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Samstag, den 2. März 1918

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11. Zatzrgune.

Ans meiner Dorfkirche.

Der erste Friedcnsfchlnß.

1. Samuelis 7. 12. Bis hierher hat uns der Herr ge­holfen.

Liebe Lesergemeinde!

Samstag Abend wars. Nach vollendeter Predrgtarbeit trat der Dorfkirchenprediger aus seinem Hoftor, um in der Stille seiner Berge die Seele dem S.umtag entgegenzu­führen. Da rasselt in der benachbarten Telefonstelle der Frnsprecher. Einen Augenblick aufhorchen: Das Zeichen kenne ich, das ist der Tagesbericht. Also herein ins Haus. Wer nimmt den Tagesbericht ab? Ach, wenn Sie es machen wo^en, Herr Pfarrer, wir haben keine Zeit, wir sind gerade am Füttern. Also an den Fernsprecher. Das Rasseln hat o.ufgehört die Namen der angeschlossenen Dörfer werden verlesen. Hier und da eine Antwort, die meisten fehlen, sie sind gerade am Füttern und haben keine Zeit! Und dann komme ich mit der großen Nachricht heraus, um es den Leuten zu erzählen. So! sagen sie, na, das ist gut, hoffent­lich hören die anderen auch auf. Dann drehen sie um und gehen wieder an die Arbeit! So sind unsere Bauersleute! Vom Schreien und Jubeln halten sie nichts, und sie wissen aus eigener Erfahrung, wieviel Arbeit es kostet, bis Brot und Milch auf dem Tisch stehen. Worte machen nicht sott! Darum tun sie still und unverdrossen ihre Pflicht in guten und in bösen Tagen.

Da ging ich hinauf auf die Berge, allein zu sein, mit meiner inneren Erregung. An untere Soldaten mußte ich denken. Nun war dieselbe Kunde schon bis in die äußersten Schützengräben hinausgewandert. Da standen Männer, die vielleicht schon seit Anfang des Krieges das Gewehr tragen. Da stand gar mancher, der vielleicht schon in dem heißen Ringen der Karpathenschlacht und bei Gorliee um das Schick­sal der Ukraine niitgerungen hatte! Was für Gedanken und Empfindungen mochte das WortFriede" in ihnen auslösen, was für Bilder von Heimkehr und friedlicher Ar­beit mochten vor ihrem in.ieren Auge stehen! Und wie lange wird es wohl noch dawern bis diese Bilder zur Wirk­lichkeit werden dürfen? Es ist mir wie ein heißes Beten um die Seelen unserer feldgrauen Brüder.

Und von Gottes Gerechtigkeit redet dieser Tag. Es ist ein eigenartig Ding um diesen Friedensschlußk Wer bat vor dem Krieg etwas von der Ukraine gewußt? Und Rußland bat diesen Krieg angefangen, um dem Volkstum der Ukraine den Lebensodem vollends abstellen zu können! Wie, das , gehört in die Politik? Aber das gehört hierher: daß nun ! gerade umgekehrt, das erste abgeschlossene Ergebnis des Völkerringens das Wiedererwachen der Ukraine ist! Gott sorgt dafür, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen! Er schafft den Unterdrückten Recht. Das erzählt uns dieser Tag!

Und wie solls nun weiter gehen? Inzwischen bat Braun­stein seinen höchsten Narrensprung gemacht, und ist daraus beimgeroist, und Lloyd Georgebereitet auf lange Kriegs- dauer" vor! Macht nichts! Wenn im Frühjahr die Schnee­schmelze eintritt, dann tobt der sonst so stille Gebirgsbach unter meinem Hause und tritt über die Ufer. Aber da liegt mitten im Bach em mächtiger Felsblock. Und wenn der Bach eine Zeitlang getobt, dann zeigt sich von dem Fellen ein ganz kleines Stückchen, nicht so groß wie eines Menschen

Graue Gefahren.

Roman aus der Gegenwart von M. Gontard«Schuck.

4 ?j Nachdruck per o.en.

Angst? Unsinn! Vor wem? Vor was? Was hatte sie zu nirchten? Wenn man ihr gab, was sie wollte, dann würde sie ihr Ziel erreichen. Dann konnte sie endlich dahin gehen, wohin es ihr beliebte. Und diese Aussicht war schon rin kleines Lpfer, eine kleine Aufregung wert.

