Ausgabe 
1.11.1918
 
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Die Nachricht, datz die Eisenbahnverbindung WienBerlin unterbrochen sei, wurde -war widerrufen, indessen mutz doch etwas dran gewesen sein. Sicher ist, dotz die Verb' düng über Tetschen unterbrochen ist. Man mutz die nächsten ^. ,\e abwär­ts n. indessen befürchten wir. datz die Nachrichten von unseren ehemaligen Bundesgenossen nicht besser werden.

Dir Aationalverjammlnng.

Wien. 30 Okt. (WB ) Die deutsch-österreichische Natio­nalversammlung hielt heute ihre zweit« Sitzung ab. Sämtliche Redner protestierten gegen die Ne-e des Ministers des

Aeußern Grafen Andrasip an Wilsen, wodurch die Gefahr eines unheilbaren Risses zwischen Deutsch-Oesterreich und Deutschland entstand. Sie wandten sich dagegen, datz diese Note ohne Ein­vernehmen mit der deutsch-csterre.chisck en Nationalversamm­lung abgesandt wurde und protestierten gegen die beabsichtigte Annexion deutscher Gebiete durch den tschecho-slowakischen Staat. Der Sozialdemokrat Ellenbogen b<.eichnete den Abfall von Deutschland als einen schmählichen Treubruch. Die einzige Sickerung des deutschen Volkes gegen die Preisgabe seiner In- teresien iei die Konstituierung des deutsch-österreichischen Staa­tes als Republ.k. Abq. Pantz (deutsche Unabhängigkeitsparte!, beantragte, in die Note an Wilson einen Pasius aufzun-'hw.en. dr.r das Selbstbestimmungsrecht auch für die Deutschen in Ungarn aueckprtckt. Er stellte einen Antrag zugunsten der deut­schen Brüder in der Bukowina und erklärte, die Zukunft des neuen Staates liege in dem Anschluh an das Deutsche Reich Der deutsch-radikale Abgeordnete Wolf betonte die Notwendig­keit. daß die Nationalversammlung rasch die Exekutive über­nehme. Die Nationalversammlung nahm hieraus die Note an Wilma an und wies den Antrag Pantz an den Vollzugsausschuß Zurück. Es wurde auch eine Nefolution de? Vollzugsausschusses über die?te des Grafen Andrasiy an Wilson angenommen.

F'c deutsch-Böhmen.

Wwn. 20 Ott. (WB.) Korrespondenzbureau Dir deutsch, kohm'.ichen Aboeordneren versammelten sich heute im niebetcT'.T reichisck-en Londhoose zur Konstituierung Deutsch-Böbmens. Der Vorsitzende Pacher stellte in seiner Eröffnungsansprache fest, datz, Deutsch-Döb^en zum Staate Deutsch-Oesterreich gehöre und nie­mand das Rtz'st bsbe das Gelöbnis auf den ttzchickifchen Staat zu verlangen. Die Versammlung nahm einstimmig eine Ent­schließung an, worin gegen die Annexionsabsickten durch die Tschechen Protest erhoben wird. Es wurde beschlossen, bis zur Regelung der Verfassung und Verwaltung Deutsch-Oesterreichs eine vorläufige Verfassung auf demokratischer Grundlage für Deutsch-Böbmen ge'ten zu lassen. Der Provinz Deutsch-Böhmen sollen im Verhältnis zum Staate Deutsch-Oesterreich olle Reckte und PArckten zukommen, welcke fstr das Königreich Böhmen im Verhältnis zu den übrigen im Reichsrat vertretenen König­reichen und Landern in der böhmischen Landesordnung und im österreichischen Verfasiur.gsg-setz niedergelegt sind. Die Ver­sammlung aller jetzigen deutschen Neicksratsabaeordneten Böh­mens bildet den vorläufigen Landtag der Provinz Deutsch-Böh­men. Vorläufiger Sitz der Landesvertretung ist die Stadt Rei- cheuLerg.

Gro^-ermen.

Dien. 31 Ott. Wie die Blätter melden, ist in Srrasewg das grotzierbische Königreich proklamiert. Die verrir'eilten Mör­der des Erzherzogs Franz Ferdinand sind von dem Militär aus deu Gefängnisien in Serajewo befreit worden.

