Ausgabe 
30.4.1918
 
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- Finnland. ^ J

v Koprnhngkn, 29. April. (WB.)'Bsrlkngske rEÄK- meldet aus Stockholm: Aus Wasa wurde gedrahtet, daß die Fortschritte der bürgerlichen Truppen an allen Fronten, be­sonders der Ostfront anhalten, sodaß die Rote Garde bald vollständig besiegt sein werde. Die Führer der Revolutionäre entsandten am letzten Freitag eine Abordnung an den friiheren Landtagspräsidenten mit einem Ersuchen, das jedoch abgeschlagen wurde, da die vollständige Unterwerfung gefordert wird.

Bulgarien.

Sofia, 27. April. (WB.) Die bulgarische Telegraphen- agentur meldet: Ein Teil der neutralen Presse brachte die Meldung, daß Bulgarien Salonik verlange und durch seine unnachgiebige Haltung den Gang der Verhandlungen in Bukarest verzögere. Diese Nachricht ist falsch. Bulgarien hat die Frage von Salonik nicht aufgeworfen. Und indem 'es sich strikt auf den Boden des Rechts und der Verträge hält, bereitete es dem Friedenswerke keinerlei Hindernisse. Infolgedessen sind auch sämtliche zu böswilligen Zwecken an diese Nachricht geknüpften Kommentare vollständig unbe­gründet.

Zur Wiederanbahnung der Wareneinfuhr nach Ru­mänien errichtete die Militärverwaltung drei Abteilungen, je eine für Deutschland, Oesterreich und Ungarn mit der Aufgabe, den Handel zu unterstützen durch Auskünfte und Aehnliches. Die volle Freiheit des Harrdels bleibe unbe­hindert.

Der Gipfel des Wahnsinns.

DieDeutsche Tageszeitung" bringt unter dem Titel: »Der Höhepunkt des maxi malistischen Wahnsinns" eine Mit­teilung des russiMn BlattesUsimskaja Shisn", die lautet: In Saratow ist an den Straßenecken einDekret über die Sozialisierung der Frauen" angeschlagen worden, das von dem Komitee der Kronstädter Soldaten-, Arbeiter- und Bauernräte ausgegeben ist: Vom 1. März 1918 wird das ..Recht des persönlichen Eigentums, auf die Frau im Mer von 17 bis 32 Jahren aufgehoben. Unter dieses Dekret fste: dös Ehefrauen, die mehr als fünf Kinder baden.

Alle schwangeren Frauen sind von ihren Obliegenheiten auf vier Monate befreit. Die neugeborenen Kinder werden, so­bald sie einen Monat alt geworden sind, einem Volksgarten übergeben, wo sie unter Aufsicht bis zu 17 Jahren erzog«! und ausgebildet werden.

Die esthnische ZeitungPostimeeS", der dieDeutsche Tageszeitung" das Vorstehende entnommen hat, bemerkt dazu: Bis zu diesen Widerlichkeiten und Verrücktheiten sind nun die Maximalisten gelangt. Die russischen Blätter er­regen sich wohl darüber, jedoch Rußland wird sicherlich auch diesen Wahnsinn über sich ergehen lassen.

Kein Frauenwahlrecht in Schweden.

Der Vorschlag zur Einführung des Frauenwahlrechts in Sctzveden wurde in der Zweiten Kammer des schwedischen Reichstages mit 120 gegen 50 Stimmen angenommen, von der Ersten Kammer jedock mit 62 gegen 36 Stimmen ab- gelehnt. Dadurch fiel der Antrag.

Ein Kinnfkinn ins Untnhnüg gkiviihlt.

In Tullamore ist der Sinnfeinerkandidat Dr. Mac Eartan in einer Nachwahl für das Unterhaus einstimmig gewählt worden. Die Nationalisten hatten ihm keinen

Mem^eesefteLL. m» «ch Liefe «eise Segen Üc AmraArr» der WehrpflWvorlage zu demon­strieren.

. Dr. Mac Cactov war, wie dieDost. Ztg." dazu schreibt, emer der Führer der irischen Ulsterrevoluftoa r«d gehörte zu den wenigen Revoültionären, denen eS gelang, nach Amerika zu entkommen. In Amerika wurde er von den Sinnfeinern alsBotschafter der irischen Mpublik" ange- meldet, wurde aber natürlich von der amerikanischen Re- gierung nicht anerkannt. Er versuchte es wiederholt, von Präsident Wilson empfangen zu werden, ohne daß es ihm jedoch gelungen wäre. In den letzten Monaten ist er trotz seiner Mwesenheit zweimal bereits in Irland als Kandidat bei Nachwahlen aufgestellt worden. Seme Wahl Sonnte aber bisher . gegen die nationalistischen Gegenkandidaten nicht durchdringen. Die Tatsache seiner rnmmehrigen einstim­migen Wahl in Tullamore hat in Amerika stark gewirkt, wo jetzt die irenfreundliche Presse sich sehr viel mit ihm be­schäftigt.

