Ausgabe 
8.10.1918
 
Einzelbild herunterladen

Herzenskampfe.

Roman von Helene Sckiitty, geb. von Gersdorff. (Eop^rixkt 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)

10) Nachdruck verboten.

Ja, Fräulein Antelmann ist wirklich schön", erwiderte Frieda sinnend, denn sie hatte die junge Fremde kürzlich im Theater gesehen.Es ist eine wunderbare Harmonie in ihrer Erscheinung. Die Gestalt wahrhaft königlich, trotzdem sie kei­neswegs übergroß ist. und das eigentlich weiße, aber nicht un­gesunde, blasse feine Gesicht mit den schönen, still und klug strah­lenden Augen macht einen ganz ungewöhnlichen Eindruck. Auch ihr ästhetischer Sinn muß sehr ausgeprägt sein, denn sie kleidet sich exquisit, einfach und elegant und alles sitzt ihr wie ange­gossen, sie ist wie ein Bild, selbst die Mode des Tages sieht bei ihr poetisch aus. Ob sie wohl auch so gut und klug ist, wi? sie aussieht? Ich glaube, jedermann muß sie lieben", setzte sie nachdenklich, wie für sich sprechend, hinzu.

Natürlich war ihr bekannt, daß Reinhold bei Antelmanns wie ein Sohn des Hauses verkehrte und daß er daher wohl täglich mit der schönen Nichte Zusammentreffen mußte. Ihr Herz ahnte, daß dort die Gefahr r ihr Lcbensglück lag, und die Qualen der Eifersucht, von denen sie bis jetzt verschont ge­blieben. begannen sie zu peinigen. Sie hatte allerdings auch gehört, daß Marquis Neymond sich eifrigst um die junge Mil­lionärin bewerbe und wahrscheinlich von ihr erhört werden würde. Sie wollte sich imnier damit trösten, ihre eifersüchtigen Sorgen damit beschwichtigen, aber es wollte ihr nicht glücken. Was konnte denn ein Marquis Reymond neben Reinhold Germsdorff bedeuten? Konnte ein Weib täglich mit ihrem Idol zusammen sein, ohne es zu lieben? Hatte sie nicht eben erst erfahren, daß sogar auch ihre kindliche Schwester schon seiner Unwiderstehlichkeit ihren Tribut zahlte? Daß Fräulein Antel­mann bei ihrem täglichen Verkehr gleichgültig gegen ihn blei­ben könnte, hielt sie für ganz ausgeschloffen. Nun handelte es sich nur noch um ihn. Solange sein Herz frei war. blieb auch für sie dre Aussicht nicht unmöglich, aber im verborgensten Winkel ihres Ipnern lebte diese Hoffnung gleich einer schwachen, aber unauslöschlichen Flamme.

7. Kapitel.

Vor dem Hauptportal des königlichen Schloffes fuhren ele­gante Equipagen in langen Reihen vor, denen vornehme uni­formierte und nicht uniformierte Herren mit ihren Frauen und Töchtern entstiegen. Da es Sommer und helle Tagesze't war. bekam das gaffende und sich möglichst nahe herzudrängende Publikum viel Pracht und Luxus, fowi- auch viel Jugend und Schönheit zu sehen. Die Königin liebte strenge Polizeimaß- r egeln nicht und deshalb wurden die Zuschauer auch kaum in

der Befriedigung ihrer naiven Neugier gehindert und machten ungeniert ihre mehr oder minder witzigen Bemerkungen über die Aussteigenden, die allerdings dies moderne Spießruten­laufen kaum sehr genußreich finden mochten.

Es war ein prachtvoller Iunitag. Die Sonne schien licht und goldig,, aber nicht sengend, auf den schattigen alten Park mit seinen mücht gen Bäumen, die sie goldig durchflimmerte, und ihre Strahlen tanzten lustig auf den grünen Wogen des dahinter vorbeirauschenden Rheinstromes.

