den Kriegsgefangenenlagern abgeleiteten Transporte. Dies Ycu auf den Bahnhöfen große Ansammlungen von Mannschaftstrupps zur Folge, wao heute auf dem Rordbahnhvfe zu einem bedauerlichen Zwischenfall führte, lieber ihn meldet die Korrespondenz Wilhelm:
Wie bekannt, werden russische Kriegsgefangene zur Ri ckbe- j Förderung in ihre Heimat an die Grenze des tfchecho-slowa- z kucken Staates gebracht. Der Ncrdbahnhof ist tagsüber von ° Russen umlagert. Heute gegen 12 Uhr mittags wurde ein Trupp von etwa 100V russischen Kriegsgefangenen zum Nordbahnhof eskortiert. Eine Sicherheitswache begleitete die Russen, und sie gingen ganz ruhig und in Ordnung zum Bahnhof. Als die beiden Absperrposten eines Schiitzenregiments die Russen heran- zichsn sahen bemerkten sie nicht, daß die Kriegsgefangenen eskortiert waren, und glaubten, daß sie auch eine solche Horde vor sich hätten, die, wie anderwärts, vielleicht einen Ueberfall auf den Bahnhof plante. Angesichts der erdrückenden Uebermacht gaben die beiden Posten Alarmschüsse in die Luft ab. Die militärische Bahnhofswachc. die die Schüsse hörte, glaubte nun daß cs sich um einen Ueberfall meuternder Russen handele und gab einige Schüsse gegen die Kriegsgefangenen ab Man hörte alsbald Hilferufe und erst fetzt klärte sich der beklagenswerte Irrtum auf. Vom Vabnhof kam alsbald Hilfe. Die verwundeten Russen wurden verbunden uird ins 2jgornohöspital gebracht. Fünf Russen erlitten schwere Schußwunden. Zwei Russen wurden getötet. Ein Gerücht besagt, daß vier Russen ums Leben gekommen sind Eine strenge Untersuchung des Tatbestandes wurde eingeleitet. Unter den anderen Kriegsgefangenen verursachte der Vorfall große Aufregung. Doch gelang es bald, die erregten Gemüter zu beschwichtigen.
Gre piflinung sui die rnMe Dst-chlljt.
Von amtlicher Seite wird erklärt'
„Die deutsche Presse hat sich in den letzten Tagen in auffäl- Nger Weife mit der hiesigen russischen Vertretung beschäftigt und sie als ein gefährliches Zentrum bolschewistischer Agitation in Deutschland hingestellt, dessen man sich baldigst entledigen müsse. Es ist ausgeftihrt worden, daß die Demonstrationen der „Unabhängigen" sich das Gebäude der russischen Vertretung Unter den Linden zum Ziel nahmen, daß eine außergewöhnlich hohe Zahl von russischen Kurieren nach Deutschland einreise, daß wahrscheinlich
Gelder vnd Waffen zu umstürzlerifchru Zwecken von Rußland nach Deutschland eingeführt werden, kurz, daß vom bolschewistischen Rußland her eine rege Revolutionsarbeit bei uns betrieben werde und daß dei russische Vertretung der Mittelpunkt und das Werkzeug für diese Arbeit sei. Der deutschen Regierung wird der Vorwurf gemacht, daß sie dieses Treiben dulde und der daraus drohenden furchtbaren Gefahr gegenüber die Augen verschließe. Don einem Blatt ist außerdem unter Zurückweisung aus den Mord an dem Kaiserlichen Gesandten Grasen Mirbach der Vorwurf erhoben worden, daß die Regierung nicht energisch auf einer Sühne dieses furchtbaren Verbrechens bestanden habe, sondern es sich gefallen lasse, daß die Mörder und die Anstifter bisher straffrei ausgegangen sind^ Gegenüber diesen Vorwürfen muß darauf hingewiesen werden, daß die Regierung weder das Streben der bolschewistischen Regierung nach Erregung einer Revolution in Deutschland oußpr acht läßt, noch die nachsichtige Behandlung der Mörder des Gra fen Mirbach ruhig hingenommen hat. Allerdings muß zur Richtigstellung der Presseäußerungen bemerkt werden, daß die darin enthaltenen Angaben über das Treiben der hiesigen russischen Vertretung zum Teil nicht den Tatsachen entsprechen, zum Teil gänzlich unbewiesen sind. Die Zahl der russischen Kuriere hat die üblichen Grenzen nutzt wesentlich überschritten. Die russische Vertretung hat den betreffenden Vorwurf auch schon selbst durch die Presse znrückgewiesen. Die Behauptungen der Blätter über die Einfuhr von Waffen und Geldern zu Revolutiontzzmecken gründen sich lediglich auf Verlautbarung entsprechender Absichten in russischen Blättern. Das find jedoch
