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Snmstafl. den 16. Mär; 1018
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K er alle ehrliche Seemann.
Xtefftcr Unwille über schwärzesten deutschen Undank erfüllt ^'loyd Georges kindlich reine Seele über die vom Grafen Hert- Ung erhobene Forderung, daß England tn Erfüllung der auch von Präsident Wilson erhobenen Forderung nach der Freiheit der Meere seine Flottenstützpunkte und Kohlenstationen in der ganzen Welt aufzugeben habe. „Zum ersten Male" so klagt er. „wurde jene Forderung vorgebracht. Ich gestehe, diese For- derung hätte Deutschland meiner Meinung schicklicherweife zuletzt Vorbringen soll.n. Diese Kohlenstationen waren in der Vergangenheit deutschen Schiffen ebenso zugänglich wie eng- Lischen. Die deutsche Flotte erfuhr an allen diesen Kohlenstationen die gastfreundlichste Behandlung. Im Jahre 1913 beliefen sich die verschiedenen von deutschen Kriegs und Transportschiffen in diesen Häfen gemachten Besuche auf etwa 50 oder 60 . Diese Fahrzeuge erhielten genau dieselben Erleichterungen wie englische Kriegsschiffe Das gleiche gilt von deutschen Handelsschiffen. Deutsche Kohlenfirmen gingen dort ihrem Handel unter genau den gleichen Bedingungen nach wie englische Firmen."
Man muß diese Worte tn ihrer ganzen Ursprünglichkeit auf stch wirken lassen, nicht tn der bisher betanntg-rvord^net; gekürzten Telegrammfastung. um sie in. ihrer Tiefe zu würdigen. Also nur aus rstner, uneigennützigster Menschenfreundlichkeit heraus hat England diese Stationen unterhalten! Der olle ehrliche Seemann, der alles nur um Gottes Willen Lut! Um Gottes Willen hat England Spanien Gibraltar. Holland die Kapkolo- r-ie. der Türkei Aegypten mit dem Suez-Kanal — von anderen „Erwerbungen" zu schweigen — geraubt, um sie ohne jeden Ei. gennutz als Treuhänder der Welt zu verwalten. Und nun kommt das undankbare Deutschland, das diese Wohltaten Englands ebenfalls genossen hat. mit der Forderung, daß England au? diese Stützpunkte verzichten soll. Zwar sind die „Desan- nexlon". „Wiedergutmachung des getanen Unrechts" und das „freie Selbstbestimmungsrecht der Völker" besonders der kleinen. ursprünglichen Forderungen, die die Entente und Seson- ders England erhoben haben — aber doch nicht um gegen England. sondern um gegen Deutschland verwandt zu werden! Denn daß die Beherrschung der See ein altes englisches Vorrecht ist. steht immer außer Zweifel. Doch „Brutus ist ein ehrenwerter Mann" und so sollte man auch Lloyd Georges Worte als bare Münze nehmen. Aber gerade dann ist nicht verständlich, weshalb England so unbedingt an seiner Mission festhalten will, die ihm keinen Vorteil, sondern nur Undank bringt.
In Wilklichkett liegen die Dinge natürlich ganz anders. In Wirklichkeit ist England nämlich nicht der Treuhänder der Welt und hat ssine Kriege nicht für den allgemeinen, sondern für den eigenen Nutzen geführt und hält an den Flottenstützpunkten und Kohlenstalionen fest, weil sie wichtige Druckmittel sind, um Englands Willen in der Welt durchzusetzen. Zwingt es nicht durch seine Kohkgnstationen und Flottenstützpunkte jetzt die Neutralen, ihm ihre Schiffe zur Verfügung zu stellen. mh es fle früher gezwungen hatte, sich jedes Handels und jeder Be
günstigung der Mittelmächte zu enthalten? Welche Machtmittel in politischer Hinsicht die britischen Flottenstützpunkte darstellen. zeigt so recht der russisch-iapanische Krieg, tn welchem England zwar dem befreundeten Japan, nicht aber Rußland seine Häfen öffnete, so daß Admiral Roshdjestwenski unter kaum zu überwindenden Schwierigkeiten mit einem riesigen Troß von Kohlenschiffen feine Fahrt um die Südspitze Afrikas herum nach dem fernen Osten antreten mußte.
