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Hevzenslrttmpfe.

Roman von Helene Sckütky, geb. von Gersdorff.

(Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)

Nachdruck verboten

..Fräulein Hilde", rief er erschrocken, „was ist mit Ihnen? was fehlt Ihnen?"

„Nichts, nichts" antwortete sie durch Tranen lächelnd.

„O Hilde", rief er, in seiner Erregung alles Zeremonielle veraellend, ..sind wir deshalb Freunde, damit Eie mir Ihren Kummer verschweigen?. Das ist keine wahre Freundschaft!"

„Ach. denken Sie. es fei eine Laune, wir Frauen sollen ja doch so launenhaft sein", suchte sie ihn zu beruhigen.

„Sie launenhaft? Nein, das glaube ich nicht. Das stimmt star nicht zu Ihrem librigen Wesen, das immer so gleichmäßig milde und voll Anteil an allem, was Sie umgibt, ist", erwi­derte er kopfscküttelnd.

„Aber Sie haben doch schon Afters bemerkt, daß mich plotz- l'ch mitten in der besten Stimmung diese Trübseligkeit über­fallt. nicht wahr? Sind das keine Launen?" beharrte sie.

„Nein. ,Frä'ulein Hilde, das flnd keine Launen", entgeg­ne er fest ..Das ist irgend ein Kummer, der Cie bedrückt.

Sie haben mich wohl bis setzt nicht würdig befunden, den- j idfrcn zu teilen. Schon ötters ist er mit plötzlicher Gewalt über Cie gekommen, das habe ich wohl gemerkt, dann habe ich versucht, die trüben Gedanken zu verscheuchen, was mir auch meistens gelungen ist. Heute aber, heute will es nicht gelingen Meinen Cie nicht es würde Ihnen vielleicht doch Erleichterung bringen, wenn Sie mir sagen, was Sie quält? Vielleicht weiß ich doch einen Ausweg oder tut Ihnen schon die Mitteilung

wühl!"

Hilde mußte lächeln, so schwer ihr auch ums Herz mar. Ja. er konnte helfen, er allein, aber entweder kam er nicht auf das einzige Mittel, das ihr helfen konnte, oder wollte er es nicht an wen den. Es war doch nicht möglich, daß sie ihm die Wahr-

sagte, noch viel weniger, daß sie ihn belog. Eine Lüne kam l'b"b aupt niemals über ihre Lippen und wäre seiner und ihrer

selbst unwürdig gewesen. Was sollte sie sagen? O, warum hatte sie nicht mehr Selbstbeherrschung besesien?

Als sie noch immer schweigend mit gesenktem Kopfe neben thm herging, wurde er immer dringender.

„Hilde", bat er, „find wir nicht Freunde? Denken Sie. ich sei Ihr Bruders Meine Schwestern verschweigen mir nichts. Wenn ich nach Hause komme, schütten fie mir alle ihr Herz aus. Meine Mutter sowohl, wie Lotre und Lilly. Alle ihre großen und kleinen Kümmernisse muß ich erfahren, und wenn ich auch nicht immer zu helfen vermag, trösten, zureden. Mut machen kann ich doch immer, und das ist auch etwas?"

Während er so herzNch und eindringlich zu ihr svroch hatte sie einen Entschluß gefaßt. Ia. fie wollte thm die Wahr­heit sagen, aber nur einen Teil, er würde dann versieben, wa­rum fie so traurig war. ohne die Hauptursache, ihr tiefstes Ge­heimnis. ihre Liebe zu ihm, zu ahnen.

„Nun denn", sagte fie endlich, „Sie sollen hören. was mich so unbeschreiblich bekümmert, aber andern können auch Sie nichts daran. Doch ich sehe ein. Offenheit ist das Recht und die Pflicht jeder wahren Freundschaft und vielleicht — nuv vielleicht geht? mir auch wie Ihren Schwestern, daß mir leichter ums Herz wird, wenn ich Ihnen sage, was mich bedrückt."

Cie waren immer weiter gegangen, obne aus Wea oder Umgebung zu achten. Jetzt erblickte Reinbold zusöllig seitwärts eine lauschig gelegene Bank, welche ermüdete Wanderer zum Ausruben einlud.

