Uerfernt.
Roman von Anny Wothe.
6) Nachdruck verboten.
Mirena lächelte jetzt traumverloren.
„Einer sagt e;." entgegnete sie geheimnisvoll, „den ich nie gefshen, dessen Werke aber einen Fouerbvand in meine Seele geworfen haben die mich erweckten aus dem Kindertraum zum harten, unerbittlichen Leben."
Aga schlug aufslöhnend die Hände vor ihr erblaßtes Antlitz.
„Holger Thoresen", sagte sie kaum hörbar
„Du kennst ihn? Kennst ihn so wie ich, seine Schriften, leine Dramen, seine Norellen?"
„Ich kenne ihn," entgegnete Aga langsam, „ich kenne ihn lange, und er ist mein Freund."
„Dein Freund." jubelte Mirena, „o, dann werde ich ihn sehen, ihn kennen lernen. Er selbst wird mir den Weg zeigen können, den ich gehen muß, den Weg, aus den seine Worte mich gerufen."
Wie im Fieber glühten Mire-nas Augen, ihre Hände zitterten, als sie Agas Hände umfaßte, die eisig kalt waren.
Schwer neigte Aga das dunkle Haupt auf die Brust, dann sagte sie langsam:
„Er kann dir den Weg nicht zeigen, armes Kind, denn er selbst hat den rechten Weg noch nicht gefunden."
Und die rosa und weißen Dlüiensterne, mit denen am frühen Morgen Haust so jubelnd, daß der Leng gekommen, das Atelier geschmückt, lösten sich von den Zweigen und fielen lautlos auf die verschlungenen Hände der beiden Frauen.
Sie merkten es nicht.
Blatt um Blatt löste sich von den Blüten, um ungesehen zu sterben. y
4. Kapitel.
Einige Stunden später riet eine junge Stimme vrt das Atelier: „Du. Aga?" und ein blonder Lockenkopf schob sich
durch die dunkle Portiere, „du. Aga. denke mal, mehre Selbstleugnung ist glänzend belohnt." —
»Was hast du denn, Kleines? Aber so komm doch näher/" tönte eine müde Stimme von der Staffelei her zurück.
„Ist die Luft auch rein?" fragte Hansi vorsichtig und hob schnüffelnd das f-eine Naschen.
„Du vergißt. Hansi, daß du von unserem Gaste redestz von einem Wesen, das unserem Vater besonders ans Herz gewachsen war."
„Ach, der gute Papa" lachte die Kleine, „der war genau so sentiyiental wie du, aber ich will ja deinem erhabenen, ausgerückten Schützling gar nichts tun, ich wollte dir ja nur erzählen. wie alle guten Taten sich glänzend belohnen."
Aga lächelte, ein weiches Lächeln der Güte, wie es nur Frauen haben, deren größtes Glück im Entsagen ruht.
„Erzähle doch. Kind. Willst du mir wohl dort die Tube mit „Weiß" reichen?"
Hansi gab der Schwester die gewünschte Farbe. Welche diese gelassen auf die Palette nahm, und doch war es dem jungen Mädchen, als zitterten die starken, schönen Hände der Schwester.
Wie seltsam das war. —
»Also," begann Hansi. eine Drange von einem Aussatze nehmend und mit den kräftigen, kleinen weißen Zähnen in die g oldgelbe schale be ißend, „also ich gehe heute, eingedenk deine:
Impfung 1918.
Die diesjährige Impfung der jmpfpflichtigen Kinder in der Stadt Friedberg findet statt am Mittwoch, den 7. und Mittwoch, den 11. August in der Musier- schule, nachmittags 4V 2 Uhr.
Es können gebracht werden:
1. Alle im Jahre 1817 geborenen Kinder. 2. Die noch aus ftüheren Jahren rückständigen Kinder.
3. Kinder aus den ersten Monaten des Jahres 1918. 4. Kinder, die auswärts geboren und ungeimpst hier zugezogen find.
Aus Familien mit ansteckenden Krankheiten dürfen Kinder nicht vorgestellt werden.
Friedberg. den 5. August 1918.
Der Bürgermeister.
