Umnmer 3 7 __ Mittwoch, den 13. Februar 10! 8 11. Jahrgang.
Die ..Reue Tanesreitung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Dauer ans Selsen". „Die Spiunstube". D-?ugspreis: Lei den Postanstalten vierteljährlich Mk 2 4(1 f)tn u tritt noch das Bestellgeld: bei den Aoenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. ^ureigen: Grundzeile 25 Pfg., totale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Dchriftleitnng und Derlaa Friedbocq rS5ciicn), ^anaueritraße 12. Ferniprecher 48. Post, Heck-Tonto ‘Jlc. 4859, amt Frankfurt a. M.
ae Ultimatum au Unmönien. — Gesterreichifcher Ktnrmrrfalg bei Ualftagna. — 18000 Tonnen verlenkt; ein britischer Zerstörer gefunken. — Eine neue Rede Wilsons.
Der deutsche Generalstab s= meldet: == ü
W. T. K. Ovoßes Hairptqrrartiev, tuen 12. Februar. Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Ru pp recht
und Deutscher Kronprinz.
An vielen Stellen der Front Artillerierät tzfteit. Jnfante- rkeabteilungen führten südlich von St. Quentin und auf dem östlichen Maasufer am Cauriereswalde erfolgreiche Erkundungen durch und machten dabei Gefangene.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Zwischen Flirey und der Mosel Artillerie- und Minen- kampf, der sich heute morgen, besonders in der Gegend von Re- menauville verstärkte.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Die militärische Lage ist an der Front gegenüber den Groß. P'ffen und Rumänen unverändert.
A Italienische Front.
Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden tagsüber lebhafter Feuerkampf. In örtlichem Angriff säuberten österreichischungarische Truppen feindliche Stützpunkte am Südhange des Casso Rosso und nahmen dabei 6 Offiziere und 170 Mann gefangen.
Ä
Dan der
Mazedonische« Front
nichts Neues.
Der Erste Generalquartiermeffter: Ludendorff.
Adens Bericht.
Berlin, 12. Febr., abends. (MTB. Amtlich.) Westlich von der Mosel flaute die Gefechtstätigkeit nach dem Scheitern französischer Vorstöße am Vormittag wieder ab.
Von den anderen- Kriegsschauplätzen nichts Neues
er österreichische Generalstab meldet:
Wien, 12. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich vird verlautbart: Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden und im Gebiete des Monte Afolone lebhafte Artillerietätigkeit. Nördlich von Valstagna warfen unsere Trupepn den Gegner aus seinen Stellungen: hierbei wurden 6 Offiziere und 170 Mann gefangen eingebracht.
Der Chef des Genkralstabr».
.. 18000 Tonnen versenkt.
Berlin, 11. Febr. (WTV. Amtlich.) Im östlichen Aermelkanal und an der englischen Westküste versenkten unsere U-Boote 18 000 Vruttoregistertonnen feindlichen Handelsschiffsraum. Allx Schiffe mit Ausnahme eines mit Ballast fahrenden waren beladen Ein etwa 5000 Bruttoregistertonnen großer Dampfer wurde aus einem Geleitzug herausgeschossen, ein anderer alleinfahrender Dampfer von mindestens 6000 VrutLoregistertonnen trotz starker Bewaffnung versenkt.
Der Chef des Admiral st abs der Marine.
Ein britischer Zerstörer gesunken.
London, 12. Febr. (WTV. Nichtamtlich.) (Reuter. Amtlich.) Der britische Zerstörer „Boxer" ist in der Nacht vom 8. Febr. infolge eines Zusammenstoßes im Kanal gesunken. Ein Mann wird vermißt.
Die rnjstsche Demobilisaiion.
Unsere Stellungnahme.
Trotzkis Erklärung der Demobilisierung des russischen Heeres und der Beendigung des Kriegszustandes mit dem Vier- Sund ist, wie wir erfahren, von diesem lediglich zur Kenntnis genommen worden, das heißt, man betrachtet zwar Trotzki an seine Erklärung gebunden, erachtet sie aber nicht als bindend für die Mittelmächte, die sich vielmehr die volle Freiheit der Entschließung Vorbehalten. Trotzki ist nach Petersburg zurück- «rek^fft. weil angeblich seine Instruktionen über die von ihm
s abgegebene Erklärung nicht hinausgehen und er sich wegen weiterer erst mit seiner Regierung ins Einvernehmen setzen muß. Damit sind die Verhandlungen in Brest-Lftowsk tatsächlich abgebrochen und der Vorschlag Trotzes, sie in Petersburg fortzusetzen, wo ja der Vierbund zurzeit ohnehin durch eine Kommission vertreten sei, wird bei den Mittelmächten ebensowenig Gegenliebe finden wie der gleiche Vorschlag, den Trotzki schon früher einmal niachtc. Man beabsichtigt vielmehr, angesichts der wachsenden Unsicherheit in Petersburg die Kommission znrückzubcrufen. Wie wir weiter erfahren, werden demnächst zwischen der politischen und der Obersten Heeresleitung Verhandlungen stattfinden, in denen unsere Stellungnahme zu , den russischen Völkern festgclegt werden soll.
