Ausgabe 
28.12.1918
 
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Tie polnischen Wahlen Hochverrat.

LaS preußische Ministerium des Innern pal ooeläufig t ^ Behörden nnflcrotcjeu, Die oon der poim|vl)en Reqlcrung i; ajaridiau audgefchr'.evencn U^aljlen aus v 1 v-*. em Bo- d.n, die den Bedingungen des Waste.! 4 !.,? e trage« 'r.t sprechen. nicht zu gestatt.n. Gle ch e -'i t at daS Ju.ttzwintsterittm daraus hin 'c.^ic f tu f das; die Beteiligung an diesen Wahlen eventuell unter den HochvcrralSparagra- phe.l fällt und die Annahme der Wahl als Amtsanmaßung zu beirrest- ist.

Auch in der Presse erhebt sich in wachsender Stärke

Widerspruch gegen die polnische Anmaßung, die unter lxuchlerischen Beschönigungen schon vor dem Borfrieden artlendete Tatsachen zu schassen sucht.

Tie ReichSlci'ung g«Drn Abtrennungsgelüste

Bon den Bestrebungen zur Bildung einer Republik n in der Oeifenllichkeit inehrsach die Rede gewesen. Die o Glichen Arbeiter- und Soldatenräte haben bei ihrer Vlftion auch die Einbeziehung des zu Preußen gehörenden Reale- oerngemätz die Arbeiter- und Soidatenräle in Ostfries- la,d zur Beteiligung an einer Kongreßsitzung in Olden- barg aufgefordert.

Die Reichsleitung erachtet dieses Borgehen für unzu­lässig. Sie weist darauf hin, daß die territoriale Glie­ds ung Deutschlands durch die Umwälzung zunächst nicht berührt werden. UeberaU sei das Bolk, vertreten durch die Arbeiter- und Soldatenräte an die Stelle der bis- Hürtgen Inhaber der höchsten Gewalt getreten. Der GedietS- umfang dieser höchsten Gewalt habe sich hierbei aber nicht geändert.

Eine Aendcrung der Grenzen der einzelnen ehemaligen . undeSstaaien bedürfe der Zustimmung der ReichSregte- ruiifl, da sie eine Abweichung von den in Deutschland geltenden Gesetzen enthält und die ge^epgebende Gewalt von den Trägern der Souveränität auf den Rat der Bolkö- beanftragten übertragen sei.

Die NeichSleitung beabsichtigt nicht, au den Gebiets- reinen der einzelnen deutschen Freistaaten Acnderungen r>i.rrchmen zu laswn. ehe die verfassunggebende Rational- vec Sammlung darüber Beschluß gefaßt hat.

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0 Rene Bestiminnngen Vcr Wahlordnung. Amt- Uch wird eine Abänderung der Wahlordnung zur Na- onalversammlung bekanntgegeben. Die wichtigste ist bie # Bestimmung, daß Vorschläge (Listen) nicht, wie zierst bestimmt, spätestens am 20. Tage vor dem Wahl­tag beim Wahttommifsar einzureichen sind, sondern i cestens am 4. Januar 1919. Die Aufforderung zur Erreichung dieser Vorschläge fiitb sofort zu erlassen.

Die Wählerlisten sind am 30. Dezember (nicht , -,'hr, wie es hieß,spätestens vier Wochen vor dem -Zahltag") zu jederlnanils Einsicht auszulegen. Aber die für die Wählerschaft wichtige Dauer der Auslegung bleibt mit dem Zeitraum von acht Tagen bestehen.

Einsprüche gegen die Wählerlisten sind durch die Behörden binnen einer Woche zu erledigen. Bisher war bestimint: innerhalb der nächsten vierzehn Tage.

0 Aufhebuug des Wvhnzwangcs der Beamten. In den meisten Kommunen besteht für die Beamten die Verpflichtung, innerhalb der Kommune auch zu woh- ucn. Die Verpflichtung ist ergangen aus steuerlichen Gründen und um den einheimischen Kaufleuten und Handwerkern die Kaufkraft der Beamten zu sichern. Dieser Wohnzwang ist jetzt aufgehoben worden. An die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten ist fol­gender Erlaß des Ministeriums des Innern ergangen:

In einzelnen Städten wird den städtischen Be­amten und Lehrern das Wohnen außerhalb der An- stettungsgemeinde erschwert oder versagt. Mit Rück­sicht aus die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Woh- imngsbeschaffung wird das von den Betroffenen jetzt besonders schwer empfunden. Die Kommunalaufsichts­behörden wollen in geeigneter Weise auf die in Be­tracht kommenden Städte einwirekn, um die Aufhebung oder Milderung einer derartigen Uebung zu erzielen."

