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Sie kehren sich nicht daran!

Wir lesen in derVolksstimme":

Am 16., abends flatterte durch das ganze Reich die folgende Depesche:

Nachdruck und Vesvrechung des Artikels ..Wilson und die Hohenzollern" in Nr. 242 der FrankfurterVolksstimme" vom 16. 10. 18 find verboten.

Von Seiten des Generalkommandos 18. A -K.

Lachend legten wir die Verfügung zu dem übrigen und pfiffen ein Stücklein daraus. Wer wird denn Heu e noch so etwas tragisch nehmen! Heute, da die warme Sonne der Demokratie dem dräuenden Schneemann den Stock aus der Hand gejchmol- -en hat.

Man sieht, fie kehren sich nicht einmal an die neue Regie-

r»n§.

Ans der Heimat.

An die Redseligen. Wir haben die Gutmütigkeit, die Vir jedem Ausländer bis in di? letzte Zeit bewiesen haben, teuer bezahlen müssen. Ein großer Teil der Erfolge unserer tapferen Truppen ist durch die Redereien urteilsloser Schwätzer zunichte geworden. Die Feinde haben mit Hilfe ihres ausgedehnten Spionagenctzes alles erfahren, was ihnen dienlich fein konnte. Jetzt horchen ihre Agenten erst reckt auf jedes Wort, das sic uns als Schwäche anslegen könnten. Darum heißt es mehr denn je. jede unbedachte Aeußerung zu unterlassen. Der Feind soll er­fahren, daß Deutschland keine SNavenseele nährt und unsere Sol­daten mutz das Bewußtsein erfüllen, daß von ihrem Willen der Friede abhiingt, den wir wünschen.

v. Fricdberg, 21. Oft Der Oberhcssische Verein für Basler Mission hält am 24. Oktober, nachmittags 2% Uhr, in Friedberg tn der Burgkirche feine Jahresversammlung ab. Inmitten der Verhandlungen steht ein Vortrag von Missionsinfpektor Oettli- Bafel über ..Zukunftsfragen der Basler Mission". Auch wird Missionar Vellon von der Eoldküste über seine Kriogserlebniffe während seiner Gefangenschaft berichten. Abends 8Yi Uhr fin­det eine Gemeindeseier statt mit Ansprachen der Vorgenannten unter Mitwirkung des Klicks ngesangverains Friedberg. Alle MiMonsfreunde werden zu dielen Veranstaltungen herzlich ein» geladen, vergleiche auch den Anzeigenteil.

Der Wunsch nach wasserdichtem Schuhwerk drängt sich beson­ders lebhaft in dieser Zeit auf: denn der Sommer verlätzt uns und der Herbst mit seiner Feuchtigkeit rückt heran. Mancher Vorsichtige hat daran gedacht, sich ein Paar derbe Stiefel oder ein kerniges Stück Leder zurückzulegen: aber nur die wenüffte-n habenBeziehungen" und selbst die Vorausberechnungen der eifrigsten Hamster wirft die Dauer des Krieges über den Hau­fen. Leder gehört in erster Linie den kämpfenden Truppen: für die Zivilbevölkerung ist jetzt schon eine empfindliche Lederknapp- hett eingetreten. Diese wird sich ständig verschärfen und wird nach Friedensschluß noch Jahre hindurch anhalten. Deshalb hat die Reichsregierung schon seit vielen Monaten eine dem Reichs- wirffchaftKamt unmittelbar unterstellte Kriegsorganisation ein­gerichtet, die nichts anderes zu tun hat, als Ersatzstoffe für Soh­len auszuproben, bevor sie in den Verkehr gebracht werden. Das WortErsatz" hört niemand gern: in diesem Falle darf man aber doch Vertrauen dazu haben. Die emsige Arbeit der deut­schen Technik hat einen Ausweg auch aus der Sohlennot gefun­den. Es sind jetzt bereits Ersntzsohlen im Verkehr, die zwar nicht ave bequemen Eigenschaften des Leders besitzen, aber in dem Wichtigsten, Wärme und Wasserdichtigkeit, den Ledersohlen nichts nachgben. Sperrholzsohlen (leichtes -Holz und Lederab- sälle) und Holzhalbsohlen haben sich bereits in Stadt und Land ?ut bewährt, das heißt, wenn sie sachgemäß verarbeitet worden /ind. Dieser Punkt ist so wichtig, daß die erwähnte Kriegsbe- tzord« in Berlin sogar eine eigene Lehrwerkstätte kür die Der-