Und dann war sie nicht Engländerin? War es nicht 'ihre Pflicht ihrem Vaterlande zu helfen?

Williams hatte das minutenlange Zögern bemerkt. Er unterbrach es mit keiner Bewegung. Er wußte, was im Innern dieser Frau vorging. Wie in einem aufgeschlagenen Buch las er in ihrer Seele. Williams war ein Mann roll Erfahrung, und die da vor ihm war nicht die erste, die er rar dem entscheidenden Schritt noch einmal zurüchchrecken l-.h. Das alles gab sich später.

.Also ich habe sehr gute Verbindungen, mit deren Hilfe rch Ihnen sehr wertvolle Schriftstücke liefern konnte," sagte endlich Frau von Düring entschlossen.

.So schrieben Sie an Sir Edward Douglas."

Meine Zofe die Sie eben sahen, hat ein Verhältnis mit pirem Zeichner von der Werft. Der Mann diente ttüher hier und ist durch meinen Mann in die Stelle gekommen. CV isti W r |\-r und steht in diesem Kriege ganz auf Seiten Fra-k.-ichs. allo auch Englands. Er hat mir schon vor la.^r seine Dienste angeboten, ich habe nur bis wtzt noch n *>t Gebrauch davon gemacht."

William? rieb sich befriedigt die Hände.Gut! Sehr gut! Solche Leute können wir brauchen. Haben Sie schon Vestlmmle? mit '.hm vereinbart? Wissen Sie, was er Ihnen liefern kann?"

fcWm, wie tarnte ich? Erst mußte ich wissen'"

Fuß. Dies Stückchen ist ganz still. Es brüllt und tobt nicht wie die Wasser ringsum, und doch erzählt es uns deutlich und vernehmbar: die Flut fällt! Und es hat noch immer recht behalten. So erzählt uns der Friede mit der Ukraine: laßt sie toben, ihre Macht ist gebrochen, Gott läßt die Baume nicht bis in den Himmel lvachsen. Bis hierher hat uns der Herr geholfen.

Während draußen der Weltkrieg die ersten Anzeichen des ErmattenS sehen läßt, geht ein stiller Kampf in der Heimat: Ein kleines Taglöhnermädchen ringt mit der furcht­baren Volksseuche unserer Tage, der Lungenschwindsucht. Ueber diesen schrecklichen Kampf haben mir liebe Freunde aus der Lesergemeinde mit ihren Gaben helfen wollen, das Wort ..Sieg und Friede" zu sprechen. Herzlichen Dank Euch allen. Traurigen Eltern, die schon einen Sohn im Krreg gelassen haben, soll Eure Gabe das Herz fröhlich machen. Und mein Segenswunsch heißt: Möge das mit Eurer Hilfe begonnene Werk ein rechtesFriedenswerk" werden.

Woll uns Deinen Tröster senden,

Herr, in dieser schweren Zeit,

Da die Welt an allen Enden Durstig irach Erlösung schreit.

Denn es geht ein heilig Sehnen Durch der Völker bangen Sinn.

Und sie seufzen unter Tränen:

Hüter, ist die Nacht bald hin? Amen.

Are Zeit ist schwer....

Von v. G lz. - R.

Demagogie",Nichts als Demagogie",Gewaltpolitik" Krasse Jnteressenpolitik",Blindwütiges Poltern",Scham­lose Verunglimpfung",Roheits-Expresse",Volksverhetz­ung",Schlagworte und Brutalitäten",- und so weiter mit Grazie.

Was ist geschehen? Neues von Trotzki? Oder ist vo» weiteren Schandtaten der bolschewistischen Banden im ge« peinigten Valtenlande die'Rede? Nichts derart, der Anlaß zu diesem überschäumenden Wutausbruch ist viel harnkloser: dieFrankfurter Zeitung" ,gvürbigt" die Jubiläumstagung des Bundes der Landwirte und spickt ihren langen Artikel mit dieser Fülle lieblicher Vokabeln, die noch nicht ein­mal vollständig aufgezahtt sind. Soll man diesen Unrat­kübel einfach abtun mit dem Bemerken, daß von vornherein Unrecht haben muß, wer derart ordinär schimpft? Das \ beste wäre es vielleicht: ich will darum kurz sein. Ich bin l wederBündler", nochAlldeutsch", nochVaterlandspar- teiler", sondern ein unverbesserlicher Feind aller Parteien, Vereine und daneben auf meine, ich möchte sagen: private Weise einfach deutschgesinnt, lind da habe ich jährlich im Februar meine Helle Freude gerade an der.ndlcrtagung. Mag da manchem manches nicht passen, wir sollten doch (wenn wir unsere Großstädte ansehen und ihre schleimige Ueberkultur!) Gott danken für diesen frischen und urwüch­sigen Menschenschlag, der gesund ist bis auf die Knochen, dessen unverwüstlicher Kraft und unermüdlicher Arbeitslust wir es wahrlich nicht zunl kleinsten Verdienst anrechnen müssen, wenn wirdurchhalten" konnten. Ja!, höre ich manchen guten Freund sagen, aber der von Oldenburg- Januschau! Nun, wer ihn nicht vertragen kann, ist zu be­dauern. Ich mochte gerade ihn am wenigsten missen. Denn

