Ausgabe 
6.4.1918
 
Einzelbild herunterladen

Beilage zur

li»a i !e»' « g» ,33 K»aag^ r a»ia37?.-^EMIIi MLIM WWMMBPaaMiaMMBM »BOBB

Unmmer 80 II

Neuen Tageszeitung

44

Samstag, de« 6. April 1018

| 11. ZaßrgllNy»

Die ErjPpfmrn des Ackerlichens»

Von E. D.

Eine besondere Art der Erschöpfung der Hilfsquellen ist die Aufbrauchung des Ackerbodens durch bleibende Entfernung sei­ner pflanzennährenden Bestandteile. Dieser die Ergiebigkeit der fruchtbaren Ackcrdeckc - mindernde Hergang wird gewöhnlich Bodenerschöpfung genannt, mag nun das Land nur zum Teil und für. eine Gewächsgattung oder in gewissen Richtungen gänz­lich unfähig geworden sein. Jedes Sinken der Erträge, welches auf dem Zunehmenden Mangel an Pflanzennährstoffen beruht, ist das Zeichen einer eigentlichen Bodenerschöpfung: denn es ist ein Grundgesetz der dauernden Kulturmöglichkeit, daß dem Acker wiedererstattet werde, was ihm durch 'die Ernten entzogen wird. Nur wenn man eine nomadisierende Wirtschaft im Auge hat, also den ausgcnutzten Boden verlassen und frisches Land in Angriff nehmen kann, läßt sich eine längere Zeit hindurch die Raubwirtschaft als System geübt denken. Aber auch unter sol­chen Verhältnissen mutz ein derartiger Raubbau sein Ende er­reichen und einem geregelteren Verfahren Platz machen. Die fixierte und seßhafte Kultur kann sich der Notwendigkeit, das Gleichgewicht dos Bodens zu erhalten, nur auf die Gefahr ent. ziehen., sich im eigentlichen Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen weggezogen zu sehen. Sie wird, wenn sie diesen Vor­gang gerrng achtet, schlietzlich ihre Position wechseln und anders­wo einen neuen Standort suchen müssen.

Dis älteren Borstellungen über die Bodenkräfte waren un­klar und zum Teil sogar mystisch. Der Acker wurde nach diesen Ansichten müoe, bedurfte der Erholung und verhielt sich mithin ähnlich einem animalischen Wesen, welches seine Kräfte sammeln mutz. Nur verstand man diese physiologische Analogie natürlich nicht im modernen exakten Sinne. Aebcr die Ursache der Er­müdung und der Erholung des Tierförpers konnte man sich rbenfowen'g Rechenschaft geben, als über die zeitweilige Un­fähigkeit des Ackers. Man brauchte eben das, was als Tatsache näher lag und als selbstverständlich erschien, zu einem Bilde für Vorgänge, die äußerlicher waren und keinewegs durch die Unmittelbarkeit der Empfindung wahrnehmbar wurden. Die erweiterte Naturwissenschaft könnte allenfalls jene Vergleichung in einem neuen Sinne gelten lassen denn auch die animalische Erholung in der Ruhe oder im Schlaf ist ein.Ernährungsher­gang. durch welchen die bei der Arbeit ausgegebenen Bestand­teile ersetzt werden. Allein der alte Sinn der Vorstellrmgsart war ein völlig sckrweifendcr und zeichnete sich durch die Doppel- seitigkeit des Nichtwissens aus. Wenn man auch heute den ent­sprechenden Sp:achgebrauch beibehält Und z. B. sogar speziell sagt, daß der Boden baumwollenmilde sei, so ist doch sachlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine genauere Vor­stellen von den Ursachen dieser Unergiebigkeit zur Geltung ge­bracht worden. Man hat nachgewiesen, datz cs die mineralischen Bestandteile sind, welche als Nahrungsmittel der Gewächse in genügenden Mengen und daher in gewissen Grötzenverhältnissen im Boden angetroffen werden müssen, damit das Wachstum der Pflanze vor sich gehen könne. Das letztere tft als eine Art Auf­bau zu betrachten, zu welchem die verschiedenartigen Materialien ebensowemg als zu der Konstruktipn des Tierkörpers fehlen dürfen. Die Festigkeit des Cetreidehalmes ist wie diejenige der Eierschale an stoffliche Voraussetzungen gebunden. Die Pflanze mutz sich aus chemischen Grundstoffen ernähren die gestaltenden Kräfte des Samens können nichts weiter tun, als die von Außen kmfgcnommenen Stoffe anordncn und verteilen. Zwischen der Pflanze und dem Tier besteht bezüglich der Ernährung nur der

-«t ~ mwmin mm u m u m W m ,1

Grane Gefahren.

