Verfemt.
Roman von Anny Wothe.
27) Nachdruck verboten.
Jen schloß einen Moment die Augen. War denn das alles Wirklichkeit, was er erlebte. Sollte so ein Traum endigen, der ihn hier auf der alten Wartburg so selig ein paar Tage eingesponnen? Nein, es war ja nicht denkbar. Dieses holde, bezaubernde, unschuldige Kind, das in diesen Tagen all sein Sinnen und Denken gefangen genommen, sollte heimlich einem Manne gefolgt sein, von dem es wußte, daß er in der Achtung der Ihrigen so tief stand.
Ein Aufschrei Agas riß ihn aus seinen Gedanken.
Sie stand mit weitaufgerissenen Augen und starrte auf ein Driefblatt in ihrer bebenden Hand.
„Lesen Sie," rief sie verzweifelt, „es ist der Beweis, daß ich recht habe.
Aufstöhnend, beide Hände vor das Antlitz schlagend, sank sie in einen Sessel, während Jen las:
„Mein geliebtes Kind!
Du weißt, daß uns Deine Schwester trennen will, trotzdem sie uns scheinbar nach Jahresfrist ihre Einwilligung zu unserer Verbindung zugesichert hat. Du weißt aber auch, daß ich nicht leben kann, ohne Dich und nicht leben will. Ich bin, nachdem ich endlich Deinen Aufenthalt erfahren, schon tagelang in Deiner Nähe. Wenn Du mich liebst oder je geliebt hast, so komm heute zwölf Uhr nachts auf den Altan. Kommst Du nicht, steht Dir das Gebot Deiner Schwester höher als meine Liebe und mein Leben, so bleibe fern, und ich stürze mich von een Zinnen der Burg hinab in die Tiefe, weil ein Leben ohne Dich wertlos ist für Deinen sehnsüchtigen
Horst."
„Gemeiner, ehrloser Schurke." ries Jen entrüstet. „Nun ist mir wirklich klar, wie er das Kind r Flucht hat überreden können. Wollen Sie mir diesen Br > -rtrauen, Fräulein Aga? Es ist eine sehr wirksame Waffe gegen diesen Elenden, den man einfach über den Hausen schießen müßte."
Ag« nickte. GM merrnMbtge, eWe> Ruhe war plötzlich Über fie gekommen. *
„Bestellen Sie bitte sofort einen Wagen, lieber Doktor, ich reise noch in dieser Stunde."
„Natürlich begleite ich Sie," rief Jen aufspringend. „Wir fahren sofort zu Holger, und mit diesem Brief ausgerüstet, wird es Holger, als dem Vormund Hansis, ein leichtes sein, gegen den Entführer einzuschreiten. Die Entführung einer Minderjährigen dürfte dem Herrn Grafen Nordkirch teurer zu stehen kommen. Ich werde Holger sofort durch eine Depesche verstau, digen."
„Holger?" Agas Augen wurden noch starrer. „Ich brauche Holger nicht. Sie wißen, weshalb ich Holger jetzt nicht in den Weg kommen will und darf, und auch sein Schutz ist für mich und Haust entbehrlich. Wenn Sie mich begleiten wollen, so nehme ich diesen Freundschaftsdienst von Ihnen dankbar an. Ich werde Haust selbst von dem Grafen Nordkirch fordern, und wehe ihm, wenn er sie mir nicht so zurückgeben kann, wie er sie mir genommen hat, wehe ihm."
„Was haben Sie vor," rief Jen, erschrocken in das merkwürdig veränderte Antlitz Agas schauend, das, einer Medusa gleich, in die Ferne starrte.
Aga lächelte bitter.
„Fürchten Sie nichts, Jen Nielsen. Cie wißen ja, nur Männer fordern mit dem Degen in der Faust Rechenschaft für eine angetane Schmach, und ich bin nur ein Weib, ein elendes, schwaches Weib, das ruhig zusehen muß, wie ihm das Liebste auf der Welt hingemordet wird. Ich gehöre aber nicht zu denen, welche die Hand küßen, die sie schlägt. Ich wehre mich, und ich wehre mich gut."
Jen küßte schweigend die bebende Hand, die sie ihm reichte.
