Wem nie tnirdi Liebe Leid geschah.
Roman von Courthß.Mahler.
22 ) Nachdruck verboten.
„Ich habe Sie nie als einen grilligen Gesellen kennen gelernt, Herr von Birkenheim, wenn ich auch leider oft bemerken mußte, daß ihr Augenleiden Sie quält und nervös macht. Das ist kein Wunder. Aber die junge Dome scheint wirklich eine sehr angenehme Persönlichkeit zu sein. Außer* dem macht sie unbedingt den Eindruck, als sei sie eine vornehme Dame. Man kann es nicht begreifen, daß sie eine abhängige Stellung bekleidet."
„Sie haben recht; ihre Erscheinung und ihr ganzes Wesen ist vornehm. Es ist ihr wohl auch nicht an der Wiege gesungen worden, daß sie eine solche Stellung bekleiden muß. Graf Steinau teilte mir mit, daß sie aus sehr guter Familie sei."
„Das merkt man ihr an."
„Gewiß. Und mir kann es nur angenehm sein, da ich lie fast den ganzen Tag um mich habe. Wäre sie mir in der Gesellschaft begegnet, hätte ich sie für eine Aristokration gehalten."
„Ich auch!" entfuhr es Hans Ullrichs Lippen. Und er hatte eine Gefühl der Enttäuschung und des Bedauerns, daß seine schöne Reisegefährtin nur schlichtweg Fräulein Hellmut hieß.
Er war in seiner erwartungsvollen Stimmung nach Virkenheim gekomnien. Kaum hatte er die Zeit erwarten können, denn er hoffte bis zuletzt, seine Reisegefährtin als Gast der Birkenheimer Damen zu finden. Er hatte sich das Wiedersehen in den leuchtendsten Farben ausgemalt und allerlei süße, verlockende Hoffnungen hatten sich daran geknüpft. Und nun war er bitter enttäuscht, und er trug ein so bedrücktes Gefühl mit sich herum, als sei ihm eine liebe Hoffnung zerstört worden. Dieses Fräulein Hellmut durfte ihm nichts sein, als eine Angestellte des Hauses, in dem er freundschaftlich verkehrte. Es gab keinen Weg, der sie und ihn zusanimcnführte. Als gleichberechtigt konnte sie nicht neben ihm stehen. Eine Verbindung mit ihr war nach den Gesetzen seines Hauses unmöglich. Sie war ihm nicht ebenbürtig. Das schmerzte ihn sehr.
Einen Moment wollte der Wunsch in ihm aufflammen. <jtt versuchen, der schönen Sekretärin auf eine Weise näherzutreten. die auf keinen ernsten Absichten basierte. Abei !ch"kll ihm der Gedanke kam, so schnell hob er ihn von sich. Er schämte sich seiner, wenn er an Christas reine, stolze Augen dachte. Er kannte die Frauen und wußte, daß Fräulein Hellmut nicht zu denen gehörte, die man in einen Flirt verstricken kann. Und weil er das fühlte, weil ihm
vaS Gefllhl, so schnell starke Wurzeln! fit ichnt geschlagen hatte, aussichtslos erschien, fühlte er sich sehr bedrückt und enttäuscht.
Als die beiden Herren eine Weile geplaudert hatten, erhob sich Herr von Virkenheim.
t „Run will ich Ihre Gesellschaft aber nicht länger in egoistischer Weise für mich in Anspruch nehmen, Hans Ullrich. Meine Damen werden auch davon profitieren wollen." sagte Herr von Birkenheim und klingelte dem Diener.
Diesem trug er auf, der Baronin und Baroneß Karla zu melden, daß Frhr. von Frankenau sie zu begrüßen wünsche.
Die Damen ließen sagen, sie würden sich freuen, ihn zu empfangen.
Herr von Birkenheim ging nun mit Hans Ullrich hinüber. Dieser entschuldigte sich bei den Damen, daß er im Reitanzug erschien. Er hätte den Wagen nicht benutzen wollen.
