Ausgabe 
28.12.1918
 
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(Neueste Nachrichten)

vezugspreis 80 pfg. monatlich

vierteljährlich 2,40Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Ab geholt in unserer Expedition oder in den Ziveig auSgabesiellen vierteljährlich 1,80 Mk. Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. NrdatliorSschluh früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rücksen­dung n ich t verlangterManusLriplc wird nicht garantiert. Truck der GLcßeuer BerlagSdruckercl, Alb::« LUciu.

118, Telephon Nr. 862.

Samstag- den 28. Dezember 1918.

(Gießeiree TageLlart)

Anzeigenpreis 24 psa.

üle 4-1 .0 in breite P e t i 1 z e l l e, für Auswärts 86 Pfg. Die l--'. mm brelu- Ä e L! a m e - Z e i le ICO Pfennig. Extrabeilage n iverden nach Gewicht und Grüfte berechnet. Rabatt kon.'nn bei Ueberschreilung desZahlungL^ 'teles (80 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei .ifrukurv in ÄZrgsall. Platzvorschriften ohneBerbindtichkeit. »Verlag brrGießeuer Zeitung^, Gießen.

31. Jührg

Der Achtstunden ubeitslag.

Man schreibt uns aus Handwerkerkreisen:

Die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit am Tag wird, wenn nicht rechtzeitig gesetzliche Maßnahmen ge­schaffen werden, vielen selbständigen Handwerkern die Gefohr bringen, daß Fabrikarbeiter nach Beendigung der achtstündigen Normalarbeit privatim Facharbeiten als Schlosser, Schreiner, Weißbinder, Schneider und dergl. mehr ausführen, die Preise unterbieten und so dem Hand­werker empfindlich ins Zeug pfuschen. Dom Standpunkt des Arbeiters kann dagegen nichts gesagt werden. Er hat ein Recht darauf, seine Kenntnisse vorteilhaft zu ver­werten. Hat er Rechte, hat er aber auch Pflichten. Arbeitet er selbständig, so muß er Steuern zahlen und muß, da er doch doppelt verdient, gegenüber den Hand­werkern um ein vielfaches befteucrt werden. Hierauf sollten alle Handwerker achten.

Die Fabriken werden in Zukunft wohl noch mehr Spezialartikel anjertigen als früher, sie werden das Be­streben haben, möglichst menschliche Arbeitskraft zu sparen, werden deshalb Spezialarbeiten an Handwerker vergeben. Hierdurch bietet sich dem Handwerker eine lohnende Be­schäftigung. Es wäre daher eine Aufgabe der Gewerbe- und Fabrikantenvereine dieser Frage näherzutreten.

Oie Erteil der Nationalversammlung.

11 bcc einige Fragen, die die Naiionaivrcsammlung ang-l) n, lu'stehtN in de- Otff-.ntlichk-.lt noch Zweifel. Die Redoktion bet ncugegiündtcken Wochen schuft.Dos demokratische Deutschland" wcndtt sich an den Geheimen Ober-Regierungsrat Schulze im Ne-chsomt des Innern um Auskunft, der folgende Interessante Mitteilungen mochte: Lvraussichttich w rb die Narionalve-sammluag nichtnur 4 Wochen, wie vitlfach angcommen wird, son­dern mindestens 8 Wochen zusammcnbl-iben müssen. Di. Frage, wo die Uarionaivcesammlttttg znsam- merrtreterr wird, ist im poUrsichen Kabinet noch nicht erörtert worden. EL ist durchaus nicht sicher, daß Berlin als Tagungsort bestimmt wird. ES haben sich mehrere Otte geweidet, so Frankfurt a. M, Leipzig, Bayreuth, Bamberg, Kassel, Erfruct, Wei­mar, Nürnberg, und Würzburg. Es ist auch möglich dcrß^die Nationalversammlung in einer Kirche oder einem Schlosse ftattfünbel. Man rcdjrnt mit einer Beteiligung von etwa 23000 Personen. Die Festste! lung des Wahlwgebn'sseL wird na-ürUch diesmal schwie­riger sein. Die amtliche Feststellung kann erst nach 6 Tagen erfolgen. Es wird aber möglich sein, ein vor­läufiges Ergebnis schon am Mittwoch nach den Wahlen zu veröffentlichen.