arbeitungsweise der Ersatzsohlcn errichten mutzte, in der Schuh- wacher aus allen Gegenden Deutschlands sich mit der Holzsohlen­verarbeitung vertraut gemacht haben. Sie haben in der Heimat die neuerworbenen Kenntnisse auch an ihre Fachgenossen me.ter- gegeben. Nur Vertrauen gefaßt zu den Kriegssohlen! Wer sie trägt, ist vor nassen und kalten Füßen sicher.

Uiphe bei Hungen. So liegt denn die irdische Hülle unseres unersetzlichen Hugo Iacobi zur letzten Nutze aus dem kleinen Friedhof zu Utphe gebettet. Inmitten seines Wirkungskreises ist er begraben, seine Ruhestätte liegt mitten in seinen Feldern, die noch der Ernte harrten oder die sein Fleiß schon für das kommende Jahr bereitet hatte. Der stattliche Trauerzug gab Kunde, daß einem außergewöhnlichen Manne das letzte Ge. leite gegeben wurde. Die Landesuniversttät Gietzen lieh mtt herzlichen Worten einen Kranz niederlegcn für den hervor- ragenden Landwirt, der für die Wissenschaft so viel ge« leistet habe Es waren ferner anwesend Herr Landtagsabgeord« neter Dorsch, vertreten war der Vorstand der Landwirtschafts' kammer, der Vorstand und die Sckriftleitung der ..Neuen Ta« geszcitung", der Eardevcrein zu Gietzen, der ebenfalls einen Kranz niederlegte. viele Mitglieder des Bundes der Landwirte und unzählige Verwandte und Freunde aus bet Wetterau. Der Geistlickx des Kirchspiels. Herr Pfarrer Weber von Trais-Hor« loff hielt die Grabesrede über den Text: Wachst, stehet fest im Glauben, seid männlich und seid stark! Er hob die Ta!kraft des Verstorbenen hervor, der für die Heimat ein unentbehrlicher Krieger gewesen sei. stark und männlich habe er allezeit dage­standen und habe seinen Hof znr Musterwirtschaft für die weite Gegend emporgefchwungen. Nastlos und unermüdlich war er im Loben, nun ist er eingegangen zum ewigen Frieden .... Dumpf ertönten die Schollen auf das Grab, die irdische Laufbahn Hugo Iacobis war beendet!

Frankfurt m M.. 22. Okt. Gestern nachmittag 3 Uhr 15 Min. wnrde die Stadt Frankfurt a. M. wegen Fliegergefahr alar- miert. Die Abwehrgeschütze traten in Tätigkeit. Um 4 Uhr 35 Minuten war der Alarm beendet. Schaden ist, soweit bis fetzt fest gestellt werden konnte, in Frankfurt a. M. nicht entstanden. Nach dem lebhaften Abwehrfeuer zu urteilen, das man hier in Friedberg horte, hat abends ge^en 10 Uhr ein erneuter Flie­gerangriff auf Frankfurt stattgefundem

Frankfurt a. 20. Okt. In der ersten Sitzung des Schwur« gerichts war die 23jährige Frau Marg. Spielmanns wegen Körperverletzung mtt tätlichem Erfolg angeklggt. In der Nacht zum 17. Juli war plötzlich ihr vierjähriges Kind gestorben. Die Sektion der Leiche ergab, daß das Kind, ein Knabe, nicht krank gewesen war. Wohl aber wies der Körper zahllose Striemen und blaue Flecke auf. Alle Verletzungen, die festgeftellt wurden, waren auf Mißhandlungen durch die Mutter zurückzuführen. Trotzdem verneinten die Geschworenen die erste Hauptfrage, ob die Angeklagte schuldig sei, im Juli ihr Kind vorsätzlich körper­lich mischandelt zu haben. Damit waren alle übrigen Fragen gegenstandslos geworden und die Angeklagte wurde fretge- svrochen.