0 Wie die Franzosen im besetzten Gebiete verfahren geht daraus hervor, daß sie in einer Reihe von Fabriken i<r:er Aufhebung der seitens der deutschen Regierung <angeführten Achtstunden-Schicht einfach eine zehnstün- . Arbeitszeit angeordnet haben. Gleichzeitig haben für diese zehnstündige Arbeitszeit unter Aushebung d.r seitherigen Stundenlöhne einen Tageslohn oon 4,50 Mark (sage und schreibe: Vier Mark fünfzig) > ' uuijr. Wer sich der zehnstündigen Arbeitszeit nicht * aerzreyr, und wer mit dem Tagelohn von 4,50 Mk. v..:,: zufrieden ist, wird ohne weiteres nach Nordsrank­reich adgeführt. Ermäßigungen für die Höchstpreise der .. ärungsuurtel sind nicht eingeführt worden, wenn- ttch die Franzosen bei den Bauern z. B. Hühner 5-. 1 Frcs. und Eier zu 10 Pfg. das Stück requirieren.

' den Läden müssen alle ausgelegten Waren mit v : iijeu in Mark und Francwährung ausgezeichnet sein.

m ÄMnde

+ England baut weiter Schiffe. Wie England der Idee der Abrüstung gegenübersteht, geht aus fol­gender Londoner Meldung hervor:

Aus London wird gemeldet: Auf eine Anfrage l.'?r Handelskammer in Portsmouth, ob es nicht möglich die Marinewerft in Portsmouth für den Bau und >. .e ^von Hanoeivtchlsjen zu oenutzen, antwortete dce ^idmirali.ät, daß sie m ab eqb.irer Zeit o.e Arbelten für die Kriegsmarine nicht einschränken oune. Es fet ein neuer Marinebauplan culivorjcn orden, und es ser unöglich. an Die Freigabe der Werf­ten ui Portsmouth für den Bau von Handelsschiffen zu denken."

+ Tcr Erzherzog als Zwischenhändler. Der WienerAbend" macht Mitteilungen, wonach Erzher­zog Leopold Salvator durch die Lieferung von Trocken­gemüse an das Militär, und zwar zu Preisen, die über den Großhandelspreis über ein Drittel oder das Doppelte hinausgtngen, einen Gelvinn von 20 Mill. Kronen erzielt hat. Ter Erzherzog war bei die en Liefe­rungen lediglich Zwischenhändler.

Französische Phantasie-Schäden Der von der französischen Kammer mit Mehrheit gutgeheißene Bericht des Staatshaushaltsansschusses über die in Frankreich verursachten Kriegsschäden enthält durch­aus unkontrollierte Angaben, deren starte Anfechtbar­kett namentlich die Ziffer 20 Milliarden für 20 000 zc .äörte Privatbanlichkeiten beweist. Die Schäden an öfjcntltchen Bauten lverden überdies mit 10 AttUiardell beziffert, die französischen Hauseinrichtungsschäden mit 5 Milliarden. Tank solchen Bewertungen gelangte der Ar>-schuß zur Gesamtzisfer 65 Milliarden.

Tie Opposition gegen Elemeneeau wächst. Die

. Lyoner Presse meldet aus Paris, die Opposition gegen , Clemeneeau betrage nach den letzten Abstimmungen j 255 Stinimen. Darunter befanden sich 80 weiße Zettel. Aber unter der Regiernngsmajorrtät seien mindestens 10 Prozent bereit, die Opposition bei nächster Gelegen­heit zu verstärken. Man propagiere für ein Kabinett Briand, Leon Bourgeois, Thomas.

Hält Wilson am Völkerbünde fest'? WilsonS Pariser Sekretariat protestiert öffentlich gegen die In­trigen eines Teiles der amerikanischen Presse, die den { Plan eines Völkerbundes Umstürzen und durch eine Art Rückoersicherungsgesellschaft der Entente ersetzen wolle. ? Wilson halte an seinem Plan unbedingt fest.

