Uerfemt.
Roman von AnnyWoihe. I
$2) Nachdruck verboten.
Mit einem schluchzenden Laut ritz er sie an seine Brust. Einen Augenblick ruhte sie auch wie in selbstvergeffener Seligkeit an seinem Herzen, dann aber richtete sie sich aus seinen Armen empor und sagte weich:
„Und nun laß uns scheiden/' ' ,
„Scheiden?"
„Ja, für immer. Du hast andere Pflichten. Erfülle sie gl»t, und hilf Mirena, daß sie gut, datz sie anders wird. Mein Leben, das weißt du, gehört nicht mehr mir. Eine schwere Mission habe ich zu erfüllen, Hansi zu retten, wenn sie noch zu retten ist, oder sie zu rächen. Ein Recht auf mich selbst habe ich nicht mehr. Ich erwarte noch heute Nachrichten von Jen Nielsen. Nach allen Richtungen hin sind Telegramme geflogen, um Hansis Spur zu finden. Vielleicht bin ich morgen abend nicht mehr in Berlin."
„Aga," bat Holger leidenschaftlich, „laß mich teil haben an der Nachforschung, laß mich dir das Kind zurückbringen, dann wirst du anders deuten, daun wirft du —"
„Nie!" entgeguete Aga bestimmt. „Unsere Wege, Holger, sind klar vorgezeichnet, sie führen nicht zu einander. — Lebe wohl!"
Er breitete weit die Arme nach ihr aus, aber sie winkte nur leise abwehrend mit der Hand.
Stumm bot sie ihm aber dann die blasie Stirn zum Kuffe, und Holger drückte seine Lippen darauf, keusch, fromm, zart, als küsse er ein Heiligenbild.
„Ich lasie dich nicht," sagten seine Augen.
Aga sah es nicht. Cie hatte den Blick gesenkt. Holger Mte die Tränen nicht schon, die darin standen.
„Grüße Mirena," sagte sie leise, „und halte sie hoch. Sie ist vielleicht noch unglücklicher als wir."
Er nickte stumm. Dann schritt er hinaus. Sein Schritt verhallte draußen auf den Kieswegen des Gartens, dumpf, als fielen Erdschollen auf einen Sarg.
„Vorbei!" schluchzte Aga auf. „Alles vorbei!" Eine Meile stand sie im tiefsten Schweigen. Dann aber ging sie und schloß die Fenster. Eine eisige Ruhe war über sie gekommen, und kalt und fast drohend hob sich ihr Auge zu dem goldenes Abendftern auf, der bereits am Himmel flammte.
„Die Sterne lügen wie das Leben," murmelte sie „
Dann ging sie schlafen, ohne Schlaf zu finden.
23. Kapttek.
Eine hohe Frauengestalt wandelte durch die herbstliche Heide. Ein Teppich blühenden Heidekrautes ihr zu Fützen, und zu Häupten das leise Rauschen der Föhren. Wie still und einsam es war ringsumher, und welche feinen, durchsichtigen Schleier spannen die Sommerfäden. Agas Blick irrte suchend über die Heide. Wie lange war sie hier nicht gewandelt auf heimatlicher Flur. Von fernher klang das Murmeln der Wellen durch die Einsamkeit. Der Müggelsee mit seinen wald- nmkränzten Ufern, der Vertraute ihrer Kinder- und Mädchen- traume, ihn sollte sie Wiedersehen? Würde er nicht Rechenschaft von ihr fordern, der alte Geselle? Würde er nicht fragen? Wo
Haft du das dir anvertraute Kleinod gelaffen? Wie hast du den kostbaren Schatz gehütet?
Aga hätte aufstöhnen mögen vor Schmerz und Weh, aber tapfer schritt ihr Fuß weiter. Nur nicht schwach werden, jetzt, wo die Entscheidung so nahe war. Ein dunkles, unheimliches Feuer loderte in ihren Augen auf.
„Ich werde, ich mutz sie finden," murmelte ihre Lippen, „und ich werde ihn zwingen, mir Hansi wieder zu geben, Hansi, Hansi!"
Wie ein Schluchzen kam es aus ihrer Brust. Die Heideglocken in ihrer roten Pracht senkten tief ihre Köpfchen, und die blauen Glockenblumen schwankten leise im Winde.
„Wenn Jen sich getäuscht hätte," grübelte Aga, „wenn die Spur, die hierher zu unserer Heimat führte, ihn irregeleitet hätte?"
