Ausgabe 
6.5.1918
 
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Mm me durch Aebe Leid geschah.

Roman von Conrths-Mahler.

^ Nachdruck verboten.

Kans Ullrich von Frankenau schritk nun zögernd den Bahnsteig entlang, dem Ausgang zu. Der Blick der jungen Dame folgte ihm verstohlen. Und da sah sie, daß eine reizende junge Dame sich aus der Menge löste, auf ihren Reisegefährten zueilte und ihm um den Hals fiel. Die Beiden küßten sich sehr herzlich, und der junge Mann um­schloß die junge Dame mit großer Innigkeit. Ein ganz leiser, schmerzhafter Stich ging durch das Herz der Be­obachte rin dieser Szene.

,^Seiiie Braut oder gar seine Frau?" So dachte sie.

Die Gesichtszüge der jungen Dame konnte sie nicht ffenau erkennen; sie sah nur, daß sie jung und reizend war und elegante Kleider trug. Es erwachte plötzlich ein schmerzlicher Zorn in ihrer Seele. Sie mßte daran denken, daß ihr Begleiter sie mit Eroberungsblicken angesehen und entschieden versucht hatte, ihr ein wenig den Hof zu machen. Wenn er verlobt oder gar verheiratet ist, dairn hatte er das nicht tun dürfen. Seine Braut oder seine Frau dürfte es sicher nicht wissen," dachte sie.

, Und ein wenig tat es ihr weh, daß sie nun doch ihre Meinung über ihn ändern mußte. Als sie nun gar sah, daß Hans Ullrich über den Kopf der jungen Dame hinweg lerne Blicke suchend nach ihr umherschweifen ließ, wandte sie sich hastig ab und gab sich den Anschein, ihn nicht zu bemerken. Neben dem Kofferträger herschreitend, ging sie schnell an dem jungen Paar vorüber. Sie wandte das Ge- sicht zur Seite und gab sich den Anschein, ihn nicht zu be­merken.

Hans Ullrich von Frankenau sah der schlanken stolzen Mädchengestalt nach, während er den Arm der jungen Dame dre rhn so zärtlich begrüßt hatte, unter den seinen schob und Mit ihr dem Ausgang zuschritt.

Er hatte sichtlich das Bestreben, seiner Reisegefährtin SU. folgen und sie nicht arrs den Augen zu lassen. Aber plötzlich war sie doch in der Menge verschwinden, die sich am Ausgang staute.

Er plauderte dabei sehr lebhaft mit seiner jungen SOvester. Das war die Dame, die ihn so zärtlich begriißt hatte. Es war ein schlankes, zierliches Geschöpf mit gold- b ondeni Kraushaar, rosiger Gesichtsfarbe und großen, tief- blauen Augen. Sie schien sehr lebhaft und heiter, und in ihren Augen blitzte es übermütig. Von Uebermut zeigte auch das Schelmengrübchen, das beim Lachen sichtbar wurde. Dies Lachen zeigte auch prachtvolle, gesunde Zähne.

Erst als seine schöne Reisegesährtin zu seinem Leid- wesen seinen Blicken entschwunden war, wandte sich Hans Ullrich arifmerksam seiner Schwester zu und betrachtete sie mt fcem Wohlgefallen eines großen, zärtlrcben Bruders.

>,^st alles wohl zuhause, Urselchen?" fragte er.

Ursula nickte vergnügt.

Jawohl, Hans UllriH, alles wohl an Bord. Mamuschka läßt dich einstweilen tausendmal grüßen, und einen Enipfangskuß von ihr habe ich dir bereits in Ber­atung verabfolgt. Natürlich wäre sie am liebsten mit zur Stadt gefahren, um dich hier am Bahnhof in Empfang zu nehmen und feierlich einzuholen. Aber sie bekam in letzter Minute noch eine wichtige geschäftliche Abhaltung, und bei Mamuschkas Gwissenhastigkeit versteht es sich am Rand, daß sie die Pflicht über ihren Herzenswunsch stellte. Dr, kennst chren^ Eifer, Frankenau so zu verwalten, daß alles am Schum chen geht. Und so bin ich denn allein losgefahren Mit einem famosen Juckergespann. Du das geht tadellos rm Zugel. Und die Racker sausen los, wie aus der Pistole geschossen. Da ist mich Friedrich gib ihm Deinen Ge­päckschein. Er fährt den Koffer mit einem anderen Wagen nach Hause; er hatte ohnedies in der Stadt allerlei zu be­sorgend

Bans Ullrich sah lächelnd in das reizende blühende M sicht seiner Schwester.

