147 Milliarde« Franken betragen. Darin sind 8 Milliarde« kür den Staatshaushalt von 1918 nicht eingerechnet.
Amerika.
Die Kriegsgewivnsteuer.
Das-l, 26. Augnst. Wie die Neue Korrespondenz aus Washington meldet, hat die Finanzkommission die Vorschläge Mc. Aboos, die auf Kriegsgewinne eine Steuer von 80 Prozent vor. sehen, angenommen. In gewissen Fällen kann dieser Ansatz um 10 Prozent vermindert werden. Dem Staate soll durch die Kriegssteuer eine Einnahme von 4 Milliarden Dollars erwachsen.
Basel, 26. August. Der American Service dementiert die
Zeitungsnachricht, wonach Präsident Wilson beabsichtigen soll, Europa zu besuchen.
Ge^eu unsinnige Gerüchte.
Berlin, 24. August. (WB.) In einer Unterredung, die Kn'egsminister v. Stein dem Chefredakteur der „Morgenpost", der auf die unsinnigen Gerüchte in den letzten Tagen hinwies, gewährte, führte der Minister u. a. aus:
Gewiß habe ich von den unsinnigen Gerüchten gchört, und sie haben mich um so inehr gewundert, als nichts vor- Händen ist, was der Ausgangspunkt für diese Gerüchte sein könnte. Ueber die Kriegslage will ich nicht sprechen, gerade weil ich davon mehr weiß, als andere Leute, die sich mit der Beobachtung der Ereignisse, mit Rückblicken und Ausblicken auf das angelegentlichste beschätfigen. Aber auf eins kann ich Hinweisen: Vor zwei Jahren, als wir den schweren Zweifrontenkrieg zu führen hatten und uns im Westen vollkommen auf die Defensive beschränken mußten, hatten dort unsere Gegner rund hundert Divisionen mehr als wir. Was aber haben sie erreicht? Nichts, was einem strategisch auswertbaren Erfolge auch nur entfernt ähnlich sähe. Wohl hat uns der Gegner unter ungeheuren Opfern ganz langsam und schrittweise zurückdrangen können, bis dann schließlich der freiwillige Abzvg in die Siegfried-Stellung erfolgte. Aber das ganze damals aufgegebene und verlorene Gelände, mancherorts noch mehr als dies, hatte unser Angriff in diesem Jahre mit einem Schlage wiedergewonnen. Es kommt nicht auf das Gelände an, imd leider wird darüber viel zu viel gtcebeL Worauf es cmkommt, ist dies, daß der Gegner trotz fern» Ueberlegenheit in vielen Monaten schweren und opfervollen Ringens nicht einmal das erreichen konnte, was wir in wenigen Tagen zu erreichen imstande waren.
Nun haben unsere letzten Operationen uns nicht den Erfolg gebracht, den wir von ihnen erhofft hatten. Wir haben einige Rückschläge und — sagen wir es ftirg heraus — auch eine Schlappe erlitten. Ja, geht es denn nicht sonst im Leben ebenso? Nicht, daß man einmal einen Mißerfolg erleidet, ist bedenklich sondern bedenklich wäre es, wenn man nicht die Kraft hätte, sich mit dem Mißerfolg abzu- finden und ihn auszngleichen. An der Front wird von vornherein damit gerechnet, daß auch einmal ein Mißerfolg eintreten kann, für das Hinterland aber ist so ein Mißerfolg eine ernste Mahnung, denn es zeigt uns, daß der Krieg noch nicht beendet ist, und daß wir alle Kräfte anspannen nrüssen, um ihn zu inem glücklichen Ende zu führen. Dazu aber ge- hört der starke und einige Wille des ganzen Volkes, und wer Einflüssen Vorschub leistet, die zersetzend wirken und eine Schwächung des Willens unseres Volkes zur siegreichen Beendigung des Kampfes um seine Existenz verursachen müssen, der versündigt sich an der Sache des Vaterlandes. Es kommt jetzt daraus an. die feindlichen Angriffe abzuschlagen und dis eigenen Kräfte zu schonen.
