gefolgt. Er war preußischer Oberst uM mH Prinzessin Lu^ ron Sachsen-Altenbuvg vermählt. Der Herzog war während eines Erholungsaufenthalts in Berchtesgaden plötzlich an Blinddarmentzündung erkrankt und mußte operiert werden. Re- gierender Herzog wird jetzt sein Sohn Prinz Joachim Ernst, geboren am 11. Januar 1901. D. Red.
Zur Rede Payers.
Die ..Deutsche Tageszeitung" findet die Rode Payers tief bedauerlich. Sie sei auf müde Resignation ge« strmmt und biete dem Volk Steine statt Brot. Wie man die Seele des Einzelnen zu packen habe, das habe der Kaiser in Essen gezeigt Der aus dem Volk Erwachsene und Erwählte verstehe es nicht. Die Rede sein ein indirektes Friedensangebot. welches, da es den Verzicht auf jede Kriegsentschädigung einschliehe, in dieser bedingungslosen Form den niederdrückendsten Eindruck mache und bei unseren Feinden die Ueberzeugung unseres bevorstehenden Avsgepnmptseins festigen müsse. Payer habe der Stimmung im deutschen Volke einen empfindlichen, kaum auszugleichenden Stoß versetzt, den Flau- und Miesmachern Wasser auf die Mühle geleitet, und über die Wirkung im Auslande werde man das Nötige näMens sehen können. “
Zum ~t. Kar! Peters.
^ih' Bley widmet in der „Deutschen Tageszeitung" dem verstorbenen Vorkämpfer des deutschen Kolonialgedankens folgende warm empfundene Worte:
Der Tod des Begründers von Deutfch-Ostafrika stellt angesichts des schweren Entscheidungskampfes, welchen unsere heldenhafte Truppe unter Lettow-Vorbeck auf portugiesisch- afrikanischem Boden gegen gewaltige Uebermacht führt, uns in beschämender Weise die Kläglichkeit der heimischen Gegenwart vor Augen. So verschieden der stürmende und drängende, dem müden Geiste der achtziger Jahre schier unverständliche und als „Abenteurer" verlästerte junge Peters von dem im streng soldatischen^ Geiste geschulten Führer der todesmutig kämpfenden Truppe ist, so weit sind sie doch beide entfernt von der Verlassenheit der Verzichtsstimmung, die auf der Höhe des weltpolitischen Entscheidungskampfes über unser Volk gebracht ist.
Man nimmt nun gemeinhin an, daß Peters in seiner Auf- faffung vom Wesen der Kolonialpolitik durchweg von englischem Geiste beeinflußt gewesen sei. Wer die Geschichte seiner mut- vollen Jugend kennt, wird auf jene Auffastung gern verzichten. Als achtes Kind unter elf Geschwistern einer in zwar behag- Nc^n. aber doch recht eng beschränkten Verhältnissen lebenden Pastorenfamilie erwachsen, hat schon auf der Klosterschule zu Ilfeld seine Herrennatur und sein Drang zur Selbständigkeit in jeder Hinsicht sich in einer Weise durchgerungen, die seinen damaligen Gefährten unvergeßlich geblieben ist. Und so verschieden zunächst die tastenden Versuche gewesen sind, in denen er nach Licht und Leben rang, so tritt in allem doch der unbe. zwing lrche Drang hervor, sich über die Alltäglichkeit zu erheben Offenbar hatte sein Vater diese Gabe früh durchschaut, denn er hat sicherlich nicht umsonst diesen begabtesten seiner Söhne vom Gymnasium in Lüneburg in die alte Pflanzstätte welfisch-aristokrattschen Geistes von JlfeU» gebracht.
Ebenso irrig ist die Auffassung, daß Peters ein Bewunderer der Engländer oder englischen Wesens gewesen sei. Er hatte nur in den Jahren, als er nach dem Besuche der Universität und grünlichen geschichtlichen Studien, die ihm u. a. für eine Arbeit über den FricQen von Venedig in Berlin die goldene Medaille eingetragen hatte, im Hause seines Oheims, des Musikhistorikers Earl Engel, die Eroßziigigkit der britischen Kolonialpolitlk und Ueberseewirtschaft zu klar erkannt, als daß ihm nicht die entsprechende Kläglichkeit der deutschen Bureau- kratie und die Jammerseligkeit unseres Philistertums, gerade an dem britischen Maßstabe gemessen, hätte verächtlich erscheinen müssen.
