Nummer 245 fiijrljrri* $ 3Ö*
Freitag, den 18. Oktober 1918
11. 3ftl?r<tnr!g
Die ,1 eue ^a^esieiinng" endjeint irden 'ÜSerttcn. Regelmäßige Beilagen „Oer Oaner ans Hellen". „Die 5'pinnllnbe". Se,n)spreia: Bei den PoitanItalien oierielfäfiriict) 'JJÜ. zr hinzu tritt noch das Bestellgeld; aei den Anenter: monatlich 1.00 Mk. einschließlich Tragerlobn. Anzeigen: Grund:eiie 2L> Pkg.. totale 20 Anzeigen von auswans oeroen durch Po rnachna m
erhoben. Elii'Uunosori Friedbera. Hchriftleitnna und 'lerlan riedde'-g liefen!. mnauer trage 12. ^e^n orecher 4S. Ba t» deck» Lonto ’Jlr. iS»!), I n» Franiurt a. M.
Znriichverlegung der Front hinter die §ys. — Cin neuer nrchbrachsverfnch anf breiter Fr^»'t aelcheUert. Die Keralungcn in Kerlin. — Derlängern».g der Zeichnnngsfrist für die Kriegvanlcilje.
Der deutsche Generalstab =r= meldet: =s
M. S. Trotzes Hanplqsrartier. den 17 . mtobtv Ämllich.
Westlicher Krieg-schanplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht
Aus dem Kampffelde nahmen wir unsereF-ro"t ln die Lin^e östl'ch rum Torhout-Koolskamp-Ingelmünster. im Anschluß hieran hinter die Lps zurück. Nach stärkstem Feuer auf das geräumte Gelände fühlte der Feind an unsere neuen Stellungen heran. Beiderseits von Koolskamv griff er sie mit starken Kräften bei Tr.rhout und Ingelmünster in Teilvorstösen an. Auch ge^en die Lps-Front hei Kortrik und Menen führte er heftige Angriffe. Der Feind wurde überall alwewiesen. Gegen unsere neue Front zwischen Lille und Douat ist der Feind gestern bis tn Linie Eapinghen-Allenes les Marais-Earvin Oigliies gefolgt. Am Sclle-Absckvitt drang der Gegner bei Haussv in unsere Linien ein. Radfahrer-Bataillone warlen den Feind im Gegenangriff zurück und nahmen die alte Stellung wieder. Die Beschießung der Stadt Denain durch englische Artillerie hält an und hat weitere Opfer unter den französischen Einwohnern und Flüchtlingen gefordert.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An der Aisne-Front zeitweilig Artilleriekampfe. Erneute Angriffe der Franzosen nördlich von Origny wurden abgervicfen. An der Aisne und an der Adre scheiterten starke französische Angriffe vor unseren neuen Linien westlich von Grandpre.
Heeresgruppe Gollwitz.
Oestlich der Aire wurden amerikanische Angriffe, deren Hauptstoß sich gegen Ehampigneulletz und Landres richtete, ab- gewiefen. Beide Orte wurden gehalten. Die Höhe südöstlich von Lamdres blieb nach wechselvollem Kampfe in Feindeshand. Auch auf dem Ostufer der Maas scheiterten erneut Angriffe des Feindes. Bei Abwehr des westlich von Flabas mit Panzerwagen vordringenden Gegners zeichnete sich die erste Landwehr- Division besonders aus.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Bor unserer neuen Front zwischen Iagodina und Risch hat der Feind die westliche Morava-Erusovac- und Aleksinac erreicht. Teilangriff'e, die er aus dieser Linie heraus führte, wurden abgewiofen.
Der erste Eeneralquarticrmcistcr: Ludendorff.
Staatssekretär Bauer über die Kriegsanleihe:
(?§ komme wie es wolle, die .^viesis- ist gekichert, dafür wird Reichstag und Regierung sorgen.
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Alrendbericht.
Derlln, 17. Oft., crbends. (WB. Amtlich.) Zwischen Le Eateau und der Oise hat der Feind erneut auf mehr als Ob Kilometer breiter Front angegriffen. Der mit großen Mitteln ankefetzte Durckbruchserrsuch wurde vereitelt. Seine Angriffe find teils vor unseren Linien gescheitert, teils fingen wir sie vor unseren Artilleriestellungen auf.
In Flandern, an der Aire und Maas nur örtliche Kämpfe.
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H Der österreichische Generalstab j| jfe=--- meldet: ?
SBien, 17. kt. <WB.) Amtlich wird v-rlaulbart:
In den Sieben Gemeinden wurden italienische Erkundnngs- Vorstöße zurückgewiesen.
In Albanien spielten sich nördlich von Tiraua Nachhut-
S mpfe ab Die Serben find bis westlich Morawa vorgerückt, ue Angriffe östlich von Krufevac wurden abgeschlagen.
Der Chef des GeneraUtabc-,
Die Neuordnung in (Oesterreich.