keine Beweise» um daraufhin ein Einschreiten «egen eine durch das Völkerrecht geschützte Vertretung zu b- «ründen. Daß die deutsche Regierung, wenn sie ein solches Einschreiten vermieden hat. sich nicht etwa von Sympathien für die bolschewistische Regierung leiten läßt, wie ein Blatt zu bemerken für gut findet, ist wohl selbstverständlich. Die deutsche Regierung hat, seinerzeit mit den Bolschewisten den Frieden im Osten schließen mägen, weil sich keine andere Gewalt fand, die genügend Entschlußfähigkeit besaß, um dem Krieg dort ein Ende zu machen, lind sie hat die Beziehungen mit ihnen anfrecht- eryalten. weck sie seither die einzige machthabende Regierunqs- gew^rlt rn Rußland sind und weil sie auch uns gegenüber bisher korrekte völkerrechtliche Beziehungen beobachtet haben. Wenn .allerdings, wie nicht zu leugnen ist, in der letzten Zeit maß- ßeoenle russische Regierungsvertreter augenscheinlich der Ansicht geworden sind daß die gegenwärtige Lage Deutschlands ihnen ch'.n Uebrrschre.tcn drc Grenze internationaler Korrektheit gestatte und aus diesem Anlaß Gedanken über eine Ausdehnung rhrer revolutionären Praktiken auf Deutschland aussprechen, die starr an eine E.nmischung in innere deutsche Vc-Hältnisse streifen
- bw ö2Utidje Regierung die Aufgabe heran, zu prüfen welche Konscqueinen sie etwa aus solchem Verhalten hinsichtlich unserer Beziehungen zu der bolschewistischen Negierung zu ziehen
® cr : n tat]cli)Ud} DEise vorliegen, daß die'.hiesige ruj,ische Vertretung oder sonstige amtliche russische Persönlich-
^ * a * men ber ihn-'n gegenüber unseren D^altmssen obliegenden Zurückhaltung überschreiten, so wird sie ebenfalls prüfen, welche Folgerungen daraus nach Lage der ^ache gezogen werden müssen. Was die
Sühnung des Mordes am Grafen Mirbach anbetrifft. so hat die deutsche Regierung der russischen keinen Zweifel daruoer gelassen, daß die bisherige Behandlung der Ange.egenheit von russischer Seite hier als unzureichend betrachtet wird und daß deutscherseits auf einer nachhaltigen Verfolgung der Mörder und Anstifter bestanden werden muß Auch -»refe Angelegenheit hat also noch nicht ihren Abschluß gründen.
Diese merkwürdige Regierungserklärung muß tn ihrem zweiten Teil die Anschuldigungen gegen die russische Botschaft, die im ersten eingeschränkt oder bemäntelt werden, sich selber gu eigen machen Diese sollen zuerst „zum Teil nicht den Tatsachen entsprechen, zum Teil gänzlich unbewiesen fein. Dann wird ober doch wieder von einem „Ileberschreiten der Grenze in mnatisnaler Korrektheit" gesprochen und auf die ernsten Folgen hingewiesen, die entstehen können, „wenn tatsächlich Beweise vorlegen" Ob eine in so unsicherem und gequälten Ton vorgebrachte Erklärung wohl den erwarteten Eindruck erzielen kann?
DkiiWmü M) d'e dcklihewiWie Gefahr.
Dsn Bolschewismus als Weltgefahr schilderte in einem Vortrage in der Philharnionie zu Berlin Dr. Eduard Stadler der Zlvei Jahre Kriegsgefangener in Rußland war und die bolschewistische Bewegung in nächster Nähe kennen gelernt hatte.