Ein Funkspruch „An Alle".
Die erste Wirkung der Trotzkischen Erklärung erhellt aus einem Funkspruch „An Alle", den unter anderem der demnach nicht gefangen genommene Krylenko unterzeichnet hatte. Er beginnt schwunghaft mit den Worten: „Friede! Friede! Friede!", teilt knapp das Tatsächliche mir. sagt dann: „Die verfluchte Schlächterei hat einErrde genommen" und wendet sich zum Schluß an die „Kameraden" mit der Aufforderung, sich aller Gewalttaten zu enthalten und in Ruhe die Wegschaffung abzuwarten, j Schon drei Stunden spater aber erging ein anderer Fnnkspruch j der maximalistischen Regierung der besagte: Achtung! Die Verbreitung des Telegramms Krylenkos soll sofort eingestellt werden!"
Eine Antwort der Mittelmächte an Trotzki.
Wie verlautet und wie auch in den Berliner Blättern bestätigt wird, werden die Mittelmächte auf die Friedenserklärung Trotzkis eine gemeinsame Antwort geben. Die Delegierten der Mittelmächte find bereits aus Brest-Litowek abgereist.
Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt: Nach unseren Informationen dürste sich Staatssekretär von Kühlmann zur Stunde unterwegs nach Berlin befinden. Ebenso ist anzuneh- men, daß Trotzki auf dem Wege nach Petersburg ist. Die geschichtliche Nolle, die Breft-Litowsk eine Zeitlang als Schauplatz der Verhandlungen zwischen den Mittelmächten und Rußland gespielt hat, dürfte, wie immer sich die weitere Entwicklung gestalten mag, damit für absehbare Zeit ausgespielt sein. Auch die „Vossische Zeitung" und das „Berliner Tageblatt" bringen die Meldung, daß Herr von Kühlmann und die Mitglieder der deutschen Abordnung gestern abend Vrest-Litowsk verlaßen haben. Cie werden heute mittag in Berlin eintreffen. Auch Graf Czernin und seine Begleiter sind dem „Berliner Tage blatt" zufolge gestern abend von Brest-Litowski abgereist.
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Die Rückwirkung auf Jassy.
In Beurteilung des Kriegsendes mit der Ukraine werden in Wien hauptsächlich drei Umstände hervorgehoben: Die Verkürzung unserer Ostfront, bis Einwirkung auf Rumänien im Sinne des Friedensschlusses und die wirtschaftliche Erleichterung für die Mittelmächte. Rumänien ist jetzt vollständig abgeschnit- ten und es mutz angenommen werden, daß die Ukraine durch ihr Gebiet keine Durchfuhr von Kriegsgerät gestatten wird. Das Schicksal Rumäniens wäre daher besiegelt und man kann den baldigsten Abschluß des Friedens mit Rumänien erwarten. Bezüglich der wirtschaftlichen Bedeutung des Friedensschluffes mit der Ukraine gehen die Schätzungen sehr weit auseinander. Jedenfalls dürfte infolge des Vodenreichtums der Ukraine wenn nicht sofort, so doch für die Zukunft mit namhaften Zuschüßen zu rechnen sein.
D?e österrckchifcherr Us!en gegsn de« Friedcttsschlrrß.
Wien, 11. Febr. Die „Polnischen Nachrichten" melden: Das Präsidium des Polenklubs, bestehend aus dem Obmann Götz unb den Obmannstellvertretern Kandzier, German und Lysocki, erschien heute Vormittag beim Ministerpräsidenten von Seidler und teilte ihm mit, daß angesichts der Veröffentlichung des Friedensvertrages mit der Ukrainischen Volksrepublik, worin von römisch-katholischer polnischer Bevölkerung in überwiegender Mehrheit bewohnte Gebiete von Kongreßpolen zu Gunsten der Ukraine abgetrennt wurden, der ganze Polenkluö sich gezwungen sehe, sowohl im Ncichsrat als auch in der österreichischen Delegation zur Opposition überzugehen.
Hoffentlich hat die österreichische Regierung die nötige Festigkeit gegen die galizischen Polen, die sich stets als die härtesten Unterdrücker der Fremdvölker, besonders der Ruthenen
erwiesen haben. Es ist mehr als ein Scherzwort, wenn gesagt wird, bei der zweiten Teilung Polens fiel Oesterreich an Galt, zien. Tatsächlich hat der Polenklub oft genug hinter den Kulis, sen die Regierung in Wien gespielt.
