Ausgabe 
5.11.1918
 
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Norzerrsnampse

Roman von Helene Schütky, geb. von Gersborff. ' f (Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)

30) Nachdruck verboten.

DlesL Demut und Verwirrung gefiel dem herrschsüchtigen alten Manne ungemein. Nichts war ihm so angenehm, als wenn jemand vor ihm kroch und fast vor Angst zu vergehen schien. Außerdem nntßie das Verhalten des Marquis wirklich einen vollkommen uneigennützigen Eindruck machen. Er durfte jetzt die Früchte seiner langen Geduld pflücken, wenigstens beim Vater, was für seinen Plan die Hauptsache war.

«Ach, was dummes Zeug? Wenn man ein Mädel haben wist, darf man nie bescheiden sein!" polterte der Alte.Doch wissen SU was, eg ist ja noch nicht zu spät. Nun ich durch eignen Scharfsinn entdeckt habe, wie cs um Sie steht, werde ich die Sache in die Hand nehmen. Das Mädel wird schon wollen, wenn ich will.

Da gibts garnichts anderes. Wenn ich es mir recht über, lege, wützte ich mir gar keinen lieberen Schwiegersohn als Sie. Cie sind beinabe bei einzige vernünftige Mensch, den ich kenne und der mich nicht fortwährend ärgert. Also, topp, abgemacht! Heute abend noch geht das Telegramm ab, morgen kommt Hilde heim und in einigen Tagen feiern wir Verlobung. Halten Sie sich bereit?"

Er hielt ihm die Hand hin. die der Marquis mit wärmstem Druck ergriff und, wie überwältigt von seinen Gefühlen, an die Lippen drückte.

«Mein treuer Geheimrat, Sie überschütten mich mit Güte Ick. weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll, ich bin der glücklichste Mensch auf Erden", stammelte er,d. h. wenn auch Fräulein Hilde

«Sie zweifeln an ibrer Einwilligung?" fuhr der Geheim- rot aus. ,.da kennen Sie sie schlecht und mich noch schlechter. Sie hat noch niemals gewagt, sich gegen mich aufzulehnen. Und ich möchte es ihr auch nicht raten", setzte er drohend hinzu.

Darf ich b'tten, Herr Geheimrat, nicht gleich zu strenge Maßregeln zu ergreifen?" bat der Marquis. Fräulein Hilde, die mich sonst immer ihrer Freundschaft gewürdigt hat, könnte dadurch ein »n Groll gegen mich fassen, der mich hindern würde, sie in der Ehe glücklich zu machen, wie ich cs wünsche."

Diese !leb.'volle Rücksickt ehrt Sie, Herr Marquis, und zeigt, daß Sie das dumme Mädel wirklich gern haben", sagte der Geheimrat beifällig.Aber glauben Sie mir. Sie kennen

Bekannt,achimy

Ich bringe hierdurch zur öffent­lichen Kenntnis, daß die von der tlirma Oberhe fische Kra tfutter- werke zu Friedberg gegenüber dem Eilgiitcrschuppen errichtete

Vriicken-Waqe

In Betrieb genommen worden ist und von jedermann benutzt werden kann.

Der Hilfsaufseher Karl Nikolaus zu Schwalheim wurde als Wiege- meister-Stelloenreter eidlich ver­pflichtet.

Friedberq, den 3. Noo. 1918.

Der Bürgermeister.

2. V.: Damm.

Bekanntmachnng

Das Verzeichnis der in der C'adt Friedverg und dem Stadt­teil Fauerbach wohnenden Per­sonen. welche zu dem Amte eines Scköffen oder Geschworenen be­rufen werden köirnen. liegt voin 6. bis einsthließli tz 13. November 1. Is. im hiesigen Stadthau e.

Zimmer Nr. 10 zu Jedermanns Einsicht offen.

Frredberq, 4. November 1918.

Der Bürgermeister

2. V.: Damin.

Fortbildungs- Schule.