Bei dem Vortrage, in dem er länger über Geschichte und Wesen dos Bolschewismus sprach, richtete er den Blick im besonderen auch auf Deutschland — und auch für Deutschland mußte er eine bolschewistische Gefahr zugeben, nachdem in Bulgarien und Oesterreicb-Ungarn bolschewistische Zerfalls- erscheinungen ja unverkennbar waren. „Bei uns in Deutschland ausgeschlossen!" sagten einst sogar die Sozialdemokraten unter den deutschen Kriegsgefangenen in Rußland angesichts der geistigen Konfusion der Bolschewisten. Bei der Auflösung des Weltkrieges droht nun aber auch uns durch den Bolschewismus Gefahr, nämlich durch seine Idee des Friedens!adikalismus. d h. Frieden um jeden Preis unter Opferung des^ Staates — eine Idee, die ebenso in den Ententeländern lebt. Ter bolschewistische FriedensradikalismuZ führt aber nicht zum Frieden, sondern zur anarchistischen Auflösung und Weltrevolrition. Deshalb Hetzen ja die ruf- tischen Bolschewisten jetzt und versuchen die Gegensätze zwischen Deutschland und der Entente zu schärfen. Ein Scheinfrieden für Deutschland, so rechnen sie, könnte das Bündnis des russischen mit dem deutschen Bolschewismus stärken und dann wäre der bolschewistische Sieg auch im Westen sicher. Die Diktatur des Proletariats wird als Zukunftsstaatsform der- kimdet. Industrie, Handel, Bankwesen sollen mit einem Rucke sozialisiert werden. Nur Zusammenfassung allev nationalen Kräfte kann Staat, Gesellschaft und Wirtschaft retten. Diese Wahrheit gilt nicht bloß für uns, sondern genau so für die Entente. Solche Zusammenfassung der nationalen Kräfte könnte natürlich nicht das Rad der Weltgeschichte zrrrückd- 'en. sondern muß im Blicke auf die Zukunft die soziale und wirtschxft1licl»e Revolution abwehren. Diese Auf. gäbe ist Sache der Regierenden, wie des ganzen Volkes. Die Regierung muß sich de? gewaltigen Friedenshindernisses, das der Volsckewisnms durch seine Ziele darstellt, bewußt werden und in großzügiger Weise den Kampf ausnehmen. Es ist gar nicht zu verkennen, daß sich jetzt der russische Bolschewismus in demselben Siegestanmel befindet, wie der Entente-Imperialismus. Ist es nicht anders, so mich der Bolschewismus gemeinsam mit der Entente auch nach dem Kriege bezwungen werden, der russische nötigenfalls von ausser I)<?u Nächste Ausgabe ist es, den Bolschewismus auf dein Balkan und in Oesterreich-Ungarn zu beseitigen.
Dr. Stadler entwickelte dann seine persönlichen Meinungen darüber, wie dem Bolschewismus geistig begegnet werden könnte So hofft er, daß durch eine noch weitere Verbreitung des Parlamentarisinus dem Bolschewismus hei uns die Spitze abgebrochen und durch eine Gemeinwirtschaft die bolschewistische Idee der Sozialisierung der Industrie, des -Handels, des Bankwesens usw. überwunden werden könnte. Jedenfalls müsse das ganze deutsche Volk Mitarbeiten an der Ueberwind-ung des Bolschewismus.
In der Aussprache meinte ein Sozialdemokrat: Die deutschen Arbeiter seien zu vernünftig für den Bolschewismus Die Angst de? Bürgertums sei unbegründet, habe aber in Gestalt verschiedener Refornwn doch recht schöne Früchte gebracht.