I. V.: Dam m.
schwesterlichen Ermahnungen die Belleoucftraße entlang. Leicht wunde es mir ja nichts Ich kam mir wie eine Märtyrerin vor, und ich war — ich will es dir Nttr gestehen, nahe daran, im Tränen auszubrechen. und doch durch die Königgrätzerstratze zu gehen — da, ich glaube, ich soll vor Schreck und Freude Umfallen, stolziert orüben auf der anderen Seite Freund Nord, kirch. Was sagst du nun? Wurden je gute Taten so leicht und schnell belohnt?"
Llga sah prüfend der kleine;: Schwester in das glühende Ge-
sicht.
„Und?" sagte sie langsam.
„Und?" gab Hansi zurück. „Ich stürzte ihm natürlich freudestrahlend entgegen und erzählte ihm von dem fabelhaften Glück, das wir beide doch hätten."
„Du erzählst ihm? Um Gottes willen, Kind, du bist ja entsetzlich, du erzählst ihm wirklich?"
„Ja doch, warum denn nicht? Ist es denn nicht ulkig, daß ich nicht durch die Königgrätzerstraße darf, und daß ich ihn dann doch in der Vellevuestraße treffe? Weiht du, was er sagt? Das wäre Bestimmung. Und dabei hat er mich angesehen — ach, ich sage dir, Aga, zu süß. Er ist wirklich einzig, dieser Nord- kirch."
„Du bist verrückt," sagte Aga hart, „ein unglaublich albernes und phantastisches Geschöpf, das man strenger halten muß. Hast du denn gar keinen Begriff davon, wie unpassend du dich benimmst, wenn du dem Grafen immerfort zeigst, wie sehr er dir gefällt? Fühlst du denn nicht, daß es unweiblich, herausfordernd ist, wenn du diesem Menschen freudestrahlend entgegen- stürzest und ihm erzählst, daß ich dir verboten habe, ihn zu trffeen."
Einen Augenblick stand die Kleine mit tiefgefenktem Köpfchen vor der Schwester, dann aber warf sie'die blonden Locken hastig zurück uird stolz das Antlitz erhebend, sagte sie mit flammenden Augen:
„Unweiblich soll es sein, wenn ich jemand zeige, daß ich ihn gerne mag? Nein, das ist nicht wahr, ich will nicht immer lügen und Verstecken spielen, wie es die Welt und auch du. Aga, von mir verlangt. Ich will ftei und offen sagen, was ich denke und empfinde. Du und der Vater, ihr habt mich ja selbst zur Wahrhaftigkeit erzogen, und jetzt, wo für mich mein ganzes Lobensglück an diesem Einzigen hängt, da soll ich lügen und heucheln und sagen, es wäre nicht wahr? Nein, das tue ich nicht, ganz gewiß, das tue ich nicht." —
„Hansi'" Es war fast wie ein Schrei, der sich Agas Lippen entrang. Pinsel und Palette fielen klirrend zur Erde, und Aga schlang angstvoll ihre Arme um die schlanke Gestalt.
„Du liebst ihn, diesen Nordkirch. ach Hansi. es kann ja nicht wahr sein, so schwer kann uns ja das Geschick nicht strafen. Mein Kleines, mein süßer Liebling, es ist ein Irrtum, deine sttir. mends Phantasie gaukelt dir Träume vor, die nie Wirklichkeit wevd^:n können. Du kennst ihn nicht, diesen Nordkirch, wie ich ihn kenne. Er ist schrecklich, sage ich dir."
„Er liebt mich." sagte Hansi trotzig, „und das ist genug."
„Hat er es dir gesagt?"
„Natürlich, jeder Blick, jedes Wort sagt es mir täglich."
„Du weißt, daß er mich einst geliebt hat?"
Ein Erschrecken flog über das junge Gesicht, dann aber lächelte der rosige Mund fast geringschätzig und sagte leise: „Also eif-ersüchtig, eifersüchtig?"
„Nein, mein Kind, denn das setzt Irgend ein Interesse meinerseits voraus. Aber er ist der Mann, der meine Jugend vergiftet hat, und der aus Rache, daß ich ihn erkannt, mich jetzt
strafen will, indem er dich vernichtet, das Liebste, das Schönste, das Heiligste, was ich habe. Hansi, Liebling, nur ein einziges Mal höre auf mich."
