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Samstag, de« 11. Mai 1918

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; u.ä bei* bekannte schweizerische Oberst K. Eglr?

Ter gegenwärtige Stillstand in der deutschen Offensive v .,h f ve;aben und den Freunden Deutschlands Anlaß zu ' ;, i.; '.LkiV üUmgen: Auf der einen Seite unverhohlene ca : '^ar-wer, daß es den Franzosen gelungen sei, den deut­ln ..-n Stoß aufzuhalten, und schon ist die Legendenbildung t n Gange, um die offen zutage liegenden deutschen Siege \r Deutschen zu verwischen und undeutlich zu machen, ans der anderen Seite tauchen aufs neue Sorgen allerhand r , die immer wieder in die bange Frage ausklingen, ob ;-s den Deutschen wirklich möglich sein werde, der Feinde im Westen Herr zu werden. Mir ist es eine der merk- - Mafien Erscheinungen imWeltkri«sge, wie auf Seiten der ^^e Deutschlands mit geringen Mitteln und mit den * . -n Erfolgen die Stimmung wenigstens nach außen aufrecht erhalten werden kann, während bei seinen Freun«

- n und auch bei sehr vielen Deutschen selbst in der günstig- u Lage und nach den unzweifelhaft großen Siegen bei dem kleinsten Aufenthalt sogleich wieder die Zweifel kom- inen. Das Grübeln ist nun einmal deutsche Art. Der F ade ' d auch heute noch so viele, und sie tun so sieges- . er, daß mancher es nicht fassen kann, daß trotz alledem die Lage für Deutschland in diesem Kriege noch nie so günstig war wie heute.

Allerdings wer erwartet hatte, daß der Widerstand der Alliierten im Westen so zusammenbrechen werde, wie der der Russen im Juli August und der Italiener im Herbst 1917, der ist enttäuscht. Es waren aber mich unmögliche Träume, die nicht in Erfüllung gehen konnten. Wer in der Lage war. die Verhältnisse auch nur einigermaßen zu beur­teilen. wurde vielmehr von dem, was seit dem 21. März ge­schehen ist, überrascht. Franzosen und Engländer sind andere Gegner als die Russen der Revolution und als die Italiener. Als diese einmal ins Laufen kamen, ging es gleich in g! s . n Sprüngen rückwärts. Die Engländer sind zäher- wenn auch ihre Führung zum großen Teil versagt, ihre Artillei ie nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe stand, so gab es doch in der englischen Infanterie immer noch eine große Anzahl von Soldaten, die sich mit ihren zahlreichen iNaschiuen gewähren tapfer zur Wehr setzten und der stürmenden deutllcheu ~ '.g^ttene tüchtig zu schaffen machten. Und die Divisionen, die füll dem deutschen Ansturm ent- gegenwarfen. waren die besten des französischen Heeres, seit Monaten für ihre besonderen Aufgaben geschult. Da wäre es eine Tollheit gewesen, wenn die deutschen Generäle ver­sucht hätten, mit der anfangs innegehabten Geschwindigkeit weiter vorzndringen. Solche Erfolge hätten allzuteuer mit großen Verlusten bezahlt werden müssen. Was erzielt wor­den ist. wurde nicht nur sehr scknell, sondern auch mit ver­hältnismäßig wenig Blut erreicht. Rußland hat den besten Teil seines Heeres schon im Winter 1914/15 in den Kar­pathen in ungenügend vorbereiteten Angriffen geopfert, und die Gründe der verminderten Widerstandskraft des englischen Heeres von 1918 ist in den blutigen Kämpfen im Artois und in Flandern 1917 zu suchen, die so zu Pyrrhus­siegen geworden sind. In der zähen Abwehrschlacht haben die deutschen Divisionen den Kern des englischen Heeres

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gelöst, rrnd die blutige Saat ür FlaitderK wird nun ge­erntet. Aber mit Recht hütet sich die deuffche Führung vor allzu großem Kraftverbrauch rm Angriff.