Es ist sehr möglich, daß feindliche Einflüsse am Werk sind und daß die feindliche Propaganda daran arbeitet, bei uns Zulande Unruhe zu stiften. Unruhe zu stfften. Jedenfalls sind die Gerückte, die hier bei uns herumgetragen werden, so dumm rmd so sinnlos, daß man nicht begreift, wie es möglich ist, daß sie Gläubige finden können. So kam nach jenen Offensivstößen beiderseits Reims über die Schweiz eine Nachricht nach Süddeutschland, wir hätten 150000 Mann an Gefangenen verloren. Eine andere Nachricht wußte von Zweikämpfen zwischen den höchsten Führern zu erzählen. Mit besonderer Vorliebe wurde auch von Verrat geraunt, und aller dieser Unsinn fand Gläubige auch unter den Leuten, die sonst eines klaren Verstandes sich rühmen. Wie oft ist Hindenbnrg schon gestorben, wie oft hat dieser, oder jener unserer höchsten Führer schon Selbstmord verübt, wie oft sind hier in Berlin schon die Maschinengewehre in Aktion getreten! Die Feinde selbst machen sich über diese Art von Gesckichtenträgerei lustig, ind^m sie aus ihren eigenen Zeitungen die Nackrickten zusammenstellen, denen zufolge Hindenburg mindestens schon dreißigmal gestorben ist. Man ist es ja gewöhnt, daß die Phantasie alles vergrößert und vergröbert. Das alles ist bis zu einem gewissen Grade zu ertragen, aber es kann auch zu einem unerträglichen Unfug ausarten, und dann ist in der Tat jeder, der es ernst meint mit der Sache des Vaterlandes, verpflichtet, diesem Unfug mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.
Dr Kriegsminister wandte sich dann gegen das unsinnige Gerede von Verrat, das er buren Unsinn nannte. Er verurteilte die Heuchelei unserer Feinde, eines Wilson, der der die Dreistigkeit hatte zu behaupten, die Amerikaner folgten bezüglich der Lynchjustiz dem Beispiel Deutschlands. Ec schloß seine im hohen Maße bemerkenswerten Ausführungen, die sich jeder Deutsche merken sollte mit den Worten:
Eines möchte ich rwch hervorheben, eine Tatsache, die imferern Volk zur Lehre und Mahnung dienen kann. Da3 «nglücküche Frankreich sieht seine blühenden Provinzen von uns besetzt upd durch die Kriegsfurie zum Teil auf lange Äeit hinaus verwüstet. Im französischen Lande steht der
Feind. ist überschwemmt von Engländern und Amerikanern, bk in Frankreich wie die Herren hausen, und farbiges Volk der verschiedensten Nassen treibt sich in großen Scharen in Frankreich umher. Die Blüte seiner Mannschaft ist gefallen ynd fällt immer weiter als Opfer des Krieges. Die Folgen ftir das Land sind nicht auszudenken. Aber dennoch hält es an seinem Kampfeslmllen fest und klammert sich an die Hoffnung aus den Endsieg mit einer Kraft und mit einer Entschlossenheit, der man die Achtung nicht versagen kann. Wir haben gottseidank allen Anlaß zu der Ueberzeugung, die Franzosen an Kampfeskraft und Zuversicht für den glücklichen Ausgang des Krieges zu übertrefsen.
ChMlittlmn amen „fraakfirirt Jfitottg“.
Von Prof. Aug. Gebhard,
Friedberg (Lessen).
I
Zn dem von der „Frankfurter Zeitung" gegen Houston Steward ThamLerlain gefiihrten Beleidigungsprozeß hat das Schöffengericht zu Frankfurt a. M. am 16. August den Angeklagten auf Grund des § 186 R. Str. E. V. zur hochstzulässigen Geldstrafe von 1500 Mark verurteilt und auf Antrag der Privatklage hat die Veröffentlichung des Urteils in 21 deutschen Zeitungen zu erfolgen. Eines Urteils über dieses Urteil und seine Begründung enthalten wir uns füglich, da es dabei ja fein Bewenden nicht haben wird, wenden uns vielmehr der politischen Seite des Falls M, die weit über die Grenzen des hierbei zur Behandlung stehenden Klagepunktes hinaus Beachtung be. anfpruchen darf. Infolge davon, daß das Schöffengericht am 9 August eine Beweisaufnahme nicht beliebte, konnte allerdings der gewaltige von der Verteidigung Herrn Ehamberlains zu- fammengetragene Beweisstoff, der, trotzdem widrige Umstände mannigfacher Art seiner Vervollständigung, vor allem der Ausdehnung auf die Kriegsjahre 1914—1918 im Wege standen, für die „Frankfurter Zeitung" durch die unwiderstehlich zwingende klare Aufweisung ihrer politischen Blindheit und Gefährlichkeit wahrhaft erdrückend und vernichtend ist, nicht zur gebührenden Wirkung vor Gricht gebracht werden. Doch wird ja der weitere Instanzenweg und, falls man auch da einer Beweisführung ablehnend gegenüber stehen sollte, die Ausbreitung des wertvollen gesammelten Stoffes vor der Osftentlichkeit Gelegenheit gben, das allen wahrhaft deutschen Belangen abträgliche Verhalten der „Frankfurtor Zeitung" nahezu von der Zeit ihres Bestehens bis auf unsere Tage darzulegen Gesagt muß aber auch heute schon werden' auch an diesem 9. August saß nicht Herr Ehamberlain, sondern das Frankfurter Blatt auf der Anklagebank und mußte sich von der Verteidigung Herrn Eham- berlains Dinge sagen lassen, die in ihrer geschichtlichen lln. widerleglichkeit geradezu vernichtend wirkten.
