Ausgabe 
3.9.1918
 
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Nummer 206

Eilljtlpreis $-

Dienstag, den 3. September 1918

11. Jahrgang.

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Angriffe ans 45 Kilometer Zreite nvgemielen. Peronne dem Feinde nverla^en. Uene Angriffe Mischen Gfie und Aisne. 15 000 Tonnen, wieder ein Truppentransporter

franrsäsche

Verdenkt.

Der deutsche Generalstak r - meldet:

W. T. K. Gvstzes HattptqttarLiev, derr 2. Keptembev Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppen Kronpr inz Rupprecht und B o e h n.

Dorfeldkämpfe beiderseits der Lys. Zwischen Scarpe und Somme setzte der Engländer auf der 45 Km. breiten Mont seine Angriffe fort. Artilleriewirkung gegen die Bereitstellungsräume des Gegners südwestlich von Arras und beiderseits von Ba-> paume trugen wesentlich zu ihrer Abwehr bei. Brennpunkte des Infanteriekampfes waren Hendecourt und Moreuil, die Trichterfelder östlich von Dapaume, Rancourt und Bouchaves- nes. Der Feind, der nördlich von Hendecourt auf Cagnicourt Boden gewann, wurde durch Gegenangriff wieder auf Hende- court zurückgeworfen.

Beiderseits von Baulx-Braucourt vorbrcchende Panzerwa­genangriffe schreiterten. Hierbei schoß die Besatzung eines Flug­zeuges der Flieger-Abteilung 252 Leutnant Schwertfeger und Vizefeldwebel Günther einen Panzerwagen mit dem Maschinen­gewehr in Brand und zerstörten einen zweiten durch gutgeleite­tes Artilleriefeuer.

Südlich von Vapaume wiesen wir mit dem Schwerpunkt gegen Villers-aux Flos gerichtete Angriffe des Gegners ab. Nördlich der Somme brachten wir den Feind, der seit frühem Morgen mit starken Kräften oorstieß, in die Linie Sailly-St. PicrreVaast-Mald und östlich von Bouchavesnes zum Stehen. Peronne wurde vom Feinde besetzt.

Beiderseits von Nesle setzte der Franzose leine Angriffe fort. Nach stärkstem Trommelfeuer suchte er erneut in tiefge­gliederten Infanterieangriffen die Kanalstellung zu durch­brechen. Nördlich der Bahn NesleHam brachte das Reseroe- Inf.-Negiment 56 unter Fiihrung seines Kommandeurs Major v. Loebbeke jeden feindlichen Ansturm zum Scheitern. Bei er­neuten Angriffen am Abend warf er im Verein mit hessischen Kompagnien den eingedrungenen Feind aus seinen Linken wie- der hinaus. Feldarrillerie, die vor der vordersten Infanterie zum Gegenstoß vordrang, hatte an dem Erfolge wesentlichen An­teil. Südlich der Bahn NcsleHam wiesen Brandenburger und Schlesier den Feind restlos vor ihrn Linien ab. Hart südlich von Libermont brachen am Abend Angriffe der Franzosen zu­sammen. Beiderseits von Ncyon blieb die feindliche Infan­terie nach den schweren und für sie verlustreichen Kämpfen des 31. 8. gestern ruhig. Auch zwischen Oise und Aisne blieb die Cefechtstätigkeit meist auf Artilleriekämpfe beschränkt.

Teilangrisfe des Feindes an der Aietteniederung und nörd­lich von Soistons wurden abgewiesen.

Der Erste Gcncralquartiermcister: Ludendorff.

Adendlirrrcht.

Berlin, 2. Sept, abends. (MTV. Amtlich.) Englische An­griffe zwischen Scarpe und Somme. Südöstlich von Arras und nördlich von Peronne gewannen sie Boden; Reserven fingen den Stoß auf. Beiderseits von Vapaume wurde der Feind ab­gewiesen

Zwischen Oise und Aisne haben sich nachmittags nach stärk­stem Feuerkampf französische Angriffe entwickelt.

Der österreichische GeneraNak meldet: ========<

Wien, 2. Sept. Amtlich wird verlautbart:

Nichts Neues.

Der Chef des Geiieralstabes.

Das türkische Hauptquartier - - meldet: ====

Konstantinopel, 1. Sept. (WV. Nichtamtlich.) General. Itabs bericht.

Palästinafront: Auch gestern war die beiderseitige Artille- rletätigkeit an der ganzen Front stärker als sonst. Hart westlich der Straße Ierusalem-Nabulus wurde eine starke Aufklärungs- »bteiluna des Gegners von uns abgewiesen. Bon Jericho nach

Norden sich bewegende Kavallerie- und Infanterie-Marschkolon­nen nahmen wir mit weittragenden Geschützen wirksam unter Feuer. In den feindlichen Infanterielagern bei Jericho und westlich Mandesse zeigte sich viel Bewegung. Die Lager bei Vu- tellul wurden von uns mit gutem Erfolge beschossen. Am 28. August verhinderten unsere Postierungen die Rebellen an der Unterbrechung der Hedschasba.hu in der Gegend von Hedil. Auf den übrigen Fronten nichts von Belang.