Hansi lachte, ein glückliches, ftohcs Lochen. „Du bist eine li-obe, alte Unke, Schwesterlein, ein geliebter alter Unglücksrabe, aber ich glaube dir nicht. Denke nur, wenn das alles so wäre, wie du es sagst, dann könnte mir doch nicht so hcrzfroh zu Mute sein. In mir ist es wie ein Singen und Klingen. Co wie die gairze Welt draußen in Blüten steht, so blüht es auch in meinem Herzen. Ach. ich bin ja so glücklich, Aga, d» glaubst es ja gar nicht, ach, und daß es Nordkirch ehrlich meink, darüber kann doch gar kein Zweifel fein Er hat mich gebeten, ihn für heute nachmittag bei dir anzumelden. Ach Aga. du wirst nicht hart zu ihm sein. Sieh, ich Hab ihn doch lieb, mehr als mein Leben, und wenn er zu dir kommt, und mich von dir zum Weibe begehrt, dann wirst und darfst du nicht „nein" sagen. Solltest du es doch tun,, — hier wurde die Stimme der Kleinen hart und grollend — „so lause ich dir davon und gehe mit ihm ohne deine Einwilligung in Not und Tod."
Um Agas Seele flatterten eisige Schauer. Dieses jrmge Ding dort, das sein eigen Herz noch nicht einmal kannte, wollte mit Gewalt ins Verderben, und sie hatte keine Macht, es zu halten. Gewalt half hier nicht, nur Liebe, Nachsicht und Geduld. Aber die tausend Gefahren, die von allen Seiten Hansi umlauerten, wenn Aga diesen Gefühlen das jungen Herzens keinen Damm entgegensetzte, waren riesengroß.
„Aga/ schmeichelte Hansi, ihr blondes Lockenhaunt innig an die Brust der Schwester schmiegend, ,chast du denn kein Wort der Teilnahme für mich, freust du dich denn nicht, daß ich so unaussprechlich glücklich bin,- daß mir die ganze Welt wie ein Frühlingsgarten erscheint? Siehst du, nun ist mein Traum doch in Erfüllung gegangen. Nordkirch bringt mir Rosen, lachende Lebensrosen."
Aga zog das Köpfchen der Kleinen innig an sich uird küßte sie mit warmen Lippen. „Du weißt. Hansi." sagte sie herzlich, „daß ich nur für dein Glück lebe, daß ich keinen anderen Gedanken habe, als dich glücklich zu sehen. Wenn ich nur an die Möglichkeit denken könnte, daß Graf Nordkirch der richtige Le. bensgefährte für dich wäre, so hatte ick nichts gegen deine Wahl einzuwenden, so lange ich aber daran zweifle, so lange kann ich mich über dein Glück nicht fteuen. Ich will dir aber versprechen- mit Nordkirch zu reden. Ist dir das genug?"
„Liebe, einzige, süße Schwester. Ich bin ja so glücklich. Sprich nur erst mit ihm, dann wird ja alles, alles gut."
Und sie tanzte wie ein kleiner Kobold im Atelier herum. Der Venus von Milo, die in reiner Schönheit zu den beiden Mädchen herniedersah, setzte sie keck ihren neuen Frühjahrshut aufs Haupt, und dann zog sie Aga fast mit Gewalt den Maü kittel aus.
„So braucht dich mein Schatz nicht zu sehen, so häßlich mit dem alten Dings da," lachte sie glückselig, „und wenn du das Maß deiner Huld voll machen willst, so ziehst du heute nachmittag das „Weiße" an. Deine Gräfin aber halte bitte dieser heiligen Stätte fern, denn sonst verblaßt deine Schönheit neben ihrer gräulichen Koketterie."
Soll ich himmelblau oder rosenrot anziehen oder lieber auch was „Weißes", das macht sich noch feiner, wie?"
»Hcrnsi. um Gottes willen, Hansi, hör aus," rief Aga auf- schluchzend und nahm das junge Gesichtchen liebkosend zwischeH beide Hände.