Nomon aus der Gegenwart Wffi M. Guntard Schuck.

L9) Nachdruck verloren.

Er schwieg einige Minuten. Auch Douglas sagte nichts. Man konnte an seinein Gesicht nicht sehen, ob er sich ärgerte oder ob cs ihm gleichgültig war.

Und trotzdem," fuhr der alte Herr nach einiger Zeit fort.Es ist immer schmerzlich, wenn man wieder um eine neue bittere Erfahrung reicher wird. Ich sage offen, ich hatte im Laufe der Jahre manches auf die Engländer zu sagen. Jchchabe sie nicht gerade geliebt. Aber trotz alledem, kann man manche Eigenschaften aufrichtig schätzen. Dies letzte aber nein! Für feige habe ich sie nicht gehalten."

Arckübald sah finster vor sich nieder.

Es war abscheulich! Aber er konnte nichts sagen. Im Munde dieses alt^r: Mannes nahm sich, vieles so ganz anders aus, als matt es sonst auffaßte.

Aber feige! Ein Engländer feige!

Freilich, nach großem Selbstvertrauen sah es nicht aus, wenn man von einem zum andern lief und nur Hilfe bettelte.

Der Papa würde sagen: Unsinn!, Das ist Politik.

Aber eure schöne Politik war es wahrhaftig nicht.

Er wünschte, er wäre erst hier heraus und könnte wieder oremhauen. Unwillkürlich strich er an den steifen Beinen herunter. Damit sah es auch noch schlecht aus.

Helen hatte den Bruder beobachtet.

Hast Du Schmerzen in den Beinen, Archie? Es ist bester. Du gehst zur Ruhe. Morgen könnt ihr euch rveite'r zanken."

Der a-lte Herr machte ein betrübtes Gesicht.Ich bin rm schlechter Wirt, Herr Douglas. Ich sage Ihnen die größ­ten Grobheiten. Na, nehmen Sie's nicht so genau. " Sic sind damit nicht gemeint. Aber es ist schon so, die Politik verdirbt den Charakter."

Gut. Herr Baron. Obgleich Sir mir manch böse Sache ogen, ist es mir doch ganz lehrreich. Ich höre wenigstens

eitie Unterschied, datz die erstere lauter unorganischer Materia­lien bedarf, während das letztere den größten Teil seiner Nah­rung schon im organisch oder gar vital zubereiteten Zustande er­halten muß. In der Tat wäre es auch wunderlich und zum Teil ein Widerspruch, wenn eine Pslanzengattung oder gar die Pflanze überhaupt pflanzliches Dasein zur Vorbedingung ihrer Existenz haben sollte. Das organische Reich würde auf diese Weise sich selbst voraussetzen, und die Ernährung würde, wenn sie ursprünglich gedacht wird, als eine logische Unmöglichkeit er­scheinen. Dennoch hat man früher die Ansicht gehegt, datz die beobachtete gute Düngcrwirkung faulender organischer Reste eben von der organischen Natur derselben herrühre. Die neue Theorie hat nun dargeian, datz die fragliche Wirkung einen völlig entgegengesetzten Grund habe. Jene Abfälle und Reste wirken nicht, weil sie organisch sind, sondern weil sie es zu sein aufhören. Indem sie der Zersetzung anheimfallen, entbinden sie gerade diejenigen mineralischen Elemente, die für die Pflanzen­ernährung nach Art und Größenvcrhältnisse am besten taugen. Die allgemeine Ansicht, derzusolge die Ernährungsmittel der Pflanze ausschließlich mineralische Stoffe fein müssen, ist kurz­weg die Mineraltheorie genannt worden.

Es ist das Eigentümliche der durch die innere Arbeitstei­lung intensiver gewordenen Volkswirtschaft, daß die Erzeugung und der Verbrauch einander örtlich näher rücken und so der Kreislauf von Produktion und Konsumtion abgekürzter und schneller wird. Diese größere Leichtigkeit der Umlaufsverhält- nisse bezieht sich nun ganz besonders auch auf die Beschaffung des Düngers. Je bedeutender die Menge derjenigen Erzeugnisse ist, die, statt auf entfernte Märkte befördert zu werden, in der Nähe konsumiert wird, um so weniger wird von den Boden- bestandteilen unwiederbringlich verloren gehen. Gelangt man noch außerdem dazu, mit den animalischen Ausscheidungen syste­matisch zu verfahren und deren nachlässiger Pr^isgebung vorzu­beugen. so ist klar, daß nichts die gehörige Rückkehr der Voden- bestandteile hindern wird. Der Landwirt, welcher alsdann sei­nem Privatinteresse und den durch dasselbe gebotenen Wirt^ schaftsgrundsätzen folgt, wird seinen Boden !m guten Stande er­halten und zum Raubbau, der ihm selbst schaden würde, keine Veranlassung haben. Denken wir uns aber einen entgegen­gesetzten Zustand, so mutz der Ackerbauer das notwendige llebel über sich ergehen lassen, wenn er überhaupt noch wirtschaften will. Er ist alsdann nicht im Stande, dle Ersatzmittel des ent­zogenen Bodenreichtums in gehörigem Matze zu kaufen, weil der Befchaffrmgswidsrstand und mit ihm der Wert und Preis der­selben zu groß geworden ist.

