Beilage zrrr
Usmrmer 75 J
N euen Ta g esz eitung
jj IS, Za-rquny.
Samstag, den 30 . Marx 1018
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Ostern!
Oster»! Ostern! Frühlingswehen!
Rufi die Glocke von dem Turm.
Osterrv! schallt es, Auferstehen!
In de- Krieg'? gigant'schem Sturm,
In den dumpfen Schlachtgewittern,
Wo die Todessahnen wehn Mag da? Leben auch erzittern:
Ostern! Ostern! Auserstehn!
Ostern? Ostern* Frühlingswehen!
Die Natur künd'ts jubelnd an.
Ostern? schallt es. Auferftchen!
Ueber'n weiten Ozean
Wenn des Schiffs Sirenen gellen,
Und es. leck, muß untergehen Triumphierend ans den Wellen:
Ostern! Ostern! Auferstehn?
Ostern' Ostern! Frühlingswehen?
Singt des Vögleins Heller Ton.
Ostern! schallt es. Aufcrstchen?
Fliegern, wenn Gefahren dröhn.
Verblüht manch Leben auch im Ringen Verweht wie Hauch im Schlachtgedröhn,
So kört man doch von ferne klingen:
Ostern! Ostern! Auserstehn?
Jakob H i n d e r, Z. Zt. Friedberg i. $>.
ß*K*M fc’SaBBMBBMnBHnBnaKna wmtmmmmm—mmm—mmmmamm. assmmamm
Gsterfreude.
Wir dürfen jubeln und frohlocken.
Freilich gibt es genug in unserem Volk, die da meinen, in dieser Zeit millionenfachen Wehes könne man nur klagen und jammern.
Aus dem tiefsten Weh der Geschichte aber erhebt sich der höchste Jubel: hinter dem Karfreitagsdunkek liegt Osterlicht, liegt Osterjubel.
Der Tod ist ein mächtiger Herrscher. Das Leben aber ist größer als der Tod. Das Lelurn hat den Tod bezwungen. Das Leben konnte der Tod nicht litten.
Die Jünger bezeugen cs am Osterfest. Und wirklich, wenn man einmal so nüchtern wie nur möglich sich zur Osteriatsache stellt, so kommt man nicht hinweg um die Tatsache des leeren Grabes. Immer wieder mutz man bekennen: das leere Grab ist eines der sichersten Tatsachen der Weltgeschichte. Die uns vorliegenden Berichte, z. V. der des Panlus 1. Korinther 15, ist - medergeschrieben, während viele Zeitgenossen Jesu, darunter manche aus dem engsten Apostelkreise, lebten.
Oder hätten die Jünger sich in schnöder Heuchelei des Leichnams Jesu irgendwo entledigt? Auch dieser Ausweg der Wun- derschcu hat keine psychologische Wahrscheinlichkeit: niemand
kann die tragende Kraft für ein opfervolles Leben aus einem bewußten Betrüge schöpfen. Der Jünger des Gekreuzigten harrte bei ihrem Zeugenleben nur Verfolgung und Tod. Die Krack zu einem solchen Leben kann man nicht aus einem niederen Betrug schöpfen, dessen Gegenstand der Leib des geliebten Meisters ist.
Max Maurenbrecher, der doch wahrhaftig weit genug links steht, muß anerkennen, daß nicht erst in späterer Zeit den Jüngern der Osterglaube angedichtet worden ist, sondern alsbald nach dem Tode Jesu seinen Ursprung hat.
Mau sinne doch nach iiber den Wandel in wenigen Jahren: dem Kreuz bleibt das verscheuchte Häuflein der Jünger durchweg fern, und wenig Jahre hernach ruft ein Mensch in höchster Todesnot, Stephanus, diesen Gekreuzigten und Lebendigen als einen einzigen Trost im Leben und im Sterbe, an!
