Verfemt.
NomanvonAnnyWolhe.
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36) Nachdruck verboten.
„So? Sind Astern Totenblumen? Na, dann habe ich ja recht gewählt. Sie passen vorzüglich zu meiner Sttmmrnrg."
„Denkst du ans Sterben?"
„Nein, aber ans Leben! Das Sterben ist das Schlimm^ nicht, aber das Leben ist oft zehnfacher Tod."
- „Du bist heute tragisch angehaucht, Liebster."
„Nein, Mirena, nicht mehr als sonst. Ich habe nur heute einen Strich durch die Rechnung gemacht."
„Warum?"
„Du kennst den Erfolg des gestrigen Abends. Er ist gleich Null, und dadurch ist mein Urteil gesprochen."
„Du siehst zu schwarz, Holger. Ein einziger Mißerfolg. WaZ will das sagen?"
„Dieser Mißerfolg bedeutet für mich nicht nur einen Rückschritt, Mirena, sondern den Anfang vom Ende."
„Du übertreibst, wie immer."
„Nein, ich übertreibe nicht. Da lies selbst, was die Zeitungen heute über mich schreiben, und dann sage mir, ob ich nicht ein Ausgestoßener bin. Sage mir, ob ich darnach noch das Recht habe, zu leben, zu atmen."
Mirena nahm hastig die Zeitungsblätter auf, die Holger ihr reichte, und beim flackernden Kaminfeuer las sie mit glühenden Wangen und irrenden Augen:
„Der große Holger Thoresen wird immer kleiner. Sein neuestes Drama „Der Kaiser" ist eine mehr als mittelmäßige Arbeit. Seitdem der bekannte Dichter sich einer schönen Frau zugewandt hat, deren Gatten er im Duell fast tödlich verwundete, scheint ihm der Ernst zur Arbeit vollständig zu fehlen. Das Drama hat den gestrigen Mißerfolg vollständig verdient usw."
Mirena las erst gar nicht dis Motivierung des abfälligen Urteils des betreffenden Kritikers, sondern griff in fieberhafter Hast nach einem anderen Blatt.
In ihren Augen schillerte es seltsam auf. War das wirklich Wahrheit, was da stand? Der gefeierte Holger Thoresen, dem die blöde Menge sonst blind zugejauchzt hatte, war über Nacht in ein Nichts zurückgesunken?
Weiter, weiter! In fieberhafter Hast nahm sie eine Zeitung nach der andern auf. Immer dasselbe Urteil. Hier und da etwas gemildert in der Form, aber immer derselbe Grundgedanke.
f ' Holger Thoresen war abgetaL ^ Man hoffte zwar noch ettvas von ihm, aber es würde viel Arbeit dazu gehören, die Scharte auszuwetzen, die er sich jetzt zugefügk.
Mirena fieberte. Aber das war ja gar nicht möglich. Aste fortgowischt aller Ruhm, aller Glanz, der immer Holgers Stirn umstrahlte. Er würde nichts weiter fein, als jeder andere ringende Dichter, der sich von Erfolg zu Erfolg durOampft, mn schließlich mit lauter Mißerfolgen zu endigen?
Holger hatte Mirena mit finster gefalteter Stirn beobachtet. Jetzt, als. er die Wirkung der Lektüre sah, spielte ein leises Spottlächeln um seine Lippen.
„Nun, Mirena," sagte er endlich mit leisem Hohn, „was sagst du jetzt?"
„Aber, das kann ja alles gar nicht sein," schluchzte Mirena auf, „das wäre zu schrecklich. Was soll denn da eigentlich aus uns werden?" j \J t
Holger lachte bitter auf.
„Wir? Wir verschwinden in der Versenkung. Nicht mal ein Abgang durch die Mitte, sondern ganz sttll und heimlich, das ist unser Los."
„Das ist feige, das ist erbärmlich von dir, das erttage ich nicht."
„Was erträgst du nicht, Mirena? Daß man mir den Nimbus nimmt, der mich, wie du doch hier sehen kannst, unverdient umgeben, oder daß du selbst gezwungen sein wirst, ein Leben ganz in der Stille, der großen Sttlle, Mirena, zu führen."