„Kommen Cie. Fräulein Hilde, hier wollen wir ein wenig rasten", sagte er. ihre Hand fastend. Willenlos ließ fie sich füh­ren. Als sie sich gesetzt hatten, sagte er lächelnd:

„Nun kann die Operation vor sich gehen! Hoffentlich läßt sich der Zahn ohne Schmerzen ziehen?"

Er scherzte zwar, aber ihm war nicht scherzhaft zu Mitte. Was würde er hören müsten? Das Geständnis ihrer Liebe für einen andern? oder weni"stens ihres Gcbundenseins? Viel­seicht an den Marquis? Wie sollte er d"ß ertragen? O. nur dos nicht! Daß ste den Franzosen nicht liebte, glaubte er fast sicher zu sein. Aber es konnten Abmachunaen bestehen, die ste nicht lösen konnte oder wollte Tausend schlimme Möglichkeiten schössen ihm durch den Kopf. Er gab sich endlich innerlich einen

Ruck, wie er immer tat, wenn etwas Schweres an ihn heran­trat, und schnell wie ein Blitz wandte sich seine Seele mit der Bitte um Kraft und Hilfe an Gottes Vaterherz.

Hilde fing endlich mit leiser Stimme an:

„Wahrscheinlich werden Cie mich auslachen, denn etgent- lich ist es gar nichts Positives, was mich so trostlos macht."

Er atmete erleichtert auf. eine Zentnerlast fiel von seinem Herzen. Also kein heimliches Verlöbnis! Gottlob, mit andern Schwierigkeiten konnte man lchon eher fertig werden.

„Es ist nichts weiter", fuhr Hilde fort, „als die große Bangigkeit, die mich immer überfällt, gerade wenn es am schönsten ist. die Bangigkeit, daß olles das. was mich so sehr be­glückt, bald aufhören und ich zurück muß in das trostlos öde Leben, welches ich bei meinem Vater fübre. Und ich fürchte sein Befehl zur Rückkehr wird sehr bald erfolgen. Es kann stck nur noch um Tage, vielleicht nur Stunden handeln, ja. viesteicht ist mein . . . beinahe hätte i» gesagt mein ..Todesurteil" schon eingetrosfen. vielleicht finde ich es schon vor. wenn ich beim­komme. denn die mir vergönnte Frist ist eigentlich »chon vorüber."

..Aber, Fraulein Hilde, nie hätte ich Sie für so Neinmütia gehalten?" erwiderte Reinhold ermutigend. ..Wenn es stch wirklich so verhält, daß Sie fort wüsten, dann fasten Sie Mut und denken Sie wie ein tapferer Soldat, daß es Ihre Pst-chr rst. auf einem Posten, der Ihnen nicht behaat. auäzubarren "

„Wie kühl er mich ziehen läßt' Er spricht nur von Pflicht, während mir beinahe dos Herz bricht vor Oual bei dem Ge­danken an die Trennung!" dachte Hilde in großem Schmerz. Doch suchte sie tapfer das Schluchzen, dag hervorquellen wollte, zu unterdrücken und sagte möglichst ruhig:

„Wissen Cie. was etz heißt, sein Leben lang im­mer ln einem dunkeln, dumpfen Kerker obne Licht, obne frische Lutt, obne Gefährten, ohne Freude gewesen zu sein, dann auf k'rrze Zeit in Freiheit. Lickt. Liebe und Frieden atmen zu dür­fen. um dann auf immer aus diesem vorübergehenden Glück ver. bannt und wieder in den dunkeln Kerker eingesperrt zu wer­den? Herr von Germshoff, können Cie nickt begreifen, wie todesbang und ttostlos mir dabei zu Mute ist?"

Fortsetzung folat.

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§ 1.

Folgende Bekanntmachungen werden aufgehoben:

Die Bekanntmachungen über Frühobst für die Bundesstaaten Württemberg. Baden, Hessen. Elsaß-Lothringen und Sachsen vom 10. Mai 1918.

8 2 .

Kraf^'^ SeramitTna ^ im 9 tritt 3 Tage nach ihrer Verkündung in

Berlin, den 11. Oktober 1918 .

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