Ausgabe 
30.5.1918
 
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Gegners festgelegt find tmb die Verstärkung der ÄlMertt» Kriegsmaschine verhindert wird, während uns Arbeitskraft und Zeit erspart wird.

Auf der französischen Rückzugßstraße. ^ -4 SPcrlitt, 29. Mai. (WB.) Der Rückzug vom EHenckn des Dames kostete den Franzosen große Opfer an Menschen und Material. In den kesselförmigen Talern und auf den tiefeingeschnittenen wenigen Straßen 'lag die undurch­dringliche Feuersperre unserer Großgeschosse. Die zum Rück- transport von Material und Geschützen und zum Antrans­port von Reserven vorgefahrenen Lastkraftwagen wurden zum großen Teil zerschmettert oder von ihren Führern im Stich gelassen. Allein an der Steilstraße PinonVaurains Ferme stehen zehn Regnault-Wagen, von denen sieden zer­schmettert und ausgebrannt sind. Drei wurden durch unsere s^hrer in Stand gesetzt und zurückgefahren. Besonders schwer mitgenommen sind die vom Chemin des Dames ins Aisnetal sich windenden Hohlwege, um der Franzose geschickt seine Batteriestellungen und Unterstände eingebaut hatte. Hier verdrängt ein Riesentrichter den anderen, die Unter­stände sind eingedrückt, die Holzverschalungen der Geschütz- stände sind weit umhergesplittert und ein wirrer Haufe von Ausrüstungsstücken ist zurückgeblieben. Die Munition stapelt sich berghoch. Die zerschlagenen Artillerieprotzen des Feindes, dre verendeten Pferde und die über die Straße ge- fallenen Bäume sind von den sofort nachrückenden Schanz- trupps nach einem Tage bereits fortgeräumt. Ueber die Mit Faschinen und kleinen Brücken ausge-sserten Straßen ergißt sich ohne Pause der rastlose Strom der nach vorn erlenden Munitionskolonnen und Trains. Mensch unb P' er k'. alles gibt alle Kraft, um der vorstürmenden In tanterie zu folgen.

Der Feuerkampf iit Flauderu.

Rotterdam, 29. Mai.Daily Mail" schreibt, daß an der 'lanorischen Front die Feuertätigkeit unvermindert an- «uere. Es sei auch in diesem Abschnitt mit ernsten Ab- Men der Deutschen zu rechnen.

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schwieriger gestatt».

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knBche Stimmen iider die nur Offensive.

JO m 0 8 ' 3 Sßeuter meldet aus London vom

' . -tat. Die Blätter und militärischen Sachverständigen sagen zur Wiederaufnahme der Offensive, daß der deutsche Angriff im Abschnitt zwischen Reims und Soissons zwar kaum erwartet wurde, daß jedoch die neue Ofensive die Alli­ierten überall vorbereitet antraf. Alle militärischen Schrift- steller vertrauen darauf, daß der deutsche Versuch, die Heere der Alliierten zu vernichten, genau wie früher mißglücken werde.Der Feind", so heißt es weiter,hat den Vorteil der inneren Verbindungslinie und seine Eisenbahnen. Er operiert jedoch in einem verwüsteten Land mit einem im- provisierten Transportsystem. Seine Lage ist in dieser Hin­sicht weniger günstig, als vor dem 2t März." Die Tat- sache, daß die englischen Truppen sich so weit südlich befinden wird als Beweis dafür angesehen, daß General Foch voll­ständig- auf eine Offensive in dieser Gegend vorbereitet war, während der Erfolg des italienischen Angriffs ein weiterer Beweis der Vorteile ist, die die Einheit der Befehlsführung bietet. Die Aktion der Italiener kann mit der Absicht an­gesetzt worden sein, einem drohenden Angriff der Oester- reicher zuvorzukommen oder um die Oesterreicher zu der- hindern, Truppen nach der Westfront zu bringen. Selbst nach der Eroberung des Chemin des Dames müßten die Deutschen noch über ern schwieriges Gelände nach der Aisne- nene vorrücken, hinter der sich kein bedeutendes strategisches Zwl befände. Für die Deutschen sei es verhältnismäßig lejdrt gewesen, dem hauptsächlichsten Versammlungspunkt Streitkräfte zu entnehmen, um General Foch zu zwingen, ferne Reserven an andere Stelle zu bringen. Es könne des­halb nicht verwundern, wenn General Foch Gelände abgebe, um ferne Reserven für eine andere große Schlacht in der Richtung von Amiens auszusparen, das von den Sachver­ständigen stets noch als das wahrscheinlichste Ziel der Deut­schen betrachtet werde. Ein anderes Reuter-Telgramm gibt ebenfalls der Aufassung Ausdruck, das möglicherweise der Hauptanariff auf eine andere Stelle gerichtet wird als an der der jetzigen Offensive.