Aus dem Vorangehenden ersteht man. daß bei einer ratio­nellen Gestaltung der gesamten Volkswirtschaft und namentlich mit der intensiveren Ausbildung derselben die Ursachen der Bodenerschöpfung ganz von selbst in Wegfall kommen. Es kann daher nur die Fortdauer der ersten rohen Zustände oder die Ohnmacht eines eigentlichen Verfalls sein, wodurch der Vor­gang des ersatzlosen Bodenverbrauchs ermöglicht wird. Die rück, schreitenden Volkswirtschaften werden allerdings der Boden­erschöpfung anheimfallen, weil sie mehr und mehr die Fähigkeit verlieren, die Mannigfaltigkeit de: inneren Arbeitsteilung zu erhalten. Sie werden in ihrer wirtschaftlichen Verfassung kor­rumpiert, weil die Staaten, in deren Rahmen sie bestehen, auch übrigens ihre Macht und wirksame Selbstbestimmung einbützen. Unter dieser Voraussetzung ist aber, wie schon gesagt, die Bo­denerschöpfung nicht die erste Ursache, sondern eine Wirkung des allgemeinen Sinkens der Volkskraft. Ste trägt ihrerseits dazu bei, das Werk der Zerstörung zu beschleunigen: aber sie selbst

auch mal eine andere Meinung. Und vielleicht haben wir beide noch einmal Nutzen davon."

Na. dann bis auf morgen."

Er schüttelte dem jungen Manne die Hand und drückte ans die Klingel, damit die Diener ihn in sein Zimmer brächten.

XXII,

Im Januar erfolgte die deutsche Blockadeansage an England. Diesmal flimmerte man sich nicht um die anderen Genossen der sauberen Vereinigung. Der Fehdehandschuh, der jetzt geworfen wurde, galt dem gewissenlosen Räuber überm Kanal.

Die ganze Welt die neutrale und die nicht neutrale ließ ihre Stimme erschallen. Aber man war in diesen harten Monaten endlich auf einem Punkt angelangr, auf dem :nan schon lang? hätte sein sollen.

Nicht mehr willig jedem Unkenruf lieh man Win Ohr.

Was ich für richtig halte, das tue ich! Und willst Du mich nicht lieben, so sollst Du mich fürchten."

Das war die Sprache Deutschlands in jenen schweren Tagen. Die Sprack)e eines Landes, dem man die Daseins­berechtigung absprach.

Halten Sie es wirklich für möglich, daß man hier daran denkt, England abzuschneiden?" fragte Ärchibald Douglas den alten Herrn, als sie eines Nachmittags am Schach!) re lt saßen. .

Mer gewiß glaube ich das! Warum sollte es unsere Regierung sonst gesagt haben? Halten Sie es für unmög­lich?"

Douglas wiegte nachdenklich den Kopf.Offen ge­standen, ja! Zu diesem Unternehmen fehlen Deutschland die Kampfmittel."

Hm, ob wir die nötigen Kampfmittel haben, weiß ich nicht. Ist auch nicht meine Sache. Daß aber ausgeführt wird, was angedroht ist, daraus können Sie sich verlaßen. Denn der, der das angeordnet hat, der weiß, ob wir die nötigen Kampfmittel dazu besitzen oder nicht.

wirkt eben nur als Ursache zweiter Ordnung, deren Abhängig­keit von der Mißgeftaltung der Volkswirtschaft nicht verkannt werden darf.

