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j 11. Jahrgang
Samstag, den 18. Mai 1i)18
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Psingftgemittee.
Blüh'n und Werden aller Orten,
Drosseljang und Lerchenlieder-
Festlich über Deutschlands Gauen Geht ein Psingstgewitter nieder!
Und sein königliches Brausen Mahnt vergangner Maientage!
Und sein feierliches Rufen Grüßt mein Volk mit herer Frager
Ob die Zeit, die wundergroße,
Ihm den Weg zum Himmel zeigte?
Ob es sich, wie seine Väter,
Glaubensvoll dem Höchsten neigte?
Ob die Frucht des großen Sterbens Eine deutsche Lebensernte?
Ob mein Volk zum Kreuz gefunden?
Ob es wieder beten lernte?
Gottes Sturm zieht durch die Lande,
Gottes Geist wsht durch die Zeiten:
Gottes Uhr schlägt allen Völkern!
Gottes Hand wägt Freud und Leiden, *- Ist der Wächterruf der heil'ge.
Wie ein Hall und Schall verklungen?
Hat der Satan uns im Feuer Wirrer Geisterschlacht bezwungen?
Königs!' me kämmt vom Himmel,
Heimatliebe wurzelt droben, —
Heil'ges Gut, — mit unsrem Leben,
Unsrer Ewigkeit verwoben!
Halt's mein Volk! der Geist der Gnade « Weiht dein Kleinod immer wieder! —
Festlich über Deutschlands Gauen Geht ein Psingstgewitter nieder. —- —
& E. von Maltzahnin i,Kreuz und Kraft",
Sturmnacht.
Von Otto R te- icke.
Die Nacht wachst aus den Niederungen', die rote Riesen, scheibe des Vollmondes schiebt sich niedrig an den Ruinen des Dorfes Pys vorbei,' Rauch- und Nebelschwaden tanzen Ee- spensterreigen. Sttirmtruppen harren in der Dämmerung.
Wir klettern über die Granatlocher der zertrommelten Straße.
Hinter uns schleudern schwere Batterien Geschosse am Firmament entlang gegen Courcelette. Weißglühend sehen wir diesen henlenden Tod an der Himmelskuppel dahinfahren. Es ist,
als streife er die Sterne und risse Stücke davon mit sich. Aus tiefen Unterständen züngeln Feuerzungen: Feldhanbitzen, Kanonen und Mörser bellen ihre Wut westwärts. Platt über den Erdboden hinweg jagen schreiende Flachbahngeschosse: als sollen k wir uns ducken.
Von drüben wirft der Feind denselben Tod.
Mit Glutkratern wühlt er um uns. Aus lodernden Farben singen rotierende Messer, haarscharf und eisern. Schrapnells schütte« sich klirrend über die Straße.
An der ganzen Front vom Süden zum Norden steigen weiße Leuchtkugeln: Raketensignale zischen hoch und zerplatzen in grüne, rote, orangene Sterne, wie Luftfeuerwerk zur Sommersonnenwende. Beobachter fangen sie auf und geben sie rückwärts weiter. Längs allen Straßen stehen ihre Farben und leiten den sausenden Tod.
Darüber prasseln die Schrapnells ihren Elutregen gegen nächtliche Flieger.
Hart drückt der stählerne Helm unsere Gedanken. Diese Gedanken, die nur das eine kennen: Vorwärts? Diese Gedanken, die in der Pflicht gipfeln, in selbstlosem Willen.
Zn den Tod marschieren, geradeaus, in den Orkan von Eisen, Feuer und Gift, losgetcennt vom andern, abgerissen vom Führer, verschwiegen vom Dunkel — und doch nicht einmal denken: Du könntest'umtehren. Das ist der deutsche Soldat, der draußen kämpft, das ist die Felsentreue, auf der unser Vaterland dem anstürmenden Zehnstaatenbunde trotzt.