Men will Lloyd George mit seinen Krokodilstränen täuschen? Uns wahrlich nicht, da wtr Englands rücksichtslose Selbstsucht nicht nur aus seiner Geschichte, sondern auch aus eigener Erfahrung kennen — ebensowenig aber auch seine gegen- wärtigen Verbündeten Rußland. Italien. Frankreich oder gar Portugal, die alle Englands ..Uneigennützigkeit" und feine heimltrye Devlse kennen: „Gib mir was du hast, das übrige kannst du behalten." „Der Teufel ist nun mal ein Eaoist und tut nicht leicht etwas um Gottes willen." — Dieses Wort gilt auch für England. Weshalb sollen gerade auf England die Grundsätze von der Freiheit und der Selbstbestimmung der Völker keine Anwendung finden, die es selbst geprägt hat? Weshalb soll eine auf Vergewaltigung. Lüge und Heuchelei aufgebaute Macht nicht zusmnmenbrechen. wie Rußland zusamm-n- gebrochen ist? Meltwerte gehen dabei nicht verloren, im Gegenteil.
Errege des Erwerbssinn cs.
Es ist eine der betrüblichsten und folgenschwersten Erscheinungen, daß der Krieg durch die Entfesselung zum Teil unbegrenzter ErwerbsmöGichkeiten zu einer Herabminderung der Volks moral geführt hat, deren verderblichen Wirkungen wir auf Schritt und Tritt begegnen. Naturgemäß besitzt für den einzelnen vom Kriege schwer Betroffenen die Vorstellung etwas ungeheuer Aufreizendes, daß, während er persönlich und finanzielldre größten Opfer bringen muß, eine kleine Schicht skrupelloser Ausbeuter aus dem Elend der Gesamtheit Gold destilliere. Deshalb wirken Fälle von krasser Gewinnsucht, gleichgültig, ob sie sich an dem ein- zelnen oder an der Gesamtheit bereichert, so unsagbar erbitternd. Die Angelegenheit der Daimler-Motoren-Werke die im Hauptausschuß des Reichstags zu ausgiebiger Erörterung kam, scheint, soweit die Oeffentlichkert aus dem immerhin lückenhaften Sitzungsbericht ein objektives Bild gewinnen kann, ein Beispiel dieser Art zu sein. Sieht man dorr allen Einzelheiten ab, deren sachliche Beurteilung naturgemäß für die Oeffentiichkeit zurzeit nicht möglich ist, so bleiben doch anscheinend zwei Tatsachen als besonders gravierend bestehen: die Fälschung der Kalkulationen zur Täusch;mg der Militärbehörde und die Drohung oder doch der Hinweis auf eine möglich^ Produktionseinschränkung. Und mit ihnen die gemeinsame Wurzel und Triebfeder. Die Sucht, die an sich schon exorbitanten Gewinne des Unternehmens weiter zu erhalten oder gar zu steigern. ES wäre wünschenswert, wenn die Aufklärung über die verschlungenen Pfade dieser Sache, die offenbar im Hauptaus- schuß in größerer Breite erfolgt ist, auch der Oeffentiichkeit zugänglich gernacht würde, schon deshalb damit sich erkennen ließe, inwieweit die Vorkommnisse aus den besonderen Verhältnissen gerade dieser Firma möglich waren. Treffen aber die im Ausschuß mitgvteilten Dinge zu. so wird man sagen müssen: Es handelt sich um eine Ausschreitung der Gewinn*
sucht, für die kein Wort der Verurteilung scharf genug ist. Wer derart in der Ausnutzung nicht etwa einer Konjunktur, sondern einer talsäch!icl>en nationalen Notlage bis an die äußerste Grenze des Möglichen geht, über alle moralischen Skrupel hinweg bis zum offenen Konflikt mit den Paragraphen der Gesetze, der stellt sich damit tatsächlich außerhalb der Gemeinschaft des Volkes und Staates. Außerhalb auch seines eigenen Berufsstandcs, den er aufs schwerste bloßstellt und schädigt.
Denn das ist ja das allerbedauerlichste bei derartigen Vorkommnissen, daß sie ohne weiteres von urteilsloser oder übelwollender Seite zu unzuverlässiger Verallgemeinerung und als Beweis für die Korrumprernng ganzer Berufsstände benützt werden. Tann wird der Umstand, daß es allent- ' halben schwarze Schafe gibt, und daß vier Jabrc unerhörten Knegsdrucks diesen reichliche Gelegenheit bieten mußten, sich von den anderen abzuheben, geflissentlich vergessen uns nnt gröhstm Geschütz gegen dre Gesamtfront des betreffenden Standes gefeuert. Dann wird in der breiten Oeffentlichkeit all Obiektivtät eingesargt, auf jegliche Nachprüfung und Würdioung. von Sonderverhältmssen verzichtet, und das ödeste Schrekertum feiert Orgien.