Vereitelter fnftangriff nnf lndrchshafe«.

Karlsruhe, 29. Mai. Don zuständiger Seite wird mit- geterlt: In der Nacht zum Dienstag versuchten feindliche Flreger, Ludwigshafen anzugreifen. Die abgeworfenen Bomben sielen jedoch auf freies Gelände, ohne irgenwelchen Schaden anzurichten.

Irland.

Neue Sinnfciner Unruhen.

Genf, 29. Mai.Echo de Paris" meldet, daß am Sonn­tag neue Unruhen der Sinnfeiner in Dublin und York vor- gekommen sind. In York wurden mehrere Polizeibeamte verletzt, sodaß die Truppen einschreiten mußten.

Vag Abkommen DomemAmerika.

Kristiania, 28. Mai. (WB.) Meldung des Norks Tele- grammbureaus. Heute, Montag, wurde hier und in Washing­ton das Uebereinkornmen mit Amerika veröffentlicht, das für die Kriegsdauer gilt, Ls kann aber beiderseits nach einem ^ahre vom 30. April 1918 und später mit 3monatlicher Frist gekündigt werden. Norwegen bekommt die näher bezeichneten Warenmengen, die es braucht, insofern der Verbrauch der Ver­einigten Staaten sie nicht benötigt (!) und die Versorgung der mit Amerika verbündeten Nationen dadurch nicht beeinträchtigt wrrd (!) Nach den Zentralmächten und deren Verbündeten dürfen Lebensmittel nicht ausgeführt werden, ausgenommen Fische und Fischerzeugniffe, die nicht 48 000 Tonnen jährl ch über­steigen. Nach den Zentralmächten dürfen weiter ousgeführt werdenlO 000 Tonnen Calciumkarbid. 8000 Tonnen Calcium­nitrat, 2000 Tonnen Ferrosilicium und 4000 Tonnen Eisenerz, wovon nichts Schwefelkies oder Mangan enthalten darf Von nicht erwähnten Artikeln darf die Ausfuhr nicht diejenige im Fahre 1917 übersteigen.

Die Deschiestnng von Paris.

DerMatin" und andere Blätter stellen durch die deutsche Beschießung Spuren an den Un- terxrchtsanstalten der Sorbonne fest. Nach einer Havasnote bat bie Beschießung auch am 28. Mai früh wieder begonnen.

Schweizer Grenze, 28. Mar. Wie Havas nach der K. Z." meldet, setzten neben der Fernbeschießung gestern abend auch die Fliegerangriffe auf die Hauptstadt Paris wie- der ern. Es wurden zahlreiche Bomben abgeworfen. Man habe diese Angriffe auf Paris als letztes Vorzeichen der wie- der beginnenden deutschen Offensive angesehen, die nun auch au gebrochen sei und möglicherweise dem Feinde auch ~mge Erfolge bringen könne.

. vv* e rr tt -^- 9 ' 2?iai Die Beschießung durch weittra­

gende Ce,chutze hat in Paris. Lyoner Blättern zufolge in meh- reren Stadtteilen beträchtlichen Schaden angerichtet. An einer Sielle platzte eine Granate mitten auf der Straße und beschä- ri .7 umliegenden Häuser schwer. Auch an dieser Stelle sind zahlreiche Opfer zu beklagen. Ueber ihre Zahl darf nur be. kanntgegebcn werden, daß gestern 12 Uhr drei Tote und 14 Der- mundete bei den amtlichen Stellen gemeldet waren. Allgemein g aubt man. daß es sich um neue Geschütze handelt, die zwischen fr Q ^ ntln und Montidier aufgestellt sind und also näher an Parts stehen, gleichzeitg aber weiter von der Frontlinie entfernt

Milrtif IHnljiinnwi on Japan.

Stockholm, 27. Mai. Der englische Geschäftsträger in Petersburg, Lockhart, gab dem Volkskommissar für die aus- wartrgen Angelegenheiten eine mündliche Erklärung ab daß die englische Politik durchaus für die Unversehrtheit Rußlands, auch m Ostasien, eintrete. England stehe dement­sprechend auf dem Standpunkt, daß auch die letzten Truppen oer ooponer aus Wladiwostok vollständig und schnellstens zurückgezogen werden müßten.

Die Domanonrs.

