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llerlag der Buchhandlung der Pilgermi$$ion Liehen.
Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgermission. Druck v. I. G. Oncken Nächst, G. m. b. H., Cassel.
Nr. 20. Sonntag, den
16. Mai 1915. 8. Jahrg.
Au meinem Waler.
(Joh. 20, 17.)
Für den HErrn Jesum bedeutete die Himmelfahrt die Krönung Seines Werkes, den Triumph über alle Seine Feinde, den Antritt Seiner Herrschaft über Himmel und auf Erden. Für die Seinen bedeutete sie eine ewige Heimat, eine Freude ohne Ende. Darum beauftragte Er am Morgen des Auserstehungstages die Maria Magdalena, Seinen trostlosen, der Verzweiflung nahen Jüngern die Botschaft Seines Lebens und Seiner bevorstehenden Himmelfahrt zu überbringen. Sie, die Er in geweihten Höhestunden der Gemeinschaft Seine Freunde genannt, läßt Er nun als Seine Brüder begrüßen. Die Jünger sollten es wissen, daß aus Tod und Grab das neue, unvergängliche Leben geboren, ein neues Reich gestiftet sei, in dem Er als der HErr walten und Seine Gaben mit ihnen teilen werde und worin alle als Gotteskinder von dem Geist der Gemeinschaft erfüllt würden.
In diesem Geiste sagte Er nun: „Ich fahre auf zu Meinem Vater und zu eurem Vgter, zu Meinem Gott und zu eurem Gott." Zuerst sollten die Jünger wissen, daß mit der Auferstehung Sein Wirken und Walten auf Erden nicht abgeschlossen sei. Es mußte noch eine überwältigend herrliche Tat hinzutreten: die Himmelfahrt. Diese Erde, auch nachdem sie ein Schauplatz der Wunderliebe Jesu Christi geworden, ist wahrlich kein Paradies; hier herrschen noch Sünde und Tod, wird tausendmal die Gerechtigkeit von der Ungerechtigkeit, die Wahrheit von der Lüge, die Unschuld von der Bosheit verfolgt und in den Staub getreten. Alles Gute, das wir hier finden, die Wirkungen des Heiligen Geistes, der Segen des Gotteswortes, die Erfahrungen von der Liebe, sei es der Liebe Gottes oder der Menschen, das stammt nicht von unten her, sondern von oben. Droben ist der Vollgenuß jener edeln Güter, von denen die Christen auf Erden kaum mehr als einen Vorschmack genossen haben. Nach oben geht unser
Weg, wo unser Geist seinen Ursprung hat. Von Gott — zu Gott, das ist unser Weg.
Der HErr Jesus klärt uns über das Verhältnis auf, in welchem Er und wir zu Gott stehen. Und zwar zweimal hintereinander. Er nennt Seinen Vater unseren Vater, Seinen Gott unseren Gott. Ohne Ihn, den Mittler, stünden wir Gott nur als Schuldbeladene, Verwerfliche gegenüber, doch durch Ihn ist alles anders geworden. Der Himmel ist uns nicht länger verschlossen, nein, seine Tore stehen weit offen, seit Christus am Himmelfahrtstage sie uns geöffnet hat. Die Bahn ist gebrochen, der Weg ist frei. Aber wandeln müssen wir ihn. Wir sind noch nicht am Ziel, es gilt noch manchen Kampf zu kämpfen, manchen sauren Schritt zu tun, manche Last zu tragen, manches Leid zu durchkosten. Doch getrost, zage nicht, zittere nicht, blicke aufwärts. Du hast einen Vater im Himmel, der dich liebt, wie kein menschlicher Vater lieben kann, der dich schützt, leitet, führt und deine Wege ebnet. Bei Ihm sollst dn ewig sein. Auf Christi Himmelfahrt gründen wir unsere Nachfahrt. Dort werden wir Ihn sehen, wie Er ist. Ihn, den wir hier nicht gesehen und doch lieb gehabt haben. Dort wird Sein Heilswerk an uns vollendet sein. „Denn es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden, wir wissen aber, wenn es er- scheinen wird, daß wir Ihm gleich sein werden, denn wir werden Ihn schauen, wie Er ist." Dieses ist der Trost solcher, die Vergebung ihrer Sünden haben. Aber du, teurer Leser, bist auch du durch Gottes große Barmherzigkeit wiedergeboren? Ist dein Name im Himmel geschrieben? Hast du Gewißheit der Vergebung deiner Sünden? Wenn du darüber noch keine volle Klarheit hast, dann wende dich heute zu dem am Kreuze auf Golgatha geopferten Sohne Gottes.
Kr wird wiederkommen!
(Apg. 1, 10-14.)
Vor und nach der Auferstehung hatte Jesus Seine Jünger auf die Himmelfahrt vorbereitet. Als


