiitzchliesilich der Bolksteile, die ihren Eintritt in die Neichsgreuzen wünschen sollten, endgültg festzuftellen.
Berlin, 9. Novencher 1618.
Der Reichskanzler Max, Prinz von Baden.
Der Kaiser in Holland.
Berlin. 10. Nov. Der Kaiser ist mit zehn Herren Gefolge in Arnheim (Holland) eingetrofien und wird dvit in der Billa des Barons Heutink Wohnung nehmen.
Sieg der Devolution in Derlin.
Berlin. 9. Rov. (WB. Amtlich.) Hier hat die Revotutzion einen glänzenden, fast urckklttgen Sie- emo*™. Der am Morgen ausgebrecheire Gemeratztreik führte -u der Stillegung sämtlicher Betriebe. Um die 10. Diorgenstunde ßi^g das Siaum- burger Iäger^gnnent zum Botte über und schickte eine Delegation zum Arbeiter- und Eoidatenrat. Weitere Truppenteile schlossen sich in rascher Folge an. Datz Alexanderregiment ging nach einer Ansprache des Reichstagsadg. Wels geschloffen zum Nott über. Nur in der Chauffeeftraße kam es vor der dortiae«


