Per Wückzug der Russen durch Roten.
Polen zu einer Wüste gemacht.
Eine französische Zeitung beachte einen Bericht ihres Mitarbeiters, welcher der russischen Armee bei ihrem Rückzuge durch Polen gefolgt ist. Der fror - zösische Schriftsteller bestätigt, daß die Russen während ihres Rückzuges rücksichtslos und systematisch Leben uud Eigentum derPolen vernichteten. Polen habe viele schreck- liche Schicksalsstürme erlebt, Kriege und Revolutionen seien über das unglückliche Land hinweggejagt, aber alles das sei nichts im Vergleich dessen, was es jetzt erlebe. Beim Rückzuge war von russischer Seite der Befehl gegeben worden, daß alles vom Erdboden vcr- schwinden solle. Dem Bauern sagte man: „Zünde dein Haus an!", dem Fabrikbesitzer: „Zerstöre deine FabrikI" Der Bevölkerung der unglücklichen Städte und Dörfer rief man zu: „Verschüttet die Brunnen, zerstört die Wege, schlagt die Wälder nieder, »:alif die noch grünen Felder! ' Ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Ten abziehenden Bewohnern der Dörfer befahl man: „Reißt eure Kirche nieder!" Als sie sich auf die Knie warfen und riefen: „Das können wir nicht!" wurden besondere Brand- abteilungen gebildet. Diese begossen die Kirche mit Petroleum und zündeten sie mit Dynamitpatronen an. Polen sei heute eine Wüste. Mehrere Millionen Menschen seien heimatlos in die Ferne getrieben worden. Mit Kolbenschlägen wurden sie auf den Landstraßen vorwürtsgejagt.
Unsere Krieger draußen und unsere Grenzbewohner in Ostpreußen und in Oberelsaß haben die Schrecken des Krieges erfahren, dagegen wissen wir im Binnenlande noch wenig, was es heißt, Krieg zn haben. Denken wir uns in die Lage der Bewohner von Polen hinein, und wir werden gewiß Gott dank- bar sein, daß Er unser Land so gnädig bewahrte.
Ach, wenn doch nun die Leute in den verwüsteten Gegenden die Botschaft vom HErrn Jesu hörten und annehmen würden! Aber nicht nur für sie, sondern für alle Menschen ist das Evangelium, die frohe Botschaft Gottes. Es sagt uns: „Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott Seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, auf daß wir durch Ihn leben möchten."-Und: „Hierin ist die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß Er uns geliebt und Seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden."
Wer nun mit dem Apostel sagen kann: „Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat," der kann mitten in allen Kriegswirren sich diesem Gott der Liebe, der nun sein Vater ist, völlig anvertrauen.
Ein solcher ist ein erlöstes Gotteskind und ver- > steht die Worte des HErrn Jesu, wenn Er sagt: „Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten: wer irgend aber von deni Wasser trinken wird, das jj ^ch ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewig- fl feit; sondern das Wasser, das Ich ihiii geben inerde, 1
wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt." (Joh. 4, 13. 14.)
„Ich bin das Brot des Lebens; wer zu Mir kommt, wird nicht hungern; und wer an Mich glaubt wird nimmermehr dürsten." (Joh. 6, 35.)
Wie oft, mein Leser, hat der Heiland an dein Herz geklopft und dir Gnade und Vergebung, Sein Heil und ewiges Leben, Ruhe und Frieden mit Gott angeboten, Er tut es auch heute wieder durch diese Worte. O, so eile zu Ihm. Da bist du geborgen da findest du einen Frieden, den die Welt nicht gibt und kennt, den Frieden Gottes. O. D.
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Mei Wörth.
Mit heftigem Angriff versuchten die Turkos am Vormittage des 6. August 1870 die Spitzen des XI. Armeekorps über den Sauerbach zurückzuwerfen. Die Angriffe wurden abgewiescn. Als stärkere deutsche Kräfte eintrafen, gingen die Hessen, Nassauer und Thüringer zum Angriff über die breite Wiese gegen die gegenüberliegenden Höhen vor. Die Regimenter 80, 87, 9b nahmen im Verein mit den hessischen Jägern die Höhen, welche zwischen dem Dorfe Mors- bronn und dem Niederwald liegen. Man war unter schweren Verlusten bis zu einem kleinen Gehöfte, dem Albrechtsdorfer Hof, vorgedrungen, da fiel in der Schützenlinie einer der Kompagnieführer. Er wurde tödlich in den Unterleib getroffen, als er eben seine Kompagnie zu neuem Angriff gegen den stark besetzten Rand des vorliegenden Waldes führen wollte. Sein ältester Offizier eilte zu ihm und empfing dieses Ab- schiedswort: „Sagen Sie meiner Frau Lebewohl und daß ich selig sterbe im Glauben an meinen Heiland Jesus Christus."
Der Held, der dies sprach, suchte nicht seine, sondern seines Heilandes Ehre, darum entspricht es den Gedanken seines Herzens, wenn sein Name hier ungenannt bleibt. Aber in sein Herz dürfen ivir blicken. Er hatte aus dem Biwak bei Rohrbach, am Vorabende des Gefechts bei Weißenburg, seiner Frau geschrieben; 'es geht durch diesen Brief ein Hauch tiefen Friedens. Da sagt er: „Unser Wille braucht ja nicht zu geschehen; sieh auf Den, der Himmel und Erde gemacht hat, dessen Wille soll ge- schehen." Dann heißt es: „Siehe Dein und mein ganzes bisheriges Leben an von Jugend auf, hat Er uns nicht aufs freundlichste geführt? Hat Er uns nicht ge- tröstet, wie wir es brauchten? Hat Er uns nicht oft, ja, täglich alle Sünden vergeben? Hat Er nicht Sein Liebstes, Seinen eingeborenen Sohn, für uns dahin- gegeben ? Wie sollte Er uns mit Ihm nicht alles schenken?"
Die Briefe der Offiziere jenes Bataillons bezeugen, wie dieser Christ und Held, seiner Schützenlinie voraus, seine Kompagnie von der Brücke her über ^ie breiten Wiesen vorwärtsführte gegen die vom Feinde besetzten Höhen.