„Ich weiß, daß Sie nur das tun, was recht, groß und edel ist, Fräulein Aga."
„So, meinen Sie?" Wieder das seltsame Lächeln, das Jen leise erschauern machte, dann sagte Aga herzlich und warm- „Wenn wir den Schnellzug erreichen, können wir noch heute nacht in Berlin ein."
_ meinen, daß Nordkirch Hanfi nach Berlin geführt
hat."
^Nein, ab« es ist leichter, von dort aus einer Spur zu fol- gen.
^en nickte, und schritt dann grüßend aus dem Zimmer, alles für die Abreise zu rüsten. Agas Fuß trat achtlos über Jens Rosen am Boden, und ihre Schleppe kehrte die armen Dirrger zu einem Haufen zusammen. —
Die Wartburg lag im schimmernden Mittagszauber als Aga einen letzten Blick zu ihr emporsandte.
Jen, der im Wagen an ihrer Seile saß, folgte diesem Blick. —
Vorüber, vorüber der Träume Schaum! Verweht aller Schimmer wie Blätter im Winde. Nur zwischendurch ein leises Erinnern, der alten Wartburgsprüche, die ein junger Mund
chm so lachend und neckisch erst gestern gelesen.
„Jeglicher Minne Rose hat ein Dorn." sagte Jen fast laut, so daß er sich selbst erschrocken die Hand auf die Lippen legte. ’
Doch Aga hörte nichts. Sie hatte die großen, grauen
Augen wie in weite Fernen gerichet. Ein unbeschreiblicher
Ausdruck von grüblerischen Gedanken lag in dem ernsten
Fvauenantlitz, so daß es wieder durch Jens Seele zog:
„Das Band wohl niemand findet,
Das die Gedanken bindet."
Goldig im Mittagssonnenlicht glänzte das Kreuz des Wart, burgturmes weit in bas Land hinaus.
20. Kapitel.
3itt Garten Mirenas an dem stillen Grunewaldsee waren Lilien und Iris längst verblüht. An deren Stelle hoben sich jetzt weiße Tuberosen düfteschwer empor, und feurige Gladiolen säumten dm Wege. Dumpfe, brütende Augustschwüle rings, umher. Bleischwer und träge flößen die Wellen des Sees weiße Wäßerrofen in üppiger Fülle tragend.
Mirena lag in ihrem kühlen, großen Gartensaal auf einem Ruhebett und ließ die rotbraunen Mellen ihres Haares lässig durch die weißen, ringgeschmückten Finger gleiten.
Fortsetzung folgt.
Betr.: Die Fiel chversorgung.für Kranke an den fleischlosen Wochen.
Keüannimachnng
Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verkauf von Fleisch für Kranke für die Woche vom 16. bis 12. September
1918 am Freitag, den 13. September, nachmittags von 2 bis 3 Uhr, in den Metzgerläden der Nindsmetzger wie seither stattfindet.
Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhakten. Nach Ablauf dieser geht das Anrecht auf das zu- itehende Flec ch verloren. Friedberg, den 11. Sept. 1918. Der Bürgermeister I. V.: Damm.
Kekanntmachmtg
Kekamiimachung
Die Lieferung von Brot und Brötchen für das Bürgerhospital und Verocgungshaus für die Zeit von 1. Oktober 1918 bis 31. 'März 1919 soll an den Wenigstnehmen- den vergeben werden.
Schriftliche, mir gehöriger Auf- schrlft versehene Angebote sind bis längstens l7. September l.Js., vormittags 11 Uhr, ver flossen bei der Unterzeichneten Stelle ein- zureichen.
Friedberg, 7. September 1918.
Dir städtische Zrme»kommi1ston.
I. V.: Damm.
Ein gelber deutscher
auf den Namen „Prinz" hörend, entlaufen. Wiederbringer erhält Belohnung.
Steyer, Ockstadt,
Telefon Aint Friedberg Nr. 440.
Zwei hochtragende
MutkfkhmM
zwei is. Miichziegen,
2 weiße Schw izer-Zuchttämmer, 7 Aronale alt, stehen zu verkaufen
Gebriid-r Moll. Mber-Florstkdt.
betreffend Regelung des Verkehrs mit Spätobst der Ernte 1918.
