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treulichen Kühlmann-Rede mit der an den Haaren herbei- gezogenen Verteidigung Erzbergers alS offenkundig mit Herrn Erzberger eng verbündet betrachtet zu werden. Seine Reise erfolgt unseres Wissens für dre deutsch-öfter- reichisch-ungarische Wirtschaftsvereinigung, ein unter dem Vorsitz Paasches ftehendeS Wettbewerbsunternehmen zu der augenblicklich in Wien tagenden Versammlung.

Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß der Abg. Dr. Paasck>e ein Vertreter der übelsten Form des Parlamentaris­mus ist, von der Art, wie er in Frankreich und in den Ver­einigten Staaten üblich ist. Herr Paasche hat nämlich einen sehr, sehr ausgeprägten Erwerbssinn. Schon als Professor in Marburg hat er sich mit Bauspekulationen ab­gegeben und dem Abg. Dr. Böckel, der ihm von seiner Bibliothek erzählte, die für einen Professor recht bezeichnende Antwort gegeben:Bücher sind eine schlecke Kapitals-

anlage." Später wandte er sich allen möglichen kapi­talistischen Unternehmungen zu. Dabei passierten ihm mitunter recht unangenehme Dinge, so wurde er einst in eine Sitzung der Zigarettenfabrikanten, die sich gegen den Ring ausgesprochen haben, beinahe hinausgeschmissen. Bekannt ist auch, daß Herr Prof. Paasche der geistige Vater der Vertrustung der Filmindustrie und des Kinowesens ist. Die Eigenschaften des Herrn Paasche stehen inHillgers Handbuch" also ausgezeichnet: Er hat Volks- und Land­

wirtschaft studiert und war in Aachen, Rostock, Marburg, Eharlottenburg Professor der Staatswissenichalten. Ge­heimer Regierungsrat, Rittmeister außer Dienst, Guts­besitzer, Mitglied des Aufsichtsrates in der Rheinischen Metallwaren- und Maschinengesellschast (Ehrhardt), der H-owaldt-Werst, den Rositzer Zuckerfabriken, der National­bank für Deutschland, einer Mineralöl-, einer Spiritus- Gesellschaft und anderer Unternehmen.

Mit Reckt schreibt Harden in seinerZukunft" dazu: Darf aber im Reichstag, dessen Mitglieder nach Artikel 20 der Verfassung,an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden sind", einer sitzen, der von Aktiengesellschaften Instruktionen empfängt und danach Aufträge ausführt? Gar, wenn sichs um Gesellschaften handelt, deren Schicksal an Gunst oder Ungunst der Regierungen und Parlamente hängt, deren Dividende und Aufsichtsratstantieme je nach dem Umfang der von Reich und Staat ihnen zugesprochenen Lieferungen steigt oder fällt? Das gilt von allen Haupt­gesellschaften, die den Geheimrat Paasche besolden; würde auch von Schallplattenbetrrcben gelten, die längst ja Granaten und ähnliches liefern.....

Herr Paasche ist mit Einkunft und Vermögen daran interessiert, daß Ehrhardt und Howaldt Aufträge erhalten (die auch an Krupp, an den Vulkan oder andere Werften fallen könnten), daß die Nationalbank bei Reichsgeschäften nicht übergangen wird und den übrigen Pfründespendern niemals der nötige Rohstoff fehlte."

Dieser Mann aber nimmt nicht nur im Reichstag eine wichtige Stellung ein, sondern er geht auch nach Sofia, um für seine Privatzwecke wichtige Verbindungen anzuknüpfen. Das ist Parlamentarismus! Es wäre wirklich die aller­höchste Zeit, daß diesem Treiben unberufener Elemente ein- nurl ein Ende bereitet würde.

Ein Prol>!NMl-Krikl)ttl>knk'!'lll?

(Nachdruck erwünscht.)

