Uerfernt.
30 )
Roman von Anny Wothe.
Nachdruck verboten.
„Mein Joldckinid, mein allens, meine kleene, liebe Hansi. Nee, et kann ja jcrr nich sind. Barmherziger Jott, womit hätten wir denn so ville Strafe verdient. Ach, wat hat mir der Balch vor Freide jemacht! Dörte hier und Dörte da. Uff meinen
Armen habe ick ihr rumjedrajen und jelacht hat se mit ihre
großen, lieben Oojen, immer jerade in mein ollet, dummet Herz. Wissen Sie noch, Freilein Aga. wie der Balg krank war, und wir zwee jode so'ne Angst hatten? Wisien Sie noch, wie wir det Nachts z-usammen an det kleenen Bette uff die Knie sanken unbeteten: Lieber Jott, erhalte uns det Kind? Ick weeß ja, det Sie sonst nich vor det ville Beten sind, aber damals, da war et echt, un eben weil et echt war, hat der liebe Jott ooch
een Ansehen jchabt, un hat det Kind un uns jeholfen. Un.
Freilein Aga, ick meene nu, wenn wir beede wioder so recht sehr vor unser Kind beten dun. denn wird der liebe Jott, der doch so jroß in alle Dinge, det Wurm jewiß vor allet Böse bewahren."
Aga schlang anfschluchzend ihre Arme um den Hals der alten, getreuen Dienerin. Die ersten, lindernden Tränen flof. sen über ihre Wangen.
„Bete, Dörte," sagte sie, „bete für unser Kind, ich kann es nicht mehr Und jetzt geh." schloß sie, sich energisch aufrichtend, und der Alten zärtlich über die runzelvollen Wangen streichelnd „und sieh, wie du dich im Hause zurecht findest und auch hier wieder Ordnung schaffst. Es ist bereits alles geschehen, was geschehen konnte, um Hansi auszufinden. Herr Dr. Nielsen, der mich hierher brachte, ein Freund des Herrn Thoresen, hat alle nötigen Schritte getan."
„Ach. Herr Thoresen." sagte die Alte, beide Hände über dem Kopf zusammen schlaaend. ..er is.ja so sehr oft hierjewesen
nrrd hat mir uff meine olle Seele jebunden, det ick ihn sofort benvchrichtijen sollte, wenn ick bloß eenen Schimmer von Adresse von Ihnen hätte. Na, ick will doch jleich —"
„Halt, das wirst, du nicht tun, Dörte. Herr Thoresen braucht vorläufig nicht zu wissen, daß ich zurückgekehrt bin."
Sprachlos starrte die Alte ihre Herrin an. Dann aber raffte sie energisch ihr Scheuerzeug zusammen, und verließ kopfschüttelnd und unverständliche Worte vor sich hinbrumme^d das Atelier.
Aga aber barg ihr Antlitz in beide Hände, legte den Kopf auf die Lehne des Ruhebettes und weinte bitterlich.
Ihr ganzer Körper bebte im leidenschaftlichen Schluchzen. Ach, wie lange hatte sie nicht geweint, und jetzt war es ihr, als müßte sie ihre ganze Lebenskraft dahingeben in Tränen.
Sie bemerkte auch nicht, daß die Portiere zum Atelier leise zurückgeschlagen wurde, und Holger Thoresen auf der Schwelle stand.
Einen Augenblick stand die hohe Gestalt wie festgewurzelt, und starrte fassungslos auf die weinende Aga. —
Hatte er sie nicht schon einmal so aus ihrer Ruhe aufge- rüttelt gesehen?
So also konnte sie sein, die Freundin, die er immer ruhig und ernst, beinahe kühl gaschen, so konnte sie in Leidenschaft beben und ungestüm fordern, während sie sonst so gleichmütig dahinlebte. Hatte er nicht soeben erst eine weinende Frau verlassen. eine Frau, die ihm so nahe stand? Warum hatten ihn die Tränen der anderen nicht erschüttert, wie die des bleichen, ernsten Mädchen., mit dem er früher jeden Gedanken geteilt?
Es widersprach seinem Gefühl, hier den Horcher zu spielen. Er trat deshalb entschlossen auf die Weinende zu, und ihre Leiden Hände umfassend, sagte er in unsagbar weichen, zärtlichen Lauten i
„Aga, liebe, liebe Aga!"