Gerade weil die Gewissenlosigkeit einzelner Weniger der Gesamtheit ihres Standes solchermaßen zum schwersten Schaden gereicht, deshalb ist es bopieU nötig, derartige Fälle rücksichtslos zu geißeln. Nichts kann die Verantwortungslosigkeit, aus nacktem Eigennutz entspringend, entschuldigen, mag es sich um einen Händler oder Landwirt, der mit Le- bensmitteln wuchert, um einen Industriellen, der die Unentbehrlichkeit. seiner Produktion skrupellos ausnützt, um Arbeiter handeln, die zur Erpressung höherer Pbantasielöhne eine Lohnbewegung anzetteln. Ihnen als Einzeler- schermmgen steht die Gesamtheft der verantwortungsbewußten, moralftch intakten Berufsstände gegenüber, aber auch die ungeheure Zahl derer, die an Körper und Gut aufs schwerste geschädigt aus dem Kriege hervorgehen. Deshalb müssen diese verwerflichen Einzelerscheinungen mit glühendem Eilen rücksichtslos ausgebrannt werden, ehe sie in die Lage kommen, durch die Suggestivkraft des bösen Beispiels vergiftend zu wirken.
Die Oeffentlichkeit, deren Vorrecht es ist, statt zu prüfen sich zu entrüsten, neigt naturgemäß dazu, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Gegen Einzelerscheinungen Maßnahmen zu fordern, die ein Schießen mit Kanonen nach Spatzen darstellen würden und bei denen schließlich der angerichtete Schaden in keinem Verhältnis mehr zu dem günstigenfalls zu erzielenden Nutzen steht. In dieser Line liegt auch der Ruf nach nröglichst weitgehender Militarisierung, der gerade von den Kreisen erhoben wird, denen sonst der „Militarismus" ein Greuel ist. und die auch wohl in diesem Fall nur Militarisierung sagen und im stillen Sozialisierung meinen.
Es ist keine Frage, daß ein gewichtiger Umstand für eine Geschäftsgebarung, wie sie den Daimler-Werken zum Vorwurf gemacht wird, die Entpersönlichung der Betriebe ist die in hem Wesen der Aktiengesellschaft liegt. Ein großer Teil retardierender Momente, persönlichen Verantwortungsbewusstseins und von Tradition wird durch die Unpersön- lickikeft der Aktiengesellschaft beseitigt. Der einzelne Aktionär steht nicht in der Feuerlinie der öffentlichen Kritik, er ist unerreickrbar, allen Unannehmlichkeiten weit entrückt, ohne Verantwortung, die von bezahlten Kräften getragen
Helen Werkheim saß in ihrem Zimmer und las in einem Buche. Doch ihre Gedanken weilten nicht so recht bei der Sache. Unablässig irrten sie umher.
Seit heute früh war er fort. Bei einer Probefahrt, soviel sie wußte. Vielleicht ging er schon bald wieder hinaus auf See. Hinaus in Gefahr und Tod.
In ihren trüben Gedanken störte sie ein Geräusch an den Scheiben. War es der Regen? Oder hagelte es gar? Doch nicht! Das würde anders klingen.
Sie erhob sich und trat an das Fenster. Vorsichtig spähte sie durch die Vorhänge. Zwei Frauen standen dort im trüben Schein der Laterne und winkten ihr zu.
Sie öffnete vorsichtig das Fenster.
„Ich bin es, Teuerste! Oeffnen Sie um Gotteswillen schnell die Tür, aber öffnen Sie selbst!" rief von drüben Frau von Dürings unterdrückte Stimme.
Einige Minuten verstrichen, dann öffnete sich leise die Haustür und die beiden Flüchtlinge huschten hinein.
Im Flur stand Helen und zitterte vor Auftegung am ganzen Körper. Vor lauter Bestürzung konnte sie kein Wort hervorbringen. Von den Vorgängen ün Düringscheu Hause wußte sie natürlich nichts.
Ihr Schreck bei dem sonderbaren Aufzug der beiden Landsmänninnen war unbeschreiblich. Ihr erster Gedanke galt der Probefahrt. Sicher lvar ein Unglück geschehen und die beiden kamen, um sie darauf vorzubereiten.
