Ausgabe 
9.7.1918
 
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Nummer 158 _ Dienstag, den 9. Juli 1918 _ 11. Jahrgang.

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KkgWe TklsKlZrift mi fa Ssfee-Kiml unter ji>»kle« inlipfü

Sieben italle,,siche Angriffe auf die Casion-Stellnng abgemiesen. Uene Kämpfe in Albanien. 1 <»000 Tannen versenkt. Der Gesandtenmard, die Entente und Kerenskij.

Der deutsche Generalstak

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W» T. K. Großes KarrpIquarLier. den 8. Juli. Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

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Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.

Die Artillerietätigkeit lebte am Zlbend auf. Sie nahm wahrend der Nacht beiderseits der Lys, am La Bassee-Kanal und zu beiden Seiten der Somme zeitweilig große Stärke an. Rege Erkundungstätigkeit. Stärkere Vorstöße des Feindes bei Merris und südlich der Lys scheiterten.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Westlich von Chateau-Thierry hielt lebhafter Feuer- kampf an. Vorstöße des Feindes gegen den ClignoiuAb- schnitt und südwestlich von Reims wurden abgewiesen.

Leutnant B i l l i k errang seinen 22. Luftsieg.

Ter Erste Eeueralguartiermcistcr: Ludendorff.

Abendlrericht.

, Berlin, 8. IE, abends. (WB. Amtlich.)' Cnglisckis keilangrilfe beiderseits des La BassÄ-Knnals sind unter chweren Verlusten gescheitert.

Der österreichische Generalstab j - meldet: °

Wien, 8. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart:

Das Ringen um die CassomStellungen östlich des Monte Portica dauerte bis in den Nachmittag an. Sieben- mal hat sich das tapfere Ottocaner Regiment Nr. 79 im Gegenstoß auf den Feind geworfen, ehe dessen Angrifts­kraft völlig gebrochen war und er endgiiltig in seine Gräben zurückfluten mußte. Der Regimentskommandeur der Ottocaner, Oberstleutnant Karl Coller, ist an der Spitze seiner Braven den Heldentod gestorben.

Sonst im Südwesten keine, größeren Kampfhandlungen.

In Albanien ging gestern der Italiener an der mittleren und unteren Bojusa mit starkem Westflügel zum Angriff über. Wir nahmen die im Flußtal vorgeschobenen Postie- rngen gegen die Hauptstellung zurück.

Der Chef des GeneralstabeZ.

Der bulgarische Generalstab . meldet: -

Sofia, 7. Juli. (MB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht Mazedonische Front: Im Cernabogen und westlich von

Dobropolje beiderseits kurze Feuerübeftälle. Südlich von Gew- gheli schoß unsere Artillerie feindliche Munitions-Depots rn Brand. Im Struma-Tale lebhafte Flugtätigkeit des Feindes.

Das türkische Hauptquartier 1 -- meldet: -

Konstantinopel, 6. Juli. (WB Nichtamtlich.) Eeneral- stabsbericht.

Palästinafront: Geringe Gefechtstätigkeit an der ganzen

Front. Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts von Bedeu­tung.

r

Konstantlnopel, 7. Juli. (WB. Nichtamtlich.) General­stabsbericht.

Palästinafront: Im Küstenabschnitt wurde ein feindlicher krkundungsvorstoß leicht abgewiesen. Auf der ganzen Front nur schwacher Artilleriekcrmpf. Von den anderen Fronten ist nichts von Bedeutung zu melden. Fünf feindliche Flieger haben heute vormittag Konftantinopel mit Bomben angegriffen. Dank unserer Abwahrmatznahmen ist der angerichtete Schaden sehr Sermg.

Flugzeuge gegen tt-Doote.

Berlin, 8. Juli. (WB. Amtlich.) Am 6. Juli na'ctz- mittagshäben zwei Staffeln der Seeflieger des Marine­korps unter Führung von Oberleutnant der Reserve Chri­stiansen und Leutnant der Reserve- Becht vor der Themse­mündung die englischen U-BooteG. 25" undE. 61" durch Bombentreffer und Maschinengewehrfeuer schwer be­schädigt. Feindliche Zerstörer versuchten, die beiden U- Boote einzuschleppen.G. 26" wurde zuletzt in sinkendem Zustande beobachtet.

Der Ches des Admiralsiaües dcr Marine.

