Verfemt.
23 )
Roman von Anny Wothe.
Nachdruck verboten.
„S!e sagen das recht wegwerfend, mein kleines Fräulein Bedauern Sie, daß ich kein Tannhäufer bin?"
',3a, sehr, denn wissen Sie. solche Menschen wie der Tann- Hauser einer war. sind immer furchtbar intereffant."
„So," sagte Jen, und ein kaum merkliches Lächeln verschönte sein ernstes, männliches Antlitz, während in den dunklen Augen leise den Schalk aufleuchtete.
„Kennen Sie denn überhaupt solche Menschen, die so „furchtbar interessant" sind, wie ein Tannhäuser?"
„Ja, sehr," gab Hansi mit einem unglaublich entzückten Augenalksschlag zurück, „sehr kenne ich einen solchen Menschen, aber Aga, wissen Sie, die sagt, er wäre nicht ehrlich, und das,
. was ich interessant finde, das wäre böse. Aga hat natürlich keinen Schimmer von solchen Menschen. Bei ihr tragen sie alle immer das dicke Kleid der Tugend, und die spinnenwebfeinen Gewänder der anderen, die anders sind, verwirft sie ohne Prüfung als zu leicht."
Jen hatte aufmerksam zugehört. Jetzt stieg eine dunkle Röte in sein gebräuntes Antlitz. „Was war das? Was wollte die Kleine?"
„Haben Sie Ihre Schwester nicht lieb," fragte er voll warmer Teilnahme, so wie man zu einem Kinde redet.
„Doch!" stieß Hansi hervor, und zerknüllte ihr Taschentuch zornig zwischen den Händen, während sie den großen Strohhut unmutig auf die blonden Locken drückte.
„Sogar sehr habe ich sie lieb, viel zu sehr, hätte ich sie nicht lieb, so wäre ich ihr schon zehnmal ausgerückt, aber ich kann ja nicht fort, das ist es ja eben, es ist irgend etwas Unfaßbares, das mich hält."
„Das Gefühl, daß Sie Unrecht täten," sagte Jen langsam, „hält Sie. Der Mahner in der eigenen Brust ist immer der beste Wegweiser/
„Nun predigen Cie auch Moral," sagte Hansi, den reizenden, kleinen, roten Mund schmollend verziehend, „und ich hatte so viel Vertrauen zu Ihnen, felsenfestes Vertrsüen. daß Sie mir helfen würden."
Jetzt wurde Jen wieder rot unter den so glällbig vertrauend und hingebungsvoll ihn anblickenden Kinderaugen.
Nein, an diesem Kinde war nichts Arges. Nur irregeleitet konnte es sein. Eine reine, leuchtende Kinderseele sprach auch aus diesen lichtbraunen Augensternen, die so gläubig zu Jen auflahen.
. Wollen wir nicht gehen?" fragte er hastig. „Es plaudert ftch leichter im Vorwärtsschreiten."
_Hansi nickte. „Kommen Ei- es ist zwar etwas eklig
Keim mstm ach ung
Die Aussichten für die Versorgung der bürgerlichen Vevöl- terung mit
Leuchtöl
für den Winter 1913/19 haben sich nicht gebessert, sodaß mit einer ernsten Velenchtungsnot gerechnet werden muß. Nur der vierte Teil der im vorigen Jahre tiberiviefenen Menge steht zur Dcrfügung. Man hofft mit Kerzen und Calcium-Karbid einen gewissen Ausgleich schaffen zu rönnen. Zum Zwecke eines sparsamen Verbrauchs der überwieie- nenLeuchtölmengenhal dieNeichs- regierung Sparlämpchen anfertigen lassen, die sehr wenig Brennstoff benötigen und in Kürze ausgegeben werden können.
Die hiesigen Einwohner,
d?c iibkr sonstige KklktichLunzo- tuilit! «licht oersiigen,
twfcen aufgefordert, sich bis ZUM 7. ds. Mts. auf Zimmer Nr. 8 des Stadthauses wäh- rer-d der Geschäftsstunden zu «relden und gleichzeitig anzugeben, ob sie ein Sparlämpchen für Petroleum oder eine Karbidlampe durch meine Vermittlung zu erwerben gedenken.