AuS Nhcinheffen.

FC. Worms, 18. Ott. Die Stadtverordnekenverfammlu^ hat befchlosien, zur Beseitigung der Geldknappheit Notgeld tu Höhe von 1 500 000 Mk. alsbald herauszugeben und zwar 10 000 Scheine zu fünf Mark. 50 000 Scheine zu zehn Mark und 25 000 Schein« zu zwanzig Mark.

FC. Aus Rhcinhesien, 17. Ott. Sett einigen Tagen wird hier wieder der dumpfe Kanonendonner von der Westfront ge­hört. Die Ernte der Spättartoffeln fällt durchweg gut aus.

Bingen, 20. Okt. Wegen der überhandneb-m enden Einbrüche in der Stadt muffen die Wirtschaften um 11 Uhr abends schlie­ßen. Wer nach 11 Uhr noch auf der Sttatze von den Sicherheits- patrouillen getroffen wird, mutz sich über feine Persönlichkeit cmsweisen können, sonst wird er verhaftet.

Gav-Odernheim, 20. Okt. Vom eigenen Fuhrwerk totgefah- ren wurde der 13 Jahre alt» Sohn des Küfermeisters Jako-

Ochs von hier. Der Knaoe wollte eine Fuhre Most vom Feld« nach Haufe fahren. Unterwegs fiel der auf dem Feh siyende- Trichter unter starkem Gepolter herunter, sodaß das Pferd scheute und durchging. Der Junge kam dabei zu Fall und wurde überfahren, fodaß er auf der Stelle tot lieget! blieb.

Aus Hessen-Raffau.

FC. Usingen, 17. Okt. Die Stadtverordneten beschlossen, dl« Vornahme der Stadtverordnetenwahlen um ein Jahr zu ver-. schieben.

FC. Wiesbaden, 18. Okt. Einen Bezugschein über zwei Paar Strümpfe batte sich Frau Bertha Ochs in Niederjosbach vom dortigen Bürgermeister ausstellen lasten. In Hofheim wollte sie Strümpfe kaufen; sie dachke, es geht in einem hin und machte schnell aus der zwei e.ne drei. Wegen Urkunden, fäffchung wurde Frau Ochs von der Strafkammer in eine Ge­fängnisstrafe von einem Tag genommen.

FC. Wiesbaden, 18. Olt. Im Veracht des Brotkarten- fchleichhandels stand der Pole Iagoda, der auf d:r Fabrik Elek­tron in Griesheim a. M. in Arbeit stand. Bei einer Revision wurden 75 Franlfurter- und 40 Reise-Brotkarten bei ihm ge­funden. Er gab zu, die Karten von einem Unbekannten für eine Mark das Stück erstanden zu haben. Der Staats«luvalt batte gegen den Angeklagten heute wegen gewerbsmäßiger Hehlerei eine Zuchthausstra'e von einem Jahr beantragt. Die Strafkammer sah in dem Fall nur einfache Hehlerei und ver­urteilte den Polen zu zwei Monaten Gefängnis.

FC. Wiesbaden, 18. Okt. Der französische Kriegsgefangen- Ferdinand Moreaux dahier war zwei französischen Kriegsge. fangenen zum Entweichen dadurch behilflich, dag er denselben einen Atlas und Rheinansichten von Mainz bis Eoblenz über­gab. Er wurde wegen dieses VerfehlZ vom Schöffengericht zn 10 Mk. Geldstrafe verurteilt.

FC. Bierftedt, 18. Ott. Die Flrisckvert.ilung geschieht hier! 1e>ilu>eise in recht willkürlicher Wo se. So verausgabte der euH - mit dem Fleisch,verkauf betraute Viehhändler Mayer letstbu»

« Kopssleisch. an dem noch ein Teil des Knhmaules hing. Wen, i Vier'tadt schon im Gegensatz zu Wiesbaden mir 175 Gramm j Fleisch verteilt und von diesem nur die Hoffte eßlmr ist. so er. j regt dos in der jetzigen ernsten Zeit nur Erbitterung. Mayer war außerdem einer von denen, bei welck>em bei der Reniffo,

I de? Gendarmeriewachtmeis^, wie dieBierstädter Zeitung* i meldet, etwa 20 Pfund jjY Fleisch im Keller gefunden wur ! den.