Was die Wahlen in Elsaß-Lothringen angeht, so sicht fest, daß Elsaß Lothringen zunächst noch zum Reiche gehüit und daß es nicht ohne weiteres pceisge- geben wird. Ob cs technisch möglich sein wird, in Elsaß-Lothringen Wahlen abzuhalten, scheint allerdings zweifelhast, da sine Verbindung nicht vorhanden ist. Es ist also tatsächlich anzunehmen, daß in Elsaß- Lothringcn nicht gewählt werden kann, ebenso unmög­lich ist es in den Kolonien. In den besetzten Ge­bieten und der neutralen Zone werden die Wahlen ohne weiteres borgenommen werden können. Auch 1870 71 wurde in den von den Deutschen be schien LandesteUen Frankreichs Zur Nationalversammlung ; gewählt.

Republik 0ro$$fteffen Freistaat Hellen.

Die Kurhessen wollen vom preußischen Staat los. Sie können 1866 nicht vergessen, wollen einen besonderen Freistaat Hessen bilden und dafür tritt in einer Flugschrift ein Herr Fritz Schuck in drastischer Weise ein. Sie ist vor Voreingenommenheit vom Haß gegen Preußen er­füllt, das an allem Unheil schuld sein soll. Sachlicher hat ein Universitätsprofessor zu Gießen die Frage einer Re­publik Hessen erörtert. Beiden aber sei Folgendes ent­gegen gehalten. Wenn ganz Deutschland eine einzige Republik ist, bringt es nur Schaden, außerdem noch einzelne Republiken zu schaffen mit besonderer Regierung. Man kommt daniit nur aus dem Regen in die Traufe, 1 der großen Republik müssen alle seitherigen Staaten aufgehen, die Bezeichnungen Preußen, Bayern, Hessen lm alten Sinne der Worte fallen weg, die Namen als Provinzen der Republik, die man nach örtlichen und stammverwandten Grenzen festsetzen kann, mögen aber bestehen bleiben. Allen, die sich aber mit diesen Fragen beschäftigen, sei gesagt, daß uns nicht niehr und nicht weniger droht als die soziale Republik, die soziale

Demokratie. Welche Folgen damit für Deutschland ver­bunden sind, diese zu schildern, muß jetzt jeden Bater- landfrcundes erste Aufgabe sein.

Separatistische Bestrebungen irr Gberschlesreu.

Breslau, 21. Dez. Die oberfchlefische Ientrums- preffe enthält in ihrer Auflage vom 18. Dezember eine übereinstimmend lautende Erklärung, die zur Bildung einer unabhängigen Republik Oberschlesien unter der Garantie Deutschlands, Polens und des Tschechenstaates auffordert. Hierzu teilt das polnische Kattowitzer Blatt Gazeta Ludowa" vom 20. Dezember mit, daß die An­hänger dieser Idee bereits drei Abgesandte nach Prag geschickt hätten, um dort mit Masaryk zu verhandeln. Dieser hat erklärt, daß die Tschechen Anspruch auf Teile von Oberschlesien machten, aber einer Republik Ober­schlesien sympathisch gegenüber ständen. Alles hänge von der Entente ab. Er sandte einen Kurier nach Paris, um über diese Frage Bescheid zu erhalten

K!as gekl im Rheinland vor?

Seit einigen Tagen ist das linksrheinische Gebiet vom übrigen Deutschland abgeschlossen. Was geht vor? Von unterrichteter Seite hören wir, daß die Entente sich im Rheinland das Aufmarschgebiet für den Ein- marsch ins Deutsche Reich schaffe. Die Notschreie der linksrheinischen Presse nach baldigster Einberufung der Nationalversammlung sprechen eine deutliche Sprache. Die Zensur der Feinde verhindern nähere Mitteilungen.

