Hummn* 23
Millmoch, den 30. Januar 1018
11. Jahrgang.
Ueue Tttge
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Franröstfche.nnd itaiieni,che Angriffe unter HZMgen DerOrsten ahgpWiesen. — Erfalgrci^e Lenche Fliegerangriffe; 13 feindliche Flugzeuge adgefchoffeu. — 18 000 Tonnen verjenlrt. ' .
Der deutsche Genera Mab ^
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W. T. K. < istzes KarrptHnarLier, dsrr
29. Jarruar. Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz.
An verschiedenen Stellen der Front Artillerie-Tätigkeit.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
In der Champagne entwickelten sich lebhafte örtliche Kampfe. Beiderseits der Strotze Hilcvirs bis St. Couplet scheiterten am Morgen kleinere französische Angrisfsunternehmun- gen. Unsere Stellungen zwischen den von Somme-Py und Ri- pont nach Südosten führenden Stratzen lagen am frühen Nachmittag unter heftigstem feindlichen Feuer. Unter seinem Schutze stietz französische Infanterie mit Flammenwerfern zu starken Erkundungen gegen mehrere Stellen der Front vor. Mit schweren Verlusten wurde sie, zum Teil vor unseren Hindernissen, zum Teil im Nahkampf, zurückaeworsen. Einige Gefangene blieben i» unserer Hand; mehrere Flammenwerfer wurde?» erbeutet.
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Nege Fliegertötigkeit führte zu zahlreichen Luftkampfen. Wir schaffen gestern dreizehn feindliche Flugzeuge und einen Fesselballon ab.
London und Sheerneß wurden erfolgreich mit Bomben bewerfen.
Französische Flieger setzten ihre Angriffe gegen unsere Lazarette fort. Mährend im Monat Dezember die Lazarettanlagen von Nethel mehrfach das Ziel ihrer Bombenabwürfe waren, griffen sie in den letzten Tagen die Anlagen von Labry (östlich von Eonflans) an.
Italienische Front.
Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden ist von neuem heftiger Kampf entbrannt. DieVItaliener griffen gestern in Abschnitten östlich von Asiago bis^zur Brenta mit starken Kräften an. Am Monte Sifemol und westlich brachen ihre Angriffe vor den österreichisch-ungarischen Stellungen meist schon im Feuer zusammen. Der Monte di Val Bella, auf dem lie vorübergehend Futz fassen konnten, wurde ihnen im Gegenstoß wieder entrissen. Ebenso warfen unsere Verbündeten in dem Gebiet des Col del Roffo sowie zwischen der Frenzelasch'.ucht und der Brenta anstürmenden Feind nach schweren Kämpfen zurück. Wiederholte Versuche des Feindes, örtliche Einbruch.'- stcllen durch Einsatz seiner Reserven zu erweitern, scheiterten unter blutigen Verlusten. Zehn Offiziere und 350 Mann wurden gefangen
Eines unserer BombengeschwadP: warf in der Nacht vom 26. zum 27. Januar mit guter Wirkung 21 009 Kilogramm Bomben auf Eastelfranco. Treviso und Mestre ab. Große Brände waren weithin sichtbar.
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Eeneralqrmrtiermsistrr'. Ludendorff.
AikerrÄberrcht.
Berlin, 29. Jan., abends. (WTV. Amtlich.) Von bcn Kriegsschauplätzen nichts Neues.
^^HHerr-eichische GrneraMak jj meidet: . — Ü
Wien, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- lautbart: ^
Auf der Hochfläche von Alsiago ging der Italiener gestern nach dreitägiger Artillerievorbereitung zum Infanterieangriff über, der zu schweren Kämpfen um den Col del Roffo und den Monte dl Va! Bella führte. Dan? der zähen Ausdauer der tapferen Verteidiger blieben beide Höhen nach wechselvollem Gingen mit dom an Zahl stark überlegenen Gegner in unserem Bclltz. Oertlichc Einbruchsstellen vermochte der Feind nicht zv errveitein. Im Westteile der Hochfläche brachen die italkni- !chen Angriffe bcreir- in unserem Abwehrfeuer zusammen. Bisher wurden zehn Offiziere und 35« Mann gefangen eingebracht
Zur Kriegslage.
