Verfemt.
Mirenas Fuß spannte, so M wie es mit der UnSen Han-
Roman von Anny Wothe.
^ Nachdruck verboten.
Ein duftiges Gewand von zartem, weißem indischem Musselin umschloß weich ihren schlanken Körper, die kleinen Füße steckten in lichtroten, goldgestickten Pantoffeln, und in den halb- verschleierten Augen lag eine Glut, die so brennend war wie draußen die Augustsonne über dem Grunewald.
Wie müde tastete die Hand der schönen Frau nach der Klingel.
„Nein, nicht doch," lächelte sie. „Wie töricht, einen Befehl gu erteilen, der uns vielleicht später reut. Hier heißt es Geduld üben. O, wie ich sie hasse, diese Geduld, dieses Warten' olo,es Hangen und Bangen, und doch bin ich machtlos, absolut ! niachtlos, wenn ich nicht den Mut habe, zu zeigen, was ich will."
Mirena lachte höhnisch auf, während sie den weißen, vollen Arm nachlässig auf die Polster stützend, sich langsam empor- richtete und wie prüfend Umschau hielt.
„Es ist eigentlich weit mit mir gekommen," sagte sie das lockige Haupt schüttelnd, und leise. cTs wollte sie einen bösen Traum fortwischen, über die weiße Stirn streichend, „daß ich die ich bereit war. mein Leben für cie Freiheit zu opfern, nichts bin als eine Sklavin, eine elende Sklavin!"
Jetzt lachte Mirena ganz laut und hart auf. und schleuderte eines der roten Pantöffelchen weit in das ^Zimmer hinein. Beide Han^grub sie crufftöhnend in die glänzende, wirre Haarmasse die ihr feines Gesicht umrahmte. So lag sie eine Weile stumpf wie in dumpfer Berzweiflnng.
„Alles Schein, alles Trug," kam es nach einer Weile von ihren Lippen. Selbstbetrug, du bist noch schlimmer als der durch andere Frei wollte ich sein, und doch bin ich gefesselt mchr, als wenn mich eiserne Ketten hielten. Ich habe es mir
eigenen Füßen zu stehen, frei von allen Pflichten, fter von dem Urteil der Welt mit ihrer Uw barmherzigkeit und Unduldsamkeit, und nnn kommt langsam
^hon nach so kurzem Frecheitstraum die Erkenntnis, daß alles umsonst war, alles umsonst." ö
TOirptn* «n mirfIi<S <">sa°schluchzt, die stolze, lächelnde ' 5 in,d ’ ItSncn ' bie untet de» halbge- rarmen?" hervor schwer und langsam über die Wangen
Lorch, klangen da nicht Tritte auf der Veranda? Mirena e Z v ° t ’ 10,0 dichte zornig mit der Sand Wer die Wange
SiÄ.r"' *"’* “* w «> »». -
ilJZ* !?* in bem * a5m<m T5r - kk- war, als flöße mit chm d,e Sonne ,n das bakbdunkle Zimmer. So groß so
'? ltand er b«. Ein Lächeln auf den Lippen und
errwn sonnigen Glanz in den braunen Augen.
ri 1> Ct W M bringe gute Knnde,"
Und ,u Mirenas Lager treiend, streckte er ihr, da er den rech-
noch in der Binde trug, di- Linke herzlich entgegen fragte er, Mirena forschend betrachtend,
,,3i> glaube gar, du weinst wirklich, und ich habe dich doch noch >ch°rnals weinen sehen." setzte er wie in grilhlerisches Nach.
3>0nn blickte er sich kopfschüttelnd um und hob den Ne.nen, roien Pantoffel, den p-rhin Mirenas Fuß gornig^ fortgeschleudert hatte, empor. * 0
I“ 51 * " mit leisen, zärtlichen Klang
In^der Stimme, wahrend er das Pantöffelchen behu tsam über
KekamUmachmlg
Die Lieferung von Brot und Brötchen für das Vürgerhofp tal uno Ver orgungshaus für die Zeit von 1. Dttober 1918 bis 31. März 1919 soll cn den Wenigstnehmenden vergeben werden.
