Ausgabe 
12.6.1918
 
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Wem nie durch Liebe Leid geschah.

Roman von Courthß.Mahler.

30) Nachdruck verboten.

Christa Hellmut weilte nun schon seit Wochen in Birken­heim. Sie hotte sich überraschend schnell eingelebt und sich in ihren Wirkungskreis gefunden.

Herrn von Birkenheim war sie in dieser Zeit schon ganz unentbehrlich geworden. Den größten Teil des Tages hatte er Christa um sich und die Baronin und ihre Tochter schienen ihm vollständig entbehrlich geworden zu sein. Christas Tagewerk war folgendermaßen eingeteilt: Früh um acht

Uhr nahm sie das Frühstück auf ihrem Zimmer, wie es auch Herr von Birkenheim und die Baronin mit ihrer Tochter zu tun pflegten. Dann erhielt Christa von der Baronin die für Herrn von Birkenheim eingelaufenen Briefschaften, die von dieser der Posttasche entnommen waren, welche ein Diener jeden Morgen von dem Postamt im Dorf holre. Christa sah, wie die Baronin alle sortierte und austeilte, und sie hörte,' - sie dies tat, so lange sie hier im Hause war. Es lag ein seltsamer Ausdruck in Christas Augen, als sie das von der Baronin selbst vernahm. Sie wußte nun, daß in Vir- kenheim niemand einen Brief erhielt, der nicht erst durch die Hände der Baronin gegangen war.

Mit den Briefen und Zeitungen für Herrn von Bir­kenheim begab sich Christa um 9 Uhr in das Arbeitszimmer desselben. Dort öffnete sie vor seinen Augen die Briefe, las ihren Inhalt vor. und machte sich sogleich kurze Notizen, was sie auf diese Briefe antworten sollte. Bei schönem Wetter be­gleitete sie den alten Herrn auf einem Spaziergang in den Park, und wenn sie zurückgekehrt waren, las sie ihm, je nach Wunsch, ein bis zwei Stunden vor. Zuweilen geschah das draußen im Freien, sonst aber immer in seinem Arbeits- zimmer.

Darauf wurde Christa bis zu Tisch beurlaubt. Sie pflegte die Briefe zu beantworten und sonstige schriftliche Arbeiten zu erledigen. Damit hatte sie meist zu tun, bis es dann Zeit war. zu Tisch zu gehen. Nach Tisch hatte Christa dann zwer Stunden Zeit zu ihrer freien Verfügung, bis Herr von Birkenheim seine Mittagsruhe gehalten hatte. Darauf wurde gemeinsam der Tee eingenommen, und nach demselben folgte Christa Herrn von Birkenheim wieder in .ern Arbeitszimmer, um ihm vorzulesen oder mit ihm zu plaudern. Denn Herr von Birkenheim hatte schnell heraus- -gefunden, daß es sich mit Fräulein Hellmut wundervoll

plaudern ließ. Er entließ sie dann feltenüus seiner Ge- sellschaft, bis die Zeit zum Abendessen herangekommen war.

Neuerdings hatte er entdeckt, daß Christa Hellmut meisterhaft Klavier spielte und mit einer herrlichen weichen Altsttmme die schönsten Lieder zu fingen verstand.

Das hatte er an einem warmen, düfteschweren Sommer- abend entdeckt.

Herr von Birkenheim hatte nach dem Abendessen nnt den drei Damen noch ein Stündchen zufammengesessen. Die Fenster hatten alle weit offen gestanden, um die warme Sommerabendlust herein zu lassen.

Da hatte der alte Herr Verlangen gehabt nach Musik. Er hatte Karla gebeten, ihm auf dem Flügel etwas vorzu­spielen.

Die Baronesse hatte sich jedoch an der rechten Hand eine Verletzung zugezogen und konnte seinen Wunsch nicht er­füllen.

Schide, ich hätte so gern ein wenig Musik gehabt," hatte d^r alte Herr gesagt.

Da hatte sich Christa an ihn gewandt.

Wenn ich vielleicht für Baronesse einspringen darf," sagte sie schlicht,ich tue es gern, Herr von Birkenheim.

Spielen Sie Klavier?"

Ja. ich spiele Klavier und singe auch ein wenig."

Erfreut hatte sich der alte Herr aufgerichtet.

Es^ gehört zwar nicht zu den Obliegenheiten einer Sekretärin, zu musizieren, aber wenn Sie mir aus Ge­fälligkeit etwas Vorspielen oder gar ein Lied singen wollen, soll es mich freuen. Ich glaube, Ihre Stimme, die schon beim Sprechen so angenehm klingt, wird auch beim Singen nicht versagen."

Christa hatte sich erhoben. Mit ihrer sicheren ruhigen Anmut schritt sie hinüber an den Flügel, der im Neben­zimmer stand. Sie freute sich, Gelegenheit zu haben, auf dem prachtvollen Instrument zu spielen. Als sie einige Noten ausgewählt hatte, ließ sie sich vor dem Flügel nieder, Leise präludierend, glitten die schlanken weißen Finger über die Tasten.