. Ich verstehe! Sie wollten erst wissen, was Sie für Ihre Bemühungen bekommen werden?"

Eines Augenblicks Länge noch sah sie wie unschlüssig vor sich nieder, dann h'ob sie entschlossen den Kopf und sah ihm gerade in die Augen.

Ja, so ist es! Was soll ich es leugnen?"

..Gut, gut? Das ist auch meine Art. Ein glattes Ge- fcfxift ist immer das beste."

..Nun also, dieser Mensch wie er heißt, tut ja nichts zur Sacke will Mary heiraten, aber dazu braucht er Geld. Es kommt nun ganz darauf an, was Sie, oder vielmehr Sir Edward Douglas mir für meine Bemühungen geben. Kann ich dem Manne eine anständige Summe versprechen, so werde ich alles von ihm erlangen. Aber wie gesagt, es muß sich lohnen, denn auch er hat wieder seine Helfershelfer, da er mclit alles selbst unter den Händen hat."

..Gut! Sehr gut! Und das Mädchen? Können wir unS auf sie verlassen? Ist sie nicht schwatzhaft?"

Mary ist Engländerin, mein Herr! Ich bürge für sie."

Hm. desto besser. Und was wäre das Nächste, was Sie uns übergeben können?"

Darüber möchte ich noch nicht sprechen. Aber Sie werden schon zufrieden sein mit dein, was ich Ihnen zuerst liefere. Erst aber muß ich wissen, ob es überhaupt der Mühe wert ist, daß ich mich mit der ganzen Sack-e defaste. Sie werden sich selbst sagen, daß ich mich nur deshalb in ein so gefährliches Unternehmen einlasse, um das Lebeusglück meiner Jungfer zu begründen."

Selbstverständlich! Aber bei uns kommt e* auch darauf an. wie die Arbeit ist, die uns geliefert wird, was sie uns nützt. Wie die Arbeit, so der Lohn, das gilt auch hier. Aber soviel kann ich Ihnen sagen, wir zahlen immer gut. Und gerade für diesen Fall hat mir Sir Edward Douglas die ausgedehnteste Vollmacht gegeben. Und. soll«

zuzeiten sind erfrischend wie Gewitter gol^ne Nücksü->s' lcstgkeiten!' Selbst um den Preis, daß sie an gewissen Stellen, wie bei unfern internationalen Haudelsbrättern, Anstoß erregen. Oder vielleicht mtdj gerade deshalb?

. Damit bin ich bei dem angelaugt, was mich zu diesen Zellen eigentlich veranlaßte, weil es mir in derFranks. Zta." auffiel. Wenn dieses alte Engländer- und Vollche. wistenorgan sich so gedrandmarkt fühlt, daß es tobt, könnte man es ruhig seinem alttestamentari.chen Zorn überlassen. Aber dieFranks. Ztg." tobt nicht mir, sondern klagt arch. dieser Bündlertag zeige, wiefurchtbar arm" Deutichland gerade in dieser seiner schwersten Zeit anführenden Per­sönlichkeiten" sei. Womit der geneigte Leser mit der Rate daraus gestoßen wird, daß er seineFührer" eben nicht auf dem Lande, zu deutsch: bei den nationalen Parteien, ' :.iV?n soll und finden werde, sondern auf dem Effektenmärkte und bei dessen seinen Sprachorgcmen. Und da fiel mir eiwas ein. was ich vor Jahr und Tag las. Damals klagte dw Franks. Ztg." überdie dünne GesUschastZfchicht", welche sich anmaße, in Deutschlandführen" zu wollen, während doch.... usw. Da wollte es ein boshafter Zufall, daß just am nämlichen Tage eine dem Frankfurter Blatt nächst­stehende Berliner Zeitung jene andere, dünneGesellschafts- sthicht" beleuchtete, welcher eben unsere internationalen Börsenblätter die Herrschaft zuschanzen möchten. Freilich geschah dies in einemBerliner Feuilletonge sprach":

P u f s i :Na, woher des Weges?"

