Verfemt.
Noman von Anny Wothe.
33) Nachdruck verboten.
Jen zuckte die Achseln. Novdkirchs Spur führt n-ach Berghausen. Ein Fischer will ihn am Tage der Abreise des Grafen gesehen haben, wie er mit einigen Reisekoffern am Jagdhaus vorüber nach Berghausen fuhr. In Berghausen selbst will man nichts von ihm wissen. Frau von Hammersbach, die Leiterin des Haushaltes des Grafen VergKaufen und Erzieherin seines Kindes, der ich meinen Besuch machte, erklärte mir ganz entschieden, Graf Noüdkirch wäre monatelang nicht hier gewesen, nur Briefe hätte er mit dem Gc-..sen fortgesetzt gewechselt, und sie hätte auch einmal gehört, wie C .j Berghausen seinem alten Kammerdiener Jean Weisung gegeben habe, unbedingt den Befehlen des Grafen Nordkirch zu folgen, wenn derselbe zu einem längeren Aufenthalt käme. Bis jetzt sei aber der Graf nicht gekommen, obgleich sie ihn längst erwartet hätten.
„Also wieder vergebens!" seufzte Aga auf. Der alte Pfarrer schüttelte das Haupt. „Es scheint mir doch," sagte er langsam, „als ob die Spur hier endigt, und als ob wir sie hier weiter aufnehmen müssen. Jean, der Kammerdiener des Grafen, ist ein alter Schleicher. Für Geld verkauft er zehnmal seine Seele. Haben Sie, Herr Doktor, nicht versucht, ihn aus- zu forschen?"
„Ja, aber an seiner hochmütigen, unnahbaren Miene prallte alles ab. Selbst das Goldstück, das ich ihm in die Hand drückte, half nicht. Nur als ich ihm sagte, daß ich den Grafen Nordkirch hier in Berghausen treffen müsse, und dass ich im Pfarrhause warten würde, bis er hier eintreffe, er möchte mich doch sofort benachrichtigen, wenn die Ankunft des Grafen erfolge, war es mir, als lächele der Alte höhnisch."
In demselben Augenblick wurde laut an die Stubentür gepocht, und auf das „Herein" des Pfarrers trat ein alter Fischer in die Stube.
Er hielt ein zerknittertes Papier in der Hand, das um einen großen Stein gebunden war. In der anderen Hand hielt er verlegen seinen Hut.
„Mit Verlaub, Herr Pfarrer," sagte er. einen liefen Kratzfuß machend, und Jen und Aga linkisch grüßend. „Die Gespenster sind wieder munter."
.Wilm" entgegnete der Pfarrer, ernst verweisend, während der Fischer scheu den Stein auf dem Papier auf die Tischplatte schob, „ick habe dir schon so oft gesagt, du sollst die sündhaften Reden lassen, es gibt keine Gespenster."
„Doch, doch," nickte der gebräunte Mann eifrig, „heute habe f<f) es mit meinen leibhaftigen Augen gesehen. Keiner aus dem Dorfe will des Nachts mehr über den See am Jagdhause vor- be-fahren. weil eine weiße Frau dort umgeht. Viele haben sie schon gesehen, wenn der Mond scheint, aber wenn es mal einer gewagt hat, mit seinem Boote näher zu kommen, dann war der Spuk verschwunden. Heute komme ich nun nachmittags von Rahnsdorf her mit meinem Boot. Ich merkte erst gar nicht, daß ich in der Nähe des Jagdhauses bin, denn ich denke an den kleinen Enkel, der heute bei uns einkehrt. Plötzlich ist es mir, als höre ich leises Rufen. Als ich auffehe, ist mir's, als hätte mich der Schlag gerührt. Vom Fenster des Jagdhauses aus winkt eine weiße Gestalt. Sie winkt immer wieder. Mich packt eine wahnsinnige Angst. Ich will eiligst ftiehen. aber ich bringe das Boot nicht von der Stelle. Mir fallen alle die Spukgeschichten ein, welche die Fischer erzählten, und ich denke, mein letztes Stündlein ist gekommen. Noch einmal setze ich die Ruder ein. Ein Sausen und ein Brausen um mich her. Dicht an meinem Ohre schießt es vorüber und fällt hart in das Boot. Der Stein da mit dem Zettel. „An den Herrn Pfarrer" steht darauf. Erst wagte ich gar nicht, das Teufelszeug anzufassen,
aber endlich nahm ich mir hoch ein Herz, und da .ist die Geschichte.^
Der Fischer wischte sich den Schweiß von der Stirn. Alle hatten chm atemlos zugehört. Aga lehnte halb ohnmächtig cm Jens Schulter.