*

Berlin, 8 Juli. (WB.) Wieder hat der amtliche Bericht von der hervorragenden Leistung eines unserer besten Seeflie­ger, Oberleutnants Dr. Christiansen, Meldung erstatten können. Am 6 Juli nachmittags hat dieser bewährte Offizier mit seiner Staffel vor der Themse-Mündung zwei englische U-Boote an­gegriffen und beide erheblich beschädigt, eines davon so schwer, daß sein Sinken wahrscheinlich ist. Der Kampf zwischen U-Boot und Flugzeug, das ist eine der phantastisch anmutenden neuen Gefechtsarten. die diesen Erfolg uns gebracht hat, der Kampf zwischen zwei technischen aufs höchste entwickelten, selbst tod­bringenden. aber auck, äußerst verletzlichen Waffen.

Zu dieser Begebenheit werden noch folgende Einzelheiten bekannt:

Eine der Seeftug-Staffeln des Marinekorps, unter der Führung Christiansens, stieg am 6. Juli mittags von der fland­rischen Küste aus bei Hellem Wetter zur Fernaufklärung nach der englischen Küste aut. Vor der Themse-Mündung in der Nähe des Sandes von Shivwash, stchteten unsere Flugzeuge ein aufgetaucht fahrendes englisches U-Boot, das die Bezeichnung C. 25" groß am Turm aufgemalt trug. Bevor es Zeit fand, zu taucken, stießen unsere Flieger auf ihre Beute herab und griffen das Boot aus nächster Nähe mit Maschinengewehrfeuer an. Binnen kurzem war die an Deck befindliche Besatzung des Fahrzeuges getötet; nur der Kommandant hielt sich noch eine Zeitlang auf dem Turm und suchte, mit dem Karabiner feuernd, der gefährlichen Gegner Herr zu werden, bis auch er fiel. Der Tauchmechanismus war offenbar so beschädigt, daß ein Unter- wafferbringen des Bootes nicht mehr möglich war. Aus nächster Nähe wurde das U-Boot immer wieder von den Salven unserer Maschinengewehre überschüttet, kus ihre gesamte Munition ver­feuert war. 35 Minuten laug dauerte das Gefecht. Steuer­ung bewegungslos trieb dos U-Boot im Strome, als unsere Flugzeuge den Rückzug antrtten. Auf ihre Meldung flog sofort eine zweite Staffel nach dem Orte des Gefechts. Cie trafC 25" im Schlepptau eines anderen U-Bootcs .,E. 51" und rrriff sofort beide Boote an. diesmal auch mit Bomben. Auf ,.C. 25" wurden zwei Bomben-Bolltreffer erzielt. Nach einer halben Stunde wurde das Gefecht abgebrochen, nachdem aber­mals der Munitionsvorrat erschöpft war. Die Staffel Chri­stiansen, die sich inzwischen erneut auf den Weg gemacht, stellte fest, daß .C 25" völlig manövrierunfähig, anscheinend in sinken­dem Zustande, vor der Themse trieb, während das andere Boot in offenbar schwer beschädigtem Zustande von hinzngekomme- nen englischen Zerstörern >n Schlepp genommen wurde. Stolz auf ihren Erfolg kehrten unsere Flugzeuge, ohne selbst irgend welchen Schaden erlitten zu haben, in den Hafen zurück

*6000 Tonnen versenkt.

Berlin. 7. Juli. (WB. Amtlich.) Unsere Untersee­boote haben im Mittelmeer vier Dampfer und drei Segle von rund 16 000 Brt. versenkt.

Der Chef des Admirnlstabcs der Marine.

M

Kopenhagen, 7. Juli. (WB.) WieNational-Lidende aus Göteborg meldet, wird der Personenverkehr zwischen Schweden und Amerika wieder ausgenommen werden. Le DampferStockholm" von der Schwedischen Amerika-Lini soll etwa am 1. Septernber von Göteborg abgchen. Daran wird jede siebente oder achte Woche ein Dampfer vor Schweden nach Amerika fahren.

Bern, 8 Juli. Wie aus Washington gemeldet wird, kün dkgts das Departement der Admiralität an, daß der Dampfe.' Chilier" am 21. Juni durch die Kanonen eines deutschen lln tcrseebootes auf offener See, 1400 Meilen von der Küste de; Atlantischen Ozean entfernt, versenkt worden ist. DerChi lier" ist ein Dampfer von 2966 Tomrew

Die Kämpfe au der Westfront.