15 000 Tonnen versenkt.

Berlin, 2. Sept. (WB. Amtlich.) Im mittleren Mittel­meer versenkten unsere U-Boote 15,600 Vrt., darunter einen Truppentransportdampfer von über 6000 Vrt.

Der Chef des Admirnlstabes der Marine.

Die schwersten Kämpfe des Krieges

Von einem militärischen Mitarbeiter wird uns geschrieben: Das gewaltige Ringen im Westen hat sich täglich gesteigert, da Foch alles in den Kampf warf, was er zur Verfügung hatte, da er ohne Rücksicht Menschen opferte und nur das eine Ziel kannte: eine Entscheidung herbeizuführen, den Sieg, die Nie­derlage des Gegners zu erzwingen. Unsere Truppen haben sich heldenhaft geschlagen, was sie in den letzten Tagen geleistet haben, wird erst die Geschickte erzählen; denn am Mittwoch und Donnerstag wurden im Westen zwischen Ailette und Aisne und Oife die schwersten und blutigsten Kämpfe ausgefockten, wie sie dieser vier Jahre währende Krieg noch nicht gesehen hat. Durchbruch war des Feindes Ziel. Menschen, Geschütze und Tanks liefen und fuhren in wilder Wucht gegen die deutschen Linien und diese 'wankten nickt. Sie hielten dem Ansturm stand, sie wichen dort, wo es nützlich war, um im Gegenstoß das aufgegebene Gelände wieder zu nehmen, sie ließen ihre Front nicht biegen, und aus dem geplanten Durchbruch ist eine schwere und blutige, eine unbesckreiblich niederschmetternde Niederlage des Feindes gewesen. Wir haben nicht nur Grund sichtbare Fortschritte als Siege anzusehen, sondern tuen gut. solche Ab­wehrschlachten mit als deutsche Siege zu feiern. Da nun der Gegner sich an unserer Linie verblutet hat, da seine Angriffe zusammenbracken, so ist uns in diesen schwersten Schlackten des Krieges der Sieg geworden. Unsere Helden haben großes voll­bracht. Und wenn etwas, so werden diese für den Feind so verlustreichen Kämpfe nur den Frieden näher bringen. Es ist doch selbstverständlich, daß jetzt, wenn nach diesen vergeblichen Durchbruchsversuchen die Erschöpfung kommt, auch die Einsicht kommen muß, daß an einen Sieg nicht mehr zu denken ist. Diese ^Einsicht aber muß den Frieden bringen.

Die Frontverlegupg in Flandern.

Berlin, 2. Sevt. (WB.) Die Stellungen, die die Deut­schen vor der Gegenoffensive Fochs inne hatten, waren aus einer abgebrochenen Offensive entstanden. Sie waren nicht geeignet, in ihnen eine nachhaltige, auf Kräfteersparnis hin­zielende Verteidigung zu führen. Infolgedessen waren sie auch- nicht ansgebant. Von dem Augenblick an, wo die deutsche Führung sich entschlossen hat, zwischen Arras und Soifsons durch eine großzügige und freiwillige Mckoer- legung ihrer Linien den feindlichen Plan eines doppelten Flügelangriffs zu stören, war die Aufgabe der in Flandern noch verbliebenen Osfensivstellung, die durch die erfolgreiche Apriloffensive entstanden war und als keilförmiger Bogen in der Linie KemmelMeterenMerrisMervillenörd­lich Bethune verlief, die logische Folge der zwischen Scarpe und Oise durchgeführten Frontstreckung. Mit derselben sorg­samen Vorbereitung wie bisher wurde auch hier die Auf­gabe dieses Abschnittes dnrchgeführt, durch die dem Feinde die Möglichkeit eines umfassenden Angriffes an dieser Stelle entzogen wird. Die Rahmung selbst blieb dem Feinde tage­lang verborgen. Alles, was in diesem Gelände ihm irgend­wie von Nutzen sein konnte, war in aller Ruhe zurückge- schasst worden. Selbst die zahlreichen Leitungsdrähte wur­den abgebant, während die Unterstände, wichtigen Ver­teidigungspunkte, Brunnen und Brücken nachhaltig zerstört wurden. Schwache zurückgelassene, mit zahlreichen Ma­schinengewehren ausgerüstete Nachhuten fügten den endlich folgenden Engländern, die sich oft im Verein mit den besten französischen Divisionen vergeblich um die Wiedererobernng des Kenrmel bemühten, schwere Verluste tfL Der planmäßige Rückzug.