Portugal.

Sidonio Paes Präsident der Republik.

Basels 29.. April. Wie Havas aus Lissabon meldet, wurde Sidonio Paes am Sonntag auf Grund des all­gemeinen Wahlrechts zum Präsidenten der Republik gewählt

Durch die Revolution, die sich am 7. und 8. Dezember des vergangenen Jahres in Lissabon abspielte, war die durch ihre korrupte und gewalttätige Wirtschaft im Innern und ihre blinde Dienstwilligkeit gegenüber der Entente ausge­zeichnete Regierung Afsonso Costas gestürzt und der mit ihr geistesverlvandte Präsident der Republik Bernardino Machado des Amtes entsetzt worden. Der Leiter der revo­lutionären Bewegung, Sidonio Paes, der bis zum Abbruch der Beziehungen Gesandter in Berlin gewesen war, trat an die Spitze einer neuen Negierung und übernahm zugleich die vorläufige Präsidentschaft der Republik. In dieser dop­pelten Eigenschaft, die sich von einer tatsächlichen Diktatur wohl nur wenig unterschied, hat er eine Reihe von Re­formen eingeführt, die namentlich auch die Milderung der bisherigen ,für die Kirche drückenden Bestinnnungen über die Trennung von Kirche und Staat bezweckten.

WM ssrnlkaliMIcil in Kanada.

Nach einem holländischen Blatte meldet dieTimes" aus Toronto, daß das Ergebnis der Herbstweizenernte in Ontario wegen des schleckten Wetters wahrscheinlich unter dem Durchschnitt sein wird. Der erwartete Ausfall beträgt 14 Prozent. Dagegen wird der Sommerweizen wahrschein­lich durchschnittlich ein Mehr ergeben. In den drei west­lichen Provinzen wurden in diesem Jahr 16 Mill. Acre- gegen 14 Millionen im Vorjahre angebaut. Außerdem vmrde dieses Jahr drei Wochen früher ausgesät als 1917.

Schmeir.

Das Abkommen über das freie Geleit abgeschlossen.

Bern. 29. April. (WTB.) Amtliche Mitteilung. Die V«. Handlungen zwischen der schweizerischen und der deutschen Regie­rung in der Frage des freien Geleits für die schweizerischen Ge- treideschtffe sind zum Abschluß gelangt. Laut einem soeben ein. getroffenen Bericht wurde gest-»» das Berliner Abkommen un­terzeichnet, nach dem alle mit Getreide- und anderen Lebens- und Futtermitteln für die Schweiz beladenen Schics freies Ge. leite genießen, sofern sie nach Cette oder einem neuttalen Hafen

Wem me krdi Liebe Leid gejchch.

Rornav von CorrrthS-Mahler.

1) Nachdruck verboten.

. Als sich der Durchgangszug eben in Bewegung setzte, stieg noch ein Herr ein Der Gepäckträger konnte ihm eben noch den eleganten Handkoffer Hinaufteichen, als der Zug .auch schon davonrollte. Lachend warf der Reisende dem Mann sein Trinkgeld zu.

Den leichten Koffer selbst tragend, ging nun Hans Ullrich von Frankenau den schmalen Gang des Zuges hinab. Er sah nach seiner Platzkarte und suchte nach dem Abteil, das seine Nummer zeigte. Ein Schaffner wies ihn zurecht.

Bald hatte er sich zurecht geftrnden. Ein Abteil zweiter Klasse nahm ihn auf. Der nüißig besetzte Zug zeigte viele leere Plätze. Die richtige Reisezeit hatte noch nicht be­gonnen.

In dem Abteil, das Hans Ullrich von Frankenau be­trat, war nur ein Fensterplatz besetzt. Er befand sich dem Platz gegenüber, der für ihn freigehalten war, und wurde von einer jungen Dame eingenommen.

Sie sah nur flüchttg auf bei seinen: Eintritt und warrdte sich dann wieder ab, um zum Fenster hinauszublicken.

. HE? stumm gegrüßt in der höflich zurückhaltenden Werse, die in solchen Fällen angebracht ersc^int, und die lunge Dame hatte mit einem leichten Neigen des Kopfes gedankt.

< r5 rr cn bOU Frankenau warf mit einer kräftigen, ^ eiI £ 9 ii n ? * einen Koffer in das Gepäcknetz. Seine ri e, J L !' Qn f C r^. e ta ^ f tra ff* e sich dabei und zeigte einen gut gefalteten, sehmgen Körperbau, wie man ihn bei Offizieren And Sport euten findet, die ihren Körper pflegen und in der Gewalt haben.

