ist zu schlecht, nichts ist zu schwarz — die Gnade reicht aus für alle! Wenn der zuvor Schuldbeladene, dessen Herz gebeugt ist unter dem Fluche seiner Sünde, diesem gnadenreichen Gott-Heiland naht, was findet er? Nicht nur eine völlige und ewig gültige Vergebung, nein, das Kleid einer göttlich vollkommenen Gerechtigkeit, den Kuß der Liebe, die Umarmungen des Vaters, den goldenen Ring nie endender Gnade, den Platz am Herzen Gottes, Kindcs- recht und Kindeserbteil, Lebensgemeinschaft mit Gott, ewiges Leben und das Siegel des Heiligen Geistes, daß er ein Begnadigter Gottes geivorden ist.
So begnadigt Gott den schuldigen Sünder, der glaubend aufblickt zu dem Kreuz von Golgatha, der, dem Worte Gottes vertrauend, diese große Gnadenbotschaft faßt: „Wer an Mich glaubt, hat eiviges Leben." (Joh. 6, 47.)
Wenn dies nur menschliche Worte wären, so müßte man sagen: Es ist zu groß und zu herrlich, um es glauben zu können. Aber es sind göttliche Worte, erlebt rind bestätigt in der Wirklichkeit des irdischen Lebens. Rings um uns her sehen wir befleckte, friedlose, schuldbeladene Menschen. Sie vernehmen die himmlische Botschaft des Evangeliums, da-? Wort vom Kreuz, und: „Jeder, der irgend den Namen des HErrn anrufen wird, wird errettet werden." (Röm. 10, 13.) Wir erleben die Wirklich- keit dieses Wortes. Friedlose Sünder rufen den Namen Jesu an, in welchem allein Heil und Friede ist; sie erleben die Begegnung mit dem lebendigen Gott, und die Gnade verwandelt sie aus Verlorenen und Schuldigen in geliebte und gesegnete Kinder Gottes. Das Wort Gottes gibt uns einen Begriff von der Fülle der göttlichen Gnade in dem Worte: „Wo aber die Sunde überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwenglicher geworden " (Röm. 5, 20.) v. V.
ZL
Geschichte eines Traktats.
Vor etlichen Jahrzehnten hatte sich eine Anzahl Christen verbunden, vielen Leuten Traktate durch die Post zu senden. Eines derselben, betitelt: „Bereite dich, um vor Gott zu erscheinen!" wurde in einen Umschlag getan und durch die Post einem Herrn gesandt, der durch seine Gottlosigkeit und sein wüstes Leben bekannt war.
Als er sich gerade in seinem Arbeitszimmer befand, wurde ihm das Schriftchen mit anderen Sachen zugestellt. „Was soll das?" rief er aus, „bereite dich, um vor Gott zu erscheinen! — Wer ist so unverschämt, mir solch unverständliches Zeug zu schicken?" Er stand auf, fluchte und ivollte das Büchlein ins Feuer werfen. Doch plötzlich hielt er inne und sagte bei sich selbst: „Nein, ich will den Wisch nicht verbrennen, sondern meinem Freunde B. schicken; das wird Anlaß zu einem tüchtigen Spaß
geben." Wie gesagt, so getan. Er tat das Büchlein in einen anderen Umschlag und schrieb mit verstellter Handschrift die Adresse seines Gesinnungsgenossen ! darauf.
Herr B. erhielt das Schriftchen, setzte sich nieder und las es. Die ernsten Worte des Titels fesselten : ihn plötzlich und gingen ihn. zu Herzen; die Wahrheit ! der kleinen Schrift erleuchtete ihn, brachte ihn von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott.
Nun dachte er an diejenigen, mit welchen er solange geschwelgt und in allerlei Sünden gelebt hatte, und sagte: „Ich habe soviel Licht und Segen durch dieses Schriftchen erhalten; sollte ich mich nicht bemühen, daß dasselbe auch anderen zuteil werde?" Derselbe Traktat wurde jetzt einem früheren Ge- sinnungsgenossen zugesandt.
Der HErr legt nochmals seinen Segen auf dies Büchlein; es ward ein Pfeil in Gottes Hand, der das Herz des Feindes traf und verwundete, um zu heilen. Der Empfänger las mit großem Segen das Büchlein und wandelte seitdem mit dem, der es ihm zugesandt, als ein Erlöster des HErrn auf dem Wege des Lebens.
K
Li» Kcrichl Kattcs.
Eine Zeitung berichtet über Salome, die Tochter der Herodias, jener Ehebrecherin, durch deren Haß Johannes der Täufer sein Haupt verlor Matth. 141:
„Herr Theodor Reinach, ein Gelehrter, hat der Pariser Akademie eine Studie über die Münzen von Nikopolis aus der Zeit ihres letzten Königs Aristobulos vorgelegt. Das scheint ein gar fernes und trockenes Thema zu sein, das nur den Spezialforscher fesseln kann. Aber aus diesen Münzen hat der Gelehrte neue Kunde über jene Salome gewonnen. Salome ist nämlich nach dem Tode ihres ersten Mannes die Gattin des Königs Aristobulos, ihres Vetters, geworden. Ihr Ende war tragisch. Sie war auf der Höhe ihrer Jahre und ihrer Schönheit, als sie auf einer Reise einen gefrorenen Fluß zu überschreiten hatte. War das Eis zu dünn, waren die Schritte der schönen Fürstin vielleicht nicht leicht genug — kurz, das Eis gab nach, Salome brach ein, und während sie einen verzweifelten Kampf gegen die Flut und gegen die Eisschollen kämpfte, geschah es, daß diese ihr schönes Haupt glatt vom Rumpfe abtrennten, gleich als hätte ein Henker es ihr kunstgerecht abgehauen. So war der Täufer schon auf Erden durch Gottes unsichtbare Hand gerächt."
So trifft manchen Menschen schon auf Erden ein zeitliches Gericht, aber das ewige Gericht kommt für alle, die in ihren Sünden sterben, jedenfalls jenseits des Grabes. So steht geschrieben:
[ „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht." (Ebr. 9, 27 ) Wohl