Als vor einigen Jahren eine schnellverrauschende Bewegung mit dem Schlagwort „Jesus hat nie gelebt durch die Lande zog, lautete die Gegenlosung einer großen Kundgebung im Berliner Zirkus Busch nicht „Jesus hat gelebt", sondern „Jesus lebt" und über ungezählte Gräber tönten die Posaunen tröstend: „Jesus lebt, mit ihm auch ich".
Gewiß heißt es immer noch bei vielen: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", und Glaube läßt sich nicht erzwingen,' er ist die freieste Tat der Seele. Wer mit vorgefaßten Meinungen an das neue Testament herantritt und sagt: „Menschen können vom Tode nicht auserstehen. also ist Jesus nicht auferstanden", wird sich in den Osterglauben nimmer finden, hat aber der Voraussetzungslosigkeit entsagt.
Die aber sich vorausschungslos der Lebenskraft Jesu erschließen, sind der OKerfreude voll. „O du fröhliche. o du selige, gnadenbringende Osterzeit". Daniel Falk hat seine Frcudenlic- der auf die drei großen christlichen Feste gesungen, als ihm die eigenen Kinder alle durch den Tod genommen waren. In seinem Herzen flutete ein Leben, stärker als der Tod seiner Liebsten — und die Flut hatte ihren Quell in Jesu Auferstehungs- leben.
Die Kraft des Aufersrandenen stillt auch uuser Volk. Wer hätte gedacht, daß wir au der rveiten Ostfront würden Ostern iu Frieden feiern können? Osterglocken, soweit noch vorhanden, klingen mm an dieser Front von hüben und drüben friedlich in
einander, und Ostferfriede waltet in weiten östlichen Gefilde«, soweit deutsches Schwert ihnen Ruhe und Ordnung gegeben hak.
Osterfreude darf auch unter unseren Lesern walten. Rtchtz die äußeren Ereignisse des Lebens entscheiden über das Lebens, glück, sondern die innerste Seelcnkraft. Wohl dem, in dessen Seele ein Funke von Jelu Lebenskraft hinübersprang — wohl uns, wenn des Attferstandenen Siegesfahne auch unserem eigenen Leben voranzieht.
Unermeßlich schweres lastet auf vielen Seelen. Aber dls Hebelkraft des Osterglaubens ist stärker, als das verschlossenst- Grab. Auf einem Friedhof Hannovers sah ich den GrabsteiS mit der Aufschrift „Dies Grab soll niemals geöffnet werden". Und ich sah auf dem Grab den Baum, bcffeu Trieb im Wachs- tum den Grabstein gehoben und damit das Grab geöffnet hatte. Leben ist stärker denn der Tod. Und das Leben des Anfersian« denen ist Liebe und Stärke, heiligende Liebe und sieaöaft« Stärke.
x V. Reinhard M u m m, M. d. R.
Die WeMchlacht.
„Vater, ich rufe dich!
Brüllend umwölkt mich der Dampf der Geschütze.
Sprühend umzucken mich raffe!;,de Blitze,
Lenker der Schlachten, ich rufe dich!
Vater du, führe mich'" . (Th. Körner.)