Es ist dem Schreiber dieser Zeilen gewiß kein Leichtes, Streit anzufangen in dieser schweren Zeit. Aber die Nach­richt über das Provinzialkriegerdenkmal bei Schotten, die neulich durch die Zeitungen ging, ist unserer Auffassung io ungeheuerlich, daß es nötig ist, daß endlich einmal einer öffentlich das Wort dazu ergreift. Erst dieser Tage hat mir wieder ein Feldzugsteilnehmer davon gesprochen und damit wohl die Ansicht vieler-zum Ausdruck gebracht, wie entsetzlich geschmacklos, ja geradezu verletzend es auf weite Kreise draußen und daheim wirken muß, wenn jetzt schon, während noch Tausende auf den Schlachtfeldern ver­bluten müssen, offiziell von großen Krieges- und Sieges- denkmälern geredet wird. Es macht geradezu den Eindruck als wolle man sich möglichst schnell der Dankespslicht gegen unsere Tapferen draußen entledigen, damit man später umso ungestörter sie vergessen könne. Früher ist es unseres Wissens Sitte gewesen, die Errichtung derartiger Denk­mäler späteren Geschlechtern zu überlasten, die damit ihrem Dank gegen eine große Vergangenheit Ausdruck gaben, während die Mitlebenden die Denkmäler für ihre teuren Ge­fallenen in todwunden Herzen treuer und lebendiger tragen, als in Stein gehauen.

Aber ganz abgesehen von der Geschmacklosigkeit, jetzt schon solch ein Denkmal zu planen, hat die Sache auch noch eine andere Seite. Von dem künstlerischen Wert oder Um­wert solch eines' Provinzialdenkmales wollen wir gar nicht reden, obwohl sich da mancherlei sagen ließe. Aber wir wollen einfach vom Standpunkt des praktischen Volksver- standes aus reden. 100 000^*0? arf hat die Provinz heute schon vorgesehen, und auf eine halbe Million soll ja wohl das Denkmal kommen. Mün greift sich au den Kpf und fragt sich findet man denn in dieser bitterernsten Zeit wahrhaftig keinen anderen Weg, das Geld zu verwerten, muß es 'durchaus znm Fenster hinausaeworfen werden? Man rede mir ja nicht davon, daß man zur Ehre unserer Gefallenen diese Summen nicht ansehen dürfe. Ganz gewiß Müssen wjr zu ihrer Ehre noch viel größere Summen Eereitstellen. Aber dann auch wirklich zu ihrer Ehre! Aber was haben die Hinterbliebenen Eltern, die um die Stütze ihres Alters trauern, was hat die Witwe mit ihren Kindern, der der Ernährer genommen wurde, davon, daß dessen Name am Schottener Denkmal in einen Stein eingemeißelt wird, daß dahin vielleicht Sonntags allerhand Vereine ziehen, und dabei Reden halten usb Bier trinken? Wol­

len wir unsere Gefallenen ehren, so müs­sen wir sie an ihren Hinterbliebenen und Kindern ehren! Ich frage mich: Wieviel Kindern oberhessischer Gefallener könnte mit der halben Million, die bas Denkmal kosten soll, eine tüchtige Erziehung gegeben und eine g/sicherte Lebensstellung geschaffen werden? Und wie ist es mit denen, die unseren Gefallenen draußen als treue Kameraden zur Seite gestanden haben? Nach dem Kriege von 187071 lagen bei Berlin tausende von Heim­gekehrten mit ihren Familien in Zeltlagern, weil keine Wohnungen da waren. Soll's diesmal wieder so werden, weil man das Geld für Denkmäler hinauswirft, statt für Wohnungen zu sorgen! Und dazu kommt: baut Obcrhessen ein Deichmal, so muß Starkenburg und Rheinhesten auch eins haben. Haben sie die hessischen Provinzen, so kommen sie auch in den preußischen. Bayerischen usw. Wieviel Geld das dann kosten wird, läßt sich heute noch gar nicht über­sehen! Ich will keinen neuen Verein gründen, aber ich will alle aufrec^en oberhessischen Männer aufrusen, mit mir einzutreten in den Kampf gegen die Denkmalswut, die arr- fängt eine Gew.hr für unser Volk und Vaterland zu werden.

Wingershausen, den 1. Juni 1918.

Karl Rühl, Pfarrer.

Ludcudorff-Spende.

Habt ihr uns. eh wir in die Schlacht oeaan^en.

Erst fragen hören nach dem künkt'een Lohne?

Habt ihr, als sich die Waffen enq verfangen,

Uns bluten lehn in wüster Trichterzone ? "

Kennt ihr die wilde Brandung der (Gedanken.

Wenn au^enblicks nun Sturm die Pfei'e schrillt,

Wenn tiefdurchfurchter Seele ruhlos Schwanken

Wird plötzlich durchZum^turm' Marsch? Marsch!" gestillt?