P*it de» Kaiser
tobt der Kamps der Parteien „unentwegt" weiter. Die „Deutsche, Tageszeitung" bringt einen Aufsatz darüber, der uns so be- • merkenswert erscheint, daß wir seinen Inhalt im wesentlichen wiedergeben. Er lautet'
„Es ist bekannt, daß wir der Politik Kaiser Wilhelms II. in manchen Fragen nicht folgen konnten. Wir brauchen nur darauf hinzuweifen, daß wir dem Reichskanzler Caprivi tn schärfster, seinem Nachfolger zumeist in scharfer, dem Fürsten Bülow in wiederholter, Herrn v. Bethmann Hollweg. abgesehen von einer Uebcrgongszeit, wieder in scharfer und zuletzt in unbedingter Opposition gegenübergestanden haben. Oft genug hat man uns ja von demokratischer Seite als Frondeure zu denunzieren gesucht. In Wirtlichkeit waren wir ebensowenig Frondeure wie Byzantiner, haben vielmehr stets als aufrechte, verfassungstreue Monarchisten der jeweiligen Regierungspolitik gegenüber die Stellung eingenommen, die unsere sachliche Uebrr- zengling uns anwies: und wenn die Sache es gebot, haben wir auch dem Monarchen gegenüber, mit der Ehrfurcht, die fein-' Würde geziemt, aber auch mit deutschem Freimut, unsere Ueber- zcugung sestochalten und zum Ausdruck gebracht. Heute sei insbesondere daraus hingewiesen, daß wir die Loslösiing von der kontinentalen Srcherungspolitik des Fürsten Bismarck stets Uir einen schweren Fehler gehalten haben und aus der gleichen Auffassung heraus einer Weltpolitik, die den festen Wurzel- bcden der bismarckifchen Kontinentalpolilik verließ, mit Bedenken und Zweifeln gegenüberstanden: immer wieder haben wir betont, daß das Deutsche Reich Weltpolitik nur auf der Grundlage einer starken, gesunden Heimatpolitik treiben dürfe. Oft genug hat man uns ja engherzige agrarische Abneigung gegen Welt- und Flottenpolitik vorgeworfen: in Wirklichkeit
waren wir keineswegs Gegner dieser Weltpolitik an sich, gnse^ Sorge galt vielmehr nur einer PolkUk, die über den weit pol', tischen Zielen die notwendige feste Grundlage in der Heimat imi in Europa vernachlässigte. Wie recht wir mit unserer Sorge gehabt haben, wird wohl jetzt kaum jemand mehr verkc!.::cn.
Die Politik, die dann unmittelbar in den Krieg hinringe' führt hat, war nicht nur formell, sondern auch sachlich und per. jönlich ganz entscheidend das Work des Herrn v. Bethmann Holl, weg und seiner Mitarbeiter. Der Kaiser war in der Zeit, wo >rch der Knoten schürzte, aus der Rordlandreise: und wenn eine Tatsache über jeden Zweifel erhaben und von den schärfsten Gegnern des Kaisers und der Monarchie in Deutschland ebenso anerkannt wird wie von den treuesten Monarchssten, dann ist die, daß Kaiser W'.lhelm H. bis zum letzten möglichen Augenblick alles getan hat. um den Frieden zu erhalten, daß er ein Friedenskaiser war und sein wollte. Daß Herr v. Bethmanr Hollweg selber beim Ausbruch des Krieges zugestehen mußte daß seine Politik zusamiuengestürzt war „wie ein Kartenhaus" daß er durch verfehlte Kriegserklärungen, durch seine Wort, von dem „Fetzen Papier", von dem „Unrecht" an Belgien usw den Krieg schon politisch verloren gemacht hat. ehe'er noch eigentlich militärisch begann, und daß er sich völlig npüihi, zeigte, unsere glünzer-den militärischen Erfolge in den erster Kriegsjahren politisch auszumünzen und uns rechtzeitig einer gedeihlichen Frieden zu erringen, kann heute kaum noch blin dcste Parteileidenschaft verkennen. Ebenso trägt Herr v. Beth mann in erster Linie die Verantwortung für die Politik der Halbheit und Unentschlossenheit im Innern, die schließlich i, den Zusammenbruch dieser Tage arrZmüudete. Für die Gesam! führung unserer Politik im Kriege konnte man zu ei Wege wählen: Entweder den Wog, den unsere Feinde, und doch wohl mi;. Erfolg, gegangen sind, und den alle geschichtliche Erfahrung als den richtigsten Weg während» kriegerischer Erschütterungen erweist: man verstärkte noch die durch die Monarchie gegebene
Kcnzentration der staatlichen und völkischen Kräfte und hiell auf diese Weise den inneren Frieden und die GeschloJenheit der Front gegen den äußeren Feind den Krieg hindurch aufrecht; i'er augenfällige große Vorsprung, den uns das monarchisch-mck litärische System für die Kriegführung gegeben hatte, ließ diesen Weg um so mehr als den natürlichen erscheinen, als ja unsere Feinde dieses System nur um so konsequenter und rücksichtsloser bei sich selber einführten, je mehr sie gegen deutsche ..Autokrat!-?' und deutschen „Militarismus" weiterten. Wollte man aber als die Dauer des Krieges immer schwerer abzusehen war. innerc Reformen einsühren, dann mußte das so geschehen, daß dadu-.'.t die monarchische Konzentration der Volkskraft nicht gefährdet sondern Zugleich mit verankert wurde: Zu einer solchen -Po! ick waren aber rechtzeitige Voraussicht und fester Wille, war ebenst eine entschlossene Führung nötig wie zum Durchhauen des erste: Weges. Daß unsere Politik den dritten, unter allen Umstände: falschen Weg. den der Halbheiten und des Sichtreibenlasseus ging, war ihre große Sünde, deren Folgewirkungen wir jetzt vor Augen haben.