Dann legte er schnell seinen Ueberrock ab, warf seinen ^ut neben den Koffer und setzte eine Reisemütze auf.

Danut fertig, ließ er sich auf seinem Platz, der jungen Dame gegenüber, weder, & klappt das keine Tischchen

am Fenster hoch und legte einige Zeitungen darauf, in deren Lektüre er sich vertiefen wollte.

Erst sah er sich nun aber seine Reisegefährtin etwas genauer an. Er tat es in einer diskreten, unauffälligen Art. wurde aber sofort von ihrer interessanten Persönlichkeit ge­fesselt.

Sie war jung höchstens zweiundzwanzig Jahre und sehr schön. Das stellte er sofort mit Kennerblick fest. Sie hatte reiches, dunkles Haar. Einige widerspensttge Löck­chen hatten sich aris dem lockigen Scheitel gelöst und fielen in sehr reizvoller Art auf die schön geformte, weiße Sftrn. Gegen das Licht schimmerten sie in einem eigenarftg kup­fernen Glanz, obwohl das Haar sonst ganz dunkel, fast schwarz wirkte.

Große, dunkle Augen, von feingezeichneten Brauen und Wimpern umsäumt, sahen aus dem feinen, schönen Gesicht gedankenverloren ins Weite. Sie nahm keinerlei Notiz von ihrem Reisegefährten, aber dieser konnte seinen Blick nicht sogleich wieder von ihr lösen.

Etwas in diesem schönen, ernsten Mädchenantlitz fesselte ihn. Er wußte nicht recht, was es war. Ihre Schönheit allein war es nicht, die seinen Ottf festhielt. Er war schon vielen schönen Frauen in seinem 36 jährigen Leben begegnet und hatte mancher schon nahe gestanden, aber in diesem jungen Gesicht fand er einen Zug, ein unbestimmtes Eftoas, das ihm verftaut und bekannt erschien, und dem er nach- grübeln mußte.

An wen erinnert mich dieses Gesicht? Wo habe ich schon diesen eigenarftg geschwungenen Mund gesehen?"-

So fragte W sich

Wie meist in solchen Fällen, wo man einer unbestimmten Aehnlichkeit auf der Spur ist, mußte er immerfort darüber Nachdenken, an wen ihn die junge Dame erinnerte. ?lber er

kam 2it keinem Ergebnis.

Schließlich loollte er das Grübeln icmfgeben Und ftch in seine Zeitungen vergraben. . Aber gerade, ais ee danach.

layrerr und dr« Sperrzone meiden. Für Transporte Snrre»' neutral, wie auch Deutschland feindliche Schiffe verwendet wer.

insbesondere letztere leicht kenntlich zu machen, find \2 wesenttichen folgende Bestimmungen getroffen worden'

Schiff mutz aus beiden Setten auf den Bordwände» die auf schwarzem Erund« aufgemalte weitze Aufschrift de. Schwerz tragen. .

^ifs muß auf beiden Bordwänden die schweize­rische Landesflagge als Neuftalitätsabzeichen möglichst groß aufgemalt haben. Das Abzeichen ist nachts zu beleuchten 3. Jedes Schiff muß Tag und Nacht am Vormast die schwel, zerrsche Flagge führen. Ferner ist jedem Schiff ein Geleitschein mltzugeben, in dem bestäftgt wird, daß das Schiff keine ande. ren als die in denLadungspapieren angegebenen Waren anVortz hat. Neben der schweizerischen Flagge führen die Schiffe di« Flagge des Landes, dessen Gesetzgebung sie unterstehen. Sie fah. ren also nicht unter Schweizerflagge, sondern diese dient ledig. Ilch als Erkennungszeichen. Die deutschen Seestreitkräfte wer- den von dieser Vereinbarung sofort benachrichtigt und die er- forderlichen Weisungen erhalten. Da aber erst nach Ablauf einer Frist von drei Monaten mit Sicherheit darauf gerechnet werden kann, daß sämtliche in Betracht kommenden Seebefehls. Haber im Besitze der Jnsttuktionen sind, kann die deutsche Regie, rung vor Ablauf dieser Frist keine Gewähr für die unbedrngs sichere Fahrt übernehmen. Immerhin darf angenommen werden, daß die meisten U-Boote durch Funkspruch verständigt werde» können und die Dauer der Gefahr für unsere Schiffe auch in de» nächsten drei Monaten relativ gering ist. Es ist zu hoffen, daß drefe dank dem Entgegenkommen der deutschen Regierung mög­lich gewordene Regelung wesentlich dazu beitragen werde di« Versorgung unseres Landes, die täglich größeren Schwierigkeitev begegnet, zu erleichtern.