Von besonderer Seite schreibt man uns:
Mit verhaltenem Atem lauscht der bewohnte Erdkreis nach der französisch-flandrischen Front vom Fels zum Meer. Seit dem 21. März, „Frühlingsanfang", ist die gewaltige Artillerre- fchlacht entbrannt, von Dünkirchen bis an die Schweizer Grenze, um jenes riesenhafte Ringen eiuMleiiLir, für das uns Vorstellung und Namen noch fehlen, das spätere Geschlechter vielleicht die „Weltschlacht" nennen, weil es uns, wie wir es heute erhof. fen, die militärische Entscheidung des Weltkrieges brachte und dazu verhalf, ihn zum Ende zu zwingen. Zu dem Ende deut- scher Ehre und deutschen Sieges! ..Unsere Ehre ist verpfändet; deutsche Brüder, löst sie ein," singt de: Held und Dichter der Freiheitskriege, nachdem er von dem „Frevel fremder Knechts* geklagt hat; von der Schande und der Schmach, die im Grau der Rächte hinter uns liegen. Ist dem so? Liegt die Tücke und Unehre, die eine halbe Welt unter angelsächsischer Führung gegen uns ersann, zerschmettert am Boden und ist der „Frevel fremder Knechte" vernichtet? Es war an; Morgen des 12. Mai 1818, vor dem Gefecht bei Dannenberg, als Körner dieses fein flammendes „Bundeslied vor der Schlacht" dichtete: also drei Monate vor seinem Heldentode -und mehr als fünf Monat« noch vor dem großen Völlersiege von Leipzig, den er in ahnender Seele, mit felsenfest-gläubigem Vertrauen in die gerechte Sache seines Volkes voraussah. Auch wir Laben den Sieg noch nicht, dem wir dennoch vertrauen als einer unumstößlichen Gewißheit: „Wir wollen als freie Männer bestehen und de?' Bund mit den, Blute besiegeln!"
Unsere Ehre ist aber nicht nur darum verpfändet, weil sir militärisch engagiert ist und unsere großen Feldherren im Begriffe stehen, das zu krönen, was sie an unsterblichen Taten schon im bisherigen Kriegslaufe geleistet. Auch nicht nur des. halb, weil die Verruchtheit der feindlich.',, Regierungen ein neues, entsetzliches Blutbad erzwingt und dieses neue Blut von Hunderttaufenden deutschen Stammes Rache und Sühne erheischt und ebensowenig umsonst vergossen fein darf, wie dasjenige der ihnen im Heldentod: Voraufqcß'angenen. Wohl sind das Bindungen von höchster Heiligkeit, Ehrenverpflichtungen von so hohem
Graue Gefahren,
Roman ans der Gegenwart von M. Gontard. Schuck.
Nachdruck verooten.
©tna hatte die and/ en bereits gefüttert und stand nun am Bett des Engländers. Sorgsam flößte sie ihn, etwas kräftige Brühe ein. Doch nur wenige Löffel konnte sie ihn, reichen, dann fiel sein Kopf zur Seite. Sie beugte sich über ihn. Schlief er oder war er bewußtlos? Nein, er schlief.
Grübelnd betrachtete Regina das schmale, braune Gesicht mit der scharfen Nase.
Wo hatte sie diese Züge schon gesehen? —
Aber es blieb keine Zeit, lange ihren Gedanken nach- zuhängen. Von Zimmer zu Zimmer, von Bett zu Bett musste sie erlen, um Hilfe und Labung zu bringen.
Jmnier aber verfolgte sie der Gedanke an den jungen Engländer. Wo hatte sie ihn nur schm, gesehen?
Zuletzt schüttelte sie unzufrieden mit sich selbst den Kopf. „Was geht mich eigentlich der Mann au? Nicht inehr als jeder andere,.der hier liegt. Und gesehen habe ich ihn sicher noch nicht Denn wo sollte ich mit einem englischen Osti-ier zllsammengtztrosseu sein?"
Als sie spät abend noch einmal.durch alle Zimmer ging, blieb sie trotzdem wieder einige Minuten an dem Bett de? Engländers stehen itnb betrachtete prüfend sein Gesicht. Er schien große Schmerzen zu haben. Das Gesicht nxir qualvoll lerzerrt, doch- kein Laut kam über die schmerzlich vermaeneu Lippen.
Mit linder Hand strich ihn, Regina- über die feuchte
Stirn.
„Ist es. sehr schlimm?" fragte sie leise. „Ich werde Ihnen eine Einspritzung geben, damit Sie schlafen."
Er schien sie verstanden zu haben, denn ein dankbarer Blick" traf sic.