„Allmächtiger Gott," sagte sie, angstvoll auf den Pfarrer blickend, der behutsam den Brief von dem Steine löste, während Jen dem Fischer ein Geldstück reichte.
Der Fischer trottete vergnügt von dannen, während Jen und Aga atemlos auf den Pfarrer blickten, in dessen Hand das Papier zitterte.
Seine Stimme bebte, als er Jen das Papier reichte und bat: „Lesen Sie, ich kann es nicht."
„Don Hansi!" schrie Aga auf. „Meine Hanfi, sie lebt, sie ist gefunden. Gott, ich danke dir, ich danke dir."
Aga lag auf den Knieen und schluchzte und lachte, dann aber, als Jen sie emporhob und sie in sein ernstes Antlitz schaute, wurde ihr Blick hart und starr. .Lesen Sie," sagte sie tonlos. „Ich bin auf alles gefaßt."
Jen las mit umflortem Blick und bebender Stimme: 1 l .
„Lieber Herr Pfarrer?
Weil Sie so gut sind und doch auch meinen Vater gekannt haben, bitte ich Sie, doch nicht mehr böse auf mich zu sein. Horst sagt, weil ich heimlich mit ihm davongogangen wäre, und Aga so böse auf uns ist, hätten Sie sich geweigert, mich mit Horst zu krauen. Ach, lieber Herr Pfarrer, wenn Sie es nicht tun wollen, dann kann ich ja nicht länger leben. Darum bin ich doch mit Horst gerade hierher gegangen, weil er meinte, Sie würden uns verbinden, und dann könnte uns nichts mehr trennen. Und nun sitze ich hier schon lange hinter den geschlossenen Läden im Jagdhause und warte, daß Sie wieder gut mit Ihrem kleinen Patenkinde werden. Horst meint, es dürfte uns niemand scheu, ehe wir nicht verheiratet wären. Rur des Nachts darf ich ins Freie, und nur die Fenster nach dem See kann man öffnen. Ach, lieber Herr Pfarrer, helfen Sie mir doch. An Aga habe ich unzählige Male geschrieben und sie um Verzeihung gebeten für meine Tat. aber sie zürnt mir. Kein Wort, keine Zeile habe ich von ihr erhalten. Ach, und ich sterbe bald vor Sehnsucht! Lieber Herr Pfarrer! Helfen Sie mir doch!
Ihre unglückliche Hansi Holsten."
24. Kapitel.
Jen ließ das Vriefblatt sinken. Kein Wort kam über feine Lippen, aber in den dunklen Augen loderte es auf, als wollte er eine Welt vernichten.
„Wir müssen sofort hin und das Kind befreien," rang es sich endlich aus seiner keuchenden Brust. ,^ver Schuft hält Hansi unter allerlei Vorwänden gefangen, um zu verhindern, daß sie ihn ganz erkennt. Ich eile sogleich zum Ortsschulzen. Er soll dafür sorgen, daß wir Zutritt zu dem verschlossenen Hause finden. in dem man Haust widerrechtlich gefangen hält."
Aga, die mit starrem Antlitz wieder und immer wieder Han- fis Brief las, ergriff jetzt Jens Hand.
„Nichts von alledem, lieber Freund," sagte sie mit seltsamer Ruhe. „Kein Ortsschulze und kein Gendarm kann uns helfen bei dem ttaurigen Gange, den wir zu gehen haben. Der Gang ist mein! Ich ganz allein müßte ihn gehen, da ich aber weiß, daß Sie mich doch nicht allein gehen ließen, sollen Sie mich begleiten. Nehmen Sie es als einen Beweis meiner Freundschaft und als einen letzten Liebesdienst, den Sie Jemand leisten, der von heute an tot ist — tot ist." wiederholte sie mit glanzlosem Blick.
Jen nahm beruhigend ihre eiskalten Hände in die seinen, der Pfarrer aber strich teilnahmsvoll über die weiße Stirn des Mädchens und sagte gütig:
„Ruhig, ruhig, liebes Kind. Noch klonen wir hoffen. Wie sich der Graf stellen wird, weiß ich nicht. Nach Hansis Brief ist er ein Ehrloser, der das Vertrauen des jungen Geschöpfes auf das schmählichste gemißbraucht hat. Wie Sie aber auch Hansi finden, Aga. bringen Sie mir das Kind. In meinem Hause soll es Schutz und Frieden finden, da soll es ausruhen von allem Leid. Da soll es sich selbst wiederfinden und Kraft und Mut sammeln, selbst Schmach und Schande zu erttagen. Und nun Lehen Sie mit Gott. Ich werde für Sie beten, indes meine atte Hanne alles für unfern jungen East rüstet."
Aga küßte dom Geistlichen wortlos die Hand, während Je» schon ungeduldig an der Tür stand.