Das Wolfffche Bureau bemerkt dazu: Wie wir zu vorstehen, der Meldung hören, ist die Abrede als ein Teil des Wirtschafts, abkommens gedacht, über dessen übrigen Inhalt zur Zeit noch in Bern verhandelt wird Eie soll daher für die Dauer des Wirtschaftsabkommens gelten, sie ist jedoch berits vorher abge. schloffen worden, auch die Befehle des Admiralstabs an die See- streitkräste sind bereits erteilt worden, damit die Versorgung der Schweiz mit Brotgetreide keine Verzögerung erleidet. Di« zukünftige Weitergeltung der Abrede wird aber von dem Ab­schluffe des Wirtschaftsabkommens abhängig gemacht. Bei diese, Gelegenheit soll muh besprochen werden, unter welchen Be. dingungen ftete Fahrt für andere als die bisher genannte» Warengruppen gewährt werden kann. Die Zusage bedeutet ein« Erschwerung unserer Seekriegführung, die wir im Interesse der Schweiz auf uns nehmen. Um uns gegen die Ausnutzung unseres Zugeständnisses durch die Entente zu sichern, wird di« schweizerische Regierung stch von sämtlichen seefahrende» Enteruestaaten die Stcherhett beschaffen, daß weder die verein, barten Abzeichen noch die Geleitscheine mißbraucht werden. Hoffentlich ttagen die gewährten Erleichterungen zu einer wirL samen Förderung der Versorgung.der Schweiz mit Nahrungs. Mitteln und Futtermitteln bei. Dazu wird es namentlich nol» wendig sein, daß von der Entente die Transporte von Cette nach der Schweiz nicht ungebührlich verzögert und unsere Zugeständ. niffe nicht dazu mißbraucht werden, um Lagerbestünde nach Cett« zu schaffen.

Prentzilches Abgeordnetenhaus.

In der Sitzung vom vergangenen Sonnabend führte dar Haus die Besprechung der Ernährungsfragen fort. Abg. v. Pa pp ritz (kons.) erklärte, daß nicht über die Notwendigkeit der Getreide-Erfassung, sondern nur über die Mitte! dazu Mei. nungsverschiedenheiten beständen. Wenn tatsächlich Sachverstän. dige in der Reichsstelle säßen, dann hätten ste wohl nicht be- hauptet, daß die Voreinschätzung der Ernte falsch gewesen wäre. Die falschen Maßnahmen erregten nur Unmut und Aerger.

greifen wollte, wandte die jlmge Dame, wie magnetisch an- gezogen, von seinem forschenden Blick, langsan^ das Gesicht nach ihm, und ihre Augen trafen mit einem großen, volle» Blick in die seinen.

Nur eine flüchtige Weile ruhten die beiden Augen» pare ineinander. Aber manchs Schicksal ist schon in einem kurzen Augenblick besiegelt worden.

Hans Ullrich von Frankenau wollte den Blick dieser dunklen Frauenaugen länger festhalten, aber sie fügten stch seinem Willen nicht und wandten sich wieder ab.

Die junge Fremde griff nun nach einem Buch, das vor ihr auf dem Klappftschchen lag. Sie lehnte sich in die Polster zurück und begann zu lesen. Das behagte ihrem Reisegefährten scheinbar nicht, aber nacktem er noch eine Weile versucht hatte, mit suggestiver Macht auf sie einzu­wirken und sie zu zwingen, ihn noch einmal anzusehen, griff er nun doch nach seinen Zeitungen. Sie sah nicht mehr von ihrem Buch auf.

Eine Weile verflöchte er nun, zu lesen. Er verfteste sich in den politischen Leitartikel und wandte seine Aufmerksam­keit dann dem Feuilleton zu. Aber dabei ließ er immer wie­der verstohlen seine Augen Liber die Zettung zu seinem Gegenüber hinüberschweisen.

Schließlich versenkte er sich förmlich in das Studium ihres schönen, stolzen Gesichts. Da sie die Augen auf daS Buch gesenkt hielt, konnte er es tun, ohne aufdringlich z« wirken. Daß sie sehr schön war, hatte er schon vorhin festge- stellt. Nun verftefte er sich in dje Einzelheiten ihrer Eh« scheinung.

Sie hatte eine schlanke und' doch jugendkrüfftge Gefta^j die er auf reichliche Mittelgröße tarierte. Ihre Reisekleidrm« lvar schlicht, aber elegant und vornehm. Ein graumeliert« Jackenkleid von tadellosem Sitz umschloß ihren Körper, «M auf den reichen Flechten saß ein kleidsames ReischiMen. '"

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