Ihre Zuhörer hoben lauschend die Käpfe. Zu ihrem Erstaunen vernahmen sie ein meisterhaftes Spiel. Zuerst gab sie ein Notturno von Chopin zum Besten und dann, zu Herrn von Birkenheim Entzücken, die Mondscheinsonate von Beethoven. Sie zwang ihre Zuhörer in den Dann ihres Spiels Selbst die beiden Damen lauschten atemlos.

Als sie die Mondscheinsonate beendet hatte, trat Herr von Birkenheim an den Flügel. Durch seine blauen Brillen­gläser sah er auf das schöne Mädchen herab.

Statt Karten,

D'te Verlobung ihrer Tochter Mathilde mit dem Leutnant der Res. Herrn A. Groß beehren sich an» zuze : gen

Karl H. Reitz und Frau.

Groß-Karb«n

Meine Verlobung mit Fräulein

Mathilde Reitz

zeige ergebenst an

A. Groß

Leutnant der Reserve^ z. Zt. im Felde.

Juni 1018.

Bekanntmachung.

Käse» V erkauf

HS

Berichtigung.

Ln der gestern veröffentlichten Todesanzeige des auf dem Felde der Ehre gefallenen

LJer-Mmtrelers Karl Stoffel

ist ein Druckfehler unterlaufen. Es muß bei den Unterichriften der Anzeige heißen:

Hilda Stoffel geb. Stall Familie Gg. Stoffel Cg. Stoll il

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Friedberg, den 12. Zuni 1618.

Der stellvertr. Bürgermeister«

(städL Lebensmittel-Ausschuß)

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n m ^Ä, TS Fr. Haas. Fauerbach

SB" ffiatoi ® an0 »°u°rb°ch

bringen nur von Mittwoch den 12. ds. Mts. ab

Kunsthonig

3um Verkauf. Gegen Abschnitt3" der Brotkarte werden »bgsaeben. ^ ^'-nd zum Preise von 55 Pfenn.g

» Friedbcrg, den 11. Zuni 1918.

Ter fieliverir. Bürgermeister, lstädt. Lebensmittel-Ausjchuß) ___ 2. A.: Langsdorf.

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Am 10. Juni 1918 ist die Bekanntmachung des stellv. Generalkommandos 18. A. K. v. 10. 8. 1917 Nr. Pa.

%1. K. R. A. betreffend die Herstellung von Papier- Mundtuchern und Papiertischtüchern aufgehoben worden.

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m&MnJe Jbn-n herzlich für diesen hohen Genuß," sagte er

Chrffw sah lächelnd zu ihm auf.

Da ist nichts zu danken, Herr von Birkenheim ich freue mich, wenn mein Spiel Sie befriedigt hat."

Auch die Baronin und ihre Tochter sagten Christa mit wnft geneigtem Kopf und liebenwürdigen Lächeln aner­kennende Worte über ihr Spiel.

cv * ^ . nun auch noch unbescheidenerweise um ein

^ieo bitten, Fräulein Hellmut?" fragte der alte Herr Sie neigte das Haupt.

Gewiß. Was wünschen Sie zu hören?"

Ich kenne Ihre Repertoire nicht. Aber sicher gehören

. . von Schumann und Schubert dazu. Bitte sinnen Sie

mir eines davon." '

Sie kam'seinen Wünschen nach. Noten waren vorhanden Von ledem der beiden Komponisten sang sie ein Lied Und rhre welche, dunkle Altstimme erfüllte den Raum wie de" klare Klang einer Glocke. Atemlose Sülle herrschte, bis sie geendet hatte, und auch dann blieb es noch eine Weile still. Herr von Birkenheim schien ergriffen. Erft nach einer Weil» sagte er:

--Das war ein wundervolles Hauskonzert, Fräulein Hellmut Sie verstehen es mit Ihrem Spiel und Ihrem Gesang die Herzen zu bewegen. Aber nun haben Sie sich eine schlimme Last anfgebürdet, denn ich werde nun sehr oft den Wunsch haben. Sie singen und spielen zu hören. Dar, 'ch Sie zuweilen bitten, ein Stündchen zu musizieren?"^ Christa lächelte.

'Ich werde es immer gern tun, Herr von Birkenheim ^ch musiziere sehr gern, und der Flügel hat einen herrlicher Klang."

Ich begreife nicht, Fräulein Hellmut." warf Karla hier ins Gespräch,daß Sie mit Ihrer Stimme und Ihren Miffikalischen Fähigkeiten nicht zur Bühne gegangen sind."

Das wollte ich eben auch sagen. Sie haben doch eigent- üch alles dazu und hätten sicher Karriere gemacht, fiel die Baronin ein.

Christa sah mit großen ernsten Augen von einer der beiden Damen zur anderen.

Ich habe trotzdem kein Talent für die Bühne und auch keinerlei Neigung, Theater zu spielen," sagte sie ruhig.

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