Meldungen nur zum Zweck der Keller- und Waschküchcn- Be-cuchLung oder überhaupt zur Bcleuchtrrng von Neben- räurnerr find vollftändigzweck- ios.Die künstliche Beleuchurng eines Zimmers und der Küche dnuff in der heutigen Zeit als hinreichend angesehen werden.
Kriedberg, den 3. Sept. 1918.
Der Bürgermeister I. V.: Damm.
stell, aber helfen twi's nicht, wir müssen hinab, wenn wir überhaupt gehen wollen."
„Hier ist Siegfrieds Welt," sagte Jen träumerisch, tief hinabblickend in das Gewirr grüner Buchenzweige und schlanker, weißstämmlger Birken. „Aber Sie wollten mir ja etwas an- vertrauen, mein gnädiges Fräulein?"
Hansi sah ihren Begleiter jetzt etwas scheu von der Seite an.
Merkwürdig, die halbe Nacht hatte sie wach in ihrem großen Himmelbette gelegen und immer an Jen Nielsen gedacht, und daß er der Einzige wäre, der ihr helfen könnte, und jetzt stockte ihr fast der Atem, trotzdem er so gut und steundlich zu ihr war.
„Es ist ja alles Blödsinn," sagte Hanfi zu sich selbst, „zeige dich mal als forschen Kerl, und erobere die Festung im Sturme."
Wieder hob sie den Blick, und ihre Augen trafen die Jens, die fast in Sorge auf ihrem Antlitz hafteten.
„Wie merkwürdig das ist," sagte sie zitternd, die langen Wimpern über die Augensterne breitend, „ich kenne Sie fast gar nicht, nur von meinem Vormund w^iß ich so viel von Ihnen, und früher dachte ich immer, wenn Jen Nielsen kommt" dann muß er^mir Märchen aus seinem Wunderlands erzählen, und nun ist Jen Nielsen hier, und die Zeit der Märchen ist vorbei."
Es lag ein erschütternder Ton in'der zarten Mädchenstimme, und Jen drang er mit wunderbarer Gewalt zu Herzen.
„Hansi," sagte er stehenbleibend, und die Hand des jungen Mädchens ergreifend, „liebe, kleine Hansi, alles hier ist wie ein Zaubergcrrten, und Sie selbst sind wie ein Märchen. Lassen Sie uns doch den lieben, alten Kinderglauben und lassen Sie mich Ihnen Märchen erzählen, die ich heimgebracht aus dem fernen Lande."
Haust schüttelte die blonden Locken, und eine heiße Träne quoll ihr im Auge, die sie zornig mit dem hübschen, kleinen Zeigefinger zerdrückte.
„Nein, es ist ja albern von mir." sagte sie unwirsch. „Sie müssen mich wirklich für eine ganz alberne Gans halten, und dabei will ich Ihnen doch so was furchtbar Ernstes erzählen. Können Sie schweigen?"
„Wie das Grab!"
„Können Sie lieben?"
„Ich glaube wohl."
„Können Sie verstehen, daß man einen anderen so recht aus Herzensgründe liebt, daß man nichts anderes möchte, als nur ihn, daß alle Gedanken immer nur bei ihm sind, und daß jede Stunde, die man fern von ihm ist. einem verloren dünkt?"
Jen nickte ganz ernsthaft in die leidenschaftlich fragenden Kinderallgen hinein.
„So geht es mir." sagte Hansi mit reizender Wichtigkeit und tippte mit ihrem Zeigefinger gegen ihre Brust. „Ich — mr, nun wissen Sie es — ich liebe!"
Jen biß sich auf die Lippen. Zuerst war es glühend heiß bei dem Geständnisse der Kleinen in ihm aufgewallt, aber jetzt kam etwas wie Entzücken über ihn. als er das reizende, kleine Geschöpf so neben sich sah. ihm dabei vertrauensvoll einen Blick in fein Herz gestattend.
„Ich gratuliere, mein gnädiges Fraulein," sagte er herzlich/
Hansi sah ihn erstaunt an.
