anderen Schlupfwinkeln heraus unsere Truppen über- fallen. Ein Zivilist, der geschont wurde, der wohl mit schönen Worten den Soldaten Komplimente machte und dann im Rücken, wie es gerade paßt, ein Meuchelmörder, der desto gefährlicher ist, je mehr er sich verstecken und verstellen kann. Dieser Franktireur erinnert uns an den Teufel, der umherschleicht, bald als Engel des Lichts verkleidet, bald als brüllender Löwe und jucht, wen er verschlinge. Zur Warnung für alle tapferen Streiter wollen wir einige Schlupfwinkel nennen, aus denen der höllische Mörder seine vergifteten Pfeile schießt: da stehe ich im Geiste vor einer solchen versteckten Mörder- höhle; ganze Haufen hingemordeter Menschen liegen da herum. Ahnungslos gingen sie dahin, bis das Verderben sie plötzlich übersiel. Diese gefährliche Menschenfalle ist die Mörderhöhle der Unsittlichkeit. Ein Dichter ruft • „Unsittlichkeit, du allgefräß'ger Krebs, du Wurm an unsers Wohlseins starken Wurzeln, du Raupe an des Landes Lebensmark." Komm mit mir an das Sterbebett eines solchen hingeschlachteten Jünglings. Da liegt er, das einst so strahlende Auge trüb und matt, die frühere Kcaftgestalt geknickt, statt der Rosenwangen die Totenfarbe. Wer hat diese einst so schöne Menschenblume so verdorben? Fragt ihn selbst. Er verflucht den Tag, wo er jene geheime Sünde, jene Pest, die im Finstern schleicht, jene satanische Spielerei kennen und ausüben lernte. Er flucbt dem Kameraden, der ihn heimlich dies stumme Laster lehrte. Er verflucht diese böse Lust, die ihm das Lebensmark aus den Gliedern saugte. Der höllische Franktireur hat hier gründliche Arbeit getan Der Totengräber kann dieser Ruine bald das Grab graben.
Doch nicht nur aus diesen Kellerllchern der Wollust heraus schießt der große Meuchelmörder. Er arbeitet in der Tiefe und in der Höhe, unter der Erde und über der Erde, ja, unter dem Himmel, j Er schleicht sich ,n die Hörsäle und auf die Lehrstühle. Seine Pfeile schießt er aus Schüler und Lehrer. Er sucht Zweifel an Gottes Wort, Unglaube und stolzes freches Wesen unter die Menschen zu bringen. Wie erschütternd, wenn dann das friedliche Heim von den Cholerabazillen des Spottes durchseucht, die Brunnen des Glaubens und der Liebe vergiftet, das Brot für unsere Seele, das Wort Gottes, mit dem Petroleum einer frechen Kritik durchtränkt ist, da kommt dann die Verzweiflung über den, dem man seinen Halt, seine Stütze genommen. Ja, der Zweifel hat Verzweiflung oft ge- boren, denn alles hat, wer Gott verlor, verloren. Darum wollen wir diese frechen Franktireurs als Landesverräter dem Gericht überliefern. Wo sich aber dieser freche Gesell in uns sindet, da wollen wir mit heiliger Unbarmherzigkeit denselben zum Kreuze Jesu bringen nach Gal. 5, 24: „Die Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden." Herrmann.
Die Gnade Gottes.
„Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen (oder die Gnade Gottes, heilbringend für alle Menschen)."
Tit.- 2, il.
Die Gnade Gottes ist erschienen, als Jesus in die Welt kam, um das Werk der Erlösung zu vollbringen, als Gott Seine Liebe in dem Opfer Seines eingeborenen Sohnes kundgab.
Es ist köstlich, zu wissen, ja, so einfach und klar im Worte Gottes ausgedrückt zu finden, daß die Gnade Gottes da ist, heilbringend für alle Menschen.
Die Gnade Gottes, die Liebe unseres Heilandes, ist erschienen, um Licht und Leben, Frieden und Heil zu bringen.
Der Mensch von Natur ist tot in Sünden und Übertretungen, ist fern von Gott, ungerecht, gott- los, ein Kind des Zorns, ja, ein Feind Gottes.
Um solch einem armen Geschöpf zu helfen, um solche Verlorenen zu retten, erschien die Gnade Gottes.
„Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen Seiner vielen Liebe, womit Er uns geliebt hat, da wir tot waren in den Sünden, hat Er uns samt Christo lebendig gemacht" und: „Also hat Gott die Wett geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab" und: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Kinder Gottes heißen sollen!"
„Christus hat einmal für unsere Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf daß Er uns zu Gott führe." fl Petri 3, 18.) Die Sünde trennt von Gott, denn Licht kann keine Gemeinschaft mit Finsternis haben. Aber: „In Christo Jesu seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut Christi nahe geworden." (Eph. 2, 13.) Sünde, Satans Macht und Gottes Gericht kennzeichnen den Zustand der Mensche», und ihnen allen mußte begegnet werden, bevor ein volles Heil verkündigt werden konnte.
Die Gnade Gottes führt ewiges Leben in den Bereich des Todes ein; „denn Gott hat uns ewiges Leben gegeben, und dieses Leben ist in Seinem Sohne". (1 Joh. 5, 11) Denn Gott „hat Den, der Sünde nicht kannte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm". (2 Kor. 5, 21.)
Die Gnade Gottes fordert nicht erst, sondern sie gibt, und dann erst unterweist sie den Begnadigten, wie er in dem neuen Leben wandeln soll.
Können unsere Herzen einer solchen Liebe und "Gnade gegenüber gleichgültig bleiben? Sollten sie nicht mit unaussprechlicher Freude frohlocken? Ja, die Gnade, welche uns sucht, will uns leiten und bis ans Ziel bringen; und ist das Ziel erreicht, so tut sich die Herrlichkeit auf.