Nach dem Beschluß des Schul- nud Sladtvorstandcs dahier sollen >m lammenden Winterhalbjahr diejenigen fortb.ldungsschuipslich- iigen Knaben hiesiger Stadt, d e Ottern 1918 aus der Schule ent­lassen worden fii.D, zum Besuch Kr Fortbildungsschule herange- iogen weiden.

Dieselben habeit sich zwecks An­meldung Donnerstag, v. 7. Nov., lach mittags 5 Uhr im städtischen vchulhaus, Augustinergasse 10 , pünltiich cinzusindcn.

2m S adtleii Fauerbach soll die ilnmeldung Freitag, d. 8. Nov. nachmittags 5 Uhr, iin neuen Dchulhaus daselbst erfolgen.

Friedberg, den 4. Noo. 1918. J Der Schulvorstand.

3. V.: D a min.

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f «Id, nur uuler wohl. ist garuicht drr Mllh. ..wir Len ibr^d. IanC n. ML

rowi, ihretwegen viele Faxen zu machen. Zeigen Sie ihr den Herrn, wenn Sie erst verheiratet find. Lehren Cle fie zittern und auf den Wink gehorchen, dann kommt fie auf keine anderen Gedanken und ist glücklich, wenn Cie ihr hier und da ein freund­liches Gesicht zeigen. Ich hub's bei meiner verstorbenen Frau so gehalten und mich wohl dabei befunden. Bei Hilde ist es ge­rade so. Cie zittert, wenn sie mich nur kommen hört. Co ist es recht. Co muß die Stellung dev Mannes im Hause sein."

Die Darlegung dieser eigenartigen Ansichten, von denen er vollkommen durchdrungen war, gewährte ihm offenbar große Befriedigung.

Der Marquis, so wenig edel seine Gesinnung an und für sich auch war. flihlte sich doch einigermaßen abgestoßen von der Roheit solcher Denkweise, und etwas wie Mitleid mit Hilde wallte ln ihm auf. Nein, wenn sie erst seine Gattin war, sollte sie kein so unwürdiges Leben führen; er würde sie, soweit als möglich, freundlich und rücksichtsvoll behandeln.

mit müssen ihr doch sagen, was wir beschlossen haben, damll fie weiß, was fie zu tun hat, wenn Hilde kommt."

Der Marquis sprang diensteifrig auf, ging hinaus und kam gleich darauf mit Fraulein Lehmann zurück.

Also hören Sie. Lehmann, und richten Sie sich nach dem, was ich sage", begann er.morgen Mittag kommt Hilde nach Hausse und einige Tage später findet ihre Verlobung mit Herrn Marquis von Neymond statt."

Fräulein Lehmann schrie vor Erstaunen und ließ sich in einen in ihrer Nähe stehenden Sessel fallen.

Schon gut. schon ffut! Sparen Sie Ihre Eefühlsäußerun. gen, wir brauchen dieselben nicht?" fuhr er sie an.

Ich wollte nur meine besten Glückwünsche. . " \a Q \, n, eingeschüchtert. 10

..Die können Cie am Verlobungstage loslassen! Vorläufig weiß Hilde noch garnichts davon!" sprach der Geheimrat weiter.

Hilde weiß noch nichts davon?" murmelte die Lehmann hilflos von einem zum andern blickend.

.Auch die Ziska Lehmann ist ein Beleg für meine Ansicht" i unl) sie soll es auch zuerst von mir erfahren - ver^

untcrdi'ssl'n v><»r tsu. -- I standen? Das Merken Sie sich? Ihre Sache ist es nur, die ÄN'

fuhr unterdessen der Geheimrat behaglich fort,sie hätte es ja doch nicht einmal notig, sich vor mir zu ducken, da wir ja nicht verheiratet sind und sie jeden Tag mein Haus verlassen könnte. Ater cs ist so: Weiber und Hunde brauchen die Knute und küssen die Hand, die sie schlägt. Uebrigens hat sie sich offenbar früher der Hoffnung hingegeben, es würde ihren damals noch weniger verwelkten Reizen gelingen, mich zum zweitenmal in die Fesseln der Ehe zu schlagen. Urrd ich habe es auch tatsäch­lich überlegt. Denn verlieren wollte ich sie nicht, da sie mich sehr gut verpflegt. Aber als ich sah. daß ich sie ohnedies sicher hatte und sie sich jede Behandlung gefallen ließ, da gab ich es auf. Denn wozu sich bindm. wenn man so gerade so weit kommt? Da haben Cie die Weiber? Pah'"

