Ausgabe 
2.5.1915
 
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Erscheint wöchentlich einmal.

Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich.

Verlag der Buchhandlung der Pilgermission Liehen.

Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgermission. Druck v. I. G. Oncken Nachf., G. m. b. H., Cassel.

Nr. 18.

Sonntag, den 2. Mai 1915.

8. Jahrg.

Trostlos, ohne Koffnung.

Seit in voriger Woche jener Brief kam, der die Nachricht von dem plötzlichen Tod des einzigen Sohnes brachte, da findet die Tochter oft den sonst i ' '' I

so tatfrischen, lebens­frohen Vater wie zer­brochen dasitzen, die Hände im Schoß, vor sich hinstarrend, als ob er weder etwas sieht noch etwas hört.

Kaum folgt er dem Ruf der Tochter, wenn die Mahlzeiten bereitstehen, und sonst kam er doch so rasch, weil er wußte, wie gern die Tochter ihm eins seiner Lieblings­gerichte vorsetzt.

Aber jetzt achtet er nicht auf das, was um ihn herum vor- geht; jetzt ist alle Freude und alle Kraft gebrochen I Immer wieder und wieder liest er den Brief, der aus Frankreich kam, der mit knappen Wor­ten die Todesbot­schaft brachte:In Mars-la-Tour, im Lazarett, am Fieber gestorben."

Nun ist alle Hoff­nung hin. Dasun­erbittliche Schicksal", wie der Vater sich ausdrückt, hat ihm

den einzigen Sohn entrissen. Wie schwer war es dem Vater schon, als der Sohn bei Ausbruch des Krieges sich freiwillig meldete!

Als aber die Nachricht gekommen war, daß der Sohn zum Unteroffizier befördert und das Eiserne Kreuz erhal­ten hatte, da war der Trennungsschmerz des Vaters vorüber, und zuweilen sagte er zu seiner Tochter: Paß auf, der kommt einmal als General zurück." Wehmütig hatte die Tochter dazu gelächelt. Sie war, ehe die Mutter starb, viele Jahre als Stütze in einem Hause gewesen, wo wahre Gottesfurcht und echtes Christen­leben herrschte. Dort hatte sie Jesum als ihren Heiland und Erretter erkennen ge­lernt und im Glau­ben mit frohem Dank für sich angenommen. Wie gern möchte sie jetzt dem verzweifel­ten Vater ein Wort des Trostes sagen! Aber er glaubt ja nicht an das ewige Leben, er glaubt ja nicht an Jesum, den Gottessohn.