Aufseufzend zog sie im Weiterschreiten einen Brief aus der Tasche, den sie schon so oft gelesen und mit fiebernden Augen las sie wieder:
„Verehrte Freundin!
Endlich habe ich eine Spur. Sie führt in Ihr Heidedorf nach Schloß Berghausen. Wir haben ja diesen Punkt selbst oft ins Auge gefaßt, aber nachdem wir erfahren, datz Graf Verg- houfen nach der Schweiz abgereist und Verghaufen leer stand, immer wieder verworfen. Der Berliner Det^tiv, den ich engagierte, hat man aber ganz sicher in Erfahrung gebracht, datz Graf Nordkirch in Verghaufen gesehen worden ist, obgleich er sich offiziell in Berlin als nach dem Engadin gereist, abgemeldet hat. Ob er allein oder in Begleitung einer Dame sich befindet, hat bis jetzt nicht festgestellt werden können. Ich eile sogleich nach Verghaufen, denn sonst verwischt sich vielleicht wieder wie schon so oft die Spur. Ich bitte Sie, mir so bald wie möglich zu folgen.
Pfarrer Hayrtwig, der Nachfolger Ihres Herrn Vaters, den ich sofort aufsuchen, und dem ich mich arrvertrauen werde, kann uns vielleicht behilflich sein, Licht in die dunkle Angelegenheit zu bringen. Nehmen Sie aber bitte auf der Station keinen Wagen, sondern vermeiden Sie jedes Aufsehen, damit uns Nordkirch nicht wieder entwischt. Der Gedanke, daß er sich in unserer so unmittelbaren Nähe aufhält, hat zu viel Unwahrscheinliches, aber möglich ist es dennoch, da er sicher annimmt, datz wir ihn überall suchen werden, nur nicht in Ihrer Heimat. Also Mut, Verehrteste, und auf Wiedersehen!
Ihr getreuer Jen Nieffen."
Aga hätte auffubeln mögen beim Lesen dieser Zeilen, und doch drückte ihr eine beklemmende Angst fast das Herz ab.
Wenn Jen sich doch täuschte. Wenn wieder alles vergeblich war? Nein, es konnte ja ntcht fein. Wenn Hansi hier in der Heimat weilte, wo sie jeder Baum, jeder Strauch an die Schwester erinnerte, hätte sie da wohl schweigen können? War es überhaupt denkbar, daß ^in so junges, zärtliches, warmherziges Geschöpf, wie Haust, nicht ein Wort für die betrogene Schwester fand, nicht eine Silbe der Aufklärung, des Trostes?
Was hatte dieser Mensch aus dem Kinde gemacht? Wie mutzte er ihre reine Seele vergiftet haben, datz sie aus den Irr- tÜmern ihres Herzens heraus nicht zur Wahrheit kam?
Wie die rote Heide im Sonncngolde flimmerte! Wie es wogte und wallte, das Heidekraut, und welch herber Duft Aga umwehte!
Und da schimmerte es auch tiefblau zwischen den dunklen Fichten auf, die Müggel? Aga stand mit gefalteten Händen
Unfc starrte über den! See. Da lag es, ihr Hermatsdorf. Ink Kranze der Birken grüßte das schlichte Pfarrhaus und das Kirchlein herüber, in dem sie als Kind so oft gebetet. — Die blauen Wogen der Müggel hatten leick^e Cchaumkämme und rollten neckend gegen die waldigen Ufer, die schon zum Teil den bunten Schmuck des Herbstes trugen.
„Heimatluft," sagte Aga leise vor sich hin, „wie bist drk bitter, und doch, wie bfft du süß."
Sie schritt an der ehemaligen Oberförsterei vorüber, einem alten, schon lange nicht mehr bewohnten Jagdhaus, das, ganz im Evün versteckt, wach dem Müggelsee hinaussah. Wie ein Märchenbild erschien es ihr. Hier hatten sie als Kinder so oft Räuber und Prinzessin gespielt, und in stillen Mondnächten hatten sie von der kleinen Terrasse des Hauses weithin über den Müggelsee hinaus gesungen, und den dämmrigen Müggel- bergen da drüben Grütze geschickt. Wie lange war das her? {
Graf Verghaufen hatte das Häuschen nie benutzt. Nur wenn Gäste kamen, die im Schlöffe selbst nicht mehr Unterkunft finden konnten, dann hatten sich die grünen Läden des Forsthauses weit geöffnet, und fröhliches Lachen war aus den blanken Fenstern hinaus über den See und in den Wald gedrungen.