Berlin, 21. Dez. In einer Zuschrift, die derVor­wärts" aus Köln erhalten hat, findet sich folgende be­merkenswerte Fassung: Sehr gut unterrichtete Männer verbreiten unter Nennung ihrer ernst zu nehmenden Ge­währsmänner die Behauptung, daß zwischen England und Frankreich ein Abkommen über die Augliederung des linksrheinischen Ufers an Frankreich getroffen oder doch so gut wie getätigt sei. Aachen und Malmedy sollen an Frankreich fallen.

8Ie deuiKhnaiionale UolKspami

In Berlin fand am Montag die erste Kundgebung der neugegründtlcn Deutschnatwnall n Bolkspcuckei statt. Aus den Auösühn-ngcn dcs Haupt:tferentev, des frü­heren Abgcordret.n v Kardorff, seien folgende Sätze erwähnt:

Wir werden mit jeder Regierung arbeiten, die uns Ruhe bei uns versäofft. Damit verleugnen wir aber durchaus n cht unser Bckcrivtiiis zum monarchischen Prinzip. Wir haben Elschülterndcs erlebt,aber wir stellen das Pnuzip über die Person. Wir vergessen auch in diesen dunklen Tagen niät, was die Hohenzollern für unser Land und Volk gelest.t haben. Wie werden den Frieden dcs Landes nicht stören; oblr wir geben die Hoffnung nicht aus daß die Mehrheit des deutschen Volkes j sich zum monarchischen Pr'nzip erklärt. Die Revolution bez.ichnete dann Herr v. Kardorff als das größte Ver­brechen, das am deutschen Volke begangen werden konnte.

Hm dem Web

* Braunschweig, 23. Dez. (W. B.) Nach den bis zum Mittag vorliegenden Zahlen entfallen bei den Wahlen zur braunschweigischen Landesversammlung 39 600 Stiinmen auf die demokratische Bolkspartei, 48 000 auf die Mehrheitsfoziatisten, 46 000 auf den Landeswahlver­band (Kons. und Zentrum), 43 600 auf die unabhängigen Sozialdemokraten. Das Ergebnis von über hundert Orten steht noch aus.

65 Milliarden Tranes.

Bern, 20. Dez. Im Namen des Budgetausschusses der französsichen Kammer erklärte gestern Dubois, daß sich die Kriegsschäden in Frankreich an Gebäuden Grund und Boden, Mobilar, Maschinen und Straßen insgesamt auf 65 Milliarden Fr. belaufen, ungerechnet die Schäden an historischen Bauten und die dem Handel durch Stillegung der Betriebe zugefügt wurden.

vemscbes CoKonioüvperfonai für die kmenie!

Die Bedingung dcs Waffenfttllstandsycrttagcs, daß die abzugebendcn Lokomvuvr-n mit Personal besetzt sein müssen, stellt die deutschen Lokomotivführer und Heizer vor die große Aufgabe, entscheidend bei der Durchsuh uuiß der Bedingungen und damit bet der Vorbereitung dcs Friedens für aas deutsche Volk mitzuwicken. Tausende von Beamten werden Mitwirken muffen. Die Entente