Was fnw hier Worte? . . . Ueber die doch mancher lächeln wird, der den Ktzieg nicht anders sieht als durch die künstlichen Prismen eines Kriegsberichterstatters, der da im Automobil sichere Straßen durchrast und hastig Bilder ausrafft, die wohl Kriegsleben, aber nicht dieser Krieg sind, — des Seele nicht die Seele eines Soldaten sein kann, der alles Gedicht hinter sich läßt, der nur Kraft sucht, euch, die ihr nicht teilhabt, den Krieg zu zeigen, den wirklichen heroischen, diesen wirklichen, grauenvollen ....
Mit dem Sturmgepäck des leichten Gewissere ziehen wir daher, verkörpert in Pflicht und Vaterlandsliebe ... in der Heimat ließen wir das Ich . . . und die Sorge, darum ... die andern obliegt . . . wir tragen nur die Hoffnung noch mit uns . . . die Hoffnung der Wiedergeburt .... Daß Gott uns einmal das Leben w t e d e r g i b t, wenn die Auferstehungsglocken des Friedens läuten. Bis dahin sind wir tot. Und selbst gestorben!
So singt die Seele des deutschen Soldaten.
So klingt sie, wenn er mit Gott und sich allein in einem jener granatgeschaufetten Krater der zerpeitschten Erde auf dem zertrommelten Graben liegt und der Feind im Sturmschritt über blaches Feld naht — und an diesen Löchern, die Festen deutschen Muts und deutscher Treue sind, zerschellen muß!
Unaufhörlich trommelt die Front: alle Kaliber trommeln - auf die mürben Gräben. Hoch über uns ziehen die Schwer- geschoffe unserer Artillerien: in Pausen pauken die Zweiund- vkerziger ihre riesigen Klöppel auf den Feind.
Um einen Trichter liegen sechs Tote. Von einer Granate. Sie heben ihre Arme steif aus dem Kornfeld.
Vorwärts? Vorbei an schon schanzenden Kompagnien, durch sinkende Gräben, über wachsende Wälle, zwischen Hindernissen und Verhauen, hinein in dieses betäubende Brüllen, in dieses Pfeifen, Johlen, Schreien, Schrillen, Klirren, Heulen. Huhlen, Pauken, Trommeln, Wirbeln, in diesen Cancan von Schlacht und Blutrausch, in diesen rasenden Tod.
Vor uns deckt Eisenhagel Kameraden zni Kameraden, denen Minuten zu Stunden, Stunden zu Wochen werden. Hundertmal fragen sie lautlos: Wie weit seid ifyt?, Wir schanzen. Wir werfen die bebende Erde.
Wie Geiser im Feuerwerk springt der weiße Lichtschaum ätzender Gasgranaten und überschwemmt das Feld. Steigend von Zentimeter zu Zentimeter frißt er sich vorwärts. Als soll, ten wir ertrinken. Unsere Augen tränen aus brandige« Lide^ unsere Lungen hüsteln. /
Aber unsere Hände arbeiten. ^
Seit wir diese Frage kennen, die niemand sprach, die off* fühlen, diese Frage aus Not und Vertrauen geschweißt, die vo» euch da vorn zu uns kam, von dem Heer hinter uns, die sich losrang vom lauschenden Herzen des Vaterlandes:
„Wie weit seid ihr?"
ringen wir der Erde die Erde ab. als feien eure Bitten Fäuste, mitschaffende fühlende Fäuste.
Wachsend schiebt sich der Riegel vor den Feind.
Unaufhörlich trommelt die Front: alle Kaliber trommeln auf die mürben Gräben. Hoch über uns ziehen die Schwer- gefchosie unserer Artillerien: in Pausen pauken die Zweiund- vierziger ihre riesigen Klöppel auf den Feind.
Unaufhörlich trommelt diese Front?
Sie ruht nicht, und sie schläft nicht.
Zch sehe Kanoniere mit nackten Oberkörpern hinter ihren Geschützen stehen, wie Gesellen Vulkans: sie werfen ohne Unter» laß Granatmengen in die schwarzen Rohrschlünde, wo sie die Explosion packt und mit langen Glutarmen auf den Feind hämmert. Immer — immerzu.
Wir schanzen. Wir treiben den Riegel weiter: Kalk und Stein zerhämmert sich unter den Spitzhacken Ein langes Regiment der Pioniere schanzt.
