Ausgabe 
2.11.1918
 
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soll durch diese Maßnahme verhindern wollen, daß durch die etwaige Besitznahme Triests seitens der Italiener eine Tatsache geschaffen würde, die bei der künftigen Auseinandersetzung zwi­schen den Italienern und Südslaw-en am Konferenztische zu gro­ßen Schwierigkeiten führen könnte.

Die italienische Flotte in Finme.

Wien. 1. Nov. (WB.) Die Blätter melden aus Fiume : Die italienische Flotte ist am Mittwoch abend, aus Ersuchen der italienischen Einwohnerschaft, welche die Herrschaft der Cüd- slawen in F'ume nicht anerkennen will, eingelaufen. Alle im Hafen befindlichen Schiffe hatten italienifche und amerkanifche Flaggen gehißt.

vM ZchlMich'ffDriiniö zlnilig"

Wien. 1. 9?co. fWB ) Die Marinesektkon teilt mft: Auf bieber nicht aufgeklärter Weise drangen heute morgen nach Ueberaabe der Flofte an den südslawischen Nationalrat mehrere italienische Seeoffiziere in den Hafen von Bola ein. leaten eine Mine an das Scklocktschl'f ..Viribus Untis" und brachten es -um Sinken. Stab und Mannschaft wurden größtenteils gerettet.

Die deutschen Tauchboote in der Adria.

Berlin. 1. Nov. Die in den österreichischen Mittel«,eerbZfev stationierten deutschen Unterseeboote werden durch die Auflösung der österreichisch-ungarischen Flotte nicht berührt.

Um den Kaiser!

Der türkische Waffen still st and.

Baris. 31. Oft (2UB.) Nach einer Havas-Meldunq er­klärte Morineminifter Levgues. daß der Waffenstittstandsver- traq mit der Türkei vor allem freie Durchfahrt für die alliier­ten Flotten zum Schwarzen Meere, die Besetzung der Darda vollensorttz und der jenigen am Bosporus bestimmt, sowie di? Rücksendung der alliierten Kriegsgefangenen in die Heimat Der Waffenstillstandsvertrag trat am Donnerstag mittag in Kraft.

Bulgarien UepubM;?

Be. »in. 31. Okt. Dis ..Vcss. Ztg" meldet: Wie wir Horen har die bulgarische Gesandtschaft in Kiew aus Sofia über Kon­stantinopel die folgende Drahtung erhalten:' Am 25. Oktober ©urt* in Gegenwart einer zahlreichen Menge in der alten Hauptstadt Tirnovo die bulgarische Volksrepublik prokla­miert. König Doris verzichtete auf den Thron. An die Spitze des Staates hat sich der Regenfschaftsrat gestellt. Die Leitung der Bergung liegt tn den Händen des Führers der Bauern­partei Stambulinfki. Ern Heer von 40 060 Mann hat sich zu chm geschlagen.

DieGermania" (Eenfr.) tritt von neuem für den Kaiser ein. Das Blatt schreibt u. a.: Wir Deutschen sind ein von

Hau?? aus stark monarchlsche; Volk. Warum wollen wir uns in Streit und Hader um die Kaiserfrage stürzen, die selbst für das feindliche Ausland ihren Inhalt verloren hat. nachdem der kaiserlichen Gewalt nichts mehr von allem anhastet, was man als absolutistisch glaubte empfinden zu müssen.

DieDeutsche Tageszeitung" veröffentlicht einen Leitartikel unter der Überschrift:Um den Kaiser". Es heißt da: Nicht nur in der sozialdemokratischen Presse, sondern auch tn Blattern des Fortschritts, des linkZaat'onalen Flügels und letzthin sogar de« Zentrums kommen deutliche Stimmen zum Ausdruck, deren Zkl auf die Abdankung des Kaisers geht. Wenn wir selbst den Verzicht der Krone im Innern als schweren Fehler beklagen, so ist doch gerade hier für den inneren Gegner der Monarchie mcM der geringste Grund gegeben, gegen sie aufzutreten. So weit man üb-rhoupt von'der Schuldfrage ausaeben will, muß man dock auch dort unbedingt im Auge behalten, daß wir in einer konstitutionellen Monarchie leben, und daß die verant­wortlichen Berater des Kaisers verfassungsmäßig allein die Verantwortvna tragen können. Wenn wir jetzt den Kaikr! preisgeben wollten, so wäre der Monarchie an sich ein tödlicher Stoß versetzt, und der Verfall des Deutschen R-ichr-3 und Vol­kes wäre die unausbleibliche Fosae. In dieser Lage kann unser Vlatz nur an der Seite der Hoheuzollern sein nicht nur aus Ebraekübl. sondern vor allem aus Liebe und Pflicht gegen Reich und Volk.