Wer sich aber der achtziger Jach» enkpnmk, w denen uns vergönnt war, dir junge deutsche Kolonialpolitik heraufznfüh. ren, dem wird das Bemerkenswerteste an dem Wirken und Ringen von Peters der starke Einfluß geblieben sein, den er nicht etwa nur auf die unternehmungslustige Jugend, sondern auch auf gereifte Männer in hohen und verantwortungsvollen Stellen ausübte. Freilich waren diese vornehmlich alte Solldaten. In dem Vorstände der Gesellschaft für deutsche Kolonisatton. insbesondere der Kriegsadmiral Livonius, der seinerseits sich als Vorkämpfer der deutschen Flotte fühlte, und General Re- gely, der damalige Vorsteher des topographischen Bureaus im Großen Generalstabe! Was war es, das diese auf ein erfolgreiches Leben zu rückblickend en Männer veranlaßte. sich so willig dem jungen Sttirmer und Dränger unterzuordnen? Doch eben die Freude an dem in ihm verkörperten Mutentschlusse, der allein uns vorwärts bringen konnte und hinweg über die schier unausrottbare deutsche Neigung zu theoretischen Auseinandersetzungen, wo es allein auf den Tatentschluß und praktisches Handeln ankam! Was die deutsche Kolonialpolitik dem ver- dairkt, gehört der Geschichte an und findet keine höhere Anerkennung, als in der sorgenden Liebe, mit der unser Volk jetzt an dem Geschicke der Truppe hängt, die unsere Erwerbung unter Lettow schützt. Keineswegs genügend beachtet ist aber die Wirtschaftlichkeit der Petersschen Kolonialwirtschaft, die mit verhältnismäßig geringen Mitteln so Bedeutendes erreicht hat Man braucht nur auf das Anschwellen der Etats in der Stu- dierlampenzeit unter seinen Nachfolgern hinzublicken, um für diese so schwer verkannte Wahrheit das richtige Verständnis zu gewinnen. Insbesondere ist dies auch hervorgetreten in seinem kühnen Zuge noch Uganda, den er mit so geringen Kräften hat durchfuhren müssen, nachdem ihm dank britischer Einflüsse leider auch von deutscher Seite der Weg so Übel verbaut und er- ^ war^ Der wilde Haß. mit dem die Gegner im eigenen Volke chn beehrt haben, wurzelte hauptsächlich doch in diesen Bekundungen eines starken Herrschwillens, und erschien auch der demokratischen Seite um so verständlicher, als Karl Pet"rs n feinem ganzen Denken und Wirken durchalüht war van c ^ m leidenschaftlichen Volksbewußtsein und den: Drange nach einem ! größeren Deutschland.
schlächtern liefern. Auf ihren Gewinnen ruhe falt. SckgeN. Dl« Fvemdeninduftrie aber, in deren Spuren Schleichhandel und Schwarzschlachtungen blühen und durch die Hunderltausende mm Hemden in diesem Sommer gut gelebt hätten und überdies noch alles fortschleppten, was sie vermochten, könne es ertragen, wenn ihr ein Ende bereitet werde.
% ifirüliifte ZmittiMmil in Bayern.
Perfett! t.
ber En München abgchaltenen Hauptversammlung der christlichen Bauernvereine Bayerns sprach der Direktor der Regensburger Genossenschaftszentrale, Landtags abgeordneter Professor Dr. Schlittenbauer. über den Ernst der Lage und das eoot der Stunde. Die feindlichen Staatsmänner, so sagte er redeten viel energischer zum Volk sie peitschten es auf. Graf Hertting. vielleicht der beste vou allen, die wir hatten, obwohl er erst spat ins Amt gekommen sei. solle nun schon wieder gestürzt werden. Die Scheidemann und Erzberger sollten dann aber auch die Verantwortung als Staatssekretäre übernehmen Besserwisser hatten nur eine Berechttgung wenn sie es auch besser machen könnten. Der Minister des Innern o. Brettreich mahnte, zum ersten Male übrigens in einer solchen Volksversammlung sprechend, zur Einigkeit zwischen Stadt und Land in unserem schweren Existenzkampf. Im neuen Wirtschaftsjahr werden Brot und Getteide befriedigen. Die Fleischverforyung habe durch die Schwarzschlachtungen gelitten und wäre sonst besser. Schwierig sei die Versorgung mit Fett und Milch. Die restlose Erfassung sei hier unbedingt notwendig. Die Milch- prcise müßten erhöht werden, um den Landwirten einen gerechten Ausgleich zu schaffen. Zu Kleinmut und Besorgnis bestehe kern Anlaß, wie von militärischer Seite versichert wird Wcr dürfen nicht müde werden. Wir dürfen nicht an die von unseren Feinden aus-, esprengten Gerüchte glauben, sondern mußten sie Niederkämpfen. Der Generaldirektor der Regensburger Genossenschaftszentrale, Geheimer Landesökonomierat Di. Heim, verdammte in seiner Rode über kriegswirtschaftliche Probleme die Bauern, die den Schleichhändlern und Schwarz-
Der Mchiedsyrnß drs Generals.