reich waren und verschiedentlich Gefangene und Maschinengewehre zuruckbro.chten, setzten die Franzosen in der Champaane zu gewaltsamen Erkundungen größeren Stils stärkere Kralle ein. Am Morgen des 28. Januar erfolgte nach kurzer Artillerie- und Mlnenfenervorbereitung bsiderseit der Straße St. Scuplet-St. Hilaire der Vorstotz eines starken französischen Sturmtrupps gegen unsere dortigen Stellungen. Wirksam von unserem Soerr- und Maschinengewchrfeuer erfaßt, entzog sich der Gegner unter schweren Verlusten durch eilige Flucht unserem Gegenstoß. 1 Ubr 15 Minuten nachmittags setzte schlagkräftig erneut Fcuervorbereitung zu einem großzügigen feindlichen Patrouillenunternehmen ein. Unsere Stellungen südlich der Linie Sgmmepy-Rouvrois lagen unter starkem Trommelfeuer. Bereits um 2 Uhr nachmittags traten starke französische Sturmabteilungen gegen unsere Stellungen bei Butte de Ta» hure und Butte de Mesni! und westlich dieses Ortes zum Sturm an. Zum großen Teil brach der Angriff bereits vor unseren Drahthindernissen in wirksamem Sperrfeuer zusammen. An anderen Stellen wurden die Franzosen in blutigem Nahkampf unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Hierbei wurden ihnen mehrere Gefangene und Flammenwerfer, die in großer Anzahl den Angriff unterstützen sollten, abgenommen.
Zwischen Asiago und der Brenta haben sich die Italiener, die mit starken Kräften wiederbolt die österreichisch-ungarische Stellungen anariffen. eine schwere blutige Niederlage geholt. Außer den zehn Offizieren und 350 Mann, die sie während des mißlungenen Angriffes als Gefangene einbllßten, erlitten sie infolge des rücksichtslosen Einsatzes ihrer Reserven außerordentlich hohe blutige 'Verluste.
Paris, §8 Jan. (WTB.) Der Materialtronsportdampfer „Drcme" und d?r Fischdampfer „Kerbhan" sind angesichts von Marserlle auf Minen gelaufen und gesunken. 40 Manu werden vermißt.
Gine Antwort der Gntenl'.
C-nf, 29. Jan. Der ..Matin" meldet: Der Ententerat ros kommenden Mittwoch wird eine gemeinsame Antwort auf die Berliner und Wiener Reden sestlegen.
Die „Humanste" meldet, die Linkssozialisten haben eins Anfrage an die Regierung in der Kammer über ihre Stellungnahme zu. den Berliner und Wiener Erklärungen eingebracht. Clemenceau wird die Anfrage in-der nächsten Woche, voraus- l sichtlich am Donnerstag, beantworten.
Verliu. 29. Jan. (WTV. Nichtamtlich.) An der Westfront lebte am 28. Januar bei aufklärender Sicht die Gefechtstätigkeit wieder auf. Während wir in Flandern und an verschiedenen Collen der Westfront in kleineren Unternehmungen erfolg
18000 Tonnen versenkt.
Berlin. 28. Jan. (ZvTB. Amtlich.) Unsere U-Boote fügten dem Feinde wiederum einen Verlust von 18 000 Brutto- registertcnnen Handelsschiffsraum zu. Drei große Dampfer wurden unter der irischen Küste versenkt. Zwei von ihnen fuhren in einem durch Zerstörer stark gesicherten Eeleitzuge. Einer der Dampfer war der bewaffnete englische Dampfer „Maxton" (3810 Bruttoregistertonnen).
Der Chef des Admiral st abs oer Marine.
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ÖtUiit, 28. Jan (WTB) Unter den U-Vootersolgen dieses Monats befinden sich Versenkungen, die für die Engländer besonders schmerzlich sind. Der „Daily Chronicle" berichtet am 9. Iastuar über den Verlust eines Lebensmittelschiffes. das einige Tage zuvor einen englischen Hafen, erreicht, jedoch, ohne gelöscht zu haben den Befehl erhalten hatte, nach einem andern Hafen zu fahren. Auf dem Wege dorthin wurde es versenkt. So ging das wertvolle Schiff mit der Ladung verloren, obwohl die ganze Ladung hätte gelöscht und mit der Eisenbahn zu ihrem endgültigen Bestimmungsorte geschafft werden können. Tie Sache t^irb das Unterhaus beschäftigen. Am 4. Dezember berichten die „Times" über zwei ähnliche Fälle. Von den versenkten Dampfern hatte einer Tee, der andere viertausend Tonnen Fleisch geladen. Beide hatten im ersten Hafen mangels Entladecinrichtungen nicht loschen können. Die Erregung unter der englischen Bevölkerung war groß, denn man rechnet nach, daß mit der versenkten Fleischmenge nach deutschen Verhältnissen 16 Millionen Menschen, die über ein Drittel der englischen Bevölkerung darstellen, eine Woche lang mit Fleisch hätten versorgt werden können
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Vom Seekriege.
Stockholm, 28. Ja»». (WTV.) Wie das ..Stockholms Dag- blad" aus Gotenburg erfährt, ist der schwedische Lloyddampser „Sylyia" (2550 Tonnen) am 24. Januar vor der schottischen Küste versenkt worden.
