Mein me burd) Liebe Leid geschah.
Roman von Courths-Mahler.
18) Nachdruck verbalen.
Korla hatte ihm wohl auch geduldig jeden Tag zwei Stunden, eine vormittags und eine nachmittags, vorgelesen aber ihr Organ war ziemlich hell gefärbt und wurde so leicht spröde. Sie las die Viicher, die Onkel Heinz liebte, ohne Interesse und mit wenig Verständnis vor, weil sie ihr langweilig waren.
Christas . Vortrag war im Vergleich zu dem Karlas direkt künstlerisch. Und dabei hatte der alte Herr durchaus nicht das Gefühl, als sitze ihm eine fremde Person gegenüber. Er hatte sich nicht wenig gefürchtet, daß er eine Fremde in seiner nächsten Unigebung würde dulden müssen, und nun empfand er mit freudigem Erstaunen, daß ihm Fräulein Hellmut fast vertrauter und sympathischer erschien als seine nächsten Anverwandten. Jedenfalls hatte er sich ^eit langer Zeit nicht so Wohl und behaglich gefühlt, als in ihrer Gegenwart.
Als eine Stunde vergangen war, hob er die Hand.
„Es muß jetzt genug sein, Fräulein Hellmut. Sie sollen sich nicht überanstrengen."
Sie hob die Augen — diese wunderbaren, dunklen Augen mit den leuchtenden Goldfunken darin.
„Ich strenge mich ganz sicher nicht an, Herr von Birken- heim, und. wenn Sie wünschen kann ich Ihnen noch gut eine Stilnde vorlesen, ohne mich zu übermüden."
Er sah sie zögernd an.
„Ich fürchte doch, es wird Ihnen zuviel und ich möchte um keinen Preis, daß Ihr Organ darunter leidet. Es Wäre so schade darum."
Fräulein Hellmut sagte zum Grafen: „Ich bin an
langes Vorlesen gewöhnt und es macht mir nichts."
„Wirklich nicht?"
„Nein, wirklich nicht," erwiderte sie mit. einem Lächeln, bei dem sich die weichen Linien der Mundwinkel zu Grübchen vertieften.
Es war das erstemal, daß Herr von Birkenheim dieses
bezaubernde Lächeln sah auf Christas Antlitz. Und er atmete plötzlich tief und schwer. Eine Erinnerung Übersiel ihn bei diesem Lächeln. Und er wußte jetzt mit einemmale an wen ihn ihr weiches, dunkles Organ erinnerte — an dieselbe Person, der auch dasselbe wundervolle Lächeln eigen gewesen war, das er jetzt auf Christas Lippen sah. Und fene Person hatte auch denselben feingeschwungenen blühenden Mund gehabt mit den weichen Linien, die wie leise Grübchen in den zarten Wangen verliefen.
Er saß eine Weile wie gebannt und schgute Christa mit großen, brennenden Augen an. Dann strich er sich wie besinnend über die hohe Stirn. Wohin verloren sich seine Gedanken? Welch ein schmerzlich süßes Erinnern weckte dies fremde Mädchen in seiner Brust? Seltsam spielt die Natur. Sie schafft immer Neues, Mannigfaltiges, und doch bringt sie zuweilen Wiederholungen, Aehnlichkeiten zustande die vielleicht noch mehr unser Erstaunen wachrufen.
Christa Hellmut sprach zu ihm mit der Stimme der einstigen Geliebten, die ihn treulos verlassen hatte, und sie lächelte ihm zu, wie ihm auch diese zugelächelt hatte.
Ach — wie oft hatte er sich an diesem Lächeln entzückt, das ihm so unsagbar süß erschienen war!
Er seufzte sief auf und stützte den Kopf in die Hand. Sonst hätte diese Erinnerung wohl nur SckMerz und Bitterkeit ausgelöst in seiner Seele, aber jetzt war ihm zumute, als gehe etwas Versöhnliches, Erlösendes von diesem fremden Mädchen aus, etwas, das seine Schmerzen in ein friedliches Erinnern wandelte.
„Nun gut," sagte er noch ein wenig benommen, „wenn Sie mir noch ein Weilchen vorlesen wollen, will ich es mir gefallen lassen. Aber Sie müssen sofort aufhören, wenn Sie müde werden."