Auch heute waren alle Läden fest verschloffen, und doch hing Agas Blick wie gebannt an den grünumrankten Fenstern. Es war ihr, als zöge irgend eine geheime magnetische Kraft sie an, als könnte sie nicht weiter, als müßte ihr Fuß hier rasten. Einen Augenblick lehnte sie dann auch lautlos an der Schwelle. Was war das? Hatte sie wirklich die Türpfosten geküßt?
Noch einmal umfaßte Agas Blick das stille Haus. Kein Laut, kein Hauch, nur dämmerndes Herbstesweben ringsumh^. und das leise Murmeln der Wellen.
Aufseufzend schritt Aga weiter, den schmalen Weg am entlang, dem Dorfe zü. Seitwärts schimmerte der Park v Verghaufen im goldenen Schmuck des Herbstes auf, Aga mar* den Blick und schlug den Weg nach dem Pfarrhause ein, wo Je: ihr im Pfarrgarten entgegentvat.
Jens Antlitz war totenbleich, und in seinen Augen flackerte ein eigenes Licht.
„Ich ahnte nicht, daß Sie so schnell kommen konnten." sagt^ er, „sonst wäre ich Ihnen durch die Heide entgegengekommen. Bitte, treten Sie hier ein," fuhr er fort, die Tür zu des Pfarrers Stndierstube öffnend, „unser alter, würdiger Freund weiß alles, und er will uns helfen, so viel in seinen Kräften steht."
Und Aga küßte dem alten, weißhaarigen Manne, dem Nachfolger ihres Vaters, die Hand, und ein Schauer schüttelte ihren Körper. Da stand sie an derselben Stelle, wo sie einst ihres Lebens größte Lust und ihres Lebens tiefstes Leid durchlebt, wo des Vaters Wort, als er den Geliebten entlarvte, sie zu Boden schlug, und des Vaters Hand sie tröstend emporhob, um sie den rechtem Pfad zu führen.
„Der Herr segne Ihren Eingang und Ausgang, liebes Kind," sagte der Pfarrer, aber es klang nicht salbungsvoll, sondern voll warmer Herzlichkeit. „Möchte Ihr Vaterhaus Ihnen eine Stätte des Friedens sein."
Dunkel stieg es in Agas Augen auf.
„Von hier aus, Herr Pfarrer," sagte sie hart, „gehe ich einen schweren Gang, und ich glaube nicht, daß er ein Weg des Friedens fein kann. Haben Sie erfahren, lieber Doktor, ob Nordkirch sich auf Verghaufen befindet?"
Fortsetzung folgt.
üiöis
Statt besonderer Anzeige.
Todes-Anzeige.
Heule verschied sanft nach kurzem Leiden unser geliebter Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel
Ludwig Müller
im fast vollendeten 80. Lebensjahre.
Friedberg (Hessen), den 15. September 1918.
2m Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Rudolf Müller Anna Müller geb. P-ppi-r.
Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, den 19. September, nachmittags 4 Uhr, von der Friedhofs-Kapelle au«.
Kekaunimachirng
2ch bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, datz bei der am b.Sepiember 1918 vorgenommenen Auslo-ung von Aktien des Stadt. Schwimmbades die nachstehenden «kümmern gezogen worden sind:
Lit. A. J]t. 27,
Lit. B. Rr. 32, 39, 45, 53, 104, 11«, 131, 139, 151.
. Die Einlösung der gezogenen Aktien erfolgt vom 1. April 1919 ab bei der Stadtlasse.
Ariedberg. den 16. Sept. 1918.
. Der BUrgeMleister ' 2. V.: schick. «
iUiMe. 9 .
Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstraffe 41. (Kronprinzenbau.) — Fernruf Römer Bürostunden: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags von 2—4 Uhr. — Eeschäitsanzeigen in diesem Raum nur für unsere Mitglieder: dieselben sind kostenlos, jedoch mutz bei Auf- gäbe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Einen gebrauchten, noch gut erhaltenen
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Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung.
Jung und einfach war dein Leben, Treu und fleißig deine Hand,
Und so wollt'ft du weiter streben, Mutzt nun ruhen im fremden Land; Dein treues Herz hört' auf zu schlagen, Hörst nicht mehr deiner Lieben Klagen.
plötzlich und unerwartet erhielten wir die schmerzliche Nachricht, datz unser lieber guter Sohn und treuer Bruder
Musketier
Ad-ls Gras
am 28. August nach 19monatiger treuer Pflichterfüllung infolge schwerer Verwundung im blühenden Alter von 21 Jahren den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist.
Wohnbach, den 17. September 1913.
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