Ausgabe 
23.8.1918
 
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Unmmer 197 Einzelpreis b \ 0 e RÄL Freitag, den 23. August 1918

1J. Jahrgang.

Die ..Neue Tagesr-ttmrg" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige BeilagenDer Kauer aus Kessen",Die Kpiunstube". Kerugspreia: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Psg.» lokale 20 Psg., Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhaben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und Derlag Friedberg (Hessen), Hanauerstraße 12. Fernsprecher 48. Postjheck-Lonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M.

Gewaltiges Wagen im Westen

Grast angelegte Angriffe der Engländer jitdlich Arras gescheitert.

Rücknahme der Front an der Aisne Niederlage der Franzosen und Engländer in Rußland.

15 OVO Tonnen und zwei französische Dampfer versenkt.

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Der deutsche Generalstab

- meldet: ====s

W. T. K. Großes Hauplqnartier, de»

22. August Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.

Im Kemmel-Gebict wurden feindliche Teilangriffe beider­seits der Straße LöterDranoeter abgewiesen.

Südlich von Arras hat der Engländer ge-stern mit neuen ! großen Angriffen begcnuen. Englische Armeekorps und Neusee- i Länder waren zwischen Moyenneville und der Avre in Richtung auf Baupaume in tiefer Gliederung angesetzt. Das englische ! Kavallerie-Korps stand hinter der Front zum Einsatz bereit. ; Durch starkes Artillcriefeuer und mehrere hundert Panzerwagen i unterstützt, stieß die Infanterie des Feindes auf der 20 Kilometer ; dielten Front zum Angriff ocr. Bor unseren Schlachtstellungen drach der erste Ansturm zusammen: in örtlichen Gegenstößen nah­men wir Teile des dem Feinde planmäßig überlassenen Eelände- streijen wieder. Der Feind setzte seine heftigen Angriffe tags­über fort. Ihr Schwerpunkt lag auf den Flügeln des Angriffs- .feLdes, sie sind völlig unter schweren Verlusten des Feindes ge- , scheitert. Der Versuch des Gegners, bei Hamel die Ancre zu überschreiten, wurde vereitelt. Eine große Anzahl zerschossener i Panzerwagen liegt vor unserer Front.

Heeresgruppe Generaloberst v. Boehn.

Zwischen Somme und Oise verlief der Tag ruhig. Südlich von Royon haben wir uns in der Nacht vom 20. zum 21. August kampflos vom Gegner etwas abgesetzt. Den ganzen Tag über lag das Artllleriefeuer des Feindes noch auf unseren alten Li­men; zögernd fühlten am Abend stärkere Erkundungsabteilungen gegen das Tal der Divette vor. Die im Carlepont-Walde kämpfenden Truppen nahmen wir vom Feinde unbemerkt hinter die Oise zurück. Angriffe des Feindes, die sich hier gestern früh durch stärkstes mehrstündiges Artilleriefeuer vorbereiteten, kamen infolgedessen nicht zur Gel­tung. Zwischen Blerancourt und der Aisne setzte der Feind seine Angriffe tagsüber fort, nur bei Blerancourt konnte er Boden gewinnen. Die gegen die übrige Front gerichtete und am Abend mit besonderer Kraft beiderseits der Morfain- Schlucht geführter Ansturm brach unter schweren Verlusten für den Feind zusammen.

Der Erste Generalquarliermeister: Ludendorff.

Abeirdberkcht.

Berlin, 22. August, abends. (WTB. Amtlich.) Teil­kampfe bei Bailleul und südlich der Lys. Gewaltiges Ringen an der Ancre und Somme. Auf dem gestrigen Schlachtfeld nordwestlich Bapaume und an der Front zwischen Albert und Somme brachten wir groß angelegte Angriffe der Engländer durch Gegenangriffe zuni Scheitern.

Angriffe der Franzosen zwischen Oise und Aisne vor unseren neuen Stellungen.

Der österreichische Generalftab ,====== meidet: ===a

Wien, 22. August. Amtlich wird verlautbart:

Italienischer Kriegsschauplatz: Auf dem Monte Cimone wurde ein italienischer Vorstoß abgewiesen.

Albanien: Ein aus österreichisch-ungarischen und deut­schen Landfliegern und k. u. k. Seefliegern zusammenge­setztes Geschwader griff die feindlichen Fliegeranlagen bei Vatona an. Es wurden zahlreiche Brände beobachtet. Un­sere Flugzeuge kehrten vollzählig zurück.

Der Ehcs des GencralstabeS.

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Das türkische Hauptquartier »- meldet: =-

Konstantinopel, 22. August. (WB. Nichtamtlich.) Gene- mlstabsbericht.

