Ausgabe 
3.1.1915
 
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gibt, darf dann auch so öffentlich, wie er es tut, zur Buße und zum Gebet auffordern.

Auf die Knie!" ist des Kaisers Wunsch für sein Volk.Kommt, laßt uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HErrn!" (Ps. 95, 6) ist die Mahnung des Psalmisten.

Willst du deines edeln Kaisers Vorbild nicht folgen, seinen Wunsch nicht erfüllen?

Doch kannst du beten?

Der Psalmist fährt fort:Heute, so ihr Seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nichtI" (Ps. 95, 7. 8.)

Not lehrt beten, erlebte Hilfe und Gnade lehrt danken. Und hättest du jahrelang geschwiegen und kein Gebetswort über deine Lippen gebracht, heute, heute, heute verstocke dein Herz nicht, knie nieder und bete und danket L.

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Jriedensgedanken!

Ich weiß wohl, was Ich für Ge­danken über euch habe, spricht der HErr, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß Ich euch gebe das Ende, des ihr wartet." Jer. 29,11.

Gedanken des Friedens und nicht des Leides? Auf den ersten Blick sieht es nicht so aus, als ob das Wort heute wahr wäre, als ob es für unsere Zeit paßte. Wieviel Leid umgibt uns! Wohin wir blicken, überall sehen wir Leid, Leid, Leid.

Wieviel Leid gibt's da draußen im Felde, wo die Heere aufeinanderprallen, wo die Granaten heulen und die Maschinengewehre rattern. Bald da, bald dort sinkt einer zu Boden, niedergestreckt vom feind- lichen Geschoß. Wie groß sind die Verluste in den Riesenschlachten dieses Krieges!

Ich besuchte einmal das Schlachtfeld von Spichern. Noch ein gutes Stück Weges von dem roten Berge" entfernt, den unsere Soldaten an jenem heißen Augusttage 1870 stürmten, fingen die Gräber schon an. Da und dort ein einsames Grab in der Wiese am Acker unter den Bäumen. Ein tapferer Krieger" kein Name, einer von vielen. Und dann erst am Abhang des Berges, da ist nicht mehr da ein Grab und dort ein Grab nein, ganze Reihengräber liegen da, efeuumsponnen, und dazwischen Denksteine, die uns berichten, daß hier Offiziere im Sturme den Berg hinauf ge- fallen sind.

Es ist etwas Furchtbares, so ein Schlachtfeld! Wie manches hoffnungsvolle, junge Menschenleben findet da seinen frühen Abschluß! Und was sind die Schlachtfelder von 1870 gegen die Schlachtgefilde von 1914! Wieviel größere Ausdehnung haben die Schlachten dieses Krieges, wie weit größer sind die Heere, die sich gegenüberstehen, wieviel mörderischer die Waffen, wieviel größer die Verluste!

Ach, wieviel Leid gibt's da draußen auf den Schlachtfeldern! Jemand, der wenige Tage nach der Schlacht die blutige Walstatt einer der letzten Schlachten besuchte, schrieb darüber:Wer so etwas mit ansieht, wird für sein Leben ernst und still."

Und Leid gibt's in den Lazaretten, viel Leid. Es ist ja erwiesen, daß die Feinde sich besonders gefährlicher Geschosse bedienen, die sehr schwere Ver- wundungen und innere Zerreißungen verursachen. Wie mancher wird lebenslang die Folgen dieses schrecklichen Krieges zu tragen haben, zum Krüppel geschossen!

Und daheim in den Häusern, auch da Leid, viel Leid. Ganze Seiten der Zeitungen sind bedeckt mit schwarzumränderten Anzeigen, die den Heldentod eines im Kampfe Gefallenen melden.

Wieviel Leid hat dieser Krieg im Gefolge! Da steht eine vornehme alte Dame auf dem Bahn- Hof und leitet die Versorgung der durchziehenden Truppen. Sie haben schon in Belgien gefochten, nun eilen sie in den Osten, um mitzuhelfen, daS Land von den Russen zu befreien. Zuweilen fährt die Dame rasch mit der Hand über die Augen. Die anderen Helferinnen berichten es leise den fragen- den Offizieren: Sie hat heute vormittag die Nach- richt bekommen, daß zwei Söhne in Frankreich ge- fallen sind und daß ihr Mann schwer verwundet daniederliegt. Sie macht sich stark, sie ist ja eine Soldatenfrau. Aber da drinnen, da sitzt es doch, das Leid, das schmerzlich wehe Leid.

Leid, Leid ringsumher! Und doch sagt Gott: Gedanken nicht des Leides? Ja, so sagt Er. Und Er sagt so mit Recht. Gedanken des Friedens hat Er allewege, auch mit dieser schweren Heimsuchung, die über uns gekommen ist.

Er hat unser Volk lieb. Wohl hat es sich schwer gegen Ihn versündigt, aber Er hat noch nicht aufgehört, unser Volk zu lieben. Auch dieser Krieg, so schwer, wie noch kein Volk einen Krieg zu führen hatte, er beweist Gottes Liebe.

Deutsche Sünde schrie zu Ihm gen Himmel. Bei reich und arm, bei hoch und niedrig das- selbe Bild. Alles Bitten und Mahnen durch sein Wort war umsonst. Man hörte nicht mehr darauf.

Da griff Gott ein. Man sagt, die Kanonen seien der letzte Beweisgrund der Könige. Wenn es gar nicht mehr anders ginge, heißt es, müßten die Kanonen sprechen. So ist auch ein Krieg das letzte Mittel, das Gott zur Anwendung bringt. Aber auch mit dem Kriege, den Er verhängt, hat Er Friedensgedanken. Er will durch den Krieg hin­durch den Frieden. Er will, daß die Menschen, aufgeweckt und aufgeschreckt aus ihrer Gleichgültig­keit und Sicherheit, sich nach dem Frieden umsehen, der besser ist als alles, nach dem Frieden mit Gott. Er will, daß sie sich bekehren zu dem, von dem der Apostel gesagt hat: Er ist unser Friede, Jesus, der Friedefürst.