Fortsetzung folgt.
§skmmimd}nn$
Der Landwirtschaftliche Verein für die Provinz Oberhessen be. nbsichligt eine Reihe von Versuchen in jedem Gebiet der landwir'- scha tlichen Veffrksoereine durch- zuführen und zwar kommen zu- iäch,t in Betracht: Düngunos- und Kulturversuche mit Minie'-- gelreide. (Wimertoggen iii.v Winierweflen) lowie Düngungs-, Kultur- und Sortenrmriuche mit Wuiierölfrüchien (.Winterrapsund Wintertüosen).
Die Große des Versuchsfeldes soll 1 bis lVg Morgen betragen. Saatgut und Dünger werden für die Zwecke der Versuchung kostenlos zur erfügung gestellt. Anmeldungen zu den Versuchen werden bis 25. August an den Landwi'.ticha tlichen Vezirtsver- ein zu Friedberg erbeten.
Fnedbera, den 10. August 1918.
Der Bürgermeister I. V.: Dam m.
Elise Jüngst Sergeant Wilhelm Haag
z. Zt. In Urlaub
Verlobte
Burggräfenrod«
II. August 1918.
Bekanntmachung.
Am 10. August 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. 68t. 100/8. 18. K. R. A., betreffend „Höchstpreise für Seegras (Alpengras)", e lassen worden.
Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden.
,_ Sltllv. CenmllöMMhs 18. AmttksrK
Landwirtschaftliche
Maschinen
aller Art,
in bestbewährten Fabrikaten,
offeriert
Bekanntmachung
Slnt 10. August 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. F. 750/8. 18. K. N. A., betreffend „Höchstpreise für Walzen- sinter", erlassen worden.
Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden.
Siellv. StiiftaifömiiüiHöo 18. Armeekorps.
Zwei Sprmaer
zu kaufen gesucht.
Angebote an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung".
Durch die Materialkna^pheit und schwierige Beschaffungsmöglichkeit müssen defekte Maschinenteile wieder hergestellt werden.
Ich WAMhme die
.Lt.a.ol
: lll f FtleÄrg
Maschinenfabrik.
Zweigstelle Friedberg.
Telefon Nr. 42.
kanntmachnng
Der Stadt Friedberg sind au den besetzten Gebieten des Ostens etwa
300 lebende Mag Wch
(von September ab lieferbar) ui.- Verfügung gestellt worden. We^ von diesen Gän en abtunehmer gedenkt, wolle dies pätestens an 14. ds. Mts. auf Zimmer Nr. L. Stadthauses anmelden. Die An Meldung ist bindend und verpflichtet zur Zahlung des Ueber nahmepreiies von etwa 20 ML.
Friedberg, den 10. August 1918« Der Bürgermeister I. V.: D a m m.
Weiße liSnifH
lange und runde,
MraMiluiü
Rotkleejamen,
reg. Ware, empfiehlt
Jacob Herrn,
Inh.: Balthasar Schneider,
Friedberg i. £>.,
Kaiserstraße 93.
Gebrauchten, gut erhaltenen
LokomSile, DreschmiWne nnö Presse,
billig zu verkaufen.
Carl Neuß
Friedberg i. H.,
Maschinenfabrik.
liefert schnell und billigst
Utiie Tagesjkitiiilg
|wA{wi nutz Serlsg. J..H.
Kekann-machnng
Es trifft demnächst ein Waggor
srislhe ßtnittiiiijprifit
hier ein. Bestellungen werde: Montag vormittag ,ür Bezirk und 111 ima Montag nachmittae
für Bezirk 11 vom städtischen Le- bensmiltelouFschuß entgegen ger noinmen. Der ungefähre Kostenpreis von 8 Mk. für 10>) Stück ist bei i)ti Bestellung zu entrichten Friedberg, den 10. August 1918 Der Bürgermeister I. V.: D a m m.
And -Mahnen, .
Mma Magenfett und Maschinenöl
offeriert
Heinr. Imtets 1
in lüemlel.
Wtenkitrteii ‘uirtÄsf
Äf»f CuLksiritmig Ptuiftwi ».SttkA-Ä-