Da Helen in ihrer Aufregung nicht Miene machte, inS Zimmer zurückzukehren, griff Frau von Düring sie bei der Hand und zog sie hinein. Als Helen die Zofe mit der Handtasche sah, stlitzte sie.
„Was ist das? Wo wollen Sie hin? Wollen Sie zu Ihrem Gatten?"
Emily Düring warf sich in einen Seffel und schlug die Hände vors Gesicht. „Wir müssen fort von hier, oder wir sind verloren!" schluchzte sie.
Fortsetzung folgk.
Graue Gefahren.
Roman aus der Gegenwart von M. Gontard. Schuck.
^6) Nachdruck verboten.
Endlich war es dunkel genug, so daß man es wagen konnte. Mary schlich nach dem Hinterzimmer und spähte nach der Gartenseite. Es war nichts zu scheu. Sie kam zurück und winkte der Herrin, die lvährenddessen den Geldkasten in eine kleine Handtasche gelegt hatte.
Mary sprang Zuerst durch das Fenster. Frau von Düring reichte ihr die Tasche und folgte dann nach. Sie atmete tief auf, als sie im Freien stand. Die Glieder flogen ihr, schreckhaft und voller Angst spähte sie nach allen Seiten.
Noch war es nicht dunkel genug. Wie leicht konnte man ste entdecken. Da hörten sie das Geräusch eines Wagens.
„Sie kommen, Mary! Sie kommen! Schnell, nur schnell, sonst finden sie uns noch Ach ich wollte, ich hätte Gift bei mir, dann —!"
Sie vollendete nicht, aber Mary konnte sich unschwer den,Schlich denken.
„Seien Sie nicht so töricht!" rief ste nachdrücklich „Nur rasch, wir wollen schon durchkommen!" Und leichtfüßig lief sie voran, dem Nachbargrundstück zu. Durch eine kleine Lücke schlüpfte sie in Winklers Garten, und ohne sich noch einmal unrzusehen, folgte Frau von Düring.
Fort! Nur fort! Ihre Pulse flogen, vor den Augen lag es wie rötlicher Nebel.
„Wir haben Glück, gnädige Frau! Bei dem Wetter ist nirgends ein Mensch."
„Aber wir dürfen hier nicht weiter nach dem Hafen zu. Da sind zuviel Wachen während der KriegZzeft, und wie Leicht könnte man uns erkennen."
„Ja, aber hier können wir auch nicht bleiben, und ein :#fu to finden wir hier nicht. Dann wollen wir zurück nach l anderen Seite."
'Vmt von Düring griff erschreckt nack Marys Arm.
„Um Gottes willen, nein, nein, nicht zurück! Wie leLcht könnten wir denen gerade in tue Arme laufen. Ich weiß jetzt, wo wir hingehen. Ah. daß ich daran nicht gleich ge- backt habe! Sie muß uns helfen! Es ist einfach ihre Pflicht!"
„Wer — von wem sprechen Sie?" ftagte Mary verwundert.
„Helen Douglas! Ich meine Frau von Werkbdm. Ah, ja, das ist die Rettung! Dort wird uns am allerwenigsten jemand vermuten."
„Und wen'' der Kapitänleutnant Zu Hause ist?"
„Er ist nicht zu Hause, ich weiß es. Er ist doch mit bei der Probefahrt auf dem neuen Boot. Dasselbe, auf dem mein Manu auch mit ist."
„Dann ist's gut, gnädige Frau. Besser ckönner» wir's gar nicht treffen. Wir bleiben heute Nacht und den morgigen Tag über dort und fahren erst morgen abend im Dunkeln hier weg."
„Aber die Dienerschaft! Daran Hab' ich nicht gedacht!" warf Frau von Düring schon wieder zögernd ein.
„Ach was! Frau von Werkheim kann uns verstecken. Das läßt sich schon machen. In einem so großen Haus findet sich leicht ein Platz."
„Aber wenn das Mädchen oder die Köchin an die Türe kommen, um zu öffnen?"
„Lassen Sie mich nur machen, wir wollen schon hinein kommen/ohne daß uns jemand sieht."
..Ach, Mary, wenn ich Sie jetzt nicht hätte!"
Frau von Düring war ganz erschöpft von den Aufregungen des Tages. Nur mit Mühe schleppte sie sich vorwärts.
„Wenn wir nur erst Holland' erreicht haben, Mary, dann sind wir sicher. Dort können wir vorläufig bleiben."
„Warum? Wenn wir unangefochten nach Holland kommen, dann können wir auch nach England hinüber, rmd da sind wir doch am sichersten/'