--- Weihnachtsgruß. Das Christfest grüßt uns, ver. eint sind wir in Millionen deutscher Familien zur schö­nen Feier. Freilich ist es noch kein fröhliches und se- - liges Fest, wie wir es aus der Friedenszeit kannten, der Ruf:Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Acenschen ein Wohlgefallen", kann s noch nicht wieder tu voller Klarheit erschallen und mit ' ganzer Kraft wirken. Auch der Weihnachtsbaum wird nicht so festlich erstrahlen, »nancher Wunsch lvird nicht \ erfüllt werden können, wie der größte deutsche Wunsch nach einen! Rechts- und Versöhnungsfrieden ein Traum geblieben ist. Aber was heute nicht ist, noch nicht ist, das wird in Zukunft wieder lverden, denn wir sehen in nuferer Mitte alle die Taufende, die heiinkehren durf­ten aus den Schrecken des Krieges in den Schoß der ! deutschen Familie, in den Frieden des deutschen Hauses, dessen Schutz und Schirm sie so lange gewesen waren. Und diese Männer, die nie verzagten, werden auch nicht verzagen, wenn es gilt, nun des Vaterlandes Wieder­aufbau zu erringen. Jung-Deutschland, dem die Weih­nachtsfeier gilt, schaut in die Äugen der Krieger, es empfindet, daß jetzt andere Tage kommen, als es die der verflossenen 53 Monate waren. Jetzt heißt es ausharren und Gehorsam zeigen, denn die treue Pflicht­erfüllung löst manche Ungebundenheit ab, die nicht dauern konnte.

Mit Paketen und Packen war alle Tage ein Wan­dern in den Straßen, der gute Wille und die Freude über das Wiedersehen ersetzten viel von dem, was außerhalb der Grenzen der Möglichkeit in Schranken lag. Verschiedene Berkaufserleichterungen bei den Be­zugsscheinen und einige Preisermäßigungen waren ge­rade recht gekommen zum Fest. Der Festvesuch ist durch die Eisendahnverhältnisse beschränkt, aber doch nicht ganz ausgeblieben, viele auch nicht entlassene Feld­graue haben Urlaub. Und täuscht nicht alles, wird auch die Weihnachtsfeier wieder eine größere BerlobungS- feier fein.

Kurz find die Festtage, aber sie sind rechte Feier- tage, und wir können sie alle gebrauchen. Nach ihnen kommt wieder eine Zeit, die alle unsere Kräfte er­fordert. Daß Weihnachten uns diese Sammlung be­scheren wird, ist unser Wunsch.

= Tie Feiertage sind eine gute Zeit, um im Kreise der Familie die Zukunft unserer jungen Leute reiflich zu überlegen. Viele junge Burschen und Mädchen haben bei hohem Gelegenheitsverdienst, der nicht dauernd an- halten kann, wenig an kommende Tage gedacht und werden sich jetzt über einen Lebenslauf klar werden müssen. Auch für die Kinder, die zu Ostern die Schule verlassen sollen, müssen Bestinnnungen getroffen wer­den. Wir hoffen alle, daß wir bald wieder normale Verhältnisse und dann auch reichliche Arbeitsgelegen­heit haben werden. Darüber aber kann kein Zweifel sein, daß jeder tüchtig etwas lernen muß. Die Ar­beitstechnik hat in der ganzen Welt während des Krieges gewaltige Fortschritte gemacht, so daß niemand an ihnen Vorbeigehen kann. Nur mit tüchtigen Leistungen ist Brot zu verdienen.

--- Tcr Mangel an Maschinen aller Art ist groß,

und die Preise sind dementsprechend. Auch die Re­paraturen stehen schon hoch im Preise. Es ist selbst­verständlich, daß dadurch die Warenherstellung ver­teuert wird. Am größten ist der Bedarf an Lokomotiven aus der Eisenbahn, die durch die oft übermäßigen An­strengungen sehr strapaziert worden sind und heute schon vielfach geschont werden müssen, so daß ihnen für den Fahrdienst nicht die gewöhnlichen Leistungen zu- gemutet werden können. Noch größer wird der Mangel durch die im Wafsenstillstandsvertrag vorgeschriebene Abgabe von 5000 Lokomotiven und 15 000 Eisenbahn­wagen an die Entente. Wir ersehen daraus, daß auch nach der Beendigung des 5^eimtransportes unserer Feld­grauen wir im Eisenbahnverkehr noch keine großen Sprünge machen können, sondern uns gedulden müssen. Alle Schwierigkeiten ins Auge gefaßt, ist es noch viel, was geschafft worden ist.