Granaten krachen dazwischen, Schrapnells platzen darüber, Minen zerspringen, und streichend fahren Maschinengewehre über uns hinweg. Wir muffen unsere Befehle schreien, die dennoch kaum verstanden werden: wir springen, den Leuchtkompaß in der Hand, von Trichter zu Trichter und legen die Richtung fest, die Pioniere folgen, die Pioniere schanzen beispiellos.
Oft taucht der Himmel entsetzt in Blutröte, frischdampfende Lechen saugen sich aus dem Horizont — da schleudern Flammenwerfer den Tod des Grausens, das Feuer der Hölle, mit zischr?» den Flammenruten peitschen sie aufeinander . . .
Zm Mondlicht schleicht sich Eist schräg an uns vorbei. Eine Kompagnie reißt die Gasmasken vor das Gesicht und ertrinkt im Dunst der teuflischen Wolke. Aber sie schanzt weiter, sie schanzt in Erft und Feuer? . . .
Wieder fällt der Mond bleich und jämmerlich hinter Courcelette, bleibt noch ein Weilchen in Baumskeletten hängen und stirbt.
Aus den Eranatlöchern davor steigen farbige Kugeln:
Wie weit seid ihr?
Und wir schießen die rote Rakete in die rasende Nachts
Fertig?
Ganz langsam treibt diese Rakete über den Erdriegel von Courcelette dahin-
* Aus „Ringen an der Somme und im ^zen". Auf. Zeichnungen des Feldpioniers Otto Riebicke. Creutzjche Verlags- buchhandlung, Magdeburg. Preis 2 Mark.
Mm nie Mrd) fiele Leid Mich.
Roman von C o u r i h s - M a h l e r.
13> Nachdruck verboten.
Christa neigte das Haupt. Und groß und ruhig sah sie in die Augen der Baronesse, die sie ziemlich taktlos anstarrte.
Baroneß Karla fand, daß Fräulein Hellmut eine auffallend schöne Erscheinung war, und sie belegte im stillen Graf Steinau mif wenig schmeichelhaften Namen, weil er eine so schöne junge Dame nach Birkenheim geschickt hatte.
Daß sie selbst neben Christa recht unvorteilhaft wirken mußte, kam ihr zum Bewußtsein, und es ärgerte sie ungemein. Sie beschloß sofort, ihrer Mutter zu sagen, daß man Fräulein Hellmut in möglichster Zurückgezogenheit halten müsse. Dieser Gedanke tröstete sie ein wenig. Aber in ihren Augen blieb doch das böse Flimmern noch eine Weile sichtbar, trotzdem sie sich sonst sehr in der Gewalt hatte.
Die Baronin erhob sich.
„Ich werde Sie also nachher sogleich meinem Vetter, Herrn von Birkenheim, vorstellen. Er wird den Tee mit uns nehmen, und Sie können dabei zugegen sein. Wenn wir keine Gäste haben, wird es das Beste sein, Sie nehmen Ihre Mahlzeiten in unserer Gesellschaft. Ich kann Ihnen da mancherlei Anweisungen geben, wie Sie sich meinem Vetter gegenüber zu verhalten haben. Danach müssen Sie sich strengstens richten, verstehen Sie wohl?"
Christa verneigte sich. Sie stand noch immer aufrecht vor den beiden Damen, die es noch nicht für nötig befunden Hatten, ihr einen Sessel anzubieten.
-„Ich verstehe, Frau Baronin," erwiderte sie.
„Gut! Denn aber Gäste zugegen sind, wünsHe ich, daß Sie auf Ihrem Zimmer speisen. Das Essen wird Ihnen dann dort aufgetragen."
In Baroneß Karlas Augen leuchtete es bei diesen Dorten ihrer Mutter zustimmeud auf<
. Ehrffta verneigte sich ruhig.