Berlin, 2. Sept .(WB.) Die Loslösung unserer Truppen vokn Feinde erfolgte in der Gegend Bailleul. aeschcch auf die

Minute planmäßig und völlig unbemerkt. Den schwachen Pa­trouillen, die wir zurückgelasten hatten, gelang es. dem Feinde starke Besetzung unserer früheren Gräben vorzutäuschen. Erst noch Tagen griffen am 31. August vormittags 9 Uhr dichte eng­lische Schützenlinien unsere Nachhuten im Derggelände östlich Bailleul an. Der äußerst geschickten Verteidigung gelang es, das Vorgehen des Feindes dermaßen zu verlangsamen, daß der Gegner erst in den Abendstunden die Linie Dramaster-Ravels- berg erreichte. Die Freude an dem fast kampflos wiedergewon­nenen Gelände wird den Engländern wesentlich getrübt werden, wenn sie erkennen, wie planmäßig die Rückzugsbewegung der deutschen Truppen vorbereitet worden ist. Die Stadt Bailleul, die uns die Engländer im April fast unberührt und voll von Lebensmitteln und Bekleidung überlasten mußten, ist jetzt dank der feindlichen Beschießung ein Trümmerhaufen. Ebenso ist das ganze übrige Gelände, das wir dem Gegner freigegeben haben, wüste und leer und kaum ein Unterstand blieb ungesprengt. Die Straßen sind an den wichtigsten Punkten durch Sprengung zer­stört, nicht eine einzige Brücke ist brauchbar geblieben. Die großen englischen Pionierparks mit Holz, Stacheldraht, Eisen­bahnschwellen, Zement usw., die uns bei unserer Offensive in die Hände gefallen sind, und die wir bis jetzt noch nicht hatten aufbrauchen können, sind zurückgeschafft worden. Zahllose Ki­lometer Telephondraht haben unsere Nachrichtentruppen gesam­melt und dabei gleichzeitig die Telephonstangen zerstört. Wir haben den Engländern nnr zertrümmerte Trichter geschenkt.

MWikItr flwfrannriff auf (Miara.

Wien, 2. Sept. Die Marinesektion des Kriegsministeriums teilt amtlich mit: Am Vormittag des 30. August versuchten 4 englische Landflugztzuge Anlagen und Schiffe im Golfe von Eat- taro anzugreifen. Ihre Bomben waren wirkungslos und fielen größtenteils in die See. Von den vier Flugzeugen entkam nur eines, die anderen drei stürzten ab und zerschellten an den Fel­sen. Ein Flieger wurde verwundet geborgen, die übrigen sind tot.

Frankfurt für Arras.

Zürich, 2. Sept. Laut Schweizer Depescheninformat ton schreibt die PariserLiberteä" angesichts der auf französischem Boden aufgehäuften Ruinen, es müste unbedingt eine Anzahl deutscher Städte als Geiseln in Aussicht genommen werden Berlin habe für Paris einzustehen, Hamburg, München. Frank, furt und Köln müßten für Lille. Amiens, Arras und Soifsons herhalten. Für zerstörte französische Bergwerke und Fabriken müßten die deutschen Bergwerke und Fabriken haftbar gemacht werden.

Amerikas wirkliches Diel.

Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß Amerika den Krieg und feine Beteiligung als eine erwünschte Gelegen­heit betrachtet, zu einem Militärstaat zu werden. Man denke:' England, dos den Militarismus bekämpft, Wilson, der mit dem Militarismus keinen Frieden machen will, beide sind mehr Knechte des Militarismus geworden als wir. In England wird jeder zum Militär gemacht, in Amerika jeder rücksichtslos ein» erzogen. Wieder ist die Altergrenze erhöht worden. Und Wil­son hat nun auch verraten, was er eigentlich bezweckt: Amerika soll auch nach dem Kriege ein Militärstaat bleiben. Diejenigen die diesen Wunsch Wilsons als die eigentliche Triebfeder seines kriegerischen Geistes hinstellten, haben also nicht unrecht. In friedlichen Zeiten dann, wenn Amerika (durch Wilson sugge. riert) nicht die Notwendigkeit erkannt hätte, daß es seinen Ver­bündeten helfen müste, wäre es niemals möglich gewesen, Ame­rika unter Waffen zu bringen und den freien Bürger in dev grauen Rock zu stecken. Nur die Not, aus der Amerika die Ver­bündeten retten mußte, hat das möglich gemacht, die falschen Vorspiegelungen gaben Wilson die Gewalt, sein Volk zum Milt tarismus zu bekehren.

Und der Zweck Wilsons liegt nun auf der Hand'. Amerika hat andere Aufgaben nach dem Krieg. Zu diesen Aufgaben braucht es die Soldaten, den Militarismus: Die alte Feind,

fchaft mit Japan muß zum Austrag kommen. Wilson sagte lischt, daß er die Soldaten nach dem Frieden für einen neue« Krieg brauchte (ein Völkerbund müßte ja jeden Soldaten über, flüssig machen), nein, nur allgemein erklärte er die Notwendig­keit, der militärischen Rüstung auch für spätere Zeiten. Da­raus wird Japan erkennen können, was Amerika noch vorhap Japans wegen durfte selbstverständlich eine solche Militarisier rung Amerikas nicht erfolgen. Ehe sie fertig gewesen wäre..