Als sie ihm die Einspritzung gemacht hatte, blieb sie noch einige Minuten stehen. Sie richtete das Kissen und zog ihm die Decke zurecht. — Das betäubende Gift begann zn wirken. Wohlig streckten sich die Glieder, und zum ersten Male sah der Verwundete voll zu der jungen Pflegerin auf.
Ein Lächeln huschte fiir eine Sekunde um die schmalen Lippen.
„Ich danke Ihnen!" sagte er leise. —
Und nun wußte Regina endlich, woher sie das Gesicht schon kannte. Sie sah sich plötzlich in London, in dem glänzenden alten Palast der Donglas, an der Seite von Helens Bruder Archibald. Sah am oberen Ende der Tafel Alfred Werkheiu, an der Seite einer anderen, an der Seite seines bräutlichen Weibes.
Are Stirn zog sich finster zusammen. Nun wußte fie endlich, wer der Verwundete war.
Ihre Gedanken flogen hinüber über* den Kanal nach Downingstreet. Dort, wo Sir Edward Douglas herrschte.
Nun mußte auch er die Blutfteuer zahlen in diesem Kriege, den er hätte verhindern können.
Und das war gut so!
Ehe sie sich zur Nrche begab, klopfte sie in, Vorübergehen an Doktor Littmanns Türe.
„Darf ictz einen Augenblick eintreten, Doktor? '
„Bitte. Gräfin!"
„Meinen Sie wirklich daß der Engländer drüben • — dem ich übrigens eben eine Einspritzung gegeben habe - n.icht wieder hochkommt?"
„Ich fürchte, nein! Tie Beine wollten wir wohl wieder kriegen, aber die Unterleibsverletzung —Er zuckte die Schultern. „Aber warum fragen Sie, Gräfin?"
„Ich babe eben die Entdeckung gen,acht, daß ich den Herrn kenne."
„Was Sie sagen! Und wer ist es?"
„Sie lverden sich wundern! Was ineinen Sie wvbb cs ist der Sohn unseres grimmigsten Widersachers. Es ist Archibald Douglas!"
Der Stabsarzt sprang ans. „Heil Was Sie Lagen) Da haben sie ja einen guten Fang gemacht, davorne. Natürlich werden sie es nicht wissen, den er wird ihnen nicht gesagt haben, wer er ist. Hat er Sie erkannt?"
„Nein. Er bat mich nur einmal gesehen, damals beö der Hochzeit in London — Sie wissen, der Sohn meines Vormundes, Alfred von Werkheim, bat Sir Edward Douglas' Tochter geheiratet. Ich war ans der Hochzeit und hatte Archibald Douglas zum Brautführer. Aber jetzt in der Pfleger? an ent rächt wird mich der junge Herr schwerlich erkennen."
„Da? ist ja ganz ausgezeichnet! Das wollen .,h deck» sofort melden. Sie wissen es doch bestimmt, Gräfin, daß er es ist?"
Sie nickte bekräftigend nrit den, Kopse. „-Ohne MM Zweifel."
„Ich werde noch beute die Meldung abschicken. Da? ift ja ganz ausgezeichnet! Unter Umständen kann uns das sehr von Nutzen sein, wenn es den Herrschaften etwa einfüllen sollte, unsere Leute schlecht zu behandeln. Also Sir Edwarde Sohn? Sehr gut? Hat er noch mehr Söhne?"
„Nein, nur diesen einen."
„Nur diesen einen. So, hm, na, desto härter wird es ihn treffen. Aber das gibt der Sack>e ein ganz anderes Gesicht. Jetzt möchte ich doch wünschen, daß das Wunder ge- scbähe und wir ihn durchbrächten. Nicht etrva aus Mitleid mit dein edlen Sir da drüben, o nein! Aber Sir EdlvardK lebender Sobn ist uns mehr wert als der tote. Meinen Sie nichL auch?"
Fortsetzung solat.