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FC. Aus dem Rer^.nngsv^.7 17. Okt. Mangel

an Arbeitskräften und früher Winterbeginn meitefl»

fldjenl. Mitwirkung der Schuljugend bei der Kcr^i^^rnt, Die Königliche Negierung hat deshalb bestimmt, daß de^ ev forderliche Urlaub, fei es für ganze Klaffen und Schulen ode^ für einzelne Schulkinder im ausreichendem Umfange zu gewai» ren ist. Auch solche jüngere Schulkinder sind vom Unterricht zu befreien, die ihre noch nicht schulpflichtigen Geschwister im Hause beaufsichtigen muffen, wahrend die Mutter ihrer Arbeit auf dem Felde nachgchen muß.

Ans dem Vortaunus wird derVolksftimme" geschrie­ben: Die Sucht, schnell reich zu werden, bat in den erdbeer- bauenden Taunusorten zu einer ins Maßlose gesteigerten Anlage von neuen Erdbeerpflanznngen geführt. In ein­zelnen Gemarkungen, wie in Hofhelm und Kriftel, wurden die besten Aecker, die bisher reicke Kornernten lieferten, z« Erdbeerfeldern umgewandelt. Auf diese Weise sind schon mehrere hundert Morgen dem Anbau wichtiger Feldfrüchte entzogen. Die Folgen dieser Luxuswirtschaft machen sich bereits insosern bemerkbar, als in diesen Orten ein em­pfindlicher Kartoffelmangel herrscht. In diesen Zeiten, wo wir jeden Ouadvatmeter Acker zur Volksernährung brauchen,' sollten die Behörden diese Lurus-Landwirtschaft verbieten. Wir können uns dieser Ansicht nur anschließen.

Aus Kurbcffkn.

FC. Auß der Rhön, 17. Okt. Der Landwirt Kirchner-Spa, niol, 63 Jahre alt, in Reuswarts bei Tann wurde von einem tollwutbefallenen Hunde leicht an der Hand verletzt. Er beach­tete die Wunde nicht und begab sich erst drei Wochen darnach in das Pasteursche Institut nach Berlin. Hier erlag er der Verletzung.

FC. Ziegenhain, 17. Okt. Während die Eltern auf dem. Felde beschäftigt waren, mochte sich das vierjährig« Kind de« Landwirts Kümmel von Nasis mit einigen Spielkameraden im Holzschuppen ein Feuerchen an. Dies griff derart um sich. daß ihm Wohnhaus, Scheuer und Stallung zum Opfer fielen. Küm­mel erleidet, da er sein Anwesen sehr gering versichert hal^ einen sehr großen Schaden.

Aus der Pfalz. 1

FC. Aas der Pfalz, 17. Ott. Bei einem Wortwechsel i^ einer Wirtschaft in Pirmasens wurde ein« Frau durch Revolver» schüffe tätlich und ein an dem Stteit beteiligter Sergeant seh« schwer verletzt.

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Kirchliche Nachrichten.

Gottesdienst in der StadtkiriHe.

Mittwoch, 23. Okt., abends 8 K Uhr fällt wegen des sionsfestes am Donnerstag aus-

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otts Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R H e v n e r. Iriedberg. Truck und' Verlag derReuen Tageszeitung^ A- G.. Friedberg i H.

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des Ärei»»rb«itsn«chmett'es n.

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Offene (Stellen:

8 Knechte, 1 Schäfer« und eine Hosmeister'amilie, 6 Ta,e-' löhner. 1 Fobril'chlosser. 16 Dienstmägde, 1 Melkerin, 15 Haus­mädchen, 1 Kellnerin, 1 Eutslöchin, 1 Wirtschajtelin.

Stellenfucbende:

Mehrere Melkersamilien und ledige Melker, 2 Büroftnule'm