Habt ihr uns lieoen febn in Staub und Schmerzen.

Als uns des Feindes Eisen roh zerriß.

Als fieberwild das Leben jagt' im Herzen,

Als uns der Stunden letzte schien gewiß?

Ihr saht das Rote Kreuz auf weißem Grunde,

Und düstre Wagen bargen Weh und Leiden,

Vorübergleitend naben ernst sie Kunde Von schweren Op:ern. allzufrühem Scheiden.

Gar mancher zieht jetzt siech die Lebensstraße,

Dem kaum der Lenz der Jugend war erblüht:

Er stritt für dich, dank's ihm im reichsten Maße:

Gott wohlgefällig ist ein dankbares Gemüt.

30. Mai 1918. Wilhelm Philipps.

Ein Volk, daß seine im Kriege Beschädigten ver­gißt, verdient die Verachtung der Welt.

Die Ludendorff-Stistung

will Einmütigkeit in der Dankesschuld.

Ans der Heimit.

FC. Die Preise für Milch und Molkcrciprodukte. Die Vereinigten Landwirte von Frankfurt am Main und Umgegend haben seit langer Zeit stets und ständig darauf hingewiesen, daß die Milchpreise lange nicht halten würden. Nunmehr hat der Deutsche Landwirtschafts­rat in seiner 46. Plenarversammlung auch erklärt: Die Preise für Milch und Molkereiprodukte haben zwar in den meisten Preisgebieten eine erhebliche Erhöhung erfahren, sind aber im Verhältnis zu den Erzeugerkosten immer noch zu niedrig.

FC. Bad-Nauheim, 30. Mai. (Fm 17 jähriges Mädchen ertränkte sich hier. Die Leiche wurde geborgen. Grund zur Tat unbekannt.

FC. Oberursel, 30. Mai. Rektor Kexel dahier begeht am 1. Juni sein 50 jähriges Lehrerjubiläum. Der Jubilar steht im 69 Lebensjahr und ist aus Ahlbach bei Limburg gebürtig und stand früher in Pfaffenwiesbach, Rüdesheim, Niederreisenberg und Oberlahnstein im Schuldienst. 41 Jahre amtierte er hier als Lehrer.

FC. Vom Mai, 30. Mai. Zwischen zwei Puffer geriet auf dem Bahnhof Aschaffenburg der Feldgraue Jakob Meischein aus der Pfalz gebürtig, der im Bremserdienst verwendet wurde. In das Krankenhaus überführt erlag er feinen schweren Verletzungen.

FC. Frankfurt a. M., 30 .Mai. Ter General der In­fanterie z. D. Rudolf v. Perthes ist gestern im 75. Lebens­jahre in Berlin, wo er im Ruhestand lebte, gestorben. Er befehligte in den 90er Jahren das Infanterie-Regiment 116 in Gießen, sodann die 44. Infanterie-Brigade in Kassel und von 1897 bis 1900 die 21. Division in Frankfurt am Main.

kr. Langenselbold, 29. Mai. Der Handelsmann Peter Bassermann aus Langenselbold hatte von 5 Langenselbolder Landwirten Runkelrüben unter Ueberschreitung des Höchst­preises gekautt. Der Höchstpreis betrug im Herbst vorigen Jahres 1.50 Mark. Er hatte aber für den Zentner 3 Mark gezahlt und sie nach Frankfurt weiterverkauft, woselbst er

4 Mark erhielt. Auch andere Personen hatten um diese Zeit (es war Anfang Oktober) Rüben unter Ueberschreitung des Höchstpreises verkauft. Der Bürgermeister in Langen­selbold erblickte darin insofern eine Gefahr, als er annahm die Bevölkerung würde sich wenn diesem Rübenhandel nicht Einhalt geboten würde mehr auf den Riibenbau werfen und den Kartoffelbau vernachlässigen. Er berichtete cm den .Landrat der am 12. und 13. Oktober im Langenselbolder Anzeiger nochmals darauf Hinwies, daß hex Höchstpreis 1,50 Mark betrüge. Trotzdem beobachtete die Polizei, daß der Rübenhandel nach dieser Bekanntmachung noch fortge­setzt wurde. Dabei wurden Baffermann und die erwähnten

5 Landwirte ermittelt, und ein Leder in eine nickt unbe­

trächtliche Geldstrafe genommen. Dagegen erhoben sie Ein­spruch mit der Begründung, sie hatten die Rüben alle 3 bis 8 Wochen vor dieser landrätlicken Bekanntmachung an den Wassermann verkauft und im übrigen geglaubt 3 Mark für Len Zentner nehmen zu dürfen, da die Stadt .Hanau und andere gleichfalls diese Preise bezahlt hätten und man von einem gerichtlichen Verfahren gegen diese Stellen nichts gehört habe. Da sich der Einwand der Angeklagten, die Rüben schon vor dem 12. Oktober verkauft zu haben nicht widerlegen ließ, so erkannte das (Ähöffengericht auf Frei­sprechung aller Angeklagten.