[ Die Baronin fuhr fort:
„Wie Ihnen Graf Steinau wohl mitgeteilt haben dürfte ist mein Vetter augenleidend. Bisher haben wir beide, meineTochter und ich, getan, was nun Ihres Amtes sein soll. Da wir jetzt gesellschaftlich mehr in Anspruch genommen werden dürften, bleibt uns nicht mehr die nötige»Zeit dazu. In schwerer Sorge betreue ich eine andere Person mit diesem Amt und ich muß mich in jeder Beziehung darauf verlassen können, daß Sie sich an meine Bestimmungen halten und in zweifelhaften Fällen stets erst meinen Rat einholen. Ihr Hauptamt ist ja, meinem Vetter täglich einige Stunden vorzulesen und seine Korrespondenz zu führen. Da mein Vetter leidend und in reizbaren Stimmungen unberechenbar ist, nruß ich darauf dringen, daß Sie mir über alles Ungewöhnliche sofort Bericht erstatten, wovon er natürlich nichts wissen darf, weil es ihn nervös macht, wenn man sich um ihn sorgt. Verstehen Sie mich Fräulein Hellmut?"
In Christa Hellmuts Augen hatte es bei diesen Worten einen Augenblick aufgezuckt. Mer sie senkte die Lider und sagte nun wieder ruhig und ergeben:
„Ich versiehe, Frau Baronin."
„Und Sie werden danach handeln?"
„Ich werde mich nach Ihren Worten richten, Frau Baronin."
„Gut. Wenn Sie sich streng nach meinen Befehlen richten, kann ich Ihnen eine dauernde Stellung zusichern. Sie müssen dafür sorgen, daß meinen: Vetter alle Aufregungen fern gehalten werden, und da Sie selbst nicht wissen können, was ihn aufregt, will ich eben von allem unterrichtet sein, was in meiner Abwesenheit geschieht. Die Sorge um die Gesundheit Herrn von Birkenheims gebietet mir diese Vorsichtsmaßregeln. Sein Wohlergehen liegt mir sehr am Herzen.
Christas Gesicht verriet nichts von dem, was sie bei diesen Worten empfand.
„Ich werde ganz sicher nie vergessen, was Sie mir gesagt habe« und werde danach handeln, Frau Baronin", sagte sie.
- Die Baronin neigte etwas huldvoller das Haupt.
„Ich hoffe, daß ich mit Ihnen zufrieden sein kann. Sie scheinen doch für Ihre Jugend recht vernünftig zu sein Wenn Sie sich genau nach meinen Angaben richten, werde ich bei meinem Vetter darauf hinwirken, daß Ihre Stelle dauernd sein wird."
„Das will ich im Auge behalten, Frau Baronin," antwortete Christa mit einer undurchdringlichen Miene."
„Gut. Und wie ist es mit Ihren Papieren Ihren Zeug nissen? Ich möchte sie durchsehen."
Einen Augenblick zögerte Christa Hellmut. Dann sagt» sie ruhig:
„Graf Steinau hat mir alle Papiere abgefordert und in Verwahrung genommen. Sie haben wohl die Güte, sie von ihm zu erbitten."
„Das kann ja gelegentlich geschehen. Es eilt nicht. Der Herr Graf wird sie wohl eingehend geprüft haben."
„Gewiß."
„Waren Sie schon in einer ähnlichen Stellung?"
Ein leichtes Rot huschte über Christas Gesicht, und ein scharfer Beobachter hätte wohl merken können, daß ihr die Beantwortung dieser Frage schwer fiel.
„Ja, Frau Baronin."
Das kam knapp und widerwillig heraus.
„So viel ich mich erinnere, hat uns Graf Steinau mit- geteilt, daß Sie keinerlei Fannlienanhang haben?" fragt« die Baronin weiter.
„So ist es, ich stehe ganz allein im Lebens
„Das ist für Sie bedauerlich, aber fiir uns angenehm und wünschenswert. Wenn sich mein Vetter erst an Sie ge- wähnt hat, würde er es nicht gern sehen, wenn Sie viel Urlaub nehmen, um Verwandte zu besuchen."
„Das wird nicht geschehen." ^
„Das ist gut. Nattirlich werden Sie jeden Tag einige.^ freie Stunden für sich haben, wenn meine Tochter oder ich Herrn von Virkenheim Gesellschaft leisten. Ueber die Höhe Ihres Gehalts und ähnliche Fragen wird Sie Graf Steinau! wohl unterrichtet haben." ^ \
^Jck. Frau Baronin? (Fortsetzung folgst^