In dem großen Gartensaal des Erdgeschoffes wurden die Gäste Ihrer Majestät von dem Hosmarschall Grafen von der Recke und der Qberhofmeisterin Gräfin Heffenstein empfangen und auis freundlichste begrüßt: jeder Familie, jeder Persönlich­keit wurde in sehr liebenswürdiger Art der ihrem Rang und ihrer Stellung gebührende Platz angewiesen. Das brachte die Hofetikette sc mit sich. Reinhold von Eermsdorff als Fest­arrangeur stand zur Linken des Hofmarschalls, immer seines Winks gewärtig, um bei dem Platzanweisen der Gäste in takt­voller Weise behilflich zu sein.

Als Kommerzienrat Antelmann mit Gemahlin und Nichte eintrat, zuckte er unwillkürlich zusammen. Seine Augen weil­ten wie verzaubert auf Hilde Sie sah wunderschön aus. Ein schwarzes kostbares Epitzenkleid umschloß eng ihre herrliche Ge­stalt und rauschte in langer Schleppe hinter ihr her. Ihr wun­dervoller Nacken, ihre klassisch geformten Arme hoben sich in leuchtender, alabasterner Weise von dem schwarzen Stoff ihres Kleides ab. In dem reichen dunkelbraunen Haar trug sie nur einen cremefarbenen La-France-Rcfenzweig, das war der ganze Schmuck der Millionärin. Dafür leuchteten ihre Augen in strah­lendem Glanz und lag auf ihren meist blaffen Wangen eine leichte Röte, die sie geradezu hinreißend schön machte.

Auch Tante Ella in ihrem Samtkostiüm mit den kostbaren funkelnden Diamanten im Haar und an der Brust sah sehr stattlich und vorteilhaft aus. Der Kommerzienrat durste stolz auf seine Damen sein.

Punkt 6 Uhr. Pünktlichkeit ist bekanntlich die Höflich­keit der Fürsten. öffneten sich die Flügeltüren des Nebcn- saals und der Hofmarschall, welcher dorthin geeilt war, meldete mit lauter Stimme:

Ihre Majestät dte Königin!''

Im gleichen Augenblick erschien die hohe Dame, trotz Kränk­lichkeit und vorgerückten Jahren noch immer eine schöne und imposante Erscheinung, gefolgt von ihrer, sie überall wie ihr Schatten begleitenden Palastdame und getreuesten Dienerin, Gräfin Pleffen sowie mehreren anderen jungen und hübschen Damen, meistens Töchter aus den ältesten, aber nicht besitz­reichsten Adelsfamilien, die durch diese Stellung im Dienste der Landesmutter eine standesgemäße Versorgung fanden.

Alle Anwesenden verneigten sich lief, die Königin nickte

Wiedersehen war seine

und un,ere Hoffnung.

Wer ihn gekannt,

wird unsern Schmerz ermessen.

Verwandten und Bekannten, unserer verehrltchen Kundschaft, die traurige Nach­richt, daß unser einziger, unvergeßlicher, hoffnungsvoller guter Sohn, Bruder und Enkel

Karl

im Alter von 21 Jahren sechs Tagen im Feldlazarett 101, im Westen, am 3. Oktober an Typhus und Lungenentzündung sanft entschlafen ist.

Leinenmühle, Holzhnusen,

In tiefer Trauer:

Eltern, Schwester und Großvater

Familie Eoubolf.

Letr: Taubensperre zur Saatzeit.

Dekan,nmachirng

Es wird hiermit att'eordnet, daß ämtiicheTaubeninFriedberg- Fauerbach während der Herbst- saaze>t und zwar vom Donners­tag. den 10. Oktober 1913 bis Freitag, den 15. November 1*»1S dauernd in ihren Schlägen ein- zuhaiten sind.

FurMilitärbriestaubenTauben. der Mili ärverwaltung und der Brie taubenliebhabervereine, wird die Sperre vom 15. brs 25. Ok­tober 1918 verhängt.

Tie im Felde auf ausgestell­ten Grundstücken angetroffenen Tauben werden als herrenlos an­gesehen und im ^ n^eresse der Er­hol !Ug der Saat abgeschossen.

Uebertrerungen werden unnach- fichllich zur Bestraiung angezeigt.