Hat schon das Eigenbrodtsche Buch über „Frankfurter Zeitung" und „Berliner Tageblatt" jedem, der die Tatsachen sehen will, wie sie sind, ein klares, einwandfreies Bild der Politik dieser beiden auchd-eutschen Blätter und ihrer Gemeingefährlichkeit für jode politische Betätigung geben können (wobei darauf hingewiesen sei, daß. wie das schon eine Besprechung der Eigen- brodtschen Arbeit hervorhob, die „Frankfurter Zeitung" viel zu gut weggekomm-en ist, da Eigenbrodt in selbstgewollter Beschränkung seine Untersuchungen erst mit 1887 beginnt und die hetzerische Tätigkeit des Blattes in der inneren Politik ganz ausgcschaltet hat), so zeigen die von der Verteidigung aus den Jahren 1862—1914 gesammelten Beweisstellen, daß der Standpunkt dieser Vertreterin des „demokratischen" Ideals freilich von einer eindrucksvollen Zielstrebiges und Beharrlichkeit ist, dafür aber auch in allem und jedem dem widerstrebt, was in der geschichtlichen Entwicklung sich dem Deutschtum förderlich und nützlich erwiesen hat.
Wir sehen das Frankfurter Blatt in der ganzen Zeitspanne von 1862—1914, von dem gewaltigen geschichtlichen Geschehen gänzlich unberührt, verknöchert und einseitig, durchaus unbelehrbar, auf dem gleichen unfruchtbaren Boden der Verneinung stehen in allen Fragen, in denen es sich um Dasein und Ge. deihen des deutschen Volkes handelt. Das „fortschrittliche" Blatt erweist sich hier als stockreaktionär. Denn, wenn das vielmißbrauchte, zu Tod gehetzte Schlagwort reaktionär überhaupt einen Inhalt haben soll, so kann es doch nur der fein einer verblendeten unbelehrbaren Festklammerung an hundertmal lleberholtes, an längst unsinnig Gewordenes, an Dinge und Maßnahmn, die die geschichtliche Entwicklung, die doch in letzter Linie das Urteil über alle politischen Bestrebungen spricht, als zweckundienlich und veraltet erwiesen hat. Nebenbei sei bemerkt. daß, wenn das Frankfurter Blatt in feinem Berichte über die Verhandlungen vom 9. August davon spricht, die Gegenseite habe ihm den Vorwurf „stockkonservativer" Gesinnung gemacht, hier eine der bei diesem Blatt allzu häufigen Verschiebungen und Verschleierungen vorliegt: man merkt sofort, wie mit einer Verrückung des Gesichtswinkels die ganze Frage auf das übliche Sackgeleise der Pcrrteipolitik verfahren werden soll. Nein, nicht um parteipolitische Katzbalgereien handelt es sich hier, sondern um den Kampf ?gveier unvereinbarer Weltanschauungen. Nationale Erfassung der politischen Wirklichkeit kämpft hier den durch keinen Verständigungsfrieden zu verkleisternden Daseins- kampf mit der Internationale. Und daß in diesem Kampf alle wirklich fortschrittlichen, lebensfähigen, gesunden Kräfte des deutschen Volkes auf Seite des Herrn Ehamberlain, auf Seite der „Frankfurter Zeitung" eine tausendmal widerlegte, in abgelebten Weltverbrüderungstraumen schwelgende Politik Stchengebliebener und Unbelehrbarer, kur- eine Reaktion schlimmster und gefährlichster Artung stehen, das ist sonnenklar und läßt sich durch keine taktische Wendung des in Rückzugsge. fechte nicht unerfahrenen und in seinen Mitteln niemals wähle- rischen Frankfurter Blattes ins Gegenteil verkehren.