„Ich will aber nicht, Holger! Ich will mich nicht lebendig begraben. Wenn du glaubst, daß ich mit dir in euer kaltes, ödes Nordland gehe, so hast du dich gründlich verrechnet. Ich brauche Menschen, ich will, ich mutz —"
„Gefeiert werden," ergänzte Holger, „und nun trifft dich der Hohn, der Spott der großeil Menge doppelt. Ich weiß, ich fühle das, Mirena, und es tut mir leid um dich. Du aber solltest vernünftig sein. Die Gesellschaft, an deren Meinung dir so viel gelegen ist, obgleich du selbst ihr den Fehdehandschuh ins Gesicht warfest, hat uns beide ausgestoßen. Das „Warum" brauchen wir nicht mehr zu erörtern. Ich, der ich nichts weiter gewesen, als ein Günstling der Frauen, fiel, als ich mich einer einzigen Frau zuwandte, die meinetwegen, wie man annahm, ihre Pflichten vergaß. Du, weil du abwichest vom Pfade der Tugend, und den Mut hattest, nach außen hin dein Tun zu ver- tteten. Die Gesellschaft versteht hierin keinen Spatz. Nach außen darf der Tugendmantel keine Mängel haben, wenn er auch innen zerfetzt und zerrissen ist. Ich kenne die Welt, und ihr Urteil kann mich nicht kränken. Daß ich aber nichts weiter bin, als ein Modedichter, den man nach Gefallen hochhebt und
wieder fallen läßt, das trifft meine Ehre, das hat mich mchr verwundet al§ alles Gerede der Welt, die ich verachte. Ich bin fest entschlossen, Deutschland zu verlassen, sobald sich Agas Prs- -etz entschieden hat und sie meiner nicht mehr bedarf."
„Ach," «ntgegnete Mirena spitz. Aga also ist es allein, die dich noch hält. Ich denke, sie hat alle Besuche, die du ihr im Untersuchungsgefängnis machtest, abweisen lassen."
Holger errötete heftig, und ein heißer Unwille blitzte i« feinen Augen auf.
„Du hast es freilich nicht für nötig gehalten, Aga, nachdem das entsetzliche Leid über sie gekommen, aufzusuchen, du fürchtetest, es könnte auf dich ein Schein jener Schmach fallen, a» der, wie du meinst, Aga zu tragen hat. Ich aber sage dir, es war eine Heldentat Agas, den erbärmlichen Kerl niederzuschießen, der ihr die Schwester gemordet hat. Schade nur, daß sie so schlecht getroffen, der Lump wird außer einem steifen Arm kaum einen dauernden Schaden davontragen, und darum wird auch Agas Bestrafung, wenn es überhaupt dazu kommt, sehr milde sein. Sobald sich Agas Geschick entschieden, ist mein Werk hier vollbracht, und darum, Mirena, will ich dich heute fragen, ob du bereit bist, mit mir zu gehen in das neue — ich wiederhole — einsame Leben. Willst du?"
„Nein, und tausendmal nein! Lieber tot, als ein Leben fern von der großen Welt. Glaubst du, daß ich mir darum meine Freiheit so bitter erkämpft habe, um sie gegen eine neue Sklaverei einzutauschen? Nein, frei will ich fein und frei bleiben. Erst heute schrieb mir mein Rechtsanwalt, daß Jürgen in unsere Scheidung willigt. Er scheint, nachdem du ihm in dem unseligen Duell einen so gehörigen Denkzettel versetzt hast, weicher und fügsamer geworden zu sein. Er fühle sich krank, schreibt der Rechtsanwalt, und er wolle Ruhe haben, Ruhe um jeden Preis."
Holger hatte das blonde Haupt ttef auf die Brust sinken lasten.
„Ich wollte, die Tat wäre nie geschehen," sagte er mit ver^ düstertem Antlitz.
Mirena lachte leise und spötttsch auf, wahrend sie die rotbraunen Locken von der Stirne strich.
„Wo gäbe es noch eine Tal in deinem Leben, die du nicht bereutest, Holger."
Er nickte. „Ja," sagte er, offen und ehrlich in ihr Antlitz sehend. „Ja, Mirena, ich bereue vieles, am meisten aber, daß ich zu schwach war, dir zu widerstehen."
„Du wirst beleidigend, Holger."
Fortsetzung folgt.
Ihre Vermählung beehren »ich an zuzeigen
Arthur Haub Elise Haub
geb. Hellmarm.
Nieder-Weisel
Klein-Karben
22. September 1913.
J
Bekanntmachung.
Am 21. September 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. H. M. 580/9. 18. K. R. A, betreffend „Bestands- erhebung, Beschlagnahme und Höchstpreise von Weiden, Weidenstöcken, Weidenschienen, Weidenrinde, Weidenstäben, Weidenspitzen, Weidenstrauch, Weidenabfall, Kopfweiden und Naturrohr (Glanzrohr, Stuhlrohr usw.)", erlassen worden.
Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden.
Steffi). KkiittMinMnbo 18. Armeekorps.
Kekannttnachnng.
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