ließ sich erzählen, warum sie hier seien. Da erzählte ihm einer nach dem anderen, wie unrecht das sei, daß er hier sitze, er sei immer ein ordentlicher Mensch gewesen; aber falsche Zeugen hätten ihm hierzu ver- Holsen, oder die Kameraden hätten ihn im Stich gelassen usw Sie waren alle ganz und gar unschuldig im Gefängnis. Nur einen fand der Prinz, der sagte: „Ach, ich bin mit Recht hier. Ich war schon als Knabe der Kummer meiner Eltern. Ich war ein verlorener Sohn. Nun habe ich bekommen, was ich reichlich verdient habe." Und dabei flössen ihm die Tränen über die Wangen. Da rief der Prinz: „Ei, wie kommt denn dieser schlechte Mensch in die Gesellschaft dieser vortrefflichen und ausgezeichneten Leute? Der würde die anderen ja nur schlecht machen, wenn er hier drin bliebe. Der muß hier heraus!" Dem einen, der seine Sünde erkannte und bereute, dem gab er die Freiheit.
Liebes Herz, es gibt auch für dich eine Freiheit, eine herrliche und völlige Freiheit. Aber du mußt erst diese beiden Worte glauben: Nichts Gutes! Glaubst du sie? E. M.
Ein Ende mit Schrecken.
Schrecklich ivar das Ende des berühmten französischen Schriftstellers Voltaire, des großen Spötters und Verächters Christi. Während seines letzten Besuches in Paris hatte sein Triumph seine Höhe erreicht. Alles jauchzte ihm zu und lag bewunderungsvoll zu seinen Füßen. Inmitten dieser Herrlichkeit schien er wie ein Held sterben zu sollen; da traf ihn Gottes Hand. Heftige Blutungen stellten sich ein und ließen für sein Leben fürchten. Seine Freunde, die berühmten Männer d'Alembert, Diderot und Marmontel, beeilten sich, ihm ihren leidigen Trost zuzusprechen, daß er in seinem Unglauben standhaft bleibe. Sie mußten aber Zeugen seiner
und ihrer Schmach sein. Ohnmächtige Wut, Ge- wissensbisse, Schmach und Lästerungen begleiteten den langen Todeskampf des Sterbenden. Auch seine gottlosen Freunde vermögen die Schrecken seines Todes nicht zu leugnen.
Den Männern Diderot, d'Alembert und mehr als zwanzig anderen dieser alten Freunde fluchte er und rief ihnen zu: „Fort! Ihr seid es, die mich in dieses Elend gebracht; ich hätte ohne euch alle fertig werden können, ihr aber nicht ohne mich; und welch eine elende Herrlichkeit habe ich nun durch euch erlangt!" Bald hörte man den Sterbenden beten, bald fluchen, abwechselnd Gott lästernd und anrufend.
In seinen Todeskämpfen war er aus dem Bett gefallen und lag auf der Erde, schäumte vor Verzweiflung und rief: „Will der Gott, den ich verleugnet habe, nicht auch mich erretten? Kann das unendliche Erbarmen nicht auch bis zu mir ge. langen?
Richelieu, ein Freund, floh von dem Ster- benden und sagte, er könne solches Elend nicht länger ansehen. Auch sein Arzt, Herr Tronchin, hatte den armen Kranken verlassen, weil er solches Leiden nicht zu lindern noch zu sehen vermochte, kam aber wieder und fand Voltaire im letzten Todeskampfe. Der Sterbende aber erkannte ihn und sagte: „Doktor, geben Sie mir nur noch sechs Monate!"
„Mein Herr," antwortete dieser, „Sie können keine sechs Tage mehr leben!"
„Dann werde ich znr Hölle gehen", schrie der Unglückliche, „und Sie mit!" Bald nach diesem furchtbaren Ausruf starb er.
K
Vers ammlungs-Anzeigen
Bezirk Gießen.
Stadtmisston Gießen. Löberstr 14.
Sonntag, den 27. Juni, nachmittags Beuern, abends Frauenstunde in Altenbuseck; abends 8 Uhr Grünberg. 29 .: Wieseck, Frauenstunde.
Bezirk Bellnhausen.
Sonntag, den 20. Juni, Sonntag, den 27. Juni, Sonntag, den 4. Juli, jedesmal nachmittags 2 Uhr: Versammlung in Bellnhausen.
Sonntag, den 11. Juli, nachmittags 2V- Uhr- Versammlung im Freien in Airchvers.
Anzeigen für die Nummern 29—32
Bezirk Niederweisel.
In Niederweisel jeden Sonntag, nachmittags 3 Uhr Sonntagsjchule; abends 8 Uhr Versammlung; jeden Donnerstagabend Bibelstunde. In Kirchgöns jeden Sonntagnachmittag V«4 Uhr Versammlung. In Butzbach jeden Montagabend 9 Uhr Bibelstunde. In Fauerbach 22. Juni abends, 27. Juni nachmittags 3 Uhr, 6. Jul, abends Versammlung.
In Gambach 27 . Juni, nachmittags 3 Uhr, Gemeinschaftsfest. 29. Juni, 13. Juli abends Versammlung.
In Munzenberg 20. Juni und 11. Juli 3 1 /» Uhr nachmittags Versammlung, bis zum 4 . Juli ds. Is. erbeten.