Fr,edb«rq, den 7. Oktober 1918.

Der Bürgermeister . _ 3. 93.: Dam m.

such jeder sonstige lästige Haarwuchs der

-Mwindet sofort spur- und schvierzloL durcl Ahtöten der Wurzeln für immer mitten Meine» verbesserten orientalischen Verfahrene ,^Kelwaka".- tzi^ort. Erfolg garant, sonst «eldzurück. Preis M 6. gegen Nach,!. Frau H. Meyer, CSlnzo. HAchratb« Str. rs.

WniW kt ßemeinWeiicrit.

Unter Bezugnahm e auf die Mit­teilung auf Seite 2 des Steuer- zeilels wird hiermit bekannt ge­macht, daß die bis Ende Seat, fälligen Steuern. 1/3. Ziel^ein- ichiießlich der Nachträge, bis zum II. Oktober ds. Js. zu ent­richten [inö; Nach Ablauf dieser Frist beginnt die Zwangsbeurei- bung.

Es wird hierbei dringend emp­fohlen, sich der Ueberweisung aus Bank- oder Scheckguthaben zu be­dienen. In die!em Falle ist außer dem Namen auch die Heber egisler- nummer des Sieuerzetlels anzu­geben.

Fnedberg, den 2. Oktober 1918.

Die Stadtkasse.

für Mm m iwlN

empfehle

Codmr n. Mkn-Mruer

sowie feinsten Kräuter-Lirup.

Friedrich Michel, jti*n«|.

Bekanntmachung.

Näch'ten Mittwoch, den 9. ds. Mts., verteilen wir in der alten Post

Zwiebeln.

Zeiteinteilung wie bei der Vutterverteilung.

Für jede aus der Lebensmittelkarte verzeichnete Per on werden

2 P und zum Preise von 32 Psg. per Pfund

abgegeben.

Die Lebensmittelkarten sind als Ausweis vorzulegen.

Gefäße sind mitzubringen.

Frtedberg, den 7. Oktober 1918.

Der Bürgermeister.

I. V.: Dam in.

wieder elnscetroYfen.

Tapeten- und Eiinolcunthaus

Jean ICöglei*,

frVieilher*, Kaiserstrasse 27, Nähe des Rathauses.

liefert schnell und billigst

Neue Tuqesse'ilung

SriLerei io) Verlag, 1.4,

freundlich nach alten Seiten, wahrend sie ihren 1 lundgang be­gann. Nun war der große Moment da, dem dbr meisten Ge­ladenen mit mehr oder weniger Langer Erwartung entgegen, gesehen hatten. Wen würde sie beachten, wen übersehen, wen besonders auszeichnen?

In dieser Beziehung fielen dieCercles" Ihrer Majestät nicht immer befriedigend aus. Die hohe Dame war nämlich etwas kurzsichtig und daher konnte es ihr passieren, daß sie ihr bereits Vorgestellte nicht wiedererkannte und sie wiederholt mit denselben, bei diesen Gelegenheiten üblichen Fragen begrüßte, oder daß sie ganz Fremde mit solchen verwechselte, die schon öfters die Ehre gehabt hatten, ihr vorgestellt zu werden und daß sie dann auf frühere Gespräche zurückkam. von denen sie nichts wußten. Maren die Angeredeten nun nicht besonders ge­wandt. so gab es oft einen kleinen peinlichen Moment der Ver­legenheit. welchen die witzige und gutmütige Gräfin Pleffen dann durch irgend eine schnelle, leichte Bemerkung zu mildern oder zu beseitigen sich bemühte.

Ganz anders verhielt es sich mit Ssiner Majestät dem König. Er hatte ein Falkenauge und ein fabelhaftes Personen- gedächtnis: noch nach vielen Jahren erinnerte er sich aller der­jenigen. mit denen er auch nur flüchtig gesprochen hatte, redete sie sofort mit ihrem Namen au und bezog sich auf das früher mit ihnen Verhandelte. Alle, die mit dem altert Herrn in Be- rührung kamen, liebten ihn um seines gütigen Herzens willen, aber trotzdem trug diese Eigenschaft sicher auch das ihrige dazu bei, feine beispiellose Popularität im Volke noch zu steigern.