Die Baronin und ihre Tochter begrüßten Hans Ullrich außerordentlich erfreut und liebenswürdig. Karla hatte geahnt, daß er heute kommen würde und hatte sich deshalb so schön als möglich gemacht. Mit den rosigen Wangen und den lebhaft glänzenden Augen, die wie in scheuer Innigkeit zu Hans Ullrich hinüber kokettierten sah sie auch sehr reizend aus. Wenn Hans Ullrich unbefangen gewesen wäre und Christa Hellmut nicht sein Interesse so ausschließlich gefangen genommen hätte, wäre er sicher nicht abgeneigt gewesen, sich etwas intensiver mit Karla zu beschäftigen. Aber er merkte aus ihrem Verhalten nur zu deutlich, daß die Wünsche der Baronesse mit denen seiner Mutter überein- stimmten.
Und doch sagte er sich, daß es gut sei, wenn er sich blindlings in Baroneß Karla verlieben könne und sie zu seiner Frau machte. Er hatte ein Gefühl, als müsse er sich selbst den Weg versperren, den sein Herz nach einer anderen Richtung gehen wollte. So machte er einen heftigen Anlauf und macht Karla den Hof. Er sagte ihr viel Schmeichelhaftes über ihr brillantes Aussehen, sagte ihr. wie er sich freue, sie wiederzusehen und spielte gewissermaßen wie ein unvorsichtiges Kind mit dem Feuer.
Aber dann fing er plötzlich einen Seitenblick der Baronesse auf. Sie sah triumphierend zu ihrer Mutter hinüber, als wollte sie ihr sagen: „Gib dchf, er fängt Feuer." Und dieser unbewachte, verräterische Blick sollte Karla teuer zu stehen kommen. Er ernüchterte Hans Ullrich, als sei er mit kaltem Wasser begossen worden. Das, was ihm Ursula über Baroneß Karla gesagt hatte, kam ihm wieder ins Gedächtnis. Und zugleich überkam ihn eine ganz unsinnige
Sehnsucht nach Christa Hellmuts reinen, stalzen Augen. Am liebsten wäre er, alles vergessend, zu ihr geeilt. Er meinte, ihr Anblick müsse ihm seine Ruhe wieder geben, und ein tiefer Schmerz war in seiner Seele, daß seine Reisege. fährtin nur ein schlichtes Fräulein Hellmut war. um die er nicht werben durfte. Schnell verabschiedete er sich nun.
Die Baronin bat ihn, am nächsten Tage mit seiner Mutter und seiner Schwester in Birkenheim zu Mittag zu speisen.
„Ihr Besuch war viel zu kurz heute, Herr von Frankenau. Sie müssen uns viel erzählen von Ihren Reisen." sagte sie.
„O ja, darauf freue ich mich. Sick)er haben Sie viel Interessantes gesehen und erlebt," fiel die Baronesse ein. ihm einen heißen, innigen Blick zuwerfend.
Aber er sah die Falschheit hinter diesem Blicke lauern, und er mußte sich sagen, daß sie vorzüglich Komödie spielte. Ungewarnt hätte er sich vielleicht davon fangen lassen.
Er nahm die Einladung für sich und seine Damen an, aber die Baronesse hätte sicher nicht so holdselig gelächelt, wenn sie geahnt hätte, daß Hans Ullrich dabei nur an ein mögliches Wiedersehen mit Fräulein Hellmut dachte. Schnell entfernte er sich nun.
Draußen hatte ein Reitknecht sein Pferd langsam auf- und abgeführt. Als er ins Freie trat, atmete er auf, als sei ihm die Brust zu eng geworden.
Als er sich auf sein Pferd schwang, sah er am Herrenhause empor. Er suchte sehnsüchtig die Fensterreihen ab, ob er nicht ein schönes, stolzes Mädchenantlitz zu sehen bekäme. Aber Christa Hellmut war nicht zu erblicken.
Langsam ritt er durch den Park. Dabei war er so tief in seine Gedanken versunken, daß er erschrocken zusammenfuhr, als sein Pferd plötzlich schnaufend den Kopf zurllck- warf. Und da sah er eine schlanke Mädchengestalt dicht vor sich auf seinem Wege stehen. Es war Christa Hellmut.
Nachdem sie Herr von Virkenheim entlassen hatte, war sie in den Park gegangen. Sie war ein wenig bleich geworden, als Hans Ullrich plötzlich zu Pferde vor ihr auftauchte. Ehe sie weiter gehen konnte, war er aus dem Sattel gesprungen und stand nun in seiner schlanken Höhe vor ihr.