Das richtige Maß für die Bewertung der deutschen Er­folge bekommt man nur, wenn man das heute Erreichte vergleicht mit der Entwicklung des Krieges im Jahre 1916; dabei möchte ich nicht einmal das Hauptgewicht auf den Raumgewinn und die Gefangenen und Beutezahlen legen, obwohl daraus sich Schlüsse ziehen lassen auf die Größe der in den feindlichen Heeren erzielten Schwächung. Wichtiger noch ist die dadurch geschaffene allgemeine Kriegslage. Im Sommer 1916, da es um Deutschland und seine Verbündeten am schlimmsten stand, war an der Somme die große Materialschlacht" im Gange, wo die Franzosen so viele Geschütze und Flieger zur Stelle hatten, daß ihnen der end­gültige Sieg in greifbare Nähe gerückt schien. Im Osten hatten die Russen in Wolhynien, Ostgalizien und in der Bukowina so große Erfolge errungen, daß alle irgendwie verfügbaren Kräfte dorthin geworfen werden mußten, um eine Katastrophe zu vermeiden. Das konnten die Italiener ausnützen und am Jsonzo ihre ersten größeren Erfolge er- ringn. Auch in Mazedonien regte sich General Sarrail. In dieser kritischen Lage fiel Rumänien seinen ehemaligen Verbündeten in den Rücken. Und nun geschah etwas Uner­wartetes, Großes: Von einem Gedanken geleitet, warfen sich Teile aller Heere des Vierbundes auf den neuen Gegner und schlugen ihn so gründlich, daß er für den großen Krieg fast ganz ausschied. Damals war der Wendepunkt des Ki'ieges, und die in Rumänien errungene Bewegungs­freiheit haben sich Deutschland und seine Verbündeten seit­her beibehalton und erweitert. In den Frühjahrsschlachten in Frankreich versuchte« zwar *>ie Alliierten noch -einmal, die deutschen Linien \u durchbrechen. Mer alle Versuche waren vergeblich. Frankreich hat es damals schon aufge­geben noch einmal etwas Größeres zu unternehmen. Eng­land allein versuchte noch, den großen Krieg weiter zu füh­ren, aber auch was es erreichen konnte, war verschwindend gering, so daß Amerika die einzige Hoffnung blieb und auch heute noch ist, obwohl niemand mehr daran glauben kann.

Die Alliierten sahen die Frühlingsstürme aus Deutsch­land kommen und versuchten, sich darauf vorzubereiten. Ein großes Reserveheer wurde geschaffen, wozu die Franzosen den Gewalthaufen stellten. Eine Masse von etwa 60 Divi­sionen konnte auf diese Weise dem Kriegsrat von Ver­sailles zur Verfügung gestellt werden. Aber es fehlte den Alliierten die innere Kraft und Entschlußfähigkeit, den Deutschen im Angriff zuvorzukommen, selbst die Ent­scheidung zu suchen und so die bereits verlorene Be­wegungsfreiheit wieder an sich zu reißen. Der Hauptgrund dieses Versagens ist in dem Zweifel in dem 1917 verlorenen Vertrauen tTt-^tc eigene Angriffskrast zu suchen. Eng- länder und Franzosen wußten, daß sie von ihren Angriffen doch nichts Nennenswertes, geschweige denn etwas Ent­scheidendes erhoffen durften.

Dann kamen die rasch aufeinanderfolgenden Schläge, welche die englischen Heere mit einer solchen Gewalt trafen, daß nicht nm die Reserven des Marschall Haigh im Nu ver­braucht waren, sondern auch die französischen Reserve­armeen, sowie die Bataillone auf dem Kampsplatze erschienen überhitzt in den Kampf geworfen wurden, um einen völligen

Zusammenbruch der Engländer zu verhindern. Das ist erst gelungen-, nachdem die Deutschen einen gewaltigen Sprung nach vorwärts gemacht und das alte Kampfgelände von 1916 hinter sich gelassen hatten. Mehr konnten die deuffcher* Angriffsarmeen zunächst nicht leisten, denn vorerst mußte ein neuer Aufmarsch der Artillerie und eine sorgfältige Fortsetzung des Angriffs kommen. Dazu brauchte es aber Zeit, denn jede Ueberstürzung muß mit unermeßlichem Blut bezahlt werden. Das übersehen die Gegner Deutsch­lands geflissentlich, obwohl sie in ihren Angriffen an der Somme, im Artois und in Flandern auch längere Pansen einsehen mußten, und nie auch nur ähnliche Räume in der Vorwärtsbewegung zurücklegen konnten. Selbst durch den Hindenburg-Rückzug von 1917, als in dem von den Deut­schen aufgegebenen Gebiete nur noch kleine Abteilungen die Fühlung mit den Deutschen aufrecht erhielten, brauchten die Franzosen und Engländer mehr Zeit zum Durchschreiten dieses Geländestreifens, als die Deutschen im Kampf gegen ganze Armeen.