Will man aber die Schuldsrage aufwersen. dann ergibt sich schon aus den vorstehenden Darlegungen von selber, in wie entscheidendem Umfange auch die tatsächliche Schuld auf die verantwortlichen Ratgeber des Kaisers fällt: für die Führung der auswärtigen Politik gilt das übrigens mindestens für die entscheidenden Jahre der europäischen Krise, die ja erst noch dem Rovembersturm von 1908 einsetzten, ebenso wie für dir Politik, die uns in den Krieg hineinbrachte und die dann den politischen Verlust des Krieges herbeiführte. Und wenn w-'r den Selbstverzicht der Krone im Innern als schweren Fehler beklagen, so ist doch gerade hier für die inneren Gegner der Monarchie nicht der geringste Grund gegeben, gegen sie aufzutreten. Soweit man überhaupt von der Schuldsrage ausgehen will, muß man doch auch dort unbedingt im Auge behalten, daß wir in einer konstitutionellen Monarchie leben, und daß die verantwortlichen Berater des Kaisers verfassungsmäßig allein di?. Verantwortung tragen können.
Für uns ist letzten Endes die grundsätzliche Stellung zur Monarchie entscheidend. Entweder ist man Monarchist, oder nicht. Die monarchische Ueberzeugnng kann nicht von der Frage abhängig sein, ob der jeweilige Monarch eine erfolgreiche Politik treibt oder nicht: die gegenteilige Auffassung müßte ja zui Wahlmonarchie führen, die überhaupt keine Monarchie mehr ist Dos beste Beispiel für die Richtigkeit der Erbmonarchie fifck überdies doch gerade die Hohenzollern, die längst nicht durchweg erfolgreiche Regenten waren, trotzdem aber ihren Staat, über manche Wellentäler hinüber, doch ständig vorwärts gebracht haben. Wesen und Wert der Monarchie liegt in der Stetigkeit der Entwicklung und darin, daß mit ihr ein Faktor gegeben ist. der über den Parteien und Einzelinteressen des Landes als ausgleichender und fester Halt des .staatlichen und völkischen Gesa mtinteiesses steht. Wo wollen wir vollends in Deutschland, mit seinem doppelt und dreifach zerrissenen Parteiwesen, mit seinen offenen und unsicheren Grenzen, mit den durch die Verschiedenheiten der Stänime und Bekenntnisse noch so bedenklich vermehrten zentrifugalen Tendenzen, seiner von Natur national weichen Volksart den um so notwendigeren Halt und Zusammen, halt finden, wenn nicht bei der Monarchie? Wenn wir ab«'r jetzt den Kaiser preisgeben wollten, so wäre der Monarchie ar sich ein tödlichrr Stoß versetzt, und der Zerfall des Deutschen Reiches und Volkes wäre die unausbleibliche Folge ....
Schließlich besteht gar kein Zweifel, daß es sich für unfen Feinde nicht um die Person des Kaisers, sondern um die Hohen zollern überhaupt handelt: aber nicht als Dynastie, sondern als Träger des deutschen Kaisertums und damit der Reichseinheit und Volkseinheit. Man braucht sich auch nur die Frage vorzu legen, was kommen soll und voraussichtlich kommen würde, wenr Kaiser Wilhelm II. jetzt abdankte. Wenn Wilson wirklich da nach verlangte, so wäre das der letzte Beweis dafür, daß er Deutschland nur bis aufs äußerste demütigen will, um es jede' moralischen Kraft zu berauben und um so leichter zu vernichten, und daß das deutsche Volk, wenn es erst nsch die Schande de: Preisgabe seines Kaisers auf sich genommen hätte, keine Kraf' zum Widerstande gegen weitere Zumutungen in dieser wie i: jeder Richtung mehr haben würde, ist wohl ebenso sicher, wie es weitere entehrende Zumutungen sein würden