Aus Starkenburg.

FC. Aus Starkenburg, 30. Mai. Bürgermeister Vier­heller in Lichtenberg, der seit 28 Jahren mit großer Umsicht die Geschäfte der Gemeinde leitet, beging heute seinen 80. Geburtstag.

Aus Rhc'inhessen.

FC. Oppenheim, 30. Mai. In den hiesigen Weinbergen wurden bereits die ersten blühenden Gescheine angetroffen.

Aus Hesse».Nassau.

FC. Wiesbaden, 30. Mai. Die vor einigen Tagen hier gelegentlich eines Einbruchdiebstahls verhaftete 44 jährige Frau Lügers aus Essen, die sich als vornehmer Kurgast aus­gab und mit ihrer Tochter hier in der Neugasse ein­gemietet und sich bei ihrer Verhaftung mit Glasscherben Ver- letzungen an der Pulsader beigebracht, ist, wie die Ermit- telungen ergeben haben, eine aus dem Irrenhaus ent­sprungene mit Zuchthaus vorbestrafte Persönlichkeit.

FC. Eaub, 30. Mai. Beim Baden im Rhein erttan? Bertha Fuchs aus Kassel. Die Leiche konnte noch nicht ge­borgen werden.

FC. Aus dem Kreise Biedeukopf, 30. Mai. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende evangelische Kircbe zu Breiden- bach ist namentlich in Bezug auf die innere Raumwirkung von künstlerischem Wert als ein eigenartiges Beispiel einer bäuerischen Kunstferttgkeit von hoher geschichtlicher und knnstgeschichtticher Bedeutung. Die innere Ausstattung ist im Laufe der Jahrhunderte in Verfall geraten und bedarf dringend einer durchgreifenden, sachverständigen Wieder­herstellung. Aber o ich das Aeußere der Kirche muß gründ­lich renoviert werden. Die Arbeiten sollen nach Beendigung des Krieges, nach dem- nunmehr die Vorarbeiten dazu be­endet sind, in Angriff genommen werden. Der Staat und die Vezirksverwaltung werden Beihilfen gewähren.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juni.

Gottesdienst in der Stadtkirche.

Vormittags 9 3 ,4 Uhr: Herr Pfarrer Ritter.

Abends 8VA Uhr: Herr Pfarrer Kleberger.

Gottesdienst in der Burgkirche.

Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrer D i e h l.

Nachm. 2 Uhr: Katechismuslehre für die männliche

Jugend. Herr Pfarrer Kleberger.

Nachm. 3 Uhr: Taubstummengottesdiensi. Herr

Pfarrer D i e h l.

Gottesdienst irrt Stadtteil) Fauerbach

10 Uhr: Gottesdienst. Anschließend Katechisnruslehre für die Jünglinge.

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Katholische Gemeinde.

Sonntag, den 2. Juni 1918. 2. Sonntag nach Pfingsten.

Beichtgelegenheit am Samstag von 5 Uhr an und Sonntag früh von 6 Uhr an.

1^7 Uhr Frühmesse.

8 Uhr hl. Messe. Gemeinsame hl. Konmnw'on der Mit­glieder der sakr. Bruderschaft.

%10 Uhr Hochamt mit Predigt.

Nachmittags 2*4 Uhr Nosenkranz-Bruderfchafts-Andacht mit Segen und Umgang.

Während der Woche um %7 und 7 Uhr hl. Messe.

Mittwochs um 7 Uhr hl. Messe in der St. Georgs­kapelle.

Freitag, abends 8 Uhr: Kriegs-Andacht.

Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Vorromäus-Bücherei.

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. ßetiner. Friedberg. Truck und Verlag derNeuen Tagc-zeitung^ A- G.. Friedberg i H

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