Wien. 17. Okt Der Ministerpräsident Freiherr v. Husiarek bat gestern den Obmännern der Parteien des Abgeordneten-. bauses mitgeteilt, daß eine Proklamation unmittelbar bevor- stehe, mit der die Umwandlung de", österreicbisrbsn Einheitsstaates und die Konstituierung der förderativen Staaten eingeleitet wird.
Es heißt, daß vorläufig an eine Konstituierung von vier Staaten gedacht wird und zwar an ei"en deutsch östcrr?ich- llcken. einen tschechischen, einen illnrisch-en und einen ufr^'ni^ch"n Bundesstaat. Die rumänische Frage vorläufig noch offen
gelassen, ebenso bleibt die Vereinigung Bosniens und der Herzegowina mit Kroatien und Sla' onien bis auf weitere^ in der Schwebe. Dagegen scheint die polnische Frone in der Meise erledigt zu werden, daß die polnischen bffbi-'te en^nültig ang ö^rreichischem Besitz in de', des neuen Staates Polen übergehen
Ausrufung der tschechischen Republik?
Wie die ..Tägff Rundschau" aus Wien meldet, soll bei dem Gefamtauslland in Prag die tschechische Republik sowohl in Prag wie in Vilsen ausgerufen worden sein. Ferner wurde in Prag -um srstenmale die Anwendung von Waffengewalt gegen das übrige Oe-erreich angedrobt, um die Ausfuhr non Lebensmitteln und Kohlen zu verhindern. Die Mehrheit der böhmischen Abgeordneten hat sich für die monarchische St^a's'orm ausgesprochen und will den Prinzen Max von Hohenberg, den Sohn des ern-orde^en Erzherzogs Franz Ferdinand, oder den Herzvg von Eonnougbi zum König wählen. Rnr eine klffne Minderheit tritt für die Schaffi'vg einer Republik mit dem Pariser Professor Denys an der Spitze ein.
Tiroler deutscher Volkstag.
Wien, 1b. Okt. (WB.) Die Blätter berichten aus Brixen: Unter ungeheurer Teilnahme fand am Sonntag ein Tiroler deutscher Volksta.g statt, der teilweise einen sehr stürmischen Verlauf nahm und schließlich aufgelöst wurde, nachdem eine Entschließung angenommen worden war, wonach der Volkslag es für dringend geboten hält, das durch Geschichte und wirtschaftliche Beziehungen zusammengehörige Land Tirol in vollem Umfange aufrecht zu erbalten und den Ladinern in ibrem Gebiete das freie Selbsibestiwmungsrecbt zu aewahren. Der Volks-ag wünscht eine möglichst innige Ausgestaltung des Vundesverbält- nilles zum Deutschen Reiche, insbesondere inniaen wirllcha't- lich.en Zusammen'chluß mit Deutschland, sowie raschelle Herbeiführung eines allgemeinen gerechten Völkerfriedens. Er begrüßt deshalb den Friedensschritt des Kaisers und feiner treuen Bundesgenossen.
Budapest. 16. Okt (WB.) Ungarisches Korrefvondenz- Bureau. Als nach Sitznngsschluß des Abgeordnetenhauses Graf T i f z a das Haus verließ und kws Auto besteigen wollte, näherte sich ein halbwüchsiger Bursche dem Kraftwagen mit einem Revolver in der Hand. Der Wagenführer bemerkte das Herannaben und schlug den Burschen ins Gesicht. Dieser taumelte zurück und ließ den Revolver fallen. Er konnte keinen Schuß crbgeben und wurde von Polizeibeamten festgenommen.
Vm Wuchst des bgchrg barl.
Wien, 17. Okt. (WB.) Eine Sonderausgabe der „Wiener Zeitung" veröffentlicht folgendes kaiserliche Manifest:
An meine getreuen österreichischen Völker!