Der Nundgang der Königin nahm diesmal besonders viel Zeit in Anspruch, da sie sich in sehr hellerer Stimmung befand und fast alle, an denen sie vorüberkam, mit einigen freundlichen, gnädigen Worten beehrte. Oberst von Trontheim und seine Gat­tin wurden besonders ausgezeichnet, da die Königin, der bei dieser Gelegenheit die niedliche Käthe vorgestellt wurde, den glücklichen Eltern allerlei Freundliches über ihre beiden Hub- scheu blühenden Töchter sagte. Es war vor allem der aller­dings sehr in die Augen fallende Kontrast zwischen der schlau- ken, hohen, blonden Frieda und der kleinen zierlichen, pikanten schwarzäugigen Käthe, der Ihrer Majestät viel Spaß zu machen schien.

Schon als sie noch mehrere Schritte entfernt war. erkannte sie mjt Hilf? des Augenglases das Antelmannsche Ehevaar.

Das ist schon, liebe Kommerzieurätin. daß ich Sie und Ihren Herrn Gemahl hier als meine Gäste begrüßen kann" sagte sie sehr freundlich und reichte den sich tief Verneigenden die Hand zum Kuffe. das gereicht mir besonders zum Vergnügen, nachdem Sie mir schon öfters gastliche Aufnahme in Ihrem schönen Heim gewäbtt haben. Ich denke stets gern an die W Ihnen verlebten gemütlichen Stunden zurück."

Fortsetzung folgt. .

w* ***+*&% t: mm--3 m

Mt Mtier JMesi, laßt ße Nicht vrrdcrhtn.

Ich kaufe jeden ' osten abgefallene saubere Kirsch-, Walnutz-, L-nselnirtz», Linden-, Kastanien-, Wein-. Bre tnessel-, Erdbeer-, Brombcer-, Htmbcerblä tcr irnd Tce- kräuter gegen gute Preise.

Zentner z« Mk. 30.- bis Mk. 60.

Jk iBg'iist Diel,

Friedberg i. Fauerbacherstraße ü.

*

S

si

§ - - memm*®** QVQ&eQ&Z&zsmp ff D 3

ätcr

gesucht.

LllWrik Mkisttle,

_ Fricdbcra.

GlFtEGP,

selbständiger Arbeiter, 40 Jahre, ledig, sucht auf ein Gut in de. Umgegend

Dauerstellung.

Offerten erbittet

G. Keil Hauer, Gärtner,

Frieoberg, Kai erstraße 61.

Suche ein ordentliches

Mädchen

für landwirtschaftliche Arbeiten, das auch 4 Kühe melken kann. Eintritt sofort. Lohn nach Ueber- einkun t.

Heinrich Schultheis, ln Steinfurt bei Bad-Rauheim.

Eine angekörre

Llilimziese

zu verkaufen.

Wo? sagt die Geschäftsstelle derNeuen Tageszeitung

Eine schwere, frischmelkende

Kuli

(Simmentaler Raffe) mit Mutter- kaib zu verkaufen bei

Wilhelm Filz, Kaichen.

Evangel. u. knthot.

Gesang­

bücher

in geschmackvoll. Einbänden Buchhandlung

Friedr. Strecksutz,

Friedberg.

Der Kauf von Uhren ist Vertrauens ache! Wenden Sie sich an Willi. Lolircy, Uhrmacher i.Nie-er-Florj'.aLt. da erhalt. Sie noch eine fein abge og., genau re­gulierte Taschenuhr. Aach ßnd noch Welker. Wau-- und LlauLuhrra dort ja haben.

Feldscheunen!

10.00 m br., 24.00 bis 36,00 m lang

12.00 24.00,, 36,00 15.00,, w 30.00 42,00

18.00 30.00 42.00 ,/ 2",00., 30,00 60,00 , sofort lieferbar.

Georg Crumbach, Frankfurt a. D. s.Tffrubach a.M^ Scheidswaidstr.98^ Telefon Hansa 1 179 l

'