-- Ziusabschnittc, Koupons, sind bei den Kriegs­anleihen bekanntlich als gesetzliches Zahlungsmittel in der Weise erklärt, daß die am 1. Januar fälligen Ab­schnitte schon seit Dezember überall gelten. Diese Be­stimmung gilt aber nicht für alle Koupons schlechthin. Solche, die später fällig werden, oder von anderen Wertpapieren herrühren, brauchen noch nicht im Ge­schäftsverkehr angenommen werden. Prinzipiell waren die Koupons kein gesetzliches Zahlungsmittel und sind erst jetzt für diejenigen vom 1. Januar 1919 dazu er­klärt worden.

* Tie Bewegungen der Truppen gehen wei­ter planmäßig vor sich. Nach dem Stande vom 18. Dezeinber abends befinden sich an der Westfront noch 123 Divisionen, von denen 57 im Abtransport 50 aus dem Aiarsche in die Demobilisattonsorte sich befinden und 16 geschlossene Divisionen sind.

Osten: Der Feind (die Sowjettruppen) hat Walk besetzt und ist wenige Kilometer darüber hinaus ge­folgt. Die noch in Gegend von Dorpat verbliebenen Truppenteile sind auf dem Marsche nach Reval, von wo sie zu Schiff abbesördert werden. In 9tiga ist ein englischer TorPedobootSzerstörer etngelaufen. Die Vcäumung des Brückenkopfes bei Molodetschno ist be­endet. Die Stadt Molodetschno ist geräumt.

Tie Zahl der Arbeitslosen in Groß-Berlin be­trägt für Berlin 65 000, Eharlottenburg 2500, Neu-

rsrrn 18 500, Schöneverg 1500, Wilmersdorf 1400, Lichtenberg 5800. Neben diesem Arbeiterüberflutz herrscht in anderen Gegenden, besonders auf dem Lande, großer Mangel an Arbeitskräften. Dabei stammt die große Mehrzahl der in der Großstadt Beschäftigten vom Lande und könnte dort ohne Schwierigkeit unterge­bracht werden, aber die Regierung will keinen Zwang anwenden. Halbheit überall!

** Ter Solvatenrat verleiht einen Ehrcndegeu.

Der Soldatenrat in Quedlinburg beschloß, dem dor­tigen Garnisonältesten General Wittje als Ersatz für den ihm bei Ausbruch der Revolution von fremden Soldaten genommenen Degen einen stets zu tragenden Ehrendegen zum Dank für die der Oefsentlichkeit in dieser schweren Zeit geleisteten Diensts zu überreichen.

Verbrechen oder dummer Witz? Seit dem 4. De­zember wird der 22 Jahre alte Luftschisfer Georg Krenkel von der Lustschiskerersatzabteilung 1 in Rei­nickendorf vermißt. Krenke, der kurz vorher aus dem Felde gekommen war, verließ an dem genannten Tage seine Dienststelle. Einige Tage nach seinem Verschwinden lies in dieser Dienststelle ein ln Brief­form gefaltetes, unfrankiertes Blatt Papier ein, auf dessen Rückseite ein Vermerk angebracht war, in dem der Finder gebeten wird, den Brief durch die Post weiter zu befördern. In dem Briefe teilt Krenkel mit, er werde im dritten Stock eines Hauses in der Motzstraße in Berlin die Hausnummer sei ihm unbekannt von einem seiner ehemaligen Vorgesetz­ten, dem Unteroffizier B., gefangen gehalten. Seine Hilferufe seien bisher erfolglos geblieben. Der Brisf ist am 4. 12. nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr auf dem Postamt Südwest 11 ausgegeben worden. Unter­offizier B. bestreitet, mit der Sache etwas zu tmr zu haben und über den Verbleib des Krenkel etwas zu wissen.

* Ter Soldatenrat auf der Kirchcnkontrolle. In

einem Pfarrdorf R. bei Hechingen in Hohenzollern er­schienen nach der Sonntagspredigt zwei Mitglieder des Soldatenrates bei dem Pfarrer, um ihn zur Rede zu stellen. Er sollte ein Schriftstück unterzeichnen, in dem es hieß:Ich will ein liebevoller Seelsorger, sein und meine Untergebenen nicht bevormunden. Ich will nicht an die Kleidung der Jungfrauen hinschwätzen. Ich will die Bildung einer anderen politischen Partei nicht verhindern. Ich will praktische Kulturarbeit leisten." Noch einiges andere sollte der besagte Pfarr- herr dem Soldatenrat geloben. Ein Erfolg war ihnen nicht beschieden, dafür aber eine nachdrückliche Beleh­rung, daß der Pfarrer sich solche Bevormundung ent­schieden verbitte.