Berlin. 8. Juli. (WB.) Vielfache Patrouillenvorstöße der Verbandstruppen, die zwischen Merris und dem La Bassee-Kas nal sowie südöstlich Hamel mit starken Kräften ausgefühct wur§ den, sind ausnahmslos abgewiesen worden. Am Olignonbache. versuchte der Gegner die Deutschen dadurch zu täuschen, daß seine Patrouillen deutsche Stahlhelme aufsetzlcn. Diese Völker­rechtswidrigkeit wurde rechtzeitig erkannt und brachte seinen Truppen mir Verluste ein. Compiegne wurde wiederum be­schossen. Ein Angriff deutscher Flieger auf die Dünkirchener Docks hatte beobachtete lang anhaltende Brände zur Folge.

Die Kämpfe au der Kirdfront.

Wien, 7. Juli. (WB.) Aus dem Kriegspresseqr'artiec wird gemeldet: Während die Räumung der Piave-Jnsek

ohne Störung durch den Feind mit Rirhe und Ordnung durchgeführt werden konnte, setzte bereits um vier Uhr früh auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden heftiges Ar- ttlleriefeuer gegen unsere Stellungen bei Asiago ein. Ein­zelne hierauf folgende feindliche Vorstöße im Raume bei Sisemol und Asiago scheiterten. An den: Zusammenbrechen eines in den Morgenstunden ebenfalls nach starker Artillerie- vorbereittmg östlich vom Monte Perttea angesetzten italienischen Angrifts hatten neben den braven Kroaten des Infanterieregiments 79 auch eigene Batterien rühm« lichen Anteil. Ein mittags neuerlich versuchter Angriff wurde ebenfalls glatt abgewiesen. Der Feind erlitt sc^vere Verluste. An der Tiroler und der Süd front herrschte Ar- tillrietättgkeit. An der Abwehr von italienischen Angriffen an der Piavemündung wirkten auch Luststreitkräfte erfolg­reich mit. Am 4. Juli griff ein starkes Geschwader um die Mittagszeit in dem Raume von Cava Zuccharina den Feind erfolgreich an, wobei aus niedriger Höhe 1065 Kilogramm Bomben und über zwanzigtauseud Maschinengewehrschüsse abgegeben wurden. Hierbei zeichneten sich besonders die unter dein Kommando des Oberleutnants Hautzmeyer stehenden Jagdflieger aus. Der in den Abendstunden des­selben Tages wiederholte Schlachtflug hatte auf den Feind eine panikartige Wirkung. Von beiden Flügen sind sämt­liche Flugzeuge zurückgekehrt. Auch in Albanien herrschte sehr rege Flugtätigkeit.

Fliegerangriff auf Kaiserslautern.

Karlsruhe, 8. Juli. Mehrere feindliche Flieger griffen gestern Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr die offene Stadt Kai­serslautern an. Eine Anzahl der abgeworfenen Bomben fiel in und außerhalb der Stadt nieder und richtete zum Teil Hüuserschaden an. Leider wurde auch eine Person gelötet und eine andere leicht verletzt. Ein feindliches Flugzeug wurde in der Nähe von Pirmasens abgeschossen.

Der Mord in Moskau.

Unsere Ansicht, daß wir in Kerenskij den Urheber der scheußlichen Mordtat zu erblicken haben, wird nun auch von anderen Blättern geteilt. Sie findet durch folgende Nach­richten nun Bestätigung:

Wie Havas aus Petersburg meldet, antwortete Ke­renskij auf die Frage, was er über die Ermordung des Gra­fen M i r b a ch denke, den Zeitungen, er bedaure jeden Mord, aber er freue sich über den Tod des Grafen Mirbach, der für Rußland ein glückliches Ereignis sein werde, denn er bedeute die Wiedergeburt des Landes. Kerenskij fügte hinzu, von Moskau werde eine gegen Deutschland gerichtete Bewegung ausgehen, denn es sei jetzt gewiß, daß die Deut­schen Moskau besetzen würden. Mirbach sei der wirkliche Herrscher von Rußland gewesen und er habe sich so gut mit Lenin und Trotzkij verstanden, daß er es nicht nötig gehabt hssbe, die deutschen Truppen herbeizrrrufen.

Genf, 8. Juli. Noch bevor die Ermordung des GrafeT Mirbach bekannt wurde, teilte Kerenskij demPetit Pa« risien" nnt, was er iiber Mirbachs miftasfende Tätigkeit «s Rrrßland erfahren habe. Der persönliche Einfluß des deut­schen Botschafters sei in jüngster Zeit schrankenlos gewor­den. Er plane durchgreifende Reformen auf allen Gebie­ten. Die Entente habe das höchste Interesse daran, ihm rasch entgegenzuwirken. Hierüber wolle Kerenskij der ftanzösischeu Regienmg Genaueres begannt geben.