Fliuislißlche..Werlichkeil" graf« Wehrte»

Ueber das Schicksal der beim letzten Luftangriff auf Pari» abgeschossenen deutschen Flieger hat die französische Presse einig­bemerkenswerte Mitteilungen gemacht. Eines der Flugzeuge wurde brennend abgeschossen. Zwei Mann seiner Besatzung ver­brannten. Der dritte, Rittmeister Scheibler, versuchte, wenn­gleich schwer verwundet und mit brennenden Kleidern, zu ent­fliehen. Er wurde eingeholt und von einem, französischen Gene­ral trotz feinet!* von den französischen Zeitungen ausführlich be­schriebenen grauenvollen Brandwunden und namenlosen Qualen ausgefragt. Der deutsche Offizier verweigerte jede Antwort auf militärische Fragen und begnügte sich mit der Beteuerung, seine Pflicht getan zu haben. Am anderen Tage erlag er seinen Verletzungen. Die Besatzungen zweier anderer Flugzeuge such­ten nach Zerstörung ihrer Flugzeuge ebenfalls zu entfliehen. Sie wurden festgenommen und nach Thierry ins Gefängnis ge­bracht. Das ist die französische Ritterlichkeit gegen Wehrlose. And das bezeichnendste: die französischen Zeitungen bringe» diese Nachrichten ohne Kommentar.

Kirchliche Dachrichte^.

Sonntag Qmrsimodogemti, 7. April 1918.

Gottesdienst in der Stadttirchc.

Vormittags 9J4 Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Konfir­mation der Mädchen Hl. Abendmahl.

Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Schlußfeler.

Abends 8*1 Uhr: Herr Pfarrer Die hl.

Kollekte für die Stadtkirche.

Montag, den 8. April, nachmittags 2 % Uhr findet in der Vurgkirche der Oberhefsifche Eemeindelag und abends um ö-L Uhr daselbst ein Gemeindeabend statt.

Gottesdienst im Stadt!ei! Fauerbach.

Sonntag Qnasimodogeniti, 7. April 1918.

10 Uhr: Gottesdienst. Anschließend KatechismusleLre für die Mädchen.

*

Katholische Gemeinde.

Weißer Sonntag: 7. April 1818.

BeichtgelegenheiL am Samstag von 4 Uhr an und Son»- tsg früh von 6 Uhr.

547 Uhr: Fruhmeffr

8 Uhr' Hl. Messe.

*419 Uhr: Feierliches Hochamt mit Segen und Predigt mch erste hl. Kommunion der Kinder.

Nachmittags HS Uhr: Feierliche Andacht mit Segen und Predigt.

Während der Woche um H7 und 7 Uhr hl. 9RelU

Freitag abends 8 Uhr: Kriegs-Andacht.

Nach dem' Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Dorro- mäus-Bücherei.

Verantwortlich für den politHd'-cn und lokalen leri: O trs Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: N Hevner» Friedberg. Truck und Verlag derNeuen Tageszeitung"«; A- G.. Friedbera i &

Und im übrigen, Herr Douglas, Sie sind ein eifriger Zeitungsfeser, Sie sollten doch wissen, datz es bei uns keine Flausen gibt. Davon müßten Sie sich nun eigentlich *cho» überzeugt haben. Bluff ist englisches Erzeugnis."

Sie haben eine scharfe Zunge, Herr Baron," entgegnete- Ärchibald und lachte ärgerlich.

Aber gar nicht!" sagte der alte Herr ruhig.UeörigenK? bin ich heute ohne Schuld. Sie haben angesangen mit der> hohen Politik."

Sie sprechen von Bluff, Herr Baron. Heute wissen wir wohl alle nicht genau, was Bluff ist und was nicht. Woher können Sie wissen, was an den amtlichen Meidunge» wahr oder falsch ist?"

Hat unser Generalstab, seit Sie hier sind und unsere Zeitungen lesen, schon einmal etwas widerrufen müssen?"

»Gut! Zugegeben. Um aber wieder auf unser ($t* sprach zu kommen, glauben Sie wirklich vorausgesetzt, daß es überhaupt geht glauben Sie, daß die Neutralen dazu schweigen werde^wenn Detfchland Englands Zufuhr ab« schneiden will?"

Die Neutralen? Machen Sie keine Scherze, Herr Douglas. Wen hätten wir den zum Beispiel zu fragen?"

In erster Linie Amerika, dessen Handel durch dies« Maßregel empfindlich geschädigt wird."

Amerika! Und was hat Amerika gesagt, als England uns dem Hungertod ausliefern wollte? Was-nennen Sie überhaupt Amerika? Die paar Blätter, die im engliickM Solde stehen und die Mäuler mehr als nötig aufreißen die Regierung, die keine ist, oder die Bewohner des Landes, unter denen reichlich soviel für. wie gegen uns sind? Nein! Amerika fragen wir nicht! Amerika, das deutscher Fleiß und dcuffche Kraft zum großen Teile zu dem gemacht hat, was eK heute ist, können wir nur bedauern. Es gibt in diesen ernsten Monaten der Welt ein so trauriges Schauspiel der Schwäche, daß wir es wohl am allerletzten zu fürchten haben,"

Fortsetzung folgt.