Vom 10. September 1918.
2n Ausführung der Verordnung der Reichsstelle für Gemüse und Obst über Herbstgemüse und Herbstobst der Ernte 1918 vom 19. Juli 1918 wird hiermit folgendes bestimmt:
^ ® er unmittelbare Obstverkehr zwischen Erzeuger und
Selbstverbraucher innerhalb der gleichen Gemarkung ist nicht beschrankt.
§ 2. Die Abgabe von Obst durch den Erzeuger an den Verbraucher und der Erwerb durch den Verbraucher ohne Genehmigung der Landesobststelle ist nur gestattet, wenn nicht mehr als ein Kilogramm am gleichen Tage an den gleichen Verbraucher abgegeben wird.
Mit Genehmigung der Landesobststelle darf Kernobst beim Erzeuger in Mengen bis zu 10 kg, Steinobst in Mengen bis zu 5 kg für zedes versorguvgsberechugte Mitglied eines Haushaltes vom Erzeuger abgegeben und vom Verbraucher erworben werden.
Der Nachweis der versorgungsberechkigten Haushaltungsmit- glreder nt durch die Lebensmiltelkarte zu führen. Auf die Lebensmittelkarte ist ein Vermerk zu setzen, der angibt, für welche Obst- menge die Genehmigung erteilt worden ist.
Die Genehmigung wird durch Aushändigung eines Frachtbriefes oder durch Aus tellung eines Beförderungsicheines gegen eine Gebühr von 3 q fg. von der Vezirksgeschäftsstelle, innerhalb deren Be i. . -r^Wo'.nort des Erzeugers lie st, erteilt.
Die Frah.briefe und Beförderungsscheine werden nur an hessi che Leibcaucher ausgehändigt. Das Obst darf nur bezogen werden bei ^r.eugern, die ihre Ablieferungspflicht der Landesobststelle gegenüber genügt haben.
§ 3 . Kommunaloerband im Sinne der Verordnung der Neichs- stelle für Genüe und Obst vom 19. Juli 1918 ist nach Ministerial- bekanntmachun vom 16. Mai 1917 das Eroßherzogtum. Vorstand des Kommunalverbandes die Landesobststelle jür das Eroßher,og- tum Hessen. Zuständige Behörde rm Sinne des § 10. Ziffer 1 und 3 der Verordnung ist nach Ministerialbekanntmachung vom 15. Mai 1917 dle Landesobstslelle. höhere Verwaltungsbehörde im Sinne de s § 11 dr angezogenen Verordnung auf Grund dergleichen Ministerialbekanntmachung Eroßherzogliches Ministerium des Innern. Abteilung für Landwirschaft, Handel und Gewerbe.
§ 4 Wer den vorstehenden Vorschriften zuwiderhandelt, wird nach Maßgabe des § 17 der Vero:d >ung des Bundesrals über die Preisprüfungsstellen und die Ver orgungsregelung vom 25 . Sept., 4. November 1915 mit Gefängnis bis zu '6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 150) Mack bestra t. Neben der Strafe kann auf Einziehung der Vorräte erkannt werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied ob sie dem Täter gehören oder nrcht.
... § 5 - Diele Bekanntmachung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung tn Kra,t.
Landesobststelle für das EroWerzogtum Hessen.
Der Vorsitzende: Dr. Wagner.
Vortrags-flbend
Sonnlag, den 15. September, abends 8 1 /* Uhr, im Saalbau, Friedberg.
Frl. Agnes Seesemann. Riga:
Baues Erlen wäfireid Der BAmil!
Direktor Dr. Strecker, Friedberg:
Deutschlands Wettberuf!
Deklamatorische und musikalische Darbietungen von Schülerinnen der Schillerschule.
Eintrittspreis 1 Mark.
Vorverkauf in den Buchhandlungen von Bindemagd und Scriba.
Sil- II. W«.
Sfriinarpfe
Socken
E 1 Strick westen
Umarheilen und ßnsfricfcen von Strümpfen und Socken.
Scimürhäßdsr.