Im Vraunschweiger „Allgemeiner Anzeiger" veröffentlicht ein alter General folgende unberichtigte Abschiedsanzeige:
Im Laufe dieses Monats, in dem ich mein dreißigjähriges Jubiläum als General begehe, verlasse ich trauernd das schone Blankenburg in meinem lieben Heimatland Braun, schweig, wo ich wie schon mein Vater nicht Recht noch Eereck. ttgkeit fand.> *
Denjenigen Behörden und Leuten. welche diese Grund, satze mir gegenüber mißachtet haben, hinterlasse ich den Gruß Gc>tz von Verlichingeus cm den kaiserlichen Hauptmann! Allen mir wohlgesinnten Bekannten sage ich herzlich Lebewohl'
Blankenburg am Harz. 1. September 1918.
Ahlborn, Generalleutnant z. D.
SöfNch ist ja gerade nicht, was der alt- Haudegen da ge. lagt hat, aber nachfühlen können wir's ihm.
die TliBiehe, Zuhälter und Iton'orfrn.
%ü5 München wird gemeldet: Das stellvertretende Generalkommando des ersten bayerischen Armeekorps hat eine empfehlenswerte Anordnung erlassen. Danach sollen im Korps, bezirk drei Arbeiterlager errichter werden, in denen zunächst Männer zwangsweise untergebracht werden sollen, die sich im Stadtbezirk München aufhalten, ohne einer geregelten Arbeit nachzugehen und die im dringenden Verdacht stehen, daß sie sich einen Teil ihres Unterhaltes auf unredliche Weife erwerben. Es handelt sich also hauptsächlich um das arbeitslose E^'Madt- gesmdel, zumeist um Heeresunwürdige, schwer vorbestrafte Personen. Zuhälter usw.. deren freier Aufenthalt in München eine
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In Friedberg: zu haben bei: Fr. Fueii«üel8tB«r
Elektrotechnisches Büro; WSIVi. £st. Schlosserei, und Installafionsgeschäft; * liasrl liiiaillie, Installationsgeschäft.
Rom an von Anny Wo 1he.
^ Nachdruck verboten.
„ms bedeutet das? Versuchst du den Sinn?" fragte sie beklommen.
„Verstehen!" brauste Holger auf. „Verstehenl Was braucht einer denn dabei noch zu verstehen. Steht es denn nicht ganz deutlich da, daß Aga mit Jen heute zuriickkehrt? Und ich suche seit Wochen vergeblich ihren Aufenthalt, und Jen ist gemütlich mit ihr zusammen und reist mit ihr zurück." ftchr er aufgeregt fort. „Ist das nic^t zum rasend werden?"
„Langsam, langsam, lieber Freund, gemütlich scheint mir das Zusammensein nun gerade nicht zu sein. Mich regt vielmehr der seltsame Passus auf. „Hanfi verschwunden". Wo in aller Welt kann denn das naseweise kleine Ding nur hin sein?"
Holger antwortete nicht. Ein böser, dunkler Blick nur glitt zu Mirena, dann sagte er, hastig nach seinem Hute greifend:
„Ich muß fort, ich fahre sofort nach Berlin. Erwarte mich heute Abend nicht mehr zurück. Adieu, Mirena."
sott, ohne Abschiedstuß, ohne einen letzten, zärtlichen Blick.
Mirena sah ihn durck aen Garten stürmen. Achtlos zer- ttat sein Fuß die schimmernd >u. weißen Tuberosen da draußen Die dickten Tannen entzog-, ihn bald Mirenas Blicken.
Mirena hatte die M:audatür jetzt weit geöffnet. Beide Arme hielt sie weit ausg - reitet der sinkenden Sonne entgegen. Doch kein Strahl traf mehr das kleine weiße Haus, das jetzt im tiefsten Schatten lag. In Mirenas Augen aber glomm ein Strahl auf, seltsam, drohend, unheimlich.
..Er hat mich nie geliebt," flüsterte sie, „und doch muß ich tfn halten um jeden Preis.
Mutrot versank die Sonne in dem stillen See. auf dem die Wasserrosen schlafend schimmerten. Der Tag ging zur Rüste
,nd der Abendwickd spalte auf den Wellen.