Wieder lächelte Christa. r r "/ '
„Ich werde nicht müde."
Sie nahm das Buch wieder auf und las weiter.
Herr von Virkenheim schloß die Augen und lauschte. Er erfaßte jetzt nicht mehr den Sinn des Gelesenen. Seine Gedanken ließen sich einspinnen wie in ein Zauberreich. Sie flogen zurück, weit, in die Vergangenheit, da ihm der-
Todesanzeige.
Plötzlich und unerwartet erhielten wir die traurige Nachricht. / > daß mein unvergeßlicher, guter Mann, mein lieber Bruder, Schwagers
unser Onkel und Neffe
Karl Hofmann
Fahrer bei einer Neseroe-Eisenbahn-Bau-Kompagnie
am 21. Mai nach 45monatiger treuer Pflichterfüllung an den schweren Verwundungen durch Fliegerangriff im 41. Lebensjahre im Felde verschieden ist.
Friedberg in Hessen, den 27. Mai 1918.
Ujagassc 2SL
Anna Hofmann geb. Sickert.
Schmerzerfüllt machen wir Verwandten, Freunden und Be. rannten die traurige Nachricht vom Ableben unserer lieben, guten Mutter
M Nachruf
Frau
Stirn Mayer
im 67. Lebensjahre.
geb. Oppenheimer
Nodheim o. d. Höhe. Frankfurt a. M., Eedern,
den 26. Mai 1918.
Die trauernden Hinterbliebenen:
I. d. N.:
Betty Rothschild geb. Mayer Nosalie Mayer Lea Mayer
Johanna Rothenberger geb. Mayer Hugo Rothschild Max Rothenberger.
( MVA . . Die Beerdigung vom Trauerhause in Nodheim v. d. Höhe, findet Dlens-
mm tO0; beU 28 ' ^ öl 1918 ' nachmittags 3 Uhr statt.
mM
Ohne Frage
faufcn Landwirte alle gangbaren Wasch-, Schmier, und Putzartikel
.1.nirgends bMige.
Hcff. Bcr' ?»i>ha»s Phil. Diener.
Spezia.,aus für Wasch, uno Putzartikel, n . . Fried her*: I. I».
Ion den früheren Raumen des Warenhaus Geschwister Mayer, am alten Bahnhof.)
Ein mittlerer Beamter, Alter 25 Jahre, sucht ein jüngeres Mädel aus guter Familie zwecks späterer
Wieder hat der schreckliche Krieg ein Opfer aus unseren Reihen gefordert. Am 2L Mai starb den Heldentod für das Vaterland
Herr
Karl Knobloch
Kanonier in einem Art.-Negiment,
Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klaffe.
Wir verlieren in dem Verstorbenen einen fleißigen, stets hilfsbereiten Mitarbeiter, deffen langjährige treue Pflichterfüllung ihm ein ehrendes Andenken bei uns sichert.
Nieder-Wöllstadt, den 25. Mai 1918.
Der Sorptanii der Mkttei-CtiMeilschaft Wetlmu
eingetr. Gen. m. b. H.
I. A.: Preufche.
Bekanntmachung.
Bestellung von Nährmitteln.
Gemäß 5 der Bekanntmachung über die Verbrauchsregelung der in die öffentliche Bewirtschaftung genommenen Nährmittel vom 23. März 1917 wird für die Stadt Friedberg folgendes bestimmt: Es sollen ausgegeben werden:
I. Für brotgetreideversorgungsberechtigte Kinder bis zu 12 Jahren (rote Karten)
auf die Marke 42 der Nährmittelkarle B (rot) Haferflocken » » „ », „ B (rot) Grieß
" » .. 44 „ B (rot) Kindergerstenmehl
ll- §ür die übrige brotgetreideversorgungsberechtigte Bevölkerung (blaue Karten) ö
auf die Marke 51 der Nährmittelkarte C (blau) Teigware« -
n n n 52 „ H C (blau) Graupen
» - .,53 „ „ C (blau) Suppen
III. Für Gastwirte haben wir zur Verpflegung auswärtiger Gäste eine kleine Partie Suppen abzugeben, und ist die Bestellung hierfür bis zum 2. Juni bei uns direkt aufzugeben.