Die Not hat die Alliierten endlich dazu gebracht, ibre Streitkräfte im Westen unter ein einheitliches Kommando zu stellen. Aber der von ihnen erwartete Erfolg ist aus- geblieben. General Foch war nicht imstande zu Verbindern daß die große Masse der ihm zur Verfügung gestellten Streitkräfte heute vor dem Kemmelberg und vor .Amiens festliegt und damit an den Stellen eingesetzt werden muß. ten, wo die deutsche Heeresleitung sie haben wollte. Darin liegt das Hauptkennzeichen der heutigen Kriegslage im Westen: Der erste Teil der deutschen Offensive abgffttlossen Und nun beginnt ein neuer Akt, für den die Deutsche Oberste Heeresleitung die volle Freiheit des Entschlusses besitzt, während die Alliierten das Gefühl der operativen und taktischen Unterlegenheit haben müssen.

Frankreichs Opferung.

Unentwegt wirst Foch feit der großen Schlacht in Frank reich seine Divisionen in die Breschen, unentwegt fließt da­französische Blut in Strömen: wie es um Frankreichs M.n schenmatorial aussieht, wissen wir doch schon seit langem, ken nen die Klagen einsichtiger Franzosen, daß Frankreich als Ratio zugrunde gehen muffe. Nun scheint der Jahrgang 1918 . der t>oi kurzem noch die Depots in Frankreich füllte, zum Auffüllen und Verbluten in die Front geworfen zu werden. Er wird die ge- lichteten Verbände für eine Zettlang wieder füllen, aber war dann. Es sind vielfach dieselben Verbände, die immer wieder ins Feuer geworfen werden: ein Zeichen, daß nicht mehr allzu viel von Fochs Reserven vorhanden sein kann: denn etwas mutz er sich doch gegen Eventualitäten an der französischen Front Zurückhalten,' jedenfalls scheint ihm mit diesen noch ver. fügbaren Kräften die Gelegenheit zu einer größeren Gegen- Operation augenblicklich nicht mehr gegeben. Unter größerer Eegenoperation sollen nicht starke und stärkste Gegenangriffe an den bedrohten Schlachtfronten verstanden sein: diese bleiben immer mehr oder minder örtlicher Natur. Die Eegenoperation dient dazu, an entweder ganz anderer Frontstelle eine solche Lage zu schaffen, daß der Angreifer von seinen Kräften an der Angriffsstelle große Teile zu diesem plötzlich kritisch werdenden Frontteil «hsenden muß: sie stellt sich als Entlastungsoperation dar: oder eine großzügige Gegenmaßnahme setzt gegen die tak-

falls die Treppe empor und umschlang mit beiden Annen Mutter und Bruder zugleich.

Ich will auch einen Kuß, Mamuschka," sagte sie lachend

Frau von Frankenau ließ ihren Sohn aus den Armen und* zog Ursula an sich.

Hast wohl Angst, daß Du zu kurz kommst, mein Wild­fang?"

Ursula küßte die Mutter stürmisch.

Das darf auch nicht sein, Mamuschka. Wenn ich Hans Ullrich auch sonst alles neidlos gönnen würde. Deine Liebe mußt Du ganz redlich zwischen ihm und mir teilen, da darf er nicht ein Quentchen mehr bekommen." *

Aber er war doch so lange fort," sagte Frau von Frankenau lächelnd.

Ursula schmiegte sich an die Mutter und sah den Bruder lächelnd an.

Hast ihm doch so viel Liebe nachgesandt, als Du mir gegeben hast. Und ich brauche Deine Liebe noch viel nötiger weil ich so ein ungeradener Wildfang bin."

Mutter und Bruder lachten.

Das ist ja eine seltsame Begründung," sagte Frau von Frankenau.

Ursula nickte schelmisch.

Jawohl, Mamuschka. Pastor Steffens sagte neulich, die ungeratenen Kinder brauchen viel mehr Liebe, als di« anderen."

Ihre Mutter zog sie ein wenig am Ohr.

Bist Du vielleicht deshalb ein so unbändiger Wild- sang?"

Ach, Mamuschka, dafür kann ich doch wirklich nichtsr aber ich will jetzt sehr großmütig sein und will Dich Han- Ullrich überlassen, bis ich mich umgekleidet habe. Heute lege' ich ein Festgewand an. Hans Ullrich zu Ehren, Also li* einer Stunde etwa, auf Wiedersehen."

Brauchst Du eine ganze Stunde zun, Umziehen- Urselchen?" fragte der Bruder^

Fortsetzung folgt.

Wem nie dm'ch $\tk feib gejchch.

Roman von Courlhs-Mahler.