21. Kapitel.
Alle Läden in der kleinen Villa der Tiergartensttaße, die so lange geschlossen gewesen, waren wieder in die Höhe gezogen. Im Garten dufteten einige späte Rosen, und hier und da spannen sich schon weiße Schleier von Ast zu Ast.
In Agas Atelier waren die Fenster weit offen. Der sonst so herrlich geschmückte Raum hatte jetzt etwas Totes. Kahles und Starres. Nirgends ein Blatt, eine Blume, mir die Skulp. turen und Bilder an den kahlen Wänden, und in der Mitte der Arbeitsstätte ein wildes Chaos, wie es bei großem Reinemachen oft herrscht, wenn man die Gegenstände, die einem im Wege stehen, zusammenzusetzen pflegt.
„Ah. mein Iotte doch, Fräulein Aga," sagte die alte Dörte. einen Hermeskopf mit etwas Benzin bearbeitend, um ihm wieder zu seiner früheren Reinheit zu verhelfen, „det Sie ooch je- ra.de heile kommen müssen. Rischt in Ordnung nich und keene Zeile, die eenem uffilätt. Da steht man tut in det janze Schlampampe, un weeß nich. wie man wieder rausfinden soll, und Sie stehen ooch da und sagen keen Wort, so det eenen himmelangst werden kann. Un weiß sehen Se aus wie der Kalk an die Wand, un essen wollen Se ooch nich."
Grollenb fuhr sie mit ihrer Bürste dem Hermes über die Locken, so daß Aga unter anderen Verhältnissen gewiß einge- schrittcn wäre, den schönen Kopf vor völliger Vernichtung zu reiten, aber Aga. die müde aus einem Polster lehnte, sah nichts von alledem, sie starrte nur in dunpfer Verzweiflung vor sich hin.
So trug noch ihr Reisekostüm, einen dunkelblauen Eheviot- reck und eine weiße Batistbluse. Auch das kleine, weiße, von schwarzem Band umwundene Reisohütchen saß noch auf ihrem Haupte.
Dörte hob ab und zu forschend die hellen, blauen, von bu. schlgen Brauen überwölbten Augen zu Aga auf. und in dem ganzen, alten, runzelvollen Gesicht zuckte es von mühlam nieder- gehaltener Bewegung
Endlich, als Aga noch immer in ihrem beängstigenden Schweigen verharrte, gab die Alte dem Hermes einen gewaltigen Ruck und schob ihn weit von sich. Dann stemmte sie beid- Hände in ihre Hüften und sagte grob:.
„Det is nu der Dank, daß man sich mit die Krabben sein janzes Leben rumjeärjert hat. Erst loofen se weg und keenen Menschen wird jesagt. wohin et jeht, un denn' kommt eene Wieder und sagt jar nichts, und wo de andere is, weeß ooch keen Ehristenmensch nich."- »
..Nein, das weiß kein Mensch," sagte Aga. wie sich bannend über die Stirn stteichend, „du hast recht. Dörte."
Die alte Dötte sah ihre Herrim ganz verstört an.
„Sie wissen nich. wo unser Kind, die Haust, is," fragte si« betroffen. „Sie wissen et nich?"
Aga schüttelte das Haupt. „Fott. Dörte." sagte sie tonlos, „ganz fort, Und ich weiß nicht, wo ich sie wiederftnde."
Dörte schlug jammernd die Hänlde über ihrem grauen Kopf zusammen.
„Du lieber Iott," sagte sie stöhnend, „det Kind, die liebe, kleene Jöre, mein Herzblatt. Ach. det is ja allens Unsinn. Det kann ja jar nich sind. Kommen Sie man erst wieder zu sich."
Ein Mick Agas ließ sie verstummen. „Wahr", stotterte sie endlich, „wirklich wahr?" Und dann hörte sie mit finster ge- falteten Brauen zu, wie Aga in fliegender Hast erzählte. Eine beiße, dunkle Röte schoß in mächtiger Welle über das alte, gute Gesicht.
„So n Lump, so'n Schuft," sagte sie, die knorrigen, arbeits- harten Hände ballend, „sicher is et so, wie Ce denken, Fräulein Aga, aber wenn der Herr Iraf denkt, det ick een Schaf bin, denn is er uf'n Holzweg. Ick johe fofott uf die Polizei. Mein Iott, wir leben doch nich in eenem Reiberstaat, wo Kinder eenen so janz verjnregt unter die Finger wechkommen."
Dann aber starrte sie in dumpfer Verzweiflung vor sich hin. und beide Hände vor das alte Gesicht schlagend, schluchzte sie auf:
Fortsetzung folgte