Mit der theoretisch-doktrinären Verbissenheit und Verbohrtheit, nie sie solchen Leuten eigen zu sein pflegt, wird in dem Frankfurter Blatt immer und immer wieder zu den Hauptfragen deutscher Entwicklung Stellung genommen, so oaß man fragen kann, dieses Sprachrohr der öffentlichen Meinung Süddeutsch lands (wofür es sich selbst gern selbstbewußt auscvibt) und
der freiheitlichffortschrittlichs« Gestaltung des deutschen Lebens bietet seit 1862 das Bild verknöcherten Eigensinns und politischer Arterienverkalkung. Es bleibt sich im Verneinen, Ver. giften, Zerstören, Herunterreißen, Beschmutzen und Begeifer« alles wirklich und von Natur aus Deutschen in diesem halbe« Jahrhundert einer beispiellosen Entwicklung ganz gleich.
Mit einer geistigen Bedürfnislosigkeit, die rnan rührend nennen könnte, wenn sie nicht mit soviel Böswilligkeit und Gefährlichkeit verbunden wäre, werden stets aufs neue die abgetriebensten Schlagworte in Bewegung gesetzt, um alles das zu bekämpfen und herabzusetzen, was Deutschland groß gemacht hat.
Eines der niederträchtigsten Schlagworte aus dem Eist» köchsr dieser Kämpferin für „Freiheit und Recht" ist das Wort vom „Militarismus". Wenn uns dieses Wort heut beharrlich von unseren Gegnern in diesem Weltkrieg entgegentöut, so darf man ruhig behaupten, daß dieses vergiftende Wort, das unseren Feinden dazu gedient hat und noch dazu dient, eine Well gegen uns in Waffen zu stellen, dorn Rüstzeug der Eschenheimer Gaffr entstammt.
Nie und nimmer wird man dort müde, gegen diesen felbf errichteten Kinderschreck Sturm zu laufen und damit all das zu bekämpfen, was zur Wehrhaftmachun^ unseres Vaterlandes gedient hat. Man sucht sich auf der Gegenseite gewöhnlich jetzt damit herau^ureden, daß man ausführt, man habe stets nur gegen die Auswüchse und Nebevgviffe des militärischen Geistes angekämpft, eine Verkürzung der Dienstzeit gefordert, die sich jetzt im Krieg als durchaus möglich und durchführbar erwiesen habe usf. Dabei wird übersehen oder absichtlich verschwiegen, daß der Notbehelf des Krieges nicht zur Beweisführung für die vergangene Zeit her an gezogen werden darf und daß unsere gesamten ausschlaggebenden Anfangserfolge auch in diesem Krieg ein sorgfältig durchgebildetes, von echt soldatischem Geist erfülltes Heer als unbedingte Grundlage voraussetzen und niemals mit dom Ideal der „Frankfurter Zeitung", einer Miliz, möglich gewesen waren. Tatsache bleibt also, daß das Frankfurter Blatt stets in der vordersten Reihe derer zu finden gewesen ist, die jede Militärvorlage bis aufs Blut bekämpften, die der Ausdehnung des Schcrrnhorst'fchen Gedankens vom Volk in Waffen (wohlgemerkt, nicht in der für einen Eroßstaat unmögliche« Form der Miliz) aufs schärfste entgegentraten und stets mit der stumpfen Waffe der finanziellen Ueberlaftung allen Mehrforde, rungen für LandasverteMgnngszwecke zu Leibe rückten. Soviel ist sicher, wäre jeweils das geschehen, was diese, in engster Par- torbefangenheit gebundenen Verfechter einer Sozialdemokratie empfohlen und vertreten hätten, so wären wir in das gegenwärtige Ringen um Bestand und Zukunft des deutschen Volkes als von vornherein Besiegte eingetreten. Geht das schon aus Eigenbrodts Arbeit schlagend hervor, der, wie bereits hervor» gehoben worden ist. in der Ausdehnung seiner Untersuchungen reicht tief genug in die Vergangenheit des Frankfurter Blattes eingedrungen ist und auch die innerpolitische Hetzarbeit dieser gemeinschädlichen Vertreterin der öffentlichen Meinung außer acht gelassen hat. so erweisen es die neuen, dis Zeit 1862—1914 umfasserrden Erhebungen, die anläßlich des vorliegenden Rechts- ftreits gemacht worden find, durchaus einwandfrei.