verlangte, daß das deutsche Personal nicht nur im frü­heren besetzten Gebiet, sondern auch darüber hmausDienft tun soll, mit der Beschränkung, daß die Linie Dijon- Paris Le Havre im allgemeinen nicht überschritten werden soll. Die Interessen der Bediensteten werden durch die deutschen Vertreter bi den in Frage kommen­den stanzösischen Bahrrgcsellschafttn gewahrt. Sicher­heit sür Leib und Leben ist bestimmt zugesagt; die bel­gische und französische Bevölkerung ist durch Tageszei­tungen und durch Hausauschläge auf die U.aritastbarkeit der deutschen Eisenbahner htngrwiescu. Der Bickel- und Po kct verkehr ist gestattet. Die Bcdiei.stcttn erhalten glliche Armbinden wie die französischen Angestellten und die nötigen Ausweise. Tie Gebühren sind vom 23. Dczenibcr ab über die Sätze hinaus erhöht, die kürzlich zum Teil unrichtig angegeben wurden. Die Bediensteten crhaittn ihren Heimatglhalt weiter bezahlt, fern r ein- heitlich für Führer und Heizer ein MobllmachungSgcld von 300 Maik soweit sie nicht schon früher ein solches erhalten hab-n, 30 Mark Vcipflcgungsgcld oder freie Verpflegung und Tagcszulage, 15 Mark Verpflegungs- geld oder freie Verpflegung und freie Unterkunft. Der Dienst wird sich auf mehrere Wochen erstrecken.

Mz $m\ lmü

Militär Renten und Acer esbezüge für Hinter- Midsritc. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Militärrenten und die Heeresbezüge für Hinterbliebene sowie Zuschläge für den Monat Januar 1919 bereits am 28. und 30. Dezember beim Postamt gezahlt werden. Es ist unbedingt erforderlich, die beiden Tage zur Ab­hebung der Renten einzuhalten.

* Znrnckgefchjckte Franzosen. Mit schmettern­der Musik und unter stürmischen Freudenkundgebungen passierten am letzten Freitag Kriegsgefangene Franzosen in einem endlos langen Sonderzug den Südbahnhof in Frankfurt a. M., um nach 4 Jahren Gefangenschaft in Ostdeutschland in die Heimat zurückzukehren. Unter jäm­merlichem Fluchen, niedergedrückt und teilnahmslos gegen die Umgebung kamen dieselben Franzmänner am Sams­tag abermals durch den Südbahnhof. Die Reife ging wieder zurück ins Innere Deutschlands. An dem Ueber- gangsbahnhof in das besetzte Gebiet hatten die französi­schen Truppen ihren Landsleuten die Rückkehr bezw. Weiterreise in die Heimat auf höhere Anweisung ver­wehrt. - Auch nach dem Nachbarort Nied sind zahl­reiche Franzosen, die als Kriegsgefangene dort gearbeitet hatten, zurückgekehrt, weil sie an der Grenze zurückge­wiesen wurden.

Stadt theater.

Sonntag, ten 29. Dezember 1918, nachmittags 3V 2 Uh?.: als Kin der-Borstel lungDer kleine Gernegroß Weihnachtsmä ch n in drei BUdein und cincm Rahmenspiel von Franziska Becker. Musik von Bruno Hartl. Abens 7 1 / 2 Uhr: Die Rase von Stnm Mtl." Operette in 3 Akten von Julius Brannner und Alfred Gtünwald. Musik von Lev Fall.

Montag, den 30. Dezember I9i8, abends l l U Uhr: als Bocks-VorstellungDie Ränder" Trauerspiel in 5 Akten (eingerichtet in 11 Bildern) von Friedrich Schiller.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag nach Weihnachten,

29. Dezember:

Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Vormittags 9 1 / 2 Uhr: Pfarrer Mahr. Nachm. 5 Uhr: Pfarrasststent Schäfer. In der Jvhan n es kirche fällt der Gottesdienst

aus.

Silvester, 31. Dezember:

In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Professor D. Schtan.

In der Johanueskirch'. Abcnds 8 Uhr: Pfar­rer Ausfeld.

Neujahr 1919, 1. Januar:

In der Stadtkirche. Vormittags 9 2 / 2 Uhc: Pfarrcr Mahr Nachmittags 5 Uhc: Pfarrassistent Schäler.

In der Johannesktrche. Vormittags 9 1 /* Uhr: Pfarrer Bcchtolsheimer. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Verantwortlich: Alb in Klein, Gießen.