6) Nachdruck verboten.

Er verlor sich in ein tiefes Sinnen.. Wie hätte wohl die Frau beschaffen sein müssen, die er freudig an seine Seite hätted stellen können!? Sein altes Jünglingsideal wurde mit einemmale wieder lebendig in seiner Seele. Und wäh­lend er sinnend vor sich hinstarrte in die frischgrüne Waldes- Pracht, da nahm dieses Ideal plötzlich eine so deutliche Ge­stalt an, daß er sie mit den Händen fassen zu können glaubte. Eine stolze, schlanke Mädchengestalt stand vor ihm. Airs dem schönen Gesicht, das von dunklen, schweren Flecksten umrahmt war. blickten ihn große dunkle Augen so leuchtend vn, als hätten sich Sonnenfunken darin gefangen. Und er­sah einen wundervollen Mund, der weich und kindlich lächeln und zugleich herb und stolz abwehren konnte. Er atmete tief ans. Es schmerzte ihn, daß seine schöne Reise­gefährtin eine Namenlose für ihn geblieben war. Aber dann dachte er daran, daß sie in einem Birkenheimer Wagen davongefahren war.Ich werde sie bestimmt wie- < dersehen," dachte er froh. Und mit seinen Gedanken ganz oei ihr, suchte er ihr einen Namen zu geben. Aber keiner wollte «hm für sie passen, keiner schien ihm schön genug.

Die Geschwister fuhren eine lange Weile stumm durch herrliches Waldgelände und kamen nun über eine Fluß- brücke. Dieser Fluß schied Frankenauer Gebiet von der Be­sitzung des Herrn von Birkenheim. Jenseits des Flusses zog sich nun die breite Fahrstraße zwischen Wiesen und Fel- .-dein dahin bis zu den großen Frankenauer Forsten.

Hans Ullrich sah sich mit klaren, leuchtenden Augen um.

Heimatboden!

Er sog die köstlich würzige Frühlingslust tief ein. fjv Der Frankenauer Wald lvar prachtvoll geforstet. Die jungen Schonungen verrieten sorgsame Pflege, und weiter ging es durch den herrlichen Laubwald mit riesigen Buchen und Eichen, zwischen denen sich hie und da der schlanke

weiße Stamm einer Birke zeigte, deren lichtes Grün sich leuchtend von dem dunklen Laub der anderen Bäume abhob. Nun ging es durch eine Strecke Nadellvald. Der junge Maiwuchs brach aus allen Zweigen und es duftete köstlich nach frischen Nadeln.

Danach fuhr der Wagen in den wundervollen, alten Park, der Im weiten Umkreis das Frankenauer Herrenhaus umgab. Dieser Park war eizrst offenes Waldgelände ge­wesen, und hier loaren die Echen und Buchen noch älter und noch schöner.

Ein breiter, kiesbestreuter Weg führte in gerader Rich­tung nach dem Herrenhaus. Es war ein großes, ge­räumiges Gebäude, dessen graue Mauern ein sehr ehr­würdiges Alter verrieten. Eine breite Terrasse lag vor dem etwas hoch gelegenen Gebäude zu beiden Seiten einer mäch­tigen Freitreppe, die zu dem hohen Portal führte, über dem das Wappen der Frankenaus, in Stein gehauen, sicht­bar war.

Unter der hohen Wölbung des offen Portals stand eine stolze, stattliche Frauengestalt in ei »ein schwarzen, schlicht aber vornehm wirkenden Seidenkleid. Das war Frau Sabine von Frankenau, Hans Ullrichs Mutter.

Sie hatte ein frisches, sympathisches Gesicht und noch sehr volles, aber schon ganz weißes Haar, das sorgsam, ihrem Alter entsprecheird, frisiert war und zu dem frischen Gesicht und den lebhaft blickenden dunklen Augen sehr eigenartig wirkte. Frau von Frankenau zählte 56 Fahre, sah aber trotz des weißen Haares noch recht jung und rüstig aus. Sie hielt sich stolz und aufrecht und ivar eine ehrfnrchtgebietende Er­scheinung.

Mit zärtlichen, stolz leuchtenden Augen streckte sie die Arme aus nach ihrem Sohn, der schnell ans dem Wagen sprang und die Freitreppe empor in die Anne der geliebten Mutter eilte. Während Mutter und Sohn sich innig begrüßten, übergab Ursula den Wagen und ihre Jucker einem schnell herbeieilenden Stallknecht. Sie eilte darin, ihr elegant sitzendes Fahrklew emvorraffend, eben-