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Friedberg. 7. September 1918.
Die Jäöiijdie Jrnltllllaarmisstiin.
3. V.' Damm.
gehen wollte.
„Ich danke dir, Holger" sagte Mirena matt, und bot ihm den Munid zum Kusse, „du kommst früher, als ich annahm, und das ist mn lieb, denn ich war wirklich nahe daran, sentimental zu w-erlden, und du weißt, wie sehr ich solche überflüssigen Gefühle hasse Erzähle aber schnell. Liebster! Was hast' du erfahren^ Deine Augen lachen, und wie Sonnenglanz umstrahlt es dein Haupt."
Mirena war hastig ausgestanden, und nun stand sie vor Hokger und schmiegte ihren schlanken Kökper hingebend zärtlich an seine Brust.
Und wie immer, so erlag Holger wieder dem Zauber, ^n ihre sinnverwirrende Nähe auf ihn ausübte, und er erwiderte ihr Antlitz mit glühenden Küsten bedeckend:
„Denke nur. endlich habe ich von der Intendanz Bescheid. Mein Stück, mein Lebenswerk, in dem ich mein ganzes Sein hlngegeben habe, ist endlich am Königlichen Schauspielhause angenommen. Schon in der nächsten Woche sollen die Proben beginnen Der Intendant sagte mir. daß er hoffe, mit meinem Drama die Saison glänzend zu eröffnen."
Gs lag eine stolze und doch fast kindliche Freudigkeit in Holgers Antlitz, als er, feine mächtige Gestalt zärtlich zu Mi- rena herniederbengend, sagte: „No, ,reust du Md, denn nicht flfer mein Elück, Mireno? Fühlst du, daß mein Stern wieder h-N°r erstrahlt? Du weißt ja selbst, wie mutlos Ich war, wie verzweifelt, Ueberall, wohin ich kam, verschlossene Türen, nachdem sich früher alle Verleger und Direktoren um meine Werke gerissen. Mußte ich da nicht allen Glauben an mich verlieren, mußte ich nicht denken nach allem, was geschehen, daß ntch: mein . ^f° nbetn meine Person es vielleicht war, welche bie ßrofe« Menge gefesselt? Ein berühmter Dichter, wicht durch merne Werke, sondern durch Franengunst? Du glaubst nicht wie erbärmlich ich mir vorkam. Am liebsten hätte ich das ganze armselige Leben von mir geschleudert. Verlacht, verhöhnt von der Menge, in Acht und Bann getan von denen, die mir ein» zujubelten, schien mir das Leben eine Schande und meiner selbst nicht wert. Jetzt aber ist mir noch einmal Gelegenheit gegeben
Tfmx " 6 iä> ^Mwählter «der ein Verfemter bin' Die Gesellschaft hat mir den Rücken gekehrt, seitdem fie weiß Miß ich dich von dem Manne, der dich nicht verstand, mit meinem B ute lasgekauft, aber ich will wissen, ob ich meine früheren Erfolge nur der Frauengunst verdanke, oder ob meine Arbeiten etrm-s wert waren. Bin ich «in so elender Stümper, als ich
cxÜf Mißerfolgen glauben muß, so kehre ich die. ler Welt des Scheines den Rücken, aber jetzt Mirena, jetzt kann lch ja noch einmal die Sonire grüßen?"
„Du kehrst der Welt den Rücken, Holger." sagte sie zaghaft
E V Z Jt ? en? 6oa ** Sitzen, daß du es auf-
givst. öffentlich zu wirken und zu schaffen?"