Palästinafront: Westlich der Straße Jerusalem-Nablus entspann sich nachts ein kurzer Feuerkampf zwischen feind­lichen Erkundungsabteilungen und unseren Postierungen, in den die beteiligten Artillerien eingriffen. Der Gegner wurde von uns Vertrieben. Tagsüber geringes Artillerie­feuer bei lebhafter Fliegertätigkeit. Osffront: In Nord­

westpersien nimmt die Vorwärtsbewegung unserer Truppen den geplanten Verlauf. Auf den übrigen Fronten ist die Lage unverändert.

15000 Tannen versenkt.

Im östlichen Mitrelmeer haben deutsche und österreichisch- ungarische N-Boote 15,000 Brnttoregistertonnen Schiffsraum versenkt.

Der Chef des Admiralstaber der Marine.

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Zwei französische Dampfer gesunken.

Paris, 22. Aug. (WB.) Havas. Der Postdcnnpfer Polynesien" (6373 Tonnen) der Messageries Maritimes mit serbisäpn Truppen an Bord geriet auf der Fahrt von Bizerta nach Salonik am Morgen des 10. 8. auf eine Mine und ging unter. Sechs serbische Passagiere, elf indische Heizer und zwei Mann der Besatzung werden vermißt.

Der französische DanipferBalkan" (1709 Tonnen) der Compagnie Marseillaise de Navignaffon & Vapeur wurde auf der Fahrt von Frankreich nach Korsika in der Nacht vom 15. zum 16. 8. torpediert und sank in weniger als einer Minute. Bis jetzt wurden 102 Personen als gerettet festge­stellt.

Feindliche Fliegerangriffe.

Fliegerangriff auf Karlsruhe.

Karlsruhe, 22. Aug. Amtlich wird gemeldet: Zehn englische Flieger bewarfen heute 9 Uhr vormittags zweck- nnd wahllos die Stadt Karlsruhe. Der größte Teil der .Bomben fiel auf freies Feld. Außer einigem, an ver­schiedenen Stellen erheblichen Schaden an bürgerlichen Wohnungen sind leider eine Reihe von Opfern unter der Bevölkerung- zu beklagen. Es wurden neun Personen ge­tötet, vier schwer und -zwei leichter verletzt. Die Hälfte des feindlichen Fliegergesck)waders, fünf Flugzeuge, wurden durch unsere Abwehrmittel vernichtet. Die Besatzungen fielen teils tot, teils lebend in unsere Hand.

Fliegerangriff auf Köln.

Köln, 22. Augnst. (WB.) Heute Nacht 2 Uhr wurde das Stadtgebiet von feindlichen Fliegern überflogen, ^s wur­den einige Bomben abgeworfen, wodurch Sachschaden ent- staniden ist. Auch sind einige Verluste an Menschenleben zu beklagen.

Fliegerangriff auf Zeebrügge.

Haag, 22. August. Hollandsch Nieuws Bureau meldet aus Costburg: Von 11 Uhr bis 1 Uhr nachts wurde auf Zeebrügge, Brügge und Umgebung ein heftiger Bomben­angriff genzackt. Die Abwehrgeschiitze waren sehr tätig. Auch die holländischen Abwehrgeschiitze bei Kadzand traten in Tätigkeit.

Stil 18. Aliuili 10060 Gefangene »frloren?

Seit einigen Tagen erleben wir wieder Tage gewaltigster Kämpfe im Wösten, unsere Wackerenn da draußen haben die heftigsten Anstürme der feindlichen Heerhaufen ans allen Welt­teilen auszuhalten. Wie unsere Tagesberichte meldeten, sind alle feindlichen Anstürme unter fchiversten Verlusten für die Feinde gescheitert. Diesn Behauptung stehen aber die feind­lichen Heeresberichte entgegen, d'e behaupten, die Stadt R o y e besetzt zu haben, 4 Kilometer vorgedvungen zu sein und seit dem 18. August über 10 000 Gesängeire gemacht zu haben. Danach würden die feindlichen Anstürme nicht gescheitert sein, sondern hätten Effolge gehabt. Es ist ja gewiß recht lobenswert, wenn wir im Gegensatz zu unseren Gegnprn auch die feindlichen Tages­berichte veröffentlichen. Sind aber diese Berichte gefälscht, so müßte doch unsererseits wenigstens eine Aufklärung darüber beigogeben werden. Im anderen Fall muß man doch annehmen, daß sie der Wahrheit entsprechen und das steht wieder mit un- jeven Berichten im Widerspruch.

Rußland.

Eine Niederlage der Engländer und Franzosen.

