Ausgabe 
7.2.1915
 
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Besiegte Aeinde.

Der Grund, warum ich das Evangelium so herzlich liebe, ist der: Es hat mir die schlimmsten Feinde, die ich hatte, aus dem Weg geräumt Tod, Sünde und Gericht.

Ich denke zwanzig Jahre zurück, an die Zeit vor meiner Bekehrung, und ich erinnere mich, wie dunkel es in mir war, wenn ich an die Zukunft dachte. Da war der Tod als was für ein furcht­barer Feind erschien er mirl Ich bin in einem kleinen Dorfe ausgewachsen. Es war dort Brauch, das Alter der Verstorbenen mit Glockenschlägen kund- zugeben. Ich pflegte die einzelnen Glockenjchläge zu zählen. Zuweilen waren es sechzig oder achtzig, mehr als die gewöhnlich einem Menschen zugeteilten Jahre, wo der Mensch nur noch von geliehener Zeit zu leben scheint. Zuweilen aber waren es auch nur wenige Jahre, also der Verstorbene einer meines Alters. Das machte einen tiefen Eindruck auf mich. Ich war damals ein großer Feigling.

Wenn es ans Sterben geht, sagen manche: Ich fürchte den Tod nicht." Ich fürchtete ihn, und es erfaßte mich ein Grauen, wenn ich an die kalte Hand des Todes dachte, die auch mich ergreifen und in die Ewigkeit hineinversetzen könnte, in eine unbekannte Welt. Ich halte damals furchtbare Ge­danken von Gott aber die sind jetzt alle ver­schwunden. Der Tod hat seinen Stachel verloren, und wenn ich durch die Welt gehe, kann ich, wenn die Totenglocke läutet, jauchzen:Tod, wo ist dein Stachel?"

Und ich höre eine Stimme von Golgatha her: Begraben in dem Herzen des Sohnes Gottes!"

Er hat den Tod seines Stachels beraubt; Er nahm den Stachel des Todes in Sei» Herz auf. Nimmst du eine Wespe und entreißest ihr den Stachel, so wirst du dich nicht mehr vor ihr fürchten, als wenn es eine kleine Fliege wäre. Der Stachel ist ihr ja genommen. Und du brauchst dich vor dem Tod nicht zu fürchten, wenn du in Christo bist. Christus ist für deine Sünden gestorben, die Strafe, der Sold der Sünde ist der Tod. Auf Golgatha hat Christus den Sold auf Sich genommen, und darum gibt es nun keine Verdammnis mehr für dich. Alles, was der Tod jetzt von dir bekonimen kann, ist der alte Adam, den du an dir trägst. Ich kümmere mich nicht darum, wie bald ich von ihm befreit werde. Ich werde einen besseren Leib empfangen, einen Auferstehungsleib, einen verklärten Leib. Ja, meine Freunde, es ist bei mir wie bei dem Apostel:Sterben ist mein Geivinn." Ist jemand in Christo, so mag der Tod getrost kommen!

M o o d y.

S»

Sie Macht der Knabe.

Ein unwissender Chinese hörte in einer Kapelle zu Ato den Missionar B. predigen. Nach Schluß des Gottesdienstes sagte der Chinese:Von diesem Jesus habe ich bis jetzt noch nie gehört, und ich weiß nicht, wer Er ist; aber sagtest du nicht, daß Er mich von allen meinen Sünden retten könne?"Ja," erwiderte der Missionar,genau das habe ich gesagt."Aber da kanntest du mich nicht, als du das sagtest. Ich bin ein Lügner, ein Spieler, ein Zauberer, ein Ehebrecher gewesen und seit zwanzig Jahren ein Opiumraucher. Nun, wenn du mich gekannt hättest, so würdest du nie gesagt haben, was du gesagt hast." Missionar B. konnte nur mit Nachdruck wiederholen, daß Jesus Macht und Willen hat, selbst von solch einer Menge von Sünden zu reinigen und zu erretten Der Opium- raucher war sprachlos vor Erstaunen, denn sein Geist hatte in schweren Fesseln des Fürsten der Finsternis gelegen. Wochen vergingen, da eines Morgens stürzte er mit Ungestüm in das Zimmer des Missionars, und mit strahlendem Gesicht verkündigte er:Ich habe es jetzt! Jesus kann mich von allen meinen Sünden erretten I Ja, Er hat es getan I" Hier hatte in Wahrheit der Glaube an Christum ^die Sklaverei langer Jahre, das Verlangen nach Opium, gebrochen. Er ging in sein Heimatsdorf zurück, um seinen Mitsündern von Jesu zu erzählen. Obgleich vor der ihm drohenden Gefahr gewarnt, verkündigte er dennoch die Geschichte von dem großen Heiland, der die schlimmsten Sünder retten könne. Er wurde mit Schmutz beworfen, geschlagen, von Ort zu Ort gejagt, aber man konnte ihn nicht zum Schweigen bringen. Zuletzt führten seine Verfolger ihn vor einen ungerechten Gerichtsbeamten; falsche Zeugen brachten die schändlichsten Anklagen gegen ihn vor. Der Richter verurteilte ihn: sein bloßer Rücken wurde unbarmherzig mit dem Bambusrohr bearbeitet, bis er ganz zerfleischt war. Er wurde wie tot in das Missionsgehöft getragen. Der Missionar wollte ihn trösten, aber der Märtyrer sagte lächelnd:Lehrer, dieser arme Leib hat große Schmerzen, aber mein Herz hat Frieden." Als er erst halb geheilt war, stahl er sich weg und erschien plötzlich in seinem Heimatsort, um seinen grausamen Verfolgern von neuem das Evangelium zu verkündigen. Seine Worte, welche durch solch blutige Bewährung noch mächtiger wirkten, brachten sogar einige seiner Feinde zum Heiland.

Vierzehn Jahre fuhr er fort zu predigen; im Jahre 1869 stellte man ihn als Missionar an. Zahlreich waren die Seelen, denen er das Werkzeug der Bekebrung zu Christo sein durfte. Als sein Erden­lauf zu Ende ging und er zu schwach war, um sich auf den Füßen zu halten, sammelte er doch noch solche um sich, denen er von dem Heiland zeugen konnte. Singend entschlief er voll Freude, bald beim HErrn zu sein.