Wort: „Wir Deutsche furchten Gvir und sonst nichts in der Welt!" niemals in solchem Maße wahr gewesen wie heute.
Aber, mein Freund, das reicht nicht aus! Es reicht wohl aus, um mutig, ohne Zittern und Zagen als Held in den Tod zu gehen, aber es reicht nicht aus, um im Frieden Gottes in völliger Gewißheit der Gnade sagen zu können: „Dieses weiß ich, daß Gott für mich ist!" Wer das in Aufrichtigkeit, in Glaubensgewiß, heit sagen will, der muß die Frage seiner Schuld geordnet haben. Jeder einzelne, der in Baß zu Gott umkehrt, findet die volle Vergebung, die Heilung für sein Leben zu den Füßen des rettenden Heilandes. Aber auch nur da, nirgends anders. „Tenn es ist in keinem anderen das Heil, denn auch kein anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen." (Apg. 4, 12.)
Sieb, mein Freund, du mußt errettet werden ! Du mußt zum Frieden kommen. Die Gnade Gottes rust und sucht dich! Wenn du dies erlebst, daß du in Wahrheit ein Kind Gottes wirst, dann darfst du mit voller Gewißheit sagen: Die ganze Macht und Liebe Gottes ist für mich! Und wenn du mit Ihm bist, wird Er mit dir sein. Dann kannst du mit friedevoller Gewißheit sagen: Dieses weiß ich, daß Gott für mich ist!
v. B.
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Kin undanlrkarer Sohn.
Ich möchte euch das Bild jenes Jünglings vor- führen, welcher sein Vaterhaus verließ, wie wir Luk. 15 lesen, jenes Undankbaren, der kaum je auf Erden seinesgleichen gehabt hat. Er kann nicht warten auf sein Erbe, bis sein Vater tot ist, er fordert „das Teil der Güter, das ihm gehört"
Und sein guter alter Vater gibt ihm die Güter, und er geht von dannen.
Ich meine, ich sähe ihn, wie er sich auf den Weg macht, voll Hochmut, prahlerisch und anmaßend, hinaus in die Welt, um das Leben kennen zu lernen, wie ein Freiherr in einer fremden Gegend — denke, es sei Berlin gewesen. Wie viele haben den gleichen Weg schon eingeschlagen und all ihr Gut umgebracht!
Jawohl, er ist ein beliebter Gesellschafter unter seinen Genossen, solange er Geld hat. Seine Freunde bleiben ihm treu, solange sein Geld reicht. Solange er das Bier und die Zigarren bezahlt, kennen und lieben sie ihn alle. Jawohl, er besitzt eine Menge Freunde! Welch eine gewaltige Torheit!
Aber als sein Geld fort ist, wo sind da seine Freunde? O du, der du dem Teufel dienst, du hast
einen barten Herrn und Meister! Als des verlorenen Sohnes Geld dahin war, lachten sie ihn selbstver- sländlich aus und nannten ihn einen Narren. Und das war er auch.
Wie blind und irregeleitet war dieser Jüng. ling! Was halle er alles verloren! Sernes Vaters Haus, Tisch und Nahrung und jede Bequemlichkeit! Er verlor seine Arbeit, seinen gewohnten Beruf und wurde Schweinehirt dort in der Fremde. Er war auf ungesetzlichem Wege, bei unerlaubter Beschäf. ligung. Das ist bei allen so, die von Gott abge- fallen sind; sie sind in des Teufels Sold.
Du verlierst deine Zeit und deine Zeugnisse. Niemand hat Vertrauen zu einem Rückfälligen, denn auch die Welt verachtet solche Charaktere.
Dieser Jüngling verlor seine Papiere, seine Beglaubigungsschreiben. Sieh ihn dort bei seinen Schweinen I Jemand kommt des Weges, sieht ihn und spricht: „Sieh doch jenen armseligen, zerlumpten, schmutzigen, barfüßigen Menschen, der dort die Schweine hütetI"
„Wie," sagt der verlorene Sohn, „wer gibt dir das Recht, so von mir zu reden? Mein Vater ist ein reicher Mann und hat Knechte, die viel besser gekleidet sind als du."
„Und das wagst du mir zu sagen?" spricht der andere. „Hättest du einen solchen Vater, wie du sagst, ich bin überzeugt, er würde dich verleugnen!"
Niemand würde es ihm glauben, niemand glaubt ihm, wenn er etwa von seiner Freude an Gott sprechen sollte. Armer verlorener Sohn, es jammert mich deiner, du tätest besser heimzukchren.
Und wirklich schlägt der arme verlorene Sohn zuletzt in sich und spricht: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen" — und er macht sich wirklich auf. Da siehst du ihn hinwandern, bleich und hungrig, mit gesenktem Haupt! Seine Kraft ist erschöpft, vielleicht ist auch seine Gestalt verfallen, so daß niemand außer seinem Vater imstande wäre, ihn zu erkennen. Allein die Liebe ist stark genug, ihren Gegenstand auch aus fremder Hülle herauszu- tinden. Wie hat der alte Vater sich nach seiner Rückkehr gesehnt!
Ich meine, ich sähe ihn, wie er so manche Nacht droben aus dem Fenster schaut, weit hinaus auf die Landstraße, ob immer noch nichts von ihm zu sehen sei. Wie manche lange Nacht hat er im Gebet mit Gott gerungen, daß der verlorene Sohn wieder heimkehren möchte! Jede Nachricht, die aus jener fernen Gegend zu ihm gelangte, erzählte, ihm, daß sein Sohn immer tiefer ins Verderben gerate. Wieviel Zeit hat der Alte im Gebet für ihn zugebracht! Endlich fühlt er, wie sein Glaube immer stärker wird, und er spricht: „Ich glaube, Gott
sendet mir noch einmal meinen Sohn zurück."
Eines Tages entdecken die alten Augen in ! weiter Ferne den lange Verlorenen. Er erkennt ihn I nicht an seiner Kleidung, aber er erkennt seinen