„Mein gnädiges Fräulein, es ist mir sehr lieb, daß ich Ihnen noch begegne. Ich weiß nicht, ob ich in Ihrem Sinn gehandelt habe, als ich vor Herrn von Virkenheim verheimlichte, daß wir uns bereits begegnet waren. Ich bitte Sie. mir zu sagen, ob Sie wünschen, daß ich unsere frühere Begegnung versckjweigen soll im Beisein anderer Menschen."
Christa hatte sich schnell gefaßt. Sie sab ihm kühl untz stolz in die Augen.
Fortsetzung folgt.
Für die
wurden bisher gezeichnet:
Trapp & Münch
1001 Mk.
Fr. Megerle
1000
Frau R. von Helmolt
200
Th. Mor chei
500
E rmann Söhne
500
Fr. Roßbach
1000
Kommerzienrat
Langsdorf 250
I. Mai
50
K. Isenburger
20
Euul Rothschild
50
Wilhelm Fertsch
500
G. Schwarz & Söhne
G. m. b. H.
1000
Earl Ulrich
250
”
Wilhelm Schwarz
250
Ftiedrich Schmoll
250
Ehrlich
100
Retchenberg & Rosen-
ihal
300
David Krämer
200
Geschwister Mayer
250
Nathan
50
Allen Gebern herzlichen Dank.
Weitere Gaben werden durch die hiesigen Banken, Sparkasse, und Haussammlung mir Dank ent- aegen genommen.
Der Ortsausschuß.
Kaißras-Ltrßkiykruüli.
Es wird versteigert das diesjährige Heugras
1 . von 17 ha der fiskalischen Teichwiese in der Gemarkung Echzell. Donnerstoa, d n tt. k. Mts. von nachmittags 2 Uhr an nach Z - ammenkunft auf dem Teichdamm.
2 . von 2 ha der fiskalischen Wiesen in der Gemarkung Leidhecken, Freitag, den 7. k. Mts. von nachmiuags 2 Uhr an nach Zu>ammen- kunfl an der Niddabrücke bei Staden.
Dln-enheim, 30. Mai 1918.
Krolch. ©lierförftprfi Kingknheim.
Eolldes fleißiges
Mädchen
für Haus- und Gartenarbeit zum 15. Juni gesucht.
dlllll Marie Wucht
Aufruf!
P eutschland kämpft seinen schwersten Kampf; das Ringen drangt zum Ende. Tausende und Abertausende der Kämpfer in Heer und Flotte kehren zurück, die Glieder verstümmelt, die Gesundheit erschüttert. Ihre Kraft dem deutschen Wirtschaftsleben zurückzugewinnen, ihre Zukunft zu sichern ist Dankespfiicht der Heimat. Die Rentenversorgung liegt ausschließlich dem Reiche ob. Soziale Fürsorge mutz sie ergänzen. Sie auszuüben sind die im Reichsausschutz der Kriegsbeschädigtenfürsorge zusammengefatzten Organisationen berufen. Das gewaltige soziale Werk auszubauen ist das Ziel der
Darum gebt, lands Zukunft! zusammenstehen, wird das hohe Ziel erreicht.
v. Hindenburg
Generalfeldmarschall
v. Stein
Kriegsminister, General der Artillerie
uns kämpften und litten!' Nur wenn alle
Dr. Graf v. Hertling
Reichskanzler
Dr. Kaempf
Präsident des Reichstages
Macht aus sorgenvollen Opfern des Krieges freudige Mitarbeiter an Deutsch Ehret die Männer die für
Der Ehrenvorsitzende:
Ludendorff
Erster Generalquartiermeiste^ General der Lnsanterie
Dieser Ruf von Deutschlands führenden Männem findet begeisterten Wiederhall in allen deutschen Landen. Unser Vaterland ist durch die tapferen Helden, die draußen Glieder und Gesundheit geopfert haben, vor den Schrecken des Krieges geschützt worden. Jetzt gilt es, unseren Dank auch durch die Tat zu zeigen.
Bewohner Friedbergs!
Helft in altbewährter Opferwilligkeit den Kriegsbeschädigten; Stattet diese Dankesschuld durch reiche Zeichnungen in die Sammellisten ab, die demnächst in Umlauf gesetzt werden.
Der Ortsausschuß:
2. Füller W. Eeorgi E. Kühn Th. Mörschel I. Stern
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Lriedberg t. Lj., Kafferstraße 7.
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Bad Homburg v. d. H.
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