Einen Augenblick war es, als lauschte Aga mit aeschlosse-
r—TT-TT—i "l|- ■ i - - ___
neit AnMN, on Setten noch Me Tränen hingen, entzückt d-n Morten, die wie ans meiter Ferne an ihr Ohr drangen, dam, aber öffnete st« wie in jähem Erfchrecken die Augen und sah Holger fast mit einem Ausdruck des Entsetzens an. Eie entzog ihm ihre beiden Hände, und hastig aufspringend sagte stet
„Wie kommen Sie hierher? Woher wissen Sie, dost ich hier bin?" Alle Tränen waren wie fortgemllcht von ihren Wangen.
„Aga," sagte Holger warm und herzlich. „Warum fliehen Sie eigentlich vor mir? Jen verständigte mich durch eine Depesche. Ich komme soeben von ihm."
„Er hat schlecht Wort gehalten." grollte Aga.
„Aber ich bitte Sie, liebe Freundin. Er mußte mir, als Hansis Vormund, doch Nachricht geben, wenn Sie selbst es auch nicht für notwendig hielten."
Jetzt erst bemerkte Aga. daß Holger den Arm in der Binde trug.
Ein jähes Erblassen flog über ihr Gesicht.
„Sie find verwundet?" fragte sie tonlos.
„Der Denkzettel für einen Mord," sagte er sarkastisch, den ich vielleicht auf dar Seele trage."
Beider Augen senkten sich tief ineinander. Es war ein blitzartiges Verstehen, das Bewußtsein, daß der eine ein Stück vom Sein des andern war.
Aga legte es sich wie eiu Schleier über die Seele. Sie wollte nichts wissen und nichts mehr begreifen, was ihn anging, und Holger fragte sich, während eine heiße Blutwelle in fein Antlitz stieg: Was war das? — —
Der letzte Abendschein verglomm draußen zwischen dev Bäumen, und Mischen den zwei Menschen lag ein tiefes, geheimnisvolles Schweigen.
Fortsetzung folgt'.
Bekanntmachung
Todes-Anzeige.'
Samstag morgen 5'/« Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden meine rnnigstgeliebte herzensgute Frau und treubesorqte üAutter meiner berden Kmder, meine liebe gute Tochter, Schwiegertochter^ Schwester Schwägerin und Tante
Frau Frieda Lentz
geb. Stifte
im Alter von 32'/, Jahren.
Friedberg. Schönlanke, Altenburg, den 16, September 1918.
Die tieftrauernd Hinterbliebenen:
Ernst Lentz, z. Zt. im Felde, und Kinder Dorette Fricke Wwe.
Heinrich Fricke und Familie Auguste Fricke und Ludwig Lucas, Bräutigam.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 17. September, nachmittag vom Trauechause, Kaiserftraße 128, ab statt.
Nächsten Dienstag, den 17. September, nachmittags von 3 bis 4 Uhr, verteilen wir in der alten Post, Zimmer Nr. 2 für Kranke
Landeier.
Gegen Vorlage der kreisamtlichen Bescheinigungen, auf Eier karten rot. Marke 6. wird 1 Ei zu 32 Pfg. abgegeben.
Eierkarten und kreisamlliche Bescheinigungen find vorzulegen. Eierkarlen ohne die betreffenden Marken berechtigen nicht zum Bezug' abgelrennte Marken find wertlos.
Friedberg, den 14. September 1918.
Der Bürgermeister.
__ I. V.: Damm.
Bekanntmachung.
Nächsten Mittwoch, den 18. Sept., verteilen wir in der alten
Post durch die hiesigen Kolonialwarenhändler
Mäse.
Zeiteinteilung wie bei der Butteroerteilung.
Für jede auf der Lebensmittelkarte verzeichnet« Person werden 50 Gramm zu 22 Pfennig verabfolgt. Die Lebensmittelkarten sind als Ausweis vorzulegen. Friedberg. den 14. September 1918.
Der Bürgermeister
_ I. 93.: Damm.
H- n sioin,
Strümpfe Socken
[5 4
Kekanntmachung
Die Lieferung von Brot und Brötchen für das Bürgerhospital und Bersorgungshaus für die Zeit von 1. Oktober 1918 bis 31. März 1919 soll an den Wenigstnehmen- den vergeben werden.
Schriftliche, mit gehöriger Aufschrift versehene Angebote sind bis längstens 17. September l. Js., vormittags 11 Uhr. verschloffen bei der Unterzeichneten Stelle einzureichen.
Friedberg, 7. September 1918.
Air Mische Innenkommijjioli.