, "E* Holger. und sich auf einen Stuhl nieder
lassend und Mirena auf seine Kniee ziehend, fuhr er fort: „wenn ich sehe, daß die Welt recht hat. dann gehe ich fort. Weit im Norden, an den stillen Fjorden, wo meine Heimat ist liegt ein mächtiger Hof in tiefster Einsamkeit. Urväter haben schon dort gehaust, und Urväter Hausrat schmückt die hohen Hallen Innen aber ist Frieden und tiefste Stille. Dorthin flüchte ich wenn des Pöbels Geschrei mich verletzt, dorthin sollst du mit mir gehen, wenn die Welt hier uns wm unserer Liebe willen verdammt. Willst du. Mirena?"
^ € !? x irc ® lag in Mirenas Zügen. „Du willst fork
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„Und du willst nichts weiter sein da im Norden als das was mein Mann auch immer war. der Besitzer der Serrfchast?"
Mirena lachte. Es war ein böses, verächtliches Lachen Dann »ber hart auf Holger zutretend »nd ihn mit blitzenden ste Mischen den zufammengepreßt«, Zahnen, „Und was wird aus mir? Soll ich auch jm Norden verkommen, und dort begraben und vergessen fein? Hast du mir nickst Ursprachen, mich hoch empor zu führen zu den Spros- stn der Ruhmesleiter? Und nun schreckt dich schon das bischen Gerede einer kleinlihen Wett, Run kriechst du bei dem ersten F«hl)chlag ins Mauseloch und spielst den Gekränkten."
- ntd>1 ’ entgegnet« Holger, und ein
l'ilbtett mlck, 1" ^ *“<*" “f- ..34 Btautte. du
® at? ß6 rahmbeladcn oder mit Schmach
r* ^ n 6,11 fCt " an5>crcr geworden. Meine größte
Schwache ch die Liebe zu dir. und-verzeihe - es ist die
einzige Schwache, deren ich mich schäme."
i elllhten dunkel drohend auf, Holger aber
legte beschwichtigend seine breii« Hand auf das lockige Kopf- chen über das die durch die Tür hereinfallenden Sonnenstrahlen ^ begüttgend: „Laß es gut sein. Kind, Nach
ist dre Entscheidung nicht gefallen. Mein Stück bringt mir ent.
Ruhm oder die Wende für ein neues und ande- res Leben. Bis dahin aber nichts mehr davon. Wie ist es dir ergangen? Haft du irgend etwas erreicht?"
Mirena lächelte bitter. „Ja, eine g«We Anzahl zurückgekommener. unbrauchbarer Manuskripte brachte die heutige erste Post, und ein Schreiben meines Rechtsanwalts, daß an eine Einwilligung zur Scheidung nicht zu denken wäre. Man hätte memen Mann todkrank nach dem Süden geschafft, und vorläufig
2 KL“»'*'.' " *■“ »-• ».
^ atte ^ Eiber Holgers Antlitz verbreitet „Ich mochte mcht mehr leben, weim ich denken müßte, daß ich sein Leben nur um eine Stunde verkürzt habe." sagte er leise
üssy - -
Lolger nickt«, „So verlangt es die Welt, die denjenigen E menschlichen Gesellschaft ausstoßt, der stch nicht ihren «besetzen beugt. Er lachte bitter auf, „Mord! Was ist das
Tf 1 I<,FfC " roit ba9 ' 2ch s-h° dort einen Depeschen, boten durch den Garten kommen. Was mag der bringen?“
Holger und Mirena traten erwartungsvoll an die Tür, und
LächMn^rein ® epe ^ nti * dnCTn "e-sthmitzten
i<f ^ U iUid > i^ckst," sagte er unverschämt, J>ei ick den Herrn Thorefen hier treffe. Hier wimmelt er im-
bi" bei "ihn" unnütz beede Been« abzuloosen
e- - *° tBi8 Me lar ?u und riß die Depesche a»f.
Sein Antlitz wurde aschfahl, als er das Telegramm gelesen Nun reichte er Mirena das weiße Blatt
fPUt i 0 / ^ckrwnnden. Ich kehre heute mit Aga nach Berlin zurück, Jen." las sie stockend,
Fortsetzung folgt.
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