Einen jungen spcungsähigen
Ziegenbock
hat zu oerkau en Konrad Weitzel, Blofeld. Jungen sprungfähigen
Ziegenbock
(Saaner Nasse) hat zu verkaufen
Karl Theodor Schreiber,
Nieder-Florstadt.
Acht. Äckitcr
und
; Meitttimii
gesucht.
«dkrhksfischt Kraflfnttrnimlie
G. m. b. H^ Friedberg ^
»mW luMrte i. Fniri 3 . N. i. ijsfiiij, e. I.
Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstratze 4L (Kronprinzenbau.) — Fernruf Römer 4208. öürostunden Montag, Dienstao, Donnerstaa, Freitag, nachmittags von 2 4 Uhr. — Geschäftsanzeigen in diesem Raum nur für unsere Alttal,eher; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Aufnabe der Anzeige aus die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Einen gebrauchten, noch gut l Ein junges erhaltenen
Sanbauet -Höhlen
^ (etwa ledig Monate ain
zu verkaufen.
Zu erfragen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung".
(etwa lechs Monate alt) steht preiswert zu verkaufen bei
Frau Fritz Peter Wwe.,
Anspack, i. Ts., Langgaffe.
Düngerstreuer „Triumph"
geeignet für alle Düngerarten, besonders für
Kalkstickstoff
in kleinsten Mengen, in allen Größen sofort lieferbar.
Cieorg Scliiefersteln, Lieh,
_ 1Vla«ciilnei»fabrlk, Telefon Nr. 17.
Ä 5
6ii)eHtfi|FBriijrf4rö64>pr(ilnr=in[t(il]
Waldshut (Spezialanstalt)
fertigt nach vollendetstem eigenem Verfahren in der Regel aus'
s Paar zerrissener Slrlmpte 5 Fair tadellose SlriHipEe s» „ Situ 3 „ „ tteii
Füße, wenn auch noch so zerrissen, nicht abschneiden. Nach Neparatur zu Halbschuhen tragbar. Rasche und reelle Bedienung. Mäßige Preise. Bahn und Postversand versichert.
Annahmestelle: Bartholmai & K.TChhof, Manufaktur-u, Modewaren, Friedberg i H,
Sämaschinen „Sack“
Zwesscharpflüge, Wendepflüge, Universa’pflüge,
Dckereggen, Kartoffelerntemaschinen, Düngerstreuer.
Grasmäher
mit Tielselinittbalken für 1 und 2 Zugtiere.
Vorderwagen, Heuwender, Pferderechen, Obstkeltern, Ohsfmiihlen, Putzmühlen, Trieure, Strohschneider, fauchepumpen, Dezimalwagen
sowie alle anderen
Maschinen für die Landwirtschaft
vorrätig und sofort ah Lager lieferbar.
Eigene WerRstätte. Ersatzteil-Lager-
M. Roscntlial,
Liebigslrasse 13 Giessen Fernsprecher77.
RechrmngenZMWK
Friedberg in Hessen,
Kaiserstrasse 51, gegenüb. d. Engelapotheke.
Vanille-Zucker Mdijiiilnpilöcr MM AMMellen
>nMchrn ä 11 flf. (35t. 30jfl.) empSehlt
Friedrich Michel, fmubrrg.
Gxrra große Thüringer
Reiservesen
alle Sorten Bürsten, Besen. Striegel, Toilette-Artikel, prima Rasier- u. Toilette- seise, prima Linoleum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl.
Theobald Stemel
Vürstenfabrik.
Friedberg, Kaiserstraße 117.
Taschenlampen und ISatterien
versendet direkt ins Feld unter Garantie der tadellosen Ankunft. Postkarte mit genauer Adresse erwünscht Wilhelm l.olirey Uhrmacher i.fiitdkr-Llorstal>t.
Eine gebrauchte, guterhaltene
üMi'iie
zu kaufen gesucht.
Offerten mit Preis unter A. 5f an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung." ,
Zn verkaufen r
Eine Brachst MiiiMine
sowie doppelspännigen Selbst^ gänger.Pflug, fast neu. l Z u erfragen in der Eeschästs-1 stelle der^Reuen Taaeszeituna"^