Englisches Urteil L' ? K iier Wilhelm.

Manchester Guardian" betont gegenüber den starken Tor derunaen Wilßöns nach militärischer Sicherung gegen ein Wie derauftlammen des Kampfe? die Verpflichtungen, die die Wil sonschcn Bedingungen eines Nechtsfriedens beiden Parteien auf erlegen. Zu den noch immer bier und da aeänßerfen Zweifeln an der Vedentuna der Demokratisierung Deutschlands b-merki der ..Manchester Guardian": Di? Sto rksverfasiung des Deut- 'ben Nc-kchc.?. läßt sich nickt in einer Woche völlig ummodeln. Das ist guck nicht unsere Sacke. Das Blatt glaubt, daß Kräfte am Werke seien, die gründliche Aenderunoen herbeiführen wür­den und daß diese nickt chne Eindruck auf den Kaiser bleiben melden, der in seiner Art ein gewissenhafter, patriotischer Herr­scher fei.

sich die Lage weiter gestalten wird, ob ein noch engeres Verhüll- nis zwischen Deutsch-Oesterreich und dem Deutschen Reiche ein- tritt. laßt sich nicht absehen. Der Hoff rung aber mochten wir Ausdruck geben, daß das deutsche Volk cker Deutsch-Oesterreicher nicht vergessen, und dgß Deutsch-Oesterreich weiter sich als eine Mark des Deutschen Reiches nach Südosten hin erweisen wird.

Wie die Wiener Blätter melden, sprach sich die aus Deutsch­land zurückgekehrte Abordnung der deutsch-österreichischen Natio- nalversrmmlung über das weitestgehende Entgegenkommen, das sie in Ernährungsangelegenheiten und Verkehrsfragen in Ber­lin und Dresden gefunden har. befriedigt aus. DieNeue Fr. Presse" berichtet, daß die deutsche R?ich?r;aierung bereits die Verpftegung Deutsch-Oesterreichs mit Mehl für 66 Tage zusicher" wollte, als im letzten Augenblick die Antwortnote der Monarcki. an Wilson bekannt wurde. Die Stimmung in Berlin sei völli umgefcklagen. trotzdem habe sich die deutsche Reichsregierung be­reit erklärt, vorläufig die Mebllieierung auf neun Tage zu über­nehmen und bobe ein weiteres Verhalten in der Frage der Ls- bensmittelaushilfe an Deutsch Oesterreich non der Stellung­nahme der deu'sch-österrefchrschen Narionalveesommlung zur Arft, wortnote an Wilson und zur Bündnisrrage abhängig gemacht.

Eine Äoftchaft Wiftons.

Rach einer Meldung derMorning Polt" aus Newyork be­gründet eine Botschaft Wilsons an den Senat die Notwendig­keit der Herstellung gereckter Beziehungen zwischen den Völkern durch die Annahme eines Friedens ohne Annexion und ohne Entschädigungen.

Die ..Züricher Morgenztg." erfährt von besonderer Seite aus dem Haag, daß sich nack zuverlässigen Informationen wegen der Festsitzung der zu stellenden Friedensbedingungen große Schwierigkeiten eraeben haben zwischen den Alliierten und Wil-on. dessen Stellungnahme in dieser Frage mit derjenigen Lloyd Georges in starkem Gegensatz steht.

^nifldjlnirt) nutz Znlllitz-OMtt'ch.

Der deutsch-österreichische Volksstaaf hat sich gebisidet und ist auch nach außen hin bereits tn Erscheinung getreten. Wie weit er von den anderen Mächten anerkannt wird, steht noch nicht fest, aber immerhin wird man sagen können, daß e? nicht gut möglich ist. einen tschechischen und südslawischen Staat an- zuerkennen und einem dentsch-österreickischen Staat diese Aner kennung zu versagen. Mir haben uns nie in innervolitische österreichisch? Dinge eingemischt, und hoben bis zuletzt immer den Gedanke» vertreten, daß der österreichische Staat in seiner alten Gestalt möglichst erbalten bleiben solle. Das ist nicht mög­lich gewesen, au? Gründen, die wir schon erläutert haben. Mit dem tschechischen und südslawischen Staat müssen wir. das steht fest, eines Tages zu einem modus vivendi kommen, aus der ein­fachen Tatsache heraus, daß diese Staaten bestehen und wohl nicht mehr verschwinden werden. Gerade aus diesem Grunde aber wird und muß die Sympathie des deutschen Volkes dem deutsch-österreichischen Staate gehören. Tausend Jahre hoben das Reick und seine Süd-Ostmark eine Einheit gebildet und der Gedanke an eine Zusammengehörigkeit Deutschland?, und Oesterreich-Ungarns ist nie ganz erloschen. Der großdeutschc Gedanke hat gerade hieran immer seine Nahrung empfangen und daß er bei der setziaen Gestaltung der Dinge in Oesterreich durchaus in den Vordergrund tritt, ist selbstverständlich Wie