. ... die auf ihn entfallende Ware — die genaue Menge wird x ^ vstgefetzt — zu beziehen wünscht, hat unter Vorlage seiner Karte bei einem hiesigen Kleinhändler bis zum 2. Juni eine Bestellung aufzugeben. Dabei ist darauf zu achten, daß der Klein- ,i« ” ur betreffende Bestellmarke abtrennt und auf der gleichziffrlgen Quittungs- und Bezugsmarke die Bestellung be- statigt. Wer die vorgesehene Frist für die Bestellung nicht ein- ^ E»^erliert den Anspruch auf die ihm zustehende Ware.
«5 x ix ^einhandelsgeschäfte haben die Bestellmarken auf die in Betracht kommenden Bestellbogen getrennt aufzukleben und an dem dem Ablauf der Bestellfrist folgenden Werktage, also am 4. Juni an uns einzusenden. Nichteinhaltung dieser Frist zieht den Ausschluß des betreffenden Kleinhandelsgeschäfts von der Beteiligung an dem Vertrieb der Nährmittel nach sich.
Friedberg, den 25. Mai 1918.
Der ftellv. Bürgermeister
(städt. Lebensmittel-Ausschuß).
— _ I. A.: Langsdorf.
selbe, dunkle Klang aus einem geliebten Munde entgegen geklungen batte.
Er vergaß alles um sich her. Verwischt war die Wirklichkeit. Da drüben saß ihm Maria von Birkenheim gegenüber, die eine kurze Spanne seine Maria gewesen war. Er dachte der Zeit, da er seine Liebe zu ihr noch fest in sich verschloß, weil er keine Hoffnung hatte, daß das schöne, vielumworbene Mädchen ihm ihre Neigung schenken könne. E> hatte immer eine sehr bescheidene Meinung von sich gehabt, weil er nichts Glänzendes, Bestechendes hatte und aus seiner stillen Art nicht herausgehen konnte. Vielleicht hätte er es nie gewagt, um ihre Hand anzuhalten, wenn ihm nicht seine Tante, Frau von Schratt, dazu ermutigt hätte. Diese hatte wohl gemerkt, wie sehr er Maria liebte, und so hatte sie resolut vermittelnd eingegriffen.
Und da hatte er Maria endlich in seiner stillen, zurückhaltenden Art gefragt, ob sie feine Frau werden wolle. Maria hatte ihm ihr Jawort gegeben, und für eine kurze Spanne Zeit war er der glücklichste Mensch gewesen.
So wenig er sein Glück hatte fassen können, so wenig hatte er es in seiner stillen, zurückhaltenden Art zu zeigen vermocht. Und Maria hatte wohl kaum eine Ahnung gehabt, wie unsagbar tief und heiß seine Liebe gewesen war, sonst wäre ihr der Treubruch wohl nicht so leicht gewesen. Sie hatte nicht gewußt, wie tief sie ihn damit verwunden würde.
Er seufzte auf und sah um sich, wie aus einem Traum erwachend. Hatte er Marias Namen laut gesprochen? Er sah zu Christa Hellmut hinüber. Ihre Stimme klang wieder an sein Ohr. Sich aufrichtend, sah er nach der Uhr. Wahr- hafttg — da hatte er die junge Dame wieder fast eine Stunde lesen lassen, während seine Gedanken in der Vergangenheit weilten.
Schnell hob er die Hand.
„Genug — genug, Fräulein Hellmut — ich habe nicht auf die Zeit geachtet. Nun müssen Sie ruhen. Gehen Sie ein halbes Stündchen hinaus ins Freie. Dann kommen Sie wieder zu mir und schreiben Sie einige Briefe für mich."
Christa schloß das Buch.
Fortsetzung folgt.
Kekanntmachmrg
Die Auszahlung der Vergütung für abgelieferten Speck aus Haus- ichlachtungen findet letztmals Dienstag, den 28. und Donnerstag, den 30. d. Mts., statt.
Friedberg, den 27. Mai 1913 Die Stadlkasse.
Kekanntmachmrg
Auf Grund des Art. 296 des Polizeistrafgesetzes wird hiermit das Baden im Steinhäußer'schen Eisteich an der Seewiese sowie in der Ufa und Wetter innerhalt» derGemarkungenFriedberg-Fauer> bach gänzlich untersagt.
Fiedberg, den 25. Mai 1918.
Der Bürgermeister.
I. V.: Dam m.
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