Dow

Auf der Tagesordnung stand gestern ein Antrag des Grafen ^erck: In der Zeit der tiefsten Not des Vaterlandes ist es

Pflicht und Recht des Herrenhauses, zum Ausdruck zu bringen wie unlö> lick der Zusammenhang ist zwischen Preußens Herr­scherhaus und seinem Volk. Der König von Pr-ußen wird sein Volk auch tn den dunkelsten Tagen treu befinden. Das Herren­haus wird eingedenk seiner Vergangenheit allezeit zu seinem angestammten Herrscher als Schutz und Wehr vor dem Throne stehen."

Nack einer warmen Befürwortung durch den Berichterstat­ter Grafen Dallestrem und dem Antragsteller wurde der Antrag einstimmig angenommen.

Dieser Borgunq bewehr imon, datz die Kaiserfrage brennend geworden ist. Während zr,erst nur in der sozialdemokratischen Presie der Ruf nach Abdankung des Kaisers erhoben worden ist. wird jetzt auch von freisinniger Seite diese Frage erörtert, meist mit dem Endergebnis, datz eine Abdankung unerläßlich fei. Auf einer freisinnigen Versammlung in München, wo der Nord­deutsche Ouidde geredet hat, wurde sogar eine dahingehende Entschließung angenommen.

Fast scheint es. als wenn man tn manchen Kreisen schon mehr wüßte, als man der Allgemeinheit wißen zu lasten für gut befindet, und datz eine Abdankung des Kaisers gefordert wird, bevor weitere Verhandlungen greifbarere Gestalt anneh. men können. Es l>eitzt auch, daß sich das sog. Kriegskabinett mit der Frage des Thronverzichts befaßt habe und datz es mit dieser Frage in Zusammenhang stünde, datz sich der Kaiser in's Große Hauptquartier begeben habe.

Wer ist Schuld am Kriege?

Aeber die Frage dürfte in Deutschland eine abweichende Meinung nicht mehr zulässig sein, nacktem durch ein Material in überwältigender Menge die verrückten Absichten der feind­lichen Großmächte zur Anzettelung des W-ltenbronds. um das aufstrebende Deutsche Reich nicderzuwersen. dokumentarisch klar­gelegt sind. And wem das. was an Beweisstücken bereits vor­liegt. für seine Aeberzeugung nicht ausreichend dünkt, der sollte wenigstens sich in seinem Urteil b's auf den Tag bescheiden, wo ruhige Ueberlegung eine Nachprüfung der den Kriegsausbruch einleitenden Tatsachen ermöglichen wird. Es ist daher ein das Volksaewrshn aufwühlendes gehäfsioes Gebühren,, wenn demo­kratische Tugendbolde in unzeitgemäßer Selbstbespiegelung die Verantwortung für die Weltkatastrophe von sich abzuwälzen be- fUsien sind. Sie scheuen sich nicht, den Krieg dem aus den Angeln gehobenenalten Regiervngssystem" .zur Last zu legen und bezichtigen damit nickt nur die Männer, welche in der Schicksalsstunde des Jahres 1914 zur verhängnisvollen Entschei­dung berufen waren, datz sie in unseliger Verblendung befangen gewesen, sondern suchen dem deutschen Volke auch vorzutäuschen. daß das Unheil üch vielleicht bätte abwenden lasten, wenn der d mottatifche Geist mit seineninternationalen R echt säest n- nuvgen" damals schon die Reickszügel in Händen gehabt hätte Dieser Desck'ichtsllitl-rung gegenüber mutz aus die Anfänge des Krieges zucückverwiesen werden.