DEn, 28. Mai. Die Mitglieder des ehemaligen rus- fischen Herrsaierhauses Großfürst Nikolei Nikolajewitsch mit Frau und Sohn, Gcoßfürst Peter Nikolajewitsch mit Frau, Sohn und Tochter, Großfürst Alexander Michaelowitsch mit Frau und sechs Kindern und die Kaiserin-Witwe Maria Feodorowna befinden sich in Djulber bei Cap Aitodor. Die Großfürstin Olga und ihre Mutier sind in Charaska östlich Diulber untergebracht. Die Nachrichten über ein Cntkom- men des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch sind erfunden. Weder bei ihm noch bei den anderen Mitgliedern der Familie Romanow liegen Anzeichen vor, daß sie die Krim verlassen wollen. Ebenso sind die Gerüchte über eine Reise der Kaiserin-Witwe nach Dänemark unbegründet.

Die Donrepiiblik iinnbijäHgig von Eroßrrißland.

Kiew, 25. Mai. Die Zeitungen veröffentlichen eine Note der Don-Negierung an die ukrainische Regierung. Die Don-Regierung als bedeutendster Bestandteil des neuen Bundesstaates des südöstlichen Bundes, der die Don-, Kuban-, Ter- und Astrachan-Kosaken, die Bergvölker des nördlichen Kaukasus und der Schwarzmeerküste und die freien Steppenvölker des südöstlich Rußlands umfaßt, dem sich ferner das Gouvernement Stawropol, die Schwarz­meer-Gouvernements und Teile des Kreises Zarizin als un­löslich wirtschaftlich mit dem Südostbund verbunden an­schließen, hat die Interessenvertretung des Bundes über­nommen und ersucht bei den Friedensverhandlungen mit Großrußland folgendes zu beachten:

Der Slldostbund ist kein Bestandteil der russischen Sowjet-Republik. Er befindet sich mit der nicht anerkannten Regierung der russischen Sowjet-Republik im Kriegszu­stände. Die Völker und die Regierung des Bundes bie Unantastbarkeit des Bundes mit allen Mitteln ver- leidigen. Tw Don-Regierung hat in den soeben-ver­kündeten Staatsgrundgesetzen alle seit der Februar-Revo­lution 1917 erlassenen Gesetze der russischen Negierung wie­der aufgehoben unb hat das alte Wappen unb Siegel der Dänischen Kosaken wieder eingeführt.

Kiewskaja Mysl" hebt hervor, daß durch diese Re­stauration alle Nationalitätenbeschränkungen im Don­kosakenland wieder aufleben und somit die Juden dort das Wohnrecht wieder verlieren. Das Agrargesetz am Don, das binnen zwei Monaten veröffentlicht werden soll, sieht die Zwangsenteignung des Großgrundbesitzes vor, der be­stimmte Normen überschreitet. Die Landverteilung soll lpätestens im Oktober erfolgen. Ein Hinweis auf die Ent* schädrgungen der früheren Besitzer fehlt. In einem Aufruf an die Kosaken werden diese zu guten Beziehungen mit den deutschen Truppen aufgefordert. Sie joüen diese wie eigene Truppenteile anseheu, t ^ ^ ^ r t ,

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«in starkes, freies, geeintes Pfnilftlanli,

«ro&aimriral von Tirpitz hielt in Düsseldorf ** 25. Mai eure Rede, rn der er u. a. sagte:

In der geographischen Lage und der politischen Juaent von Preußen-Deutschland liegt die Ursache für das Schlei, eurer einheitlichen Ausiassung über die völlige Umwälzung aller Beziehungen der Völker auf der Erde und der Um­wertung aller politischen Begriffe. Unser Blick war zu sehr auf die nächsten Nachbarn unseres Kontinents be- grenzt gegenüber der jahrhundertelangen Schulung unsere Hauptgegner in der Welt. So gelang England die politische und Militärische Einkreisung, und wenn wir nicht siegen, wird chm auch die wirtschaftliche Einkreisung Deutschlands und damit die Verkümmerung des Deutschtums überhaupt gelingen. Die eigentliche Entscheidung kann nur im Westen lallen, sie kann nur Sieg oder Niederlage bedeuten. Mit- teleuopa" und der Orient allein können -. ns vor" Ver-