_ "P CTtTT Du plauderst, bist Du noch ganz die Alte, Urselchen. Als ich Dich vorhin so vor mir sah, glaubte ich wahrhaftig, Du seiest eine richtige junge Dame geworden, seit ich auf Reisen war."

Sie schmollte ein wenig.

>,Na, erlaube mal, eine junge Lame bin W doB längst. Ich bin dlesen Winter doch schon bei Hofe vorgesteüt worden."

Er machte ein widriges Gesicht

Ach richtig davon hast Du mir doch geschrieben. Das war wohl ein feierlicher Augenblick?"

Sie reckte sich neben ihm, so hoch sie konnte. - Natürlich riesig feierlich. Ich hatte gräßliches Lanipenfteber und wäre im letzten Augenblick am liebsten ausgeknlffen. Aber da hielt mich Mamuschka fest und flüsterte mir zu:Du wirst Dich doch nicht blamieren und ber Hofe unmöglich machen, Ursula? Na da habe ich bann dw Zähe zusammengebissen. Mer froh war ich doch, als dre offizielle Vorstellung vorüber war, wenn auch die hohen Herrschaften sehr reizend zu mir waren. Daß der Herzog sich bald nach Deiner Abreise vermählte, weiß Du doch?"

Gewiß, Urselchen er schrieb es mir selbst."

Hm! Na ja, Du warst ja sein Freund."

.Zu Hofe gehst Du doch nicht mehr," frug Ursula,rckr merne dauernd?"

Nein," antwortete Hans Ullrich,ich will doch Frankenau nun selbst verwalten."

.Fern ich freue mich. In Frankenau ist es ai\d) v^l schöner, als bei Hose. Weißt Du, mit den hohen Herr­schaften bin ich famos ausgekommen. Aber so das Drum und Dran nein, das ist nichts für mich. Da mache ich natürlrch eine Dummheit nach der anderen, und Mamnsckka war, glaube ich, heilfroh, als sie mich ohne Schiffbruch wie­der da herausgelotst hatte."

Hans Ullrich hatte amüsiert zugehört.

Also jedenfalls bist Du aber mm eine richtige junge Dame. Als ich abreiste, warst Du doch ein echter Backfisch."

Gottlob bin ich mit meinen achtzehn Jahren aus die­sem greulichen Alter heraus."

Er lachte.

Ist es so greulich, ein Backfisch zu sein?"

Sie atmete tief auf.

Schauderhaft! Kein Mensch nimmt einen für voll imd alle Menschen glauben, sie dürfen sich kostenlos über einen amüsieren. Aber nun komm schnell; meine Jucker warten ungeduldig. Sieh nur, wie sie schon die Köpfe zurückwerfen. Also, besorgen Sie das Gepäck, Friedrich. Und nrm steig auf, Hans Ullrich, ich kutschiere doch heim."

Hans Ullrich half erst galant seiner Schwester auf den eleganten leichten Wagen und sah sich dann noch einmal suchend nach seiner Reisegefährtin um. Er sah sie aber nicht mehr.

Los. Hans. Ullrich was suchst Du denn noch?" fragte llrsula.

Da stieg er schnell auf.

Ich hielt Umschau nach bekannten Gesichtern," sagte er.

Nach wem er spähte, wollte er nicht verraten.

STfrer gerade, als er dann neben seiner Schwester, die bereits die Zügel in den kleinen Händen hielt, ans deni hohen Sitz Platz genommen hatte, da fuhr ein Wagen an chnen vorbei, und im Fond dieses Wagens saß seine Reise­gefährtin. Sie hielt zwar das Gesicht abgewandt nach der anderen Seite daß sie es absichtlich tat, ahnte er nicht, of)e r er erkannte sie doch sofort an der stolzen Haltung des Kopfes und an der Pracht der drmklen Flechten, die unter dem Hut sichtbar waren.

Ursula hatte mit ihren Juckern zu tun und achtete nicht auf den Bruder und auf den vorbeirollenden Wagen. Da legte Hans Ullrich seine Hand auf ihren Arm.

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Der skellv. Bürgermeister (stadt. Lebel smittel-Ausschuß)

2. A.: Langsdorf.

Du, Ursula ist das nicht ein Birkenheim^ Wagen unU die Birkenheimer Livree?" fragte er.

Ursula sah aus und blickte hinter dem Gefährt her.