Es ist von Anfang bis Ende in ermüdender Eintönigkeit der gleiche Ton und die gleiche Weife.
Zur Zeit der preußischen Heeresvsform sehen wir das Blatt unter den giftigsten Bekämpfern der Lebensarbeit des großen von ihm niederträchtig beschimpften Königs Wilhelm. Auch hier wird mit den niedrigsten persönlichen Verunglimpfungen gearbeitet. „Der tiefere Zweck der Armeerform ist die Verstärkung der Existenzmittel des Feudaladels" heißts am 4. L 64. Und am 25. 9. 65 heißt es, um eine besondere wohlriechende Blüte dieses Eiftbaums öffentlicher Verhetzung und unsachlichster Beschimpftmg Andersdenkender der Vergessenheit zu entreißen: „Der Vater (Fr. W. III.) hatte das Glück, daß ihn die Niederlage bei Jena zu einiger Einsicht brachte. Der Sohn ist aber schon so alt, daß wir fiirchten, selbst ein neues Jena würde nicht hinreichen, ihn zu der Einsicht zu dringen, daß feine neue Heeresverfassung und seine absolutischen Gelüste den Staat und noch mehr den Thron gefährden." Zur Gefährdung des preu. ßischen Staats und des Hohenzollernthrons trägt das edle Blatt dann seinerseits, offenbar weil ihm König Wilhelm doch darin rroch nicht genug zu tun scheint, das Seinige bei, indem es unablässig schürt und hetzt und die preußischen Radikalen mit allen Mitteln einer gewissenlosen Pretzhetze in offene Auflehnung und unverhülltem Umsturz zu treiben sucht. Von einem Verständnis für den großen Staatsmann der Zeit natürlich keine Ahnung! Und als dann mit dem Krieg 1864 die große Probe der von König Wilhelm und Bismarck geleiteten Politit beginnt, da sehen wir die Zeitung offen auf Seiten des feindlichen Dänemarks und nach den ersten großen Schlägen dieses Kampfes setzt auch sofort das Bestreben ein, einem allzu entschiedenen Sieg der preußischen Waffen zu verhindern und „Annexionen" zu bekämpfen. Am 9. Juli 1864 lesen wir: „Bisher ist Deutschland in Gefahr > gestanden, in Schleswig-Holstein um sein volles Recht gekürzt zu werden. Heute steht es in Ge* fahr allzusehr zu siegen". Schon einige Tage vorher (am 1. 7. 64) hatte man in der Eschenhoimerga^se die Schamlosigkeit zu schreiben: „Die Masse der Engländer knirscht — aber sie
knirscht vorerst vergebens. Eine rasche Entscheidung ist aber wünschenswert, wäre es auch nur Schleswig-Holsteins halber
und damit nicht der Krieg.allzu' lange andauere und
Deut,chland sich dadurch unnötigerweise an das Vorumlten des ohnedies übermächtigen Militärelements gewöhne." Hier wird also Eingreifen des Auslandes gegen den „preußischen Militarismus" geradezu herbeigerufen.
Im Jahre 1866 sehen wir das gleiche Bild. Hier könnt« inan ja wohl am ehesten geneigt fein, dem pfahlbürgerlick>en „Weltblatt mildernde Umstände zuzubilligen, da es sich um der freien Reichsstadt eigene „2lnnex.ion" dreht. Frankfurt wird preußisch (es hätte, wenn es das nicht geworden wäre, später schon aus rein wirtschaftlichen Gründen, kniefällig um die Auf. nähme in den preußischen Skaat bitten müssen) und es beginn/ für die Stadt, wie für alle die andern „annektierten" Gebiets, teile eine Zeit unerhörten, beispiellosen Aufschwung» irach der unsagbaren Verrottung kleinstaatlicher Mißwirtschaft. Die Tin.