fr U r!t! m U n Q u l6jt re w n * Unsere Industrie kann ohne See- und Wel.geltung nicht erhalten werden. Unsere Bundes­genossen und auch die neutral geblieben Staaten Europas tonnen nicht unabhängig bleiben, wenn Deutschland es nicht bleibt. Die deutsche und die europäische Arbeiterschaft wurde zum Lohnsklaven des angelsächsischen Kapitalismus herabsinken Die Ansicht, daß die von einem wieder ge- einten Großrußland drohende Gefahr uns veranlassen muß die westlichen Feinde unter allen Umständen zu Freunden zu gewinnen, ist ni.cht stichhaltig, denn wie soll Deutschland eineni starken Großrußland widerstehen, wenn es der Grund­lage seiner industriellen Entwicklung beraubt ist? Wir kön­nen die Anerkennung unserer Ebenbürtigkeit in der Welt- Wirtschaft mit England nicht anders erreichen als durch Macht. Das Mindestmaß von Macht aber dem westlicher Femde gegenüber ist die wirtschaftliche, politische, mili IT 1 Gliederung Belgiens. Dies ist der Angelpunkt r Weltkrieges. Die Befürchtung, wir könnten von de, flandrischen Küste aus nach der Weltherrschaft streben, angesichts des ins Riesenhafte vermehrten Welteinflusse» Englands unbegründet. Durch die Vertrustung seiner In- teressen mit denen Amerikas ist England der Weltbe- hervschung näher gerückt. Die Sorge, daß wir zuviel er- streben, können wir füglich kommenden Jahrhunderten uberlassen, wenn das Deutschtum dann noch Leben hat Dieses Lebenkonnen uns in gerechtem Verteidigungskrieg, zu erhalten, ist lediglich unsere heutige Aufgabe. Die Wis- senden bei uns sollten unserm Volk, namentlich auch den A» beitern, klar machen, vor welchem Abgrund wir stehen, wenn dre Plutokratie Englands siegt, und welcher Ver- elendung in diesem Falle gerade die ärmeren Kreise ent* gegengehen würden. Der einfache Mann im Felde unt daheim muß auch wissen, weshalb er kämpft und Ent­behrungen ertragen muß. Ein starkes, ein freies, ein über dre Scheidung der Klassen, der politischen Richtungen, der Konfessionen hinweg geeintes Deutschland ist das hohe Ziest der Vaterlands-Partei.

Nn neues WahlreititsabkomMii?

DieTgl. Rundschau" schreibt: Wie wir zuverlässi,

erfahren, ist am Samstag auf Grund eingehender Verhand­lungen zwischen den Konservativen, Freikonsewativen uni Natwnalliberalen unter Ausschließung des Zentrums in de, preußischen Wahlrechtsfrage eine Koinproniiß zustande go- uommen, nach dem das allgemeine, gleiche und direkt« Wahlrecht nnt einer politischen Sicherung von zloei Zusatz- stimmen . zur Annahme gelangen soll. Die erste Zusatz- sftmme ist eine reine Altersttmme und wird durch die Er­reichung des 40. Lebensjahres erworben. Die zweite Zu­satzstimme wird an die wirtschaftliche Selbständigkeit ge­bunden. Abgeschlossen wurde dieses Kompromiß namen- der Nationalliberalen durch die Abgeordneten Fuhrmann und Hirsch, für die Freikonservativen durch Lüdicke, für die Konservativen durch Winckler. Wie wir weiter hören, sollen die Nationalliberalen geschlossen hinter diesen Abmachungen stehen. Damit ist eine sichere Mehrheit für die Beseitigung des Baccums in der Vorlage gegeben. Dem entgegen erklärt dieKriegszeitung": Ein Abkommen in der Wahl* rechtsfrage auf Grund einer Zusatzstimme für Alter und wirtschaftliche Selbständigkeit, das von anderer Seite als feststehend gemeldet wurde, ist nach unseren Nachrichten noch nicht zustandegekommen. Die freikonservative Fraktion lehnt jede Verbindung danrit ab. Die bisher gepflogenen Besprechungen waren ganz förmlich

Stülitsttlinnnng nnd Ln^endgrff-Hende.

Von Graf v. B o t h m e r, München.

Ein Volk, das seine im Krieg Beschädigten vergißt, verdient die Verachtung der Welt. Mit allgemeinem Mit­leid und wortreichem Gejammer wird keinem geholfen, nur mit der stillen ^at wird Dankesschuld abgetragen. Wer Arm und Bein und Auge im Kampf mit dem Feinde ver­loren, der hat es für jeden von uns hingegeben. Wer von euch wollte die Heimat als ein kraftstrotzender Mann ver- lassen haben und als ein Blinder, Lahmer oder Einarmiger znrückkehren, wenn die Heimat dann seiner vergäße und sein Rcch auf Hilfe abspeisen wollte mit den Worten:Wir haben nichts, der Vater Staat soll für Dich sorgen,"

Wer ist der Staat, wenn nicht die Summe aller Volks­genossen, genau so, wie die Wehr des Landes die Summe aller Kampffähigen ist? Der Staat hat seine Dankespflicht dann erfüllt, wenn jeder Einzelne mithilft, den Kriegsbe* schädigten das Recht auf Lebenssicherheit zu gewähren.

Als wir im August 1914 in den Kampf zogen, da war eA für jeden selbstverständliche Pflicht, mitzugehen. Alle schütz­ten eben Me, Den Zeichen Schutz müssen wir jetzt ein-