Bern, 28. Jan. (WTB.) Lyoner Blätter melden aus Madrid: Der.Marineminister bestätigt die Torpedierung des spanischen Dampfers „Giralda" (2194 Tonnen) durch ein deutsches Unterseeboot. Das Schis gehörte der Gompania Sevilliana de Navigazone. 26 Ueberlebende sind in Vigo eingetroffen. In Bilbao trafen 20 Ueberlebende von dem versenkten spanischen Dampfer „Victor de Chavarri" (2954 Tonnen) ein. Das Schiff hatte New Castle am 17. Januar mit einer Koblenladung ver- lassen und wurde am 21. Januar morgens 4 Uhr torpediert. Es sank innerhalb vier Minuten.
Genf, 28. Jan. (WTB.) Nach „Petit Parisien" ist der englische Danrpfer ..Warsong" am IS. Januar aus der Höhe der Bretagne untergegangen. Sieben Mann der Besatzung sind infolge Kenterns eines Rettungsbootes ertrunken. 13 sind gerettet.
Wiedcrbeginn da stlldkntzvtthlillWilgeri.
In Breft-Litowsk.
Wien, 23. Jan. (WTB.) Aus dem Kriegspreffecpiartier wird gemeldet' Feldmarichalleutnant von Cficeries ist in De» gleitung des Oberstleutnants Pskorny, des Korvettenkapitäns Wulff und des Majors von Horstenan heute nachmittag wieder in Brest-Litcwsk eingetroffen.
Brcst-Lftowsk, 29. Fan. (WTB.) Im Laufe des ge- singen Tages sind in Vrest-Litowsk eingetroffen am Nachmittag: Der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern Graf Czernin mit den übrigen Mitgliedern der österreichisch, ungarischen Delegation, abends: Staatssekretär v. Kühl- mann, der bayerische Staatsminister und ehemalige Ministerpräsident Graf Podewils mit Begleitung, ferner Groß- Wesir Talaat Pascha, der Minister des Aeußern Nessim Bey, der Botschafter Hakki Pascha mit einigen anderen türkischen Herren, endlich Teile der bulgarischen Delegation mit Oberst Gantichow an der Spitze. Heute vormittag gegen 1 / 2 12 Uhr ist auch Volkskommissar Trotzki in Brest-Litowsk angelangt.
-Die auf russisches Ersuchen auf heute anberaumts Sitzung der politischen Kommission ist auf morgen vertagt worden.
Trotzki gegen einen Sonderfrieden.
Stockholm, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der Petersburger Tel.-Agentur hat Trotzki auf dem dritten allrussischen Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte am Schlüsse einer längeren Rede folgendes erklärt: Tie russische Delegation wird ihre Forderungen nicht preisgeben. Sie wird keinen Separatfrieden schließen. Die Bewegung greift auf Polen und England über. Die Macht der imperialistischen und bürgerlichen Regierungen ist unterminiert. Das europäische Proletariat wird uns unterstützen. Wir kämpfen für eine gemeinsame Sache und wir werden siegen.
M MMe in F'nrMd.
Stockholm, 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung von Svenska Telegrambyran. Aus Helsingfors wird vom 28. Januar nachmitttags gemeldet: Der Eisenbahnverkehr ist allgemein eingestellt. Mehrere öffentliche Gebäude, darunter das Senatsgebäude, sind von Roten Gardisten besetzt. Die Universität ist geschlossen. Zeitungen erscheinen nicht. Der Straßenverkehr ist sehr lebhaft. Rote Garde patrouilliert überall. Die Fernverbindung im Innern des Landes ist unterbrochen. Die Sitzungen des Landtages sind eingestellt. Die Eisenbahnbrücken bei Kuria Haapanäki sind gesprengt. Die Senatsmitglieder befinden sich in Sicherheit
Die letzten Meldungen.
Aus Stockholm wird gemeldet: Gerade als gestern abend in Stockholm eine finnische Galavorstellung zur Feier -der Selbständigkeitserklärung Finnlands stattfand, der unter anderem auch die- königliche Familie, der finnische Gesandte und ^ie Gesandten der Mittelmächte beiwohnten, traf über Hapartmda die Nachricht ein, daß die finnische Rote'Garde einen Staatsstreich ausgeführt habe, indem sie den Senat stiirzte und daß der schwedische Gesandte in Firmlcuad, Aalström, mit einem Sonderzug nach Stockholm abgereist sei. Demgegeniiber wird aus Haparanda gemeldet: An- koniniende Reisende bestätigen, daß ganz Südfinnland in den Händen der Roten Garde ist. Ueber das Schicksal des Senats ist vorläufig nichts bekannt. Dersckffvedische Gesandte verbleibt in HetjingsorS; nur seine Frau ist abgereist.