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Die plüqaren ;rrr russische» Erklärung.
Sofia, 12. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung dev Agence Bulgare. Gestern teilte der stellvertretende Minister» Präsident Peschcff in der Sobranje eine Depesche mit, in der Radoslawow, das Haupt der bulgarischen Delegation bet der Friedenskonferenz in Brest-Litowsk, das Kabinett von der russischen Erklärung über die Beendigung des Krieges mit dein Vjerbunde und der vollständigen Demobilisierung der russischen Streitkräfte an allen Fronten Kenntnis gibt und seine Glückwünsche für die Negierung und das bu!» garische Volk anläßlich des mit Rußland eingetretenen Friedens ausdrückt. Die Verlesung der Depesche wurde mit einem Beifallssturm auf allen Banken ausgenommen. Die Sobranje beschloß, die Sitzung zu Ehren des Friedens auf- znheben.
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Dre AitLajisrmg dsr Türkei.
Konstantinopel, 11. Febr. (WB.) Alle türkifch'n Zeitungen begrüßen den Friedensschluß'mit der Ukraine mit Genugtuung und heben die wirtschaftliche Bedeutung des Vertrages hervor. „Lanin" sagt: „Wir haben gegen» wärtig keine Eile, mit Nordrußland Frieden zu schließen. Sobald dieses einsehen muß, daß es sich beeilen muß. werden wir uns mit ihm auf Grundlagen verständigen, die unseren Interessen zn entsprechen scheinen."
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Neutrale Wemmrgeu.
Bern, 12. Februar. (WLB. Nichtamtlich.) Dar „Berner Fntelligenzblatt" schreibt unter der Ueberschrift: „Frieden . int Osten Wirklichkeit?": Aus den langen Er> klärungen Trotzkis ging die Absicht auf Verschleppung hervor. wenn nicht gar die Verhinderung einer friedlichen Ver- ständlgung. Von dem Augenblicke des Hinüoerspielens der revolutionären Absichten nach Deutschland war die Haltung der deutschen Delegation gegeben. Man muß die Beherrschung, die sich v. Kühlmann auserlegte bis zum letzten Tage, nur bewundern. Man rechnete in Deutschlands offiziellen Kreisen sicherlich mit der Möglichkeit eines vollkommenen Bruches. Mit dieser Erledigung des Ostens sl.'tzten die Mittelmächte den Schlußpunki hinter ihren groß, ten Erfolg in diesem Kriege. Aus einer ständig drohenden Geiahr eines kampfbereiten Großslawenreiches ist ein Konglomerat von mittelgroßen demokratischen, auf lauge Zeit hinaus mit sich selbst beschäftigten Staaten geworden, deren Vielfarbigkeit die Schließung des Ringens um Mittel, europa, wie Edward VII. ihn mit dem Zaren formte, unmöglich macht.
Der Anfang vom Ende?
Amsterdam, 12. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der Fno densschluß mit Rußland, der heute vormittag durch Extraausgaben der Zeitungen bekannt wurde, hat hier das größte Aufsehen erregt und wird in der ganzen Stadt lebhaft be- sprochen. Auf der Börse, wo die am Samstag eingetrossene Meldung vorn Friedensschluß mit der Ukraine verhältnismäßig geringen Eindruck gemacht hatte, entstand heute eine starke Hausse in Devisen und in Effekten der Zentralmöckte.
Die Nachniittagsausgaben der Blätter enthalten lange Artikel über den Friedensschluß. „Allgemeen Handelsölad" schreibt: Die rasche Einigung mit der Ukraine muß auf die russische Negierung tiefen Eindruck gemacht haben. Es ist jetzt klar, daß die Entente vom Osten nichts mehr zu erwarten hat. Rumänien kann jetzt, wo die Länder, an die es grenzt, den Kampf aufgegeben haben, allein nicht den Krieg iortsetzen. Der Kampf im Osten ist beendet. Der Sonderfrieden ist zustande gekommen. Das ist der Anfang vom Ende des Weltkrieges. „Tijd" schreibt: In Deutschland tagt es im Osten. Deuffchland ist jetzt an der Ostgrenze frei. Was das zn bedeuten hat, werden die nächsten Wochen der Entente wahrscheinlich mit erschreckender Deutlichkeit zeigen,
Das MtimaUrm an Unmänien.
Berlin, 12. Febr. In ausländischen Zeitungen sind Nachrichten darüber verbreitet, daß durch den Generalseld- marfchall Mackensen am 6. Februar im Skrman der deutschen