Moskau, 22. August. Die Engländer und Franzosen, die sich mit den Tschecho-Slowaken vereinigt wollten, er­litten in der Richtung auf Onega eine schwere Niederlage Unsere Truppen schreiten vorwärts und haben die Station Tschekujewo, 80 Werft vor Archangelsk, zwischen Onega und Obosersk besetzt. Außerdem fiel ein Dampfschiff deS Gegners in unsere Hände. 50 Werft östlich von Obosersk ist der Feind vor dem Dorf Selezkaja zurückgeschlagcn worden. Die Versuche des Feindes, im Kasan-Rayon vorwärts zu kommen, scheiterten an der Standhafffgkeit unserer Truppen, die die Dörfer Jljinskaja und Sochanewo besetzten, zwei Ge» schütze und drei Maschinengewehre erbeuteten.

Russischer Kriegsbericht.

Moskau, 22. August. Von der nordkaukasischen Front: Wir besetzten nördlich Zarizin dis Dorf Pestschanla, wobei der Gegner 10 Maschinengewehre verlor. Ten letzten Mit­teilungen zufolge besetzten unsere Truppen die Stadt Derbent. Die offiziellen Meldungen von der kaukasischen Front berichten von der wohlwollenden Stimmung der Be« völkerung der Sowjet-Regierung gegenüber. Die Mobil­machung der Bauern und Kosaken geht erfolgreich vorwärts; sie treten freiwillig der roten Garde bei. In unseren Ab­teilungen herrscht mustergültige Disziplin. Während unsere Truppen alle regmrierten Produkte bezahlen, zertriimmern die Banden der Kadetten die Lebensmittelläden und rauben Eßwaren und Geld.

Der Erzar und Paincarö.

Bern» 21. August. Die Zürcher ZeitschriftDas Buch"» deren letzten Heften wir eine Unterredung ihres Gewährsman­nes mit dem Zaren vor Kriegsausbruch entnommen haben, durch die neuerdings die Schuld Poincares am Kriege erhärtet wurde» veröffentlicht ttt dem dieser Tage erscheinenden vierten Heft einenOffenen Brief an Herrn Poincarä", der weitere für den französischen Präsidenten schwer belastende authentische Aeuße- rungen des Zaren enthält. Wir geben folgende Stelle des offe­nen Briefes im Wortlaut wieder:Sie wisien, Herr Präsident, ganz geirau, und zwar aus derselben Quelle wie unser Ihnen bekannter Gewährsnrann wie sich der Zar noch während Ihres Aufenthaltes in Rußland im Anschluß an das sogenannte Fviedensgespräch gegenüber jenem Großsüfften geäußert hat» mit dem Sie am selben Tage eine lange Unterredung hatten. Die Motte des Zaren:Ich arbette für den Frieden Europas. Poin« carö fiir die Rückeroberung Elsaß-Lothringens", sind, wie Ci« wisien, recht weiten Kreisen bekannt geworden. Die für Sie, Herr Präsident, nicht gerade erfreuliche Tatsache, daß dieser Satz sich auch in den Aufzeichnungen des Zaren beffndet, die laut Dekret der russischen Regierung vom 19. Juli beschlagnahmt wurden, dürfte Ihnen via, London seit dem 23. Juli bekannt sein. Und ein weiterer auch Ihnen erreichbarer Zeuge, der die Worte des Zaren verbürgt:In Poincares Ehrgeiz liegt eins Gefahr für den Frieden", und:Erst wenn Poincares Präsi­dentschaft vorüber ist, halte ich den Frieden für gesichert" auch dieser Zeuge ist, nachdem die Aufzeichnungen des Zaren beschlagnahmt sind, nicht mehr zu widerlegen.

DasBuch" stellt dem französischen Präsidenten drei Cpal« ten zum Zwecke einer Erwiderung und Rechffettigung gegen dis Anklage, der Anstifter des Krieges zu sein, zur Verfügung, in­dem es betont, daß es eine völlig unabhängige, völlig auf sich selbst gestellte neutrale Zeitschttft ist.

Die iialienilchen Kriegsgefangenen-legionen.

Wien. 20. August. (WB.) Aus dem Kriegspresiequartieff wird gemedet: Die Italiener machen die rücksichtslosesten Ans strengungen, um die österreichisch-ungarischen Kriegsgefangener* slawischer Nationalitäten zu zwingen, in der italienischen Ar« mee in Form besonderer Legionen Kriegsdienste zu nehmen. 61# verstoßen dabei gegen alle Bestimmungen des Völkerrechts. Wigern sich die Kriegsgefangenen, so werden sie disziplinarisch drangsaliert und mit den hättesten Strafen belegt. Ferner ver­sucht man, den Kriegsgefangenen einzrueden, daß Böhmen be­reits selbständiges Königreich geworden sei. Ja man läßt * falsche Nachrichten in die italienische Press« eintticken. um di#