Trotzdem der Marquis sich innerlich angewidert fühlte von diesen modrigen Ansckauungen. nickte er doch wie einverstanden mit dem Kopfe, denn etz galt, den Alten in guter Stimmung zu halten, und Widerspruch irgend einer Art erregte stets seinen Zorn und zwar gegen die Person des Sprechenden. Also mußte er ihn glauben lassen, daß er gleicher. Meinung sei oder noch besser, daß seine, des Geheimrats Ansichten, stets für ihn über­zeugend und maßgebend feien.

Bitte, Herr Marquis, rufen Sie mal die Person, die Leh­mann, her", fuhr der Geheimrat fort, der so gewöhnt war. sich bedienen zu lassen, daß er fast für unmöglich hielt, selbst einen

gelegenheit auf jede Art in meinem Sinn zu fördern und alles bereit zu halten. Die Dienstboten brauchen vorläufig noch nichts davon zu wissen."

Der Herr (tzehermrat können versichert fein, daß ich allez nach bestem Vermögen tun werde, wie es gewünscht und befohlen wird", sprach Fräulein Lehmann unterwürfig.

Cie hatte sich inzwischen wieder gefaßt. Zwar hatte sie in diesem Hause schon viel erlebt, aber das soeben Erfahrene hatte sie doch im ersten Augenblick geradezu auf den Kopf geschlagen Aber was ging es sie an? Vielleicht war es ja auch HNde gam recht! Ein reizender, charmanter Mensch war ja der Marquis Ilnd übrigens war es ihr. Franziskas eigner Vorteil, sich blind dem Willen des Gcheimrattz zu fügen. Auch konnte es nur nütz, ltch für sie fein, wenn Hilde ganz nnd gar das Haus verließ. Dann hatte sie den Alten ganz für sich, nnd wenn sie auch ihre Hoffnungen. Frau Geheimrat Antelmann Rr. 2 zu werden ^weren Herzens aufgegeben hatte, so ließ sich doch noch au? ein zu ihren Gunsten abzufassendes Testament einwirlen. das ihren Lebensabend sorglos und behaglich gestalten sollte. Mit Blitzes, schnelle gingen diese Erwägungen durch ihren Kopf, während sie laut in beteuerndem Tone hinzusetzte:

Sie wissen ja. Herr Geheimrat. daß Sie sich ln allem und jeden» auf Ihre getreue Lehmann verlassen können!'

Fortsetzung folat.

Todes-Arizeige

Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteil nq, daß geiiern. den 3. Novmiber, meine innigstgeliebte Frau und treusoraende Mutter unseres Kindes, meine liebe Tochter und Schwester

Fm Mime Elislibche Saridjn

geb. Wenzel

nach langen,, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im fast vollendeten 35. Lebensjahre ver,chieden ist.

Ober-Nosbach, den 4. November 1918

Die trauernd Hinterbliebenen:

3. d. N.: Johannes Lvarzecha.

Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. November, nachmittags 3 Uhr statt.

C'ber- mrä ZlUlibABkrkallf.

Die Gemeinde Affenheim läßt Donnerst«,. den 7. ds. Mts, auf hiesiiein Rathaus um 1l Uhr einen Eber und Ziegen.ock öffent- lich versteigern.

Assenheim, den 4. Nov lf 18.

< 5 r. Burger,neilierri Assenheim.

Ewald.

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Frankfurt (Main), den 4. November 1618.

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%<*l»lin«inffeii auf alle an den deutschen Börsen zur Auf­lage kommenden neuen Anleihen jeder Art werden von ans zu den Ausgabe-Bedingungen angenommen, ohne daß dies la den einze.nen Fällen heMondera bekannt gemacht wird.