Aerfernt. A
RomanvonAnnyDZot^^ v
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34) Nachdruck verboten.
„D, ich könnte es schon versuchen, an dem Weinspalier hinauf zu kommen" gab Jen zurück, „aber für Sie, Fräulein Aga, dürfte es kaum möglich sein."
Aga blickte prüfend an Jens hoher Gestalt empor.
„Wollen Sie mir Ihre Schultern leihen, Herr Doktor? »Ick) bin stets eine gute Turnerin gewesen, und wenn Sie Kraft genug haben, sich mit mir empor zu richten, wird es mir ein Leichtes sein, die Brüstung dort ollen zur erreichen."
Jen nickte. Er bewunderte die Ruhe und Fassung, die klare Uebersicht Agas, und wie sie so ohne jede Prüderie im Augenblick das Notwendigste und Praktischste zu tun bereit war.
Er beugte seinen breiten Rücken tief herab.
„Steigen Sie auf," sagte er, „und fürchten Sie nicht, mir weh zu tun. Ich halle in fernen Ländern schon schwerere Lasten getragen."
Aga stieg auf Jens Rücken und im Augenblick drückten sich thre beiden Füße fest auf seine Schultern.
Er griff mit beiden Händen tapfer zu und so Agas Füße haltend, richtete er sich langsam in die Höhe. Das Blut war ihm zu Kopfe gestiegen, und einen Augenblick war es ihm, als erfasse ihn ein Schwindel, aber Aga stand, während er sich auf- richtete, fest und sicher. In demselben Augenblick hatte sie auch die Brüstung der Terrasse erfaßt und sich über das Geländer geschwungen. Jen folgte ihr behende wie eine Katze. Beide standen jetzt aufatmend vor der Tür mit der nur halbgeschlossenen Jalousie.
„Die Tür ist nur angelehnt," flüsterte Jen triumphierend. „Gott lob, wir haben gewonnen."
Aga sagte nichts. Ihre Lippen preßten sich nur fest aufeinander.
Jen öffnete behutsam, indem er sein Taschenmesser durch den feinen Spalt klemmte, die Tür. Die dahinterliegende Glastür war merkwürdigerweise nicht verschlossen. Jen öffnete sie leise und trat Aga voran in den halbdunklen Raum. Alles war still. Nichts, was auf das Vorhandensein irgend eines lebenden Wesens deuten konnte. Die Möbel des ziemlich einfach ausgstatteten Gemaches standen wohlgeordnet, nur in der Mitte des Zimmers ein Ruhebett mit einer lässig darauf hingeworfenen Decke sah aus, als hätte erst vor kurzem jemand dort geruht.
„Machen Sie Licht," befahl Aga mit rauher Stimme.
Jen öffnete gehorsam Fenster und Jalousien und sah dann fast verstört in Agas Gesicht.
«Hier ist kein Mensch," sagte er hastig, „und alles ist toten-
es ist' kaum anzunoymett, Daß sich überhaupt Menschen hier im Hause verbergen."
Aga legte den Finger auf die Lippen, während sie in dem jetzt hell beleuchteten Zimmer still stand und lauschte.
Ein heftiges Poltern im Nellengemach ließ die Beiden erschreckt zusammenfahren.
Einem ersten Impulse folgend wollten Jen und Aga auf die Tür zustürzen, doch die Klugheit hemmte ihre Schritte. Lauschend standen sie still.
„Du bist ein törichtes und ein ganz eigensinniges 'Kind," hörten sie Nordkirchs Stimme heftig herüberschallen, „wie oft soll ich es dir noch sagen, daß der eklige Kerl, der Pfarrer, alles von Agas Einwilligung abhängig macht. Daß deine saubere Schwester aber auf alle deine herzzerreißenden Bitten und Briefe keine Antwort hat, weißt du ja auch zur Genüge. Sie, nicht mich, mußt du verantwortlich machen, daß deine Wünsche sich nicht erfüllen."
Agas Antlitz hatte eine Helle Röte überflammt in den brutalen Worten des Mannes, den Haust liebte, dazu kam noch das beschämende Gefühl, daß sie hier als Lauscherin stand, wo sie doch am liebsten Auge in Auge dem Manne dort gesagt hätte, welch ein Elender er war.
„Ruhig," bat Jen, der ihr die Gedanken vom Antlitz las. „Wir erhalten so einen Aeberblick und können da eingreifen, wo es Not tut. Nur ein wenig Geduld."
Er selbst mußte aber alle Kraft und Selbstbeherrschung aufbrietcn, als eine süße, liebe, ganz von Leid verschleierte Stimme klagte:
„Wie grausam du bist, Horst, und ich habe immer geglaubt, du hast mich lieb. Nicht mal hinausblicken darf ich auf den See. Hinter verschlossenen Läden hältst du mich fest. Immer alles dunkel, immer still, und dazu immer die Sehnsucht in der Brust, die unendliche Sehnsucht. Oeffne das Fenster, Horst, ich bitte dich."
Er schien ihren Wunsch zu erfüllen, denn ein fast glücklicher Ausruf kam von den jungen Lippen.
„Es ist sehr unklug von mir, daß ich deinen kindischen Wünschen nachgebe, Haust," sagte Nordkirchs tiefe Stimme fast spöttisch. „Wie leicht kann man vom See aus die offenen Fenster sehen, und darauf schließen, daß das Jagdhaus bewohnt ist. Wenn man unsere Spur findet, ehe wir nicht Agas und deines Vormundes Einwilligung haben, so wird man uns ganz gewiß trennen."