2. B.: Dam m.
tinsetragene Genosssnsöialt mii üsscürMlsr Haltpldi
Gegr. 1864. Reicbsbank-Giro-Conto. Tel.-No. 15
Ein sehr gut erhabenes modernes
Hett
zukaufen gejucht. Gebe evtl.andere Sachen in Tausch.
Angebote unter Nr. 1732 an> die Gelchäftsstelle der „Neuen Tageszeitung".
Eine gebrauchte gut erhaltene
— * * t
Danksagung.
$0i die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben unvergeßlichen Mutter, Schwiegermutter und Großmutter
Fm Ssiiie Kurth Me.
für die zahlreichen Blumen- und Kranzspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Sattler am Grabe, sagen wir unseren herzlichsten DanL
Staden, Friedberg, Frankfurt a. M.,
15. September 1918.
Entgegennahme von Spar-Einlagen.
zu den höchsten Zinssätzen.
ae
Provisionsfreier Checkverkehr.
Conto-Corrent-Credit- Gewährung.
ac
Diskontierung von Wechseln.
2SC
Verwahrung u. Verwaltung von Wertpapieren,
Beleihung von Wertpapieren,
ac
An- und Verkauf von Wertpapieren.
ac
Einlösung von Coupons etc.
ar
Vermittelung aller in das Bankfach einschlagenden Geschäfte zu den mässigst. Bedingungen.
strick weste»
Umarbeilen und flnsirisken von Strümpfen and Socken
Scknürliänder.
Friedberg in Hessea
Kaiserstrasse 51, gegenüb. d. Engelapotheke.
Zwei Werde
zu verkaufen resp. auf eine frischmelkende Kuh zu vertauschen.
Otto Scheib,
N ö d g e n bei Bad-Nauheim
Verkaufe zur Zucht
ein MnttersAflWln,
weiß. V-, Jahr alt, sowie
1,1 ZlmMhlItt
(Goldbaniem).
Wo? sagt die Geschäftsstelle der ..Neuen Tageszeitung".
Hirne
zu verkaufen.
Zu erjagen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung".
20 Wagen
Nudelriiiidscheit.
cknt Knüppel gemischt, hat ab- zugeben
Rudolf Alt.
Hskbandluna. Eichelsdorf. O^H.
Kekanntmachung.
™ y September 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. E. 1./9 18. R. A., betreffend „Höchstpreise von Lr! 1 " r , e Jw< n -^klerralien (Silika- und Chamottesteine sowie Mörtel)", erlassen worden.
Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden,
gleffp.^crtFraifcnnmflnDo 18 . Armeelorps.
liefert schnell und billigst
Eeuer- und diebessichere Stahlkammer, in der eiserne Schrankfächer (Safes) in verschied. Grössen vermietet werden.
Zeichnungen auf alle an den deutschen Börsen zur Auflage kommenden neuen Anleihen jeder Art werden von uns zu den Ausgabe-Bedingungen angenommen, ohne daß dies in den einzelnen Fällen he§on«lerg bekannt gemacht wird.
Rechnungen
Ein schöner
Schaf-Stier
zur Zucht geeignet, preiswert za verkaufen.
Josef Caprett i, Bäckerei, Reichelsheim i. d. W.
Ein 16 Monate alter
zu verkaufen.
Betz, Melbach.
in allen Formaten
liefert ichnell uno billig
Neue „Tageszeitung" A.-G.
Zu verkaufenr
E ne geiiniiKljte
sowie doppeltpännigen Selbsl- gänger.Mug, fast neu.
Zu erfragen in der Geichäfts- stelle der „Neuen Tageszeitung".
Was anzieEien?
Jede Frau, besonders jede Mutter wird bei der Dringlichkeit dieser Frage die Hilfe zu schätzen wissen, die das neue Favorit- Moden-Album (Preis M. 1.—) und die Favorit-Schnitte für preis werte Beschaffung allerlei Kleidung bieten. Erhältlich bei
Fr. Weber, Friedberg i. H.
Neue TagksMng
Arndurri mtb Verlag. A..«. i
wieder eimretröffen.
Tapeten- und SJnoleumliaiis
Jean Kogler,
Friedberg;, Kaiserstrasse 27. Nähedes Rathauses.
Eine saubere anständige
Monatsfrau oder Mädchen
für einige Stunden vor- und nachmittags von kletnerF amilie gesucht
Friedbaeg, Bismarckstr. 20.' I. St.