Seitdem ich den Thron bestiegen habe, ist es mein unentwegtes Bestreben, allen meinen Völkern den ersehnten Frieden zu erringen sowie den Völkern Oesterreichs die Bahnen zu weisen, aus denen sie die Kraft ihres Volkstums unbehindert durch Hemmnisse und Reibungen zur siegreichen Entfaltung bringen und für ihre geistige und wirtschaftliche Wohlfahrt erfolgreich verwerten können. Das furchtbare Ringen des Weltkrieges hat das Friedenswerk bisher gehemmt. Heldenmut. Treue und opferwilliges Ertragen von Not und Entbehrungen haben in dieser schweren Zeit das Vaterland ruhmvoll verteidigt. Die harten Opfer des Krieges müsien uns einen ehrenvollen Frieden sichern, an dessen Schwelle wir heute mit Gottes Hilfe stehlen. Nunmehr muß ohne Säumnis der Neuaufbau des Vaterlandes auf feinen natürlichen und daher zuverlässigen Grundlagen in Angriff genommen werden. Die Wünsche der österreichischen Völker sind hierbei sorgfältig mit einander in Einklang zu bringen und ihrer Erfüllung zuzusühren. Ich bin entschlossen, dieses Wert unter freier Mitwirkung meiner Völ
ker im Geiste j-ner Grundsätze dnrchzuführen. die sich die vet bündeten Monarchen in ihrem Friedensangebot zu eigen ge macht haben. Oesterreich soll den, Willen seiner Volker gemä; zu einem
Bundesstaat^
werden, in dem jeder Volksstamm aus seinem Siedlungsaeblett fein eigenes staatliches Gemeinwesen bildet. Der Vereinigung der polnischen Gebiete Oesterreichs mit einem uncrbhänaiger polnischen Staate wird hierdurch in keiner Weise voraegriffen. Die Stadt Triest samt ihrem Gebiete erhält den Wünschen ihrer Bevölkerung entsprechend, eine Sonderstellung. Diese Reuge. staltung, durch die die Integrität der Länder der ungarischer heiligen Krone in keiner Weise berührt wird, soll jedem nationalen Einzelstaote seine Selbständigkeit gewährleisten. Sir wird aber auch gemeinsame Interesien wirksam schützen und sich überall dort zur Geltung bringen, wo die Gemeinsamkeit ein Lebensbedürfnis der einzelnen Staatswesen ist. Insbesondere wird die Vereinigung oller Kräfte geboten sein, um die -roßen Aufgaben, die sich aus den Rückwirkungen des Krieges ergeben, nach Reckst und Billigkeit erfolgreich zu lösen. — Vis tiicTe Umgestaltung auf gesetzlichem Wege vollendet ist. bleiben die bestehenden Einrichtungen zur Wahrung der allgeme nen Interessen unverändert bestehen. Meine Regierung ist beauflraat wor- den, zum Neuaufbau Oesterreichs ohne Vertun alle Arb 't'n vorzubereiten. An die Völker, auf deren Selbstbestimmung dar neue Reich sich gründen wird, ergebt mein Ruf. an dem aroßM Werke durch Nationalräte witznwirken. die — g»Z>ildet auz Reichsratsabgeordneten jeder Nation — die Ivte'--'si?n der Völ. ker zu einowdcr sowie im Verkahr mit meiner Negierung zur Geltung bringen sollen
So möge unser Vaterland, gefestigt durch die Eintracht der Rationen, die es umschließt, als ein Bund freier V.ö'lker au« den Stürmen des Krieges hervorgehen. Der Segen des All. mächtigen fei über unserer Arbeit, damit das grwe Friedens, werk das wir errichten, das Glück aller meiner Völker bedeutet
Wien, 16. 10. Karl m. p. Husiarek m. p.
Gleichzeitig wendet fick Kaiser Karl folgendermaßen an Armee und Flotte:
Den Wünschen aller Völker Oesterreichs entsprechend, erfolgt ibr Zusammenschluß in nationale Staaten, vereint in einein Bundesstaate. Wenn hierdurch einerseits Hemmungen beseitigt werden, die im Zusammenleben der Völker bestanden, so soll andererseits geeintem Schaffen zum Woble des eigenen Volkes und Vaterlandes künftighin ungebcmmt freie Bahn offen sein. In diesem bedeutungsvollen Augenblick n»ende ich vrich an die Armee und Flotte. In Euren Reiben bat die Treue und Einigkeit alle Nationen unter einander und mit mir stets unlösbar verbunden
Unerschütterlich ist mein Vertrauen, d^ß der feit alter?' r und auch jetzt woblbewäbrte Geist der Treue und Emtracht unverrückbar fortbcstehen wird Ihn vwllen wir bewabren. Er werde Oesterreichs nei!en Staaten das kostbarste Erbe, ihne» und mir zn Lust und Frommen. Das walte Gott!
Cchönbrunn, 17. Oktober. Karl m. p.
Willons Dole nii (Oesterreich.
Berlin, 17. Oft,. 1 Uhr mittags. In Wien verlautet, daf die Antwort Wilsons an Oesterreich-Ungarn bereits am Mittwoch abend in Wien eingetroffen ist. Der Inhalt aber soll, wic man sagt, auf Grund einer Vereinbarung weder in Wien nach in Washington veröffentlicht werden, bis der dafür geeignet« Zeitpunkt gekommen sein wird. Es erklärt sich auch, daß di« Niedergeschlagenheit, die die Antwort Wilsons auf die deuff.b« Note in dem deutschen Teil der öffentlichen Meinung Oester. reichs hervorgerufen hat. gemildert worden ist durch die Halb nung, daß die Antwott Wilsons an Oesterreich in einem we. fentlich milderen Ton gehalten fein wird.
Die Antmort an Wilfon
dessen Note heute anitlich in Berlin eingetrossen ist. soll beule erfolgen. Auster der Obersten Heeresleitung ist auch der Chef des Admiralstabes p. Sck>eer in Berlin eingctrofsen. Eine Klärung der Ansichten soll angebahnt fein.
Berlin, 17. Okt. Wie der Lokal-Anzeiger" aus Reicks» tagskreisen hört, haben die Beratungen über die deuttck» Antwortnote ihren Abschluß gefunden. Die Anstäntnzz^ Stellen sind zur Zeit mit der Abfassung des Dokuments de- fcl)äftigt. lieber den Inhalt ist natürlich Bestimmtes nicM bekannt. E» ist anzunebmen. bak bie Antwort io aebalte»