^ Da ist gar nichts zu gratulieren — die ganze Geschichte ist Essrg, und von Verlobung und Trauung steht in Agas Lexikon nichts drin. Erft sollen wir ein Jahr lang fürchterlich brav gewesen sein und uns gar nicht sehen, und dann — na dann wirds vielleicht was. Und damit ich ihn wirklich nicht sehe, sperrt mich Aga hier oben auf der alten Wartburg ein, und alle Tage kann ich mutterseelenallein, „uff den ollen Tugendpfad" spazieren gehen. Aber das lasse ich mir nicht mehr gefallen, und Sie sollen mir helfen. Wollen Sie? Dafür schenke ich Ihnen meine Freundschaft. Wollen Cie?"
Jen haschte nach der kleinen Hand, und führte sie fast zärt. lich an seine Lippen.
„Ja, ich will Ihnen helfen, liebe, kleine Freundin," sagte er herzlich, „dann aber müssen Sie mir auch alles sagen."
Und sie saßen unter den rauschenden Buchen, und Haust erzählte, als wäre der Mann dort an ihrer Seite nicht ein Fremder. sondern ein langjähriger Freund. Keine Regung dieser knospenden, werdeirden Mädchenseele blieb ihm verborgen. Er saß stumm, und die Wipfel der Bäume rauschten, golden schl n die Sonne hier und da durch das Blättergewkrr, und darüber schwebte Vogelruf im heissen Mittagszauber.
Wie gerne hätte er seine Hände schützend um das blonde Haupt gelegt, wie gern hätte er dieses süsse, vertrauende Kind' an sein Herz gerettet vor Unbill und Gefahr, und nun richtets dieses Kind selbst eine so feste Grenze zwischen ihnen empor.
Warum aber war er gar nicht traurig darüber? Warum webte es um ihn wie Märchenduft? War das nicht Siegfrieds Horn? Nein, nur der ganze Waldeszauber war hier lebendig, und er kostete ihn mit vollen Zügen und das Kind an seiner Seite, die erste Liebe im Herzen mit aller Wonne und allem Weh. war die Märchenfee, die sich in seine Seele schmeichelte.
Er wollte Hansi helfen, treu und ehrlich, aber anders als sie es gedacht.
Ein dunkler Schatten fiel auf den Weg. Ein grosser Vogel mit weiten, schwarzen Flügeln hatte ihn gestreift.
Furchtsam stahl sich das Kinderhändchen in Jens braune Rechte. So stiegen sie den steilen Pfad zur Wartburg wieder hinan, eins dem andern vertrauend. Ein Wandersmann fang in der Ferne. Von Scheiden und Meiden klang es durch den Wald, und die Sonne flimmerte gleißend darüber hin.
Fortsetzung folgt.
-Jn tiefer Trauer zeigen wir hierdurch an, daß die Mitinhaberin unserer Firma, unsere hochverehrte
8m Kmnittjikmi ÜMtellS! Hllltt
am 4. ds. Mts. sanft entschlafen ist.
Die Heimgegangene war von edler Gesinnung und stetiger Fürsorge für uns erfüllt, sie war uns stets eine hilfreiche Beraterin und ein Vorbild treuester Pflichtersüllung. An unseren Freuden und Leiden nahm sie immer herzlichen Anteil und zeigte sich hilfreich und wohlwollend.
Ihr Verlust trifft uns besonders schwer, ihr Andenken wird bei uns dauernd in Dankbarkeit und Verehrung fortleben.
Friedberg u H., den 5. September 1918.
Die Beamten und Arbeiter der Firma Franz Megerle.
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Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung.
Todes-An zeige.
Freunden, Verwandten und Bekannten hiermit die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber unvergesslicher Sohn, Bruder, Schwager, Neffe und Vetter
Ämter Gustitv Wllgnev
Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapferkeitsmedaille, in einem Infanterie-Regiment,
^^ jähriger treuer Pflichterfüllung im Alter von 21 Jahren am 23. August den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist.
Södel, den 5. September 1918.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Ernst Jakob Wagner
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