* Tcrknnstliebcude" A.° und S.-Rat. Aus dem

Eisenacher Schloß hat der Arbeiter- und Soldatenrat eine Reihe von Möbeln, aus der Rokkoko-Epoche um 1720 stammend, die früher einen Hauptanziehungs­punkt für künstlerisch oder historisch Interessierte aus­machten, zu täglichem Gebrauch an sich genommen.

* Revolutionskosten. In der Düsseldorfer Stadt- verordneten-Versammlung wurde mitgeteilt, daß die Nebenregierung des Arbeiterrates des Stadt bis jetzt 250 000 Mark gekostet hat. Eingeschlossen sind die Kosten für ein Freiwilligen-Regiment.

BreSlau. Verbrannt ist ein geistesschwaches Mädchen, das mit den Kleidern dem heißen Ofen zu nahe ge­kommen war.

Iauer. Tödliche Verletzungen zog fick beim Auf­hängen von Wäsche eine Frau zu, die versehentlich durch ein aiS Lichtschachi dienenoes Bodenfenster stürzte.

Waldenburg. Als der Bahnbeamtc Mattee nach WüstewalterSdorf fuhr, wurde das Pferd wild. Schließlich ging der Wagen in Trümmer. Der am Boden liegend« M. wurde von dem wütenden Pferde totgetreten.

SerichLicheS.

(D Ter mit Erschießen bedrohte Chef. Eine terro­ristische Ausschreitung gegen einen unbescholtenen Kauf­mann hatte ein Nachspiel vor dem Berliner Kauf­mannsgericht. Der Lagerist Eppstein war mit seinem Prinzipal, dem Kaufmann Jacob Rothstein, wegen des Gehaltes in Differenzen geraten. Die Frau des Klägers lief nun zum Polizeipräsidium, schilderte dort den Prin­zipal als einen Ausbund von Schlechtigkeit und erreichte auch, daß ihr ein Soldat der Sicherheitswehrzur Durchführung der Exekutive" mitgegeben wurde. Das Ehepaar drang dann mit dem Soldaten in die Pri­vatwohnung des Ehess ein, in welche dieser eben erst eingezogen war. Nachdem auf die Kolbenstöße des Sol­daten R. geöffnet hatte, mußte er sich, durch die Waffe ständig in Schach gehalten, einem um so peinlicheren Verhör unterwerfen, als die neuen Hausnachbarn, durch den Lärm angelockt, auf der Trepve den Hergang ver­folgten.Warum zahlen Sie den Mann nicht?" herrschte der Soldat den Prinzipal an, und als dieser etwas einwenden ioollte und eine ganz harinlose Be­wegung zur Tasche machte, rte» der Soldat:Was

machen Sie da für eure Bewegung? Sofort stehen Sie 1 ÜU, oder ich schieße!"

Dann kommandierte der StcherheitsrnannVor­wärts marsch", und unter dem Hohngelächter der an­gesammelten Alenge mußte R., hinter ihm der Soldat mit dem Seitengewehr und die E.'scheu Eheleute, den Weg zum Polizeipräsidium antreteu. Wie der solcher­maßen Üdelbehandelte Kaufmann weiter schilderte, fand sich eine ganze Weile niemand im Polizeipräsidium der sich für diesenFall" für zuständig erklärte, erst nach einer ganzen Zeit nahm sich ein Über die gesetz­lichen Bestimmungen informierter Beamter seiner Sache an. Er erkannte nach Anhören der Sache sofort, daß es sich um einen bürgerlichen Rechtsstreit handelte, und daß durch den Mißgriff einer unverantwortlich handelnden Person dem Kaufmann übel mitgespielt lvorden war R. wurde sofort sreigelassen. Außerhalb des Polizeipräsidiums zahlte er dann der Frau des Lageristen das Rovemdergehalt in Höhe von 300 Mark, ivorauf diese die schriftliche Erklärung abgab, daß R. einEhrenmann" sei, und sie nichts gegen ihn zu unternehmen gedächten.

Angesichts dieses Sachverhalts wagte es der La­gerist noch, eine gerichtliche Entscheidung über die Frage der Berechtigung der sofortigen Entlassung herbei zuführen. Seine Klage wurde, wie nicht anders zu erwarten war, angewiesen.