C:

§Vkm MM t'.m IfrfauIrnnaM,

&£rlm. 1. Rov. fWB. Amtlich.) Heute vormittag 2 . r i 00 Min. fuhr der Militär-Urlauberzug 4025 vor dem Bah: Briefen lMark) auf den abgerissenen und stehengeblieb?

Sch laßt eil des Güterzuges 7708 auf. 19 Militärperfonen ber Schlußbremser des Güterzuges sind tot. 30 Militärperfonen schwer und 13 Militärpersonen und 2 Mann vom Zugpersonal siwd leicht verletzt. Den Verletzten leistete der im Urlauberzuge befindliche Militärarzt die erste Hilfe. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.

Jus der Heinrat.

Das Ringen um unser Dasein ist ernster denn je. Unser Volk steht vor deiner entscheidenden Schicksalsstur,de, in der es siine Daseinsberechtigung erzbereit vertreten muß. Krieg oder Frieden es heißt stark sein und opfern können. Der Erfolg der 9. Kriegsanleihe beweise, daß unser deutsches Volk den ern- sten Willen zum Leben hat. *

Friedberg, 2. Nov. Wir machen auf das Inserat in der heu­tigen Nummer betreffs Wiederanfang des Unterrichts in der crchillerfchule aufmerksam. Es ist auch daran zu erinnern, daß am 6. November die Zeichnungsfr.st für die Kriegsanleihe ab­läuft. Die Schülerinnen werden deshalb dringend gebeten, in diesen letzten Tagen noch für die Schulzeichnung zu tun, was sig irgend können.

in. Friedberg. 2 Nov. Das Konzert des Musikvereins am Scnntag beginnt p ü n k t l i ch 4 U h r. Für die Ehrenmitglie­der des Vereins ist die erste Bank gegenüber der Kanz-l reser viert.

Oefft^dt. 2. Nov. Hier herrscht seit einigen Tagen auch bti ©rtppe und zwar tritt sie recht bösartig auf, so daß die Krank­heit schon einige Todesfälle gefordert bat.

Nodherm v. d. § 2. Nov. In der vorigen Woche wurde bei einem hiesigen Gastwirt eingebrochen und ihm vier Schinken, etliche Schwartenmagen und Speck gestohlen. Gestern wurde bekannt, daß eine Frau, die im Rheinland lebt und hier zu Be­such weilte. Schinken gekauft habe. Die Nachforschungen er. gaben, daß der Verkäufer ein hiesiger arbeitsscheuer Schlossei von noch nicht 17 Jahren war. Der Bursche hatte den Diebstahl begangen, vMl dem gestohlenen Gut war aber nichts mehr z» finden.

Gieße«. 1. Nov. Die Landesuniversität Gießen bmbsich. ftgt ihren Studenten im Felde eine W-ibnachtsgabe zu schicken.

~ ie Angehörigen der Eießener Studenten werden gebeten, das Universitäts-Sekretariat (Bismarckstraße 22) durch baldig« Mitteilung der Fe l da d ressen zu unterstützen

ch.

tz |

nie ist unser Volk vor folgenschwerere Entschlüsse und Entscheidungen gestellt Worden als in diesen Tagen. Roch nie Hat dem Daterlande die Hilfe jedes einzelne» ami alem, was er ist und Hat, so bitter not getan. Die Macht über »»er <U>;r Wohl und.Wehe »fl in Wahrheit jedem einzelnen so» uns ansertrsut.

Hi vstPflichiei

Schi ifi^ Me Zeit der vaterländischen Tal! Die 9. Kriegsanleihe muß eine Volks, asne^e im wm-chen Sinne des Wortes werden. Sonntag, der 3. November, fei der

BolksZsichnMgsiÄZ.

^ Alls Zeichnmrgsstelten werden nach der Kirchzeit geöffnei sein.

Wer fern Vaterland und sich selbst erhalten will, der zeichne so viel er irgend kann.

Mer schon gezeichnet hat, der zeichne mehr.