Ein bitteres Lachen kam von Hansis Lippen. „Früher sagtest du, wenn uns Pfarrer Hartwig nicht vorher getraut hat."
„Du kennst die Gründe, die dem Pfarrer die Trauung verbieten. Es wäre ohnedies gegen Gesetz und Recht."
. Hast das alles gewußt.^ kam es keEeMafMch auj dem jungen Munde, Jtm hast gewußt, daß der Marrer «s rtf tarn darf und bann, und du hast mich doch hierher geschksSpt^ und ich habe gewartet mit zitternder Angst im Herzen, aber doch voller Liede und Sebnsucht. weil ich dir vertraute."
Von Tag zu Tag hoffte ich, Aga würde durch meine Bitte« und Verzweiflung gerührt, endlich barmherzig sein. Sie konnte ja nicht anders, wenn sie wußte, daß mein Leben von ihrer Einwilligung abhing, daß ich nur leben kann, wenn uns endlich das Band eint, das mir auch das Recht vor den Menschen gibt' deine Gattin zu sein. Aber Aga schweigt, und doch fühle ich' daß sie mir nahe ist, ich fühle, daß sie mir vergeben hat, und darum bitte ich dich, laß mich zum Pfarrer oder laß ihn hierher kommen. Auge in Auge will ich ihm alles sagen, ihn anflehen, um unseres Vater willen mir zu helfen, mich aus der Verzweiflung zu erlösen. Sei barmherzig, Horst, ich ertrage dies Leben nicht mehr!"
Ein leises, unglaublich spöttisches Lachen war die Antwort.
„Närrchen, das du bist. Es ist wirklich zum lollachen, daß du immerfort nach dem Pfaffen schreist, der uns zusammengeben soll. Gloubst du, daß dadurch nur im geringsten etwas anders wird? Wenn du vernünftig bist, dann läßt sich ja über alles reden, aber deine immer rinnenden Tränen machen mich so nervös, daß ich schon daran gedacht habe, für einige Wochen nach Berlin zu gehen, um mich von diesem Liebesabenteuer hier zu erholen. Ja, ja, meine Kleine. Eine zärtliche, hingebende Geliebte glabte ich in dem verhätschelten Liebling der stolzen Schwester zu finden, und dabei bist du nichts weiter als ein ewig klagendes, tränenreiches, langweiliges Geschöpf. Meine Geduld ist gänzlich erschöpft und wenn —"
Ein Schrei, ein gräßlicher Schrei wie aus langgequälter, zerrissener Menschenbrust entrang sich Hansis Munde.
Jen und Aga mußten alle Kraft aufbieten, um nicht die Klinke niederzudrücken und hineinzustürmen, ihr Liebstes dorj vor den Brutalitäten zu schützen.
„Du, du," kam es stoßweise von Hansis Lippen. „Du bist es also, der mich geliebt hat, um dessen willen ich das teuerste Wesen betrog, das ich habe. Du bist der Mann, den ich für einen Gott anfah, und der nichts ist als der erbärmlichste Wicht, der je ein dummes Mädchenherz betörte. Ich kenne dich jetzt. Ich lese die Lüge, die große, gemeine Lüge in deinen Augen. Nie hat der alte, gute Pfarrer sich geweigert, mir beizustehen, nie sind meine Briefe in Agas Hände gelangt. Hinfort von mir, rühre mich nicht an! Ich verachte dich und gehe dahin, wohin die Müllerliese gegangen, von der Aga erzählte."
Fortsetzung folgt.
Danksagung.
f Jär? 1 ^je vielen Beweise herzlicher TeUnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen
Frau Frieda Lentz
geb. Fricke
insbesondere Herrn Pfarrer Ritter für die trostreichen Worte am Grabe, den Beamten und Arbeitern ves Bahnhofs Friedberg für die erwiesene Auimett- jamkeit danken herzlichst
Friedberg, den 20. September 1918
Die trauernd Hinterbliebenen:
Ernst Lentz und Kinder Familie Fricke.
Hchmjichmq.
Freitag. den 27. ds. Mts., kommen im Nieder-Erlenbacher Cemeindewald zur Versteigerung: 7550 Vuchenwellen 900 Eichenwellen 300 Virkenwellen 50 Kiefernwellen Zusammenkunft vormittags 10 Uhr oberhalb Villingen am Eingang des Waldes. Nieder-Erlenbach, 18. Sept. 1918.
Er. ßiirgkrmkisierki Niedkr-Grlenbach. __ Ullmann. _
Ankauf eines Fasels.
Die Gemeinde Massenheim beabsichtigt einen 15 bis 18 Monate al; <n, sprungfähigen Fasel (Simmentaler Rasse) an',ukaufen. Besitzer solcher Tiere wollen sich attoald bei der Unterzeichneten Stelle melden.
Er. Bürgermeisterei Massenheim.
2 ickit irr
«ngekört und sprungfähig, hat ab- -ugeben
Vt ciß, Hof Graß b. Hungen.
Kill Nattenpiiltslljtt
unter zweien die Wahl, hat zu verkaufen
Rudolf Lindt, Melbach.
Für die uns zur goldenen Hochzeit gebrachten Glückwünsche sagen hiermit herzlichen Dank
Philipp Ludwig Krug und Frau Margarete
geb. 8chäfer»
Heuchelsheim (Wetterau), den J8. September 1918.
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