„Kommen Sie." bat er hastig. „Ich ertrage den Gedanken nicht, daß das Kind dort auch nur noch eine Minute länger der Willkür dieses Menschen preisgegeben ist. Wer weiß überhaupt, ob er uns den Eintritt nicht verweigert, wenn wir ohne obrigkeitliche Gewalt kommen."
Aga schüttelte ernst den Kopf, während sie an Jens Seite den See entlang schritt, und sagte mit einem seltsamen Lächeln um die Lippen:
„Er wird es nicht wagen, mir Hansi noch weiter fern zu hatten. Ich trage ein Mittel bei mir. das ihn zwingt."
Jen sah Aga forschend an. Wie" eigenartig und seltsam sie chm erschien. Ein unruhiges Feuer flackerte in den großen, grauen Augen, und das blasse Gesicht erschien wie starrer, weißer Marmor.
„Erlauben Sie mir zu handeln, Fräulein Aga," sagte Jen plötzlich, „wie es meine Freundschaft für Sie und Hansi bedingt?"
Aga neigte zustimmend das Haupt.
„Rauben, morden Sie!" sagte sie, und es klang wie leiser Hohn in der hart auflachenden Stimme, „mir ist alles recht, nur das Kind will ich wieder haben von dem ehrlosen Buben, der mir mein Liebstes gemordet hat."
„Nehmen Sie doch nicht gleich das Schlimmste an," bat Jen weich, trotzdem in seiner Brust ein wildes Chaos von wider- stteitenden Gefühlen tobte. „Es fft ja schon ein großes Glück, daß wir wissen, wo er Hansi verborgen hält. Dort ist das Jagdhaus. Merkwürdig, es macht den Eindruck, als sei es unbewohnt. Selbst nach der Seeseite zu sind alle Jalousien herabgelassen."
Agas Auge hing glühend an den verschlossenen Fenstern. Ein dunkles, unheimliches Drohen blitzte hinter den dunklen Wimpern auf. dann starrten die Augen einen Augenblick weit ins Leere.
„Die Haustüre ist natürlich verschlossen," sagte Jen bitter, vergeblich an der großen, schweren Eisenklinke rüttelnd.
„So finden wir den Weg nicht," entgegnete Aga. „Folgen Sie mir. Wir müssen versuchen, von der Seeseite ins Haus zu dringen."
Behutsam bahnte sich Aga einen Weg durch die dichten Tannenhecken, die das Haus einschlossen, nicht darauf achtend, daß die scharfen Zweige ihre Kleider zerrissen, und ihre Hände und Gesich blutig ritzten.
Jen folgte schweigend, mit seinem Stocke so gut es ging, die Zweige zurückhaltend, die ihren Weg hemmten.
Endlich standen sie auf einem schmalen Fußpfad, der sich dicht am See hart am Hause hinzog.
„Es ist keine Tür hier," flüsterte Jen, „und alle Fenster sind geschlossen. Nur W Stäbe der Jalousien dort oben an der kleinen Verandatür scheinen mir leicht geöffnet. Wenn wir dott hinaufkönnten, hätten wir gewonnenes Spiel."
„Eine ßeiter ist nicht da," gab Aga kleinlaut zurück, „und ohne eine solche ist es nicht möglich."
Fortsetzung folgt.
Betr.: Die Fteischversorgung für die Bevölkerung der Stadt Friedberg.
Bekanntmachung
Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verkauf von Rind, und Kalbfleisch, sowie Wurst für diese Woche am Freitag, den 29. September 1918. von nachmittags 1 bis 6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stottfindet.
Die Verkaufszeit ist genau einzuhalten.
Friedberg, den 19. Sept. 1918.
Der Bürgermeister I. V.: Dam m.
Sidifii Eber
angekörl und sprungfähig, hat abzugeben
Weiß, Hof Graß b. Hungen.
ZUchseii-Verßchm!!!!,.
Montag, den 23. und voraussichtlich Dienstag, den 24. September, jeweils vor vormittags 10 Uhr ab, findet auf dem Hofe des Jagdschlosses Kranichstein eine Versteigerung von
ca. 100 Zugochsen
statt. — An der Versteigerung können nur hessische Landwirte, die sich durch Bürgermeisterei-Bescheinigung als solche und als gespannbedürftig ausweifen können, teilnehmen. Versteigerung erfolgt nur gegen sofortige Zahlung in Scheck oder barem Geld. Verkaufsbedingungen werden vor Beginn der Versteigerung bekannt gegeben. Darmstadt, den 18. September 1918.
Landmrtschaftskammkr für bas Großherzogium ficfftn.
Walter.
Stillte Ferkel
6 Wochen alt, hat abzugeben
Rudolf Schäfer,
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