Lilli:. Komme vom K.d.W. Bin die leib-ästige

A.E.G."

Nuss krA E.G.?"

Lilli:Mensch verstehst Du kein Deutsch? .. . ..All­gemeine Einkaufs-Gesellschaft!!"

Pussi:Nichtig! .... Nu kommst doch Nachmittag in 'd Zoo?"

Lilli:Nichts zu machen. Mir is mau nach dem gestrigen Klimbin und der kalten Ente."

Pussi:Ach was, öde bist Du. Also dann erst abends im U.T."

Llli:U.T ? Ne, war ich gestern. Wollen lieber ins E.S.P."

Pussi t.Oder L.S.?"

Lilli:'Ausgerechnet! Wo all die ollen Morcheln hocken?"

P u s s i tNa, dann KaffeLeberwurst."

Lilli: ,.M. w.? Allst Uhr vor Deiner Tiir im Auto."

Pussi:Parfümspritze? - Hat der Mensch Tön-!

Willst wohl sagen Pferdegondel."

Hier ist die anderedünne Gesellschastsschicht" prallst tkg geschildert, so man zu Frankfurt meint. Die betreffende Sck-.ri-stleitung führte dies anmutige Gespräch zwar als Probe des .neuen Sprechstils" an. Aber hinter dem Stil stehen die Menschen, die ihn üben. Ich glaube, man kann weit, weit in die liberalen Bürgerkreise hine'mgehen und ihnen die Wahl lassen zwischen dem deutschen Ton unserer Landwirte und dem modernenStil" der Gegenseite, sie werden sich von dieser mit einem gewissen, aufsteigenden Gefühl abwcnden....

Ja, die Zeit ist schwer, klagt die Franks. Ztg.". Sie soll noch schwerer werden! Und wenn sie für dieFranks. Ztg." am schwersten ist, dann wird man von ihr jagen rön­nen, daß sie gesund und deutsch ist!

ten Sie sich bewähren und schließlich ganz in unsere Dienste treten, so werden Sie zufrieden sein."

Nun gut. Dann werden wir rasch einig sein. Ich sage Ihnen ganz offen ich will Geld verdienen. Mein ganzes Leben lang war ich arm. Meine Ehe. von der ich gehofft, sie würde mich aus dieser Armseligkeit befreien, ist unglücklich. Mein Mann und ich. wir sind uns frenid ge­worden. Bisher hielt meine persönliche Mittellosigkeit mich von einer Rückkehr nach England ab. Wenn ich erst die Mittel dazu habe, dann Und dann natürlich will ich auch gerne meinem Vaterlande nützen," fügte sie nach kurzer Pause hinzu.

Williams antwortete nicht sogleich. Eifrig rieb die fleischige Hand über das glattrasierte Kinn.

Sie war vorsichtig und klug, die Dame. Nun, das waren keine schlechten EigensckMen. Alberne Gänschen konnte man bei dem Geschäft auch nicht gebrauchen.

Kann ich mit dem Manne selbst sprechen, Frau von Düring?"

Emily von Düring sah ihren Besucher mißtrauisch an. Was wollte er? Wollte man sie ganz ausschalten?

Nein, Herr Snyders. Es tut mir leid. Was Sie zu wissen wünschen und abzumachen haben, müssen Sie schon mit mir erledigen," sagte sie kurz.

Williams nickte befriedigt vor sich hin.Wie Sie wünschen! Es sollte kein Mißtrauen sein," entgegnete er ruhig.

Ich werde morgen abend noch einmal bei Ihnen vor- sprechen. Halten Sie alles fertig, was Sie mir zu über* geben haben. Ich werde Ihnen eine Summe crushändige» eine Abschlagszahlung vorläufig, aber Sie lverden zu­frieden sein. Sind die Sacken, die Sie mir mitgeben, wirk­lich so wichtig, wie Sie sagen, dann sollen Sie nicht bereuen sich mit uns verbunden zu haben." (Fortsetzung folgt.)