Ja. natürlich. Wer saß denn in dem Wagen?"

Ich weiß es nicht," erwiderte er scheinbar gleichmütig. Ursula strengte ihre Augen an.

Mir scheint, es sitzt eine fremde Dame darin. Von deA Bewohnern von Birkenheim war es jedenfalls niemand."

v <rt Hans Ullrichs Herzen war plötzlich ein seltsam freudigem Gefühl. Wenn seine schöne Reisegesährtin nach Birkenheim fuhr, dann hatte er Hoffnung, sie wiederzusehen. Birkenheim war das Nachbargut von Frankenau, und zwischen den beiden Gütern herrschte ein reger, freundschaftlicher Verkehr. Eicher war die junge Dame ein Gast der Birkenheimer Damen, und auf dem Lande pflegt man Besuche nicht nur auf wenige Tage einzi-- laden.

Die Geschwister fuhren nun davon. Eine ganze Strecke sah Hans Ullrich den Birkenheimer Wagen noch vor sich Herfahrt Dann bog derselbe in einen Seitenweg ein und verschwand un­ter den Baumen des Waldes, die das erste ftische Blättergrün zeigten.

Hans Ullrichs Brust hob sich in tiefen Atemzü^n. Seine Bücke umfaßten wie trunken vor^ Entzücken die heimatlichen Wälder. Er hatte ein so seltsames Frohgefühl in seiner Brust. Galt es der Heimat allein?"

Nirgends ist es doch so schön wie in der Heimat, Urselchen." sagte er überzeugt.

Ursula nickte.

Um das festzustellen, hatte ich nicht erst die halbe Welt m bereisen brauchen," erwiderte sie neckisch.

Das ist so ein eigen Ding, Schwesterchen. Man sieht da draußen so viel Neues und Schönes, daß man meint, nun könnt« es nicht mehr überttoffen werden. Und zuletzt, wenn man voll solcher Eindrücke ist und heimkommt, da sieht man ganz erstaunt, daß die Heimat von nichts übertroffen werden kann. Man sieht sie gleichsam mit neuen, geschärften Augen an. Aber nun er. zahle Du mir ein wenig. Was gibt es Neues daheim?"

Ursula zuckte die Achseln.

Neues? Das gibt es bei uns kaum zu berichten.-

Und in Birkenheim wie steht es da?"

Wie immer, Hans Ullrich. Herr von Birkenheim hat wie­der sehr unter seinen alten Augenschmerzen zu leiden und kommt kaum noch aus seinen Zimmern. Du weißt ja, ein wenig men­schenscheu war er immer."

Gäste find da wohl nicht in Birkenheim?"

Nicht daß ich wüßte."

Werde,: auch keine erwartet? Es könnte doch wohl fern, da, wie du sagtest, eine fremde Dame in dem Birkenheimer Wagen saß?"

Wer weiß! Vielleicht hat sich Karla eine Pensionsfreun. din eingeladen. Um die Weihnachtszeit war auch eine in Bir­kenheim. Karla stöhnt ja beständig über Langeweile. Ich habe rvtchi mit ihr darüber gesprochen."

Seid ihr viel mit den Birkenheimern zusammen gewesen?-

Ursula sah ihren Bruder forschend von der Seite an.

Ich weiß schon, Hans Ullrich, warum Du so angelegentlich nach den Birkenheimern fragst."

Hans Ullriche Stirn rötete sich ein wenig. Er hatte «alllv- lich nur hören wollen, ob man in Birkenheim den Besuch einer lungen Dame erwartete. Aber das konnte Ursula doch uinnöa- lich wissen. Er markierte also Gleichmut.

Was meinst Du denn, Urselchen, warum ich frage?" &

Sie machte ein recht zorniges Gesicht.

Ach. natürlich nur, weil Du willst, daß ich von fprcc^e. Denke nur nicht, daß ich dumm bin ich weiß alles -

Er mußte lachen.

So Du weißt alles? Was denn zum Beispiel. Urse^ chen? '

Sie zuckte die Achseln und ließ die Zugel heftig auf dl« Pferderücken klatschen.

Ach, tue nur nicht auch so geheimnisvoll wie Mamufchkak _______ Fortsetzung folgt.

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ffi 6 Ä on gnt bezahlte Dertreler gejucht,

die die Lieferungen abnehmen, für die Beförderung zur Bahn besorgt sind und die Auszahlung des Geldes an die Lieferanten übernehmen.

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Wir stricken CrUmpse an.