Der Reichskanzler v. Dethmann Hollweg hat sich über das Verschulden am Kriege in einer Rede ausgesprochen, die seiner- ze't von der deutschen Gesamtheit widerspruchslos als dokumen­tarische Wahrheit ausgenommen und gewürdigt worden ist. Diese Rede darf nickt veraessen werden, denn sie zeugt wrder dstjemgen, welche unter willkürlicher subjektiver Amdeutung der Kriegsansänge der monorchisch-konstitutionellen Regierung der bis vor kurrem waltenden Zeitepoche eine Verantwortung an dem Verhängnis, das jetzt über uns hereingebrochen ist. zur Last legen müssen. In dieser Rede vom 9. November 1916 hat der damalige Reichskanzler in Erwiderung auf eine Rede des englischen Ministers Grey, wonach Deutschland den Krteg^Europo ausgenötigt baden sollte, den Tatbestand nochmals aus dem Ge­rankt irreführender Behauptungen hervorgehoben. Er stellte fest, datz nach der russischen Genecalmobtlmackung. die in der Nacht vom 30. aus den 31. Juli 1914 angeordnet wurde der Krieg unvermeidlich war. denn angesichts dieses Schrittes, der mit der Kriegserklärung gleichbedeutend war. war ein längeres Zu warfen von unserer Seite unmöglich. Der Kanzler wies auch nach, datz der Hinweis des von feinen Beratern schmählich biniergangenen Zaren auf die angebliche Mobilisierung Oester­reich-Ungarns einen Grund für die- allgemeine russische Mobil­machung nickt abgeben konnte und durste. Deutschland aber bat in den entscheidenden Stunden was es irgend vermochte, aufge- bolen. den Weltfrieden zu retten, hat auf Rußland und feine Verbündeten in diesem Sinne einzuwirken versucht. Es war umsonst. Die fe''ndlichen Mächte wollten den Krieg; ihre durch­sichtigen diplomatischen Manöver bezweckten lediglich, der deut­schen Mobilmachung zuvorzukommen. Dös britische Kabinett hatte Frankreich und Rußland seine Wasfenhilfe bündig zuge- stchert und war nickt willens, durch eine Neutralitätserklärung den Croberunasobsickten der be-den andern Großmächte hin­dernd in d«m Weg zu treten. Und was Zährte Frankreich an Rußlands Seite? Elsaß Lothringen. Mas wollte Rußland? Konstantinouel. Worum schloß sich Enaland ihnen an? Weil ibm Deutschland in friedlicher Arbeit zu groß geworden war Wir setzen des Kanzlers Worte her:Diesem aggressiven Gba- rakter der Entente gegenüber hat sich der Dreibund stets in De

fensivstellung befunden. Kein ehrlicher Beurteiler kann das leugnen. Nicht im Schatten des preußischen Militarismus hat die Welt vor dem Kriege gelebt, sondern im Schalten der Ein» kreisungspolitik, die Deutschland Niederhalten sollte."

Dieses amtliche Zeugnis mutzte deu Rei nwajchu n§sbc streb« ungen der demokratischen Selbstgerechligkeit eutgegengehalfen werden.

Was hindert sie noch?

Unbekümmert um die Lehren der Geschichte, datz das !m Laufe einer langen Reihe von Jahren organisch entwickelte Ge. bilde eines Staates nicht ohne Gefahr für Bestand und Weite*- entwicklung auseinandergerisien werden darf, fetzt die Mehrheit des Reichstages ihr Zerstörungswerk an den Grundlagen des Deutschen Reiches fori. Die Reichsverfasiung. mit der Bismaul sein Einigungswerk ttönte, war kein blutleeres, juristisches Ge- bilde, sie war lebendiger Geist, erwachsen aus den als Recht er. kannten Erfordernisien nicht nur des preußischen, sondern aller das Reich bildenden deutschen Staaten. Dadurch, datz sie der»- gemeinsamen Oberhaupte, dem Kaiser, die bedeutsamsten Reckt« übertragen, die zugleich ernste Pflichten bedeuteten, stärkten sie den Reichsgedanken und schufen so die Vorbedingung für eins einheitliche Reichspolitik, an der alle Bundesstaaten interessiert sein mutzten. Vor allem aber verbürgte die Kommandogewatt in der Hand des Rcichsoberhauptes die Schlagfertigkeit und in­nere Festigkeit des Heeres, die sich wohl niemals deutlicher als zu Beginn des Krieges auch für den Fernstehenden gezeigt hat. Das deutsche Heer, aufgebaut auf den preußischen Grundsätzen einer Jahrhundert alten Erfahrung, ist nunmehr den wechseln­den ParlamentZmehrheiten aüsgeliefert. wenn, wie kaum noch zu hoffen ist. der Bundesrot diesen Veschlüsien nicht seine Zu­stimmung versagt. Hat doch schon der Krieasniinister Scheuch sein Einverständnis mit dieser Umwandlung erklärt. Das Heer, das einInstrument der Politik" sein soll, wie es im fort­schrittlichen Munde heißt, ist damit zum Gegenstand der Partei« politischen Bestrebungen gemacht, die. je nach der Zusammen­setzung der jeweiligen Mehrheitsregierung. ibre Wirkungen be­sonders auf die Zusammensetzung und den Geist des Ockf'^l » korps äußern müssen. Zugleich ist mit der. den Regeln der Ge­schäftsordnung widersprechenden Durcbpcitschuna der am Sams» tag.beschlossenen Verfassungsänderungen die föderative Grund» lag- des Reiches schwer erschüttert und Preußens Stellung uv Dundesrat herabgedruckt.

Wilson hat durch die seinen Winken willfährige Demokratie einen unbestreitbaren Sieg errungen, und er kann mit kaltem Lächeln die diesbezügliche Bestätigung der Mehrheit, die in der Antwortnote vom Sonntag zum Ausdruck kommt, seinen Ver­bündeten weitergeben. Die von der Mebrbeit gebildete deutsche Negierung zwingt das noch schlagbereite Volk zur Unterwerfung, sie zwingt die um das Vaterland bockverdienten Generale zum Abschied, denn dieSozialistische Korrespondenz"' dek-etiert: Wer sich n-ckt unterwerfen will, hat zu geben! Des Eenosien Eobn-Rordbaufen und Heine Verlangen ist also im vollen Matze erfüllt: nicht nur der Kaiser, auch Hindenbura und das gesamte Heer sind der innerhalb der Regierung einflußreichsten und aus, schlaggebenden Sozialdemokratie unterstellt. Dieser aber graut cfsenbar vor ihren eigenen großen Erfolgen. Am die vom Machtkitzel trunkenen Masien ibrer Anhänger leidlich bei dsr Stange halten zu können, sieht sie sich gezwungen. ..immer rup­piger im Ton" zu werden, immer maßloser in den Forderungen. Aber während Herr Scheidemann meint, den Unabhängigen da-' mit den Wind ans den Segeln zu»nehmen, führt das unfehlbar die ganze Scheidemann-Partei in die Arme des Bolschewismus. Das empfindet man selbst im Lager der fortschrittlichen Demo» hatte. Schreibt doch dieDossistbe Zeitung":

Aus demVorwärts" gebt bervor. datz man in sozial­demokratischen Kreisen die Abwcbr gegen die rechtsstehenden Kreise, die sich nur schwer in die neue Zeit finden können, auch aus taktischen Gründen so stark betont, weil man damit eine besiere Basis gegen die Angriffe von links zu haben glaubt. Diese Angriffe gehen in erster Linie aus von der Gruppe, deren einziger Vertreter im Reickstag der Abg. Rühle ist Dies- Kreise sind Gegner eines sofortigen Friedensschlus­ses. entsprechend den Anforderungen der russischen BoAche- wisten. die eine völlige Isolierung befürchten, wenn der Welt­frieden zustande kommt.' Sie selbst zwar haben den Frieden von Brest-Lifowck geschlossen, aber sie mnten ifrcn deutscher? Eesinnungsgenosien zu. den Kriegim Intcresie der Revo­lution" fortznsetzen. Die Agitation dieser Gruppe, die nach Kräften Verwirrung anzurickten sucht, bekämpft derVor«

rud DMeHenskaffenscheine, Handelt töricht. Sie sind zinslos, bei BranöMm und Diebstählen tritt völliger Verlust ein.

Kriegsanleihe Zeichnet, handelt klug.

Sein Geld ist ebenso sicher angelegt rm's in Banknoten, und noch

nützlicher